Wenn das Hobby Bloggen zum Beruf wird. Ein Interview mit Sabrina von Mamahoch2

Es gibt manchmal Blogs, da fragt man sich - sind die eigentlich durch die Decke geschossen? So ging es mir mit Mamahoch2 - ich kannte sie vor einigen Jahren schon, und so schnell konnte man kaum schauen, da wurden sie ein richtiges Unternehmen. Sabrina und Bianca zeigen Schnittmuster und viele andere DIY Ideen und erzählen auch von ihrem Mama Alltag. Ein interessantes Interview zu dieser Entwicklung hat mir Sabrina gegeben und auch, wie es so hinter den Kulissen abläuft - denn das Team ist mittlerweile ganz schön gewachsen...

 
 
 
 
 

Liebe Sabrina, danke dass ich dich interviewen darf. Ich kenne euren Blog schon seit Jahren und bin echt beeindruckt, wie ihr euch entwickelt habt. Mit welcher Idee seid ihr denn am Anfang gestartet und wie groß ist der Blog jetzt?

Ursprünglich wollten wir mithilfe einer Internetseite einfach unsere Gedanken irgendwo niederschreiben, um auf Gleichgesinnte zu treffen. Zudem stand die Intention im Raum anderen Mamas zu zeigen, wie einfach man zu Hause mit und für das Kind kreativ sein kann. Dass wir heute dort stehen, wo wir jetzt sind, haben wir nicht ansatzweise geahnt.
 
In Worte oder Zahlen zu fassen, wie groß unser Blog heute ist, ist schwierig. Es ist für uns (so ehrlich sind wir jetzt mal) kaum vorstellbar und doch sind es – und das sollte man nicht vergessen – alles nur Zahlen: Wir haben an Spitzentagen mehr als 50.000 Seitenaufrufe, bei Facebook mehr als 36.000 Follower und freuen uns auch bei Pinterest und Insta über stetiges Wachstum.
 

 

Wie aufwendig ist denn so ein DIY Blog? Wie oft postet ihr, welche Arbeit steckt da noch alles im Hintergrund?

Hier stellt sich spontan im Hinterkopf die Frage: nett oder ehrlich? Nett wäre es nun zu schreiben, dass es nebenbei läuft und unseren Alltag kaum beeinträchtigt. Wenn wir aber ehrlich sind, dann ist der Aufwand inzwischen enorm. Wir posten 5 Tage die Woche und auch wenn beim Leser oft nur dieser Part nach außen dringt, so läuft im Hintergrund zeitgleich eine ganze Menge. Das ist auch der Grund, warum wir 2 Mädels im Team haben, die uns bei den Beiträgen unterstützen. Ab Februar wird zudem noch eine „Back-Office-Fee“ ins Team hüpfen, die vor allem im Hintergrund uns ein wenig den Rücken freihält.
 
Neben den generellen Beträgen, die zu erstellen sind, gehören im Hintergrund zu den Aufgaben: Korrespondenz mit Lesern und Kunden, Erstellen des Social Media Plans und Redaktionsplans (ab mehr als 1 Blogger klappt es einfach besser, wenn jeder seine Aufgaben und Deadlines kennt), Teamabsprachen, Buchhaltung, Verfassen von Angeboten, Telefongespräche, Planung von Freebies und Give Aways oder Gewinnspielen, Fotografieren, sich selbst weiterbilden, Betreuung und Bedienen der Sozialen Plattformen (Facebook, Insta, Pinterest), ständige Optimierungen der Seite selbst oder auch unserer eigenen Arbeit, Recherchen, Verhandlungen, Planen von Aktionen, Überwachung von Zahlungseingängen, Personalabrechnung, Verträge anfertigen, Meetings, Erarbeiten von Branding usw…
 
 

Wie sieht denn dein Alltag aus? Immerhin hast du ja noch einen normalen Job, deine Familie und bist schwanger – wie schaffst du das alles? Und was machst du mit dem Blog oder deinem Kind, wenn du mal eine Weile ausfällst?

Hier heißt es ganz klar (und das musste ich erst lernen) feste Zeiten setzen und Prioritäten. Dem normalen Job gehe ich aus Sicherheitsgründen 20 h / Woche nach und damit im reduzierten Umfang. Den Blog betreibe ich dann in der restlichen Zeit (ca. 20 h / Woche). Das geht aber nur, weil ich nicht alleine bin. Damit ist es auch möglich, dass der PC aus ist, wenn die Kinder von der Kita zu Hause sind und ich mich voll und ganz den Bedürfnissen der Rabauken widmen kann. Auch die Zeit, wenn das Baby da ist, wurde bedacht. Ich arbeite jetzt schon Beiträge vor, sodass ich ab Geburt einen Gang runterschalten kann – ganz ohne schlechtes Gewissen. Wie oben schon erwähnt, wird dann auch eine zusätzliche Mitarbeiterin ins Team einsteigen und dort einige Aufgaben abfangen. Kurz gefasst kann man also sagen: Alleine schafft man das nicht. Es geht nur durch Mitarbeiter und Geschäftspartner.
 
 
 
 

Eine Frage, die sich bestimmt alle Blogger stellen: was ist euer Geheimrezept, wie wurdet ihr so groß? Hast du bestimmte Strategien oder Tipps parat?

Ich schmeiße hier die für uns wichtigsten Schlagworte in die Runde, denn diese auszuführen, würde den Rahmen sprengen. ABER, wer genau wissen will, was es für uns damit auf sich hat, dem empfehle ich diesen Beitrag.
 
Unsere „Geheimzutaten“, um sie kurz aufzuzählen: USP (Alleinstellungsmerkmal), Mehrwert, Nachhaltigkeit, Zielgruppe kennen, Suchmaschinenoptimierung, Keywörter, Echtheit, authentisch sein, bei Kooperationen auch mal nein sagen können, einen roten Faden haben, Branding entwickeln, Investitionsbereitschaft, Organisation, Arbeitsteilung, Ehrlichkeit, Verlass, Leidenschaft, Durchhaltevermögen, Regelmäßigkeit, die Bereitschaft sich weiterzuentwickeln, ansprechende, gute Fotos, Liebe zum Bloggen und auch etwas Glück
 
 

Das Mamahoch2 Team ist mittlerweile ganz schön groß geworden, ihr sucht sogar nach einer Bürohilfe. Wie sieht denn da die Arbeit hinter den Kulissen aus? Wie strukturiert ihr all diese Menschen? Und wie fühlt es sich an, wenn die Arbeit am Blog so groß wird?

Wir nutzen verschiedene Onlinetools zur besseren Planung. Bei uns ist wirklich Organisation das A und O. Wir legen für jeden Mitarbeiter Aufgaben fest, setzen Termine, schreiben Anleitungen zu neuen Programmen oder Features auf dem Blog. Wir halten regen Kontakt miteinander und erwarten ebenso Feedback. Dank Internet ist die Arbeit auch mit mehreren Kilometern Entfernung heute kein Problem mehr. Es gibt natürlich Tage, da ist unsere eigene To-Do-Liste so lang, dass man erst einmal schreiend im Kreis laufen könnte, aber nach kurzem Fangen und Sortieren und Prioritäten setzen, geht es wieder weiter. Fakt ist jedoch, dass wir ohne unsere festen To-Dos und Aufgabeneinteilung mittlerweile im Chaos versinken würden.
 
 

In deinem Beitrag über euer 3jähriges Bestehen schreibst du über den Umgang mit negativer Kritik und Stänkerern. Was habt ihr da so erleben müssen und wie hat sich das jetzt verändert?

Stänkerer gibt es seit Beginn an und da hat sich auch nicht wirklich etwas geändert, außer, dass wir gelernt haben anders damit umzugehen. Wir wurden bspw. schon häufig unter der Gürtellinie angegriffen. Gerade bei persönlichen Beiträgen läuft man Gefahr, sich verletzbar zu machen. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich bei Spiegel einen Gastbeitrag darüber veröffentlicht hatte, dass es mir die ersten Tage schwer fiel Muttergefühle für meinen Großen zu entwickeln. Damals wurden Sachen geschrieben à la „Man müsste dir die Kinder wegnehmen“. Sowas ist hart. Genauso gibt es aber auch unter Bloggern viel Missgunst, weshalb wir uns da einfach an vielen Stellen bewusst vorab ausgeklingt haben.
 
Wir haben etwas Wichtiges gelernt: Man muss uns nicht mögen und es ist okay, wenn wir einfach mal nichts dazu sagen und manchmal ist es das Beste Kommentare zu löschen. Es raubt Zeit und Nerven, über Themen zu diskutieren, die es nicht wert sind, und gerade bei Facebook schwappt die Stimmung dann schnell ins Negative um. Für uns ist also keine Antwort inzwischen auch eine Antwort. Zudem haben wir aufgehört nach links und rechts zu schauen, was andere Blogger machen oder uns zu rechtfertigen für unsere Entscheidungen und Schritte.

 

 
 

Macht dir das Bloggen denn noch denselben Spaß den es zu Beginn gemacht hat? Oder hat sich das mit zunehmender Professionalisierung verändert? Wie wird es weitergehen bei Mamahoch2?

Ehrlich gesagt macht es sogar noch mehr Spaß, weil die Möglichkeiten einfach enorm gewachsen sind. Jetzt wird erstmal das Baby zu Welt kommen. Parallel sind wir gerade dabei unsere Social Media Plattformen professioneller zu gestalten. Sprich: auch hier kommen bald Tools zum Einsatz, die uns die Arbeit erleichtern und Vorplanen ermöglichen. Für den Blog wird es ein paar Freebies geben und wir haben uns vorgenommen für 2017 wieder neue Schnittmuster zu veröffentlichen. Großes Thema sind im Allgemeinen immer wieder Optimierungsprozesse, wie wir manche Arbeitsschritte noch kleiner halten können. Wir möchten 2017 nämlich vor allem eines: wieder mehr Blogger sein und weniger Bürokatiemensch.
 
 
 
Danke für das spannende Interview - und herzlichen Glückwunsch an der Stelle zur Geburt deiner kleinen Tochter!
 
 
Bildrechte alle Bilder: Mamahoch2
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