Blogger und Leser - von Feedback, Kritik und Missverständnissen

Manchmal macht Bloggen nicht wirklich Spaß. Wenn man einen Artikel schreibt, der dann von allen möglichen Seiten auseinander genommen wird. Wenn man das Gefühl hat, dass alles falsch verstanden wird, vielleicht auch absichtlich. Oder wenn man in den Social Media regelrecht zerrissen wird. Bei einigen geht das sogar zu Hassmails über. Was ist da passiert? Gedanken zu den Schattenseiten des Bloggens und der "Hassliebe" der Leser.
 
 
 

 

Als Blogger präsentiert man sich auf einer Bühne mit gesichtslosem Publikum

Viele, die nicht selbst bloggen, verstehen nicht, was das eigentlich bedeutet. Vor allem, wenn man ein paar mehr Leser hat, wird die Vorstellung selbst für den Blogger auf einer abstrakten Ebene schwierig. Was bedeuten eigentlich soundsoviele Klicks? Man stelle sich vor, man hätte zum Beispiel 1200 Besucher am Tag im Wohnzimmer. Krass oder? Ich kann mir das nicht ansatzweise vorstellen, ich wäre schon mit 40 überfordert. Oder mit 10. Oder 5 Fremden. Die dann in mein Wohnzimmer kommen und mir sagen, dass sie finden, ich hätte besser aufräumen sollen. Dass das aber ganz schön peinlich ist, wie ich meine Kinder erziehe. Oder dass sie meine Lampe ganz cool finden. Und die hätten auch Masken auf und wären völlig unangreifbar. Das kann hart sein, aber damit lernt man, klar zu kommen.
 
Was immer schwierig ist: wenn man für etwas gebashed wird, das man so gar nicht gemeint hat. Ich nehme mal mich als Beispiel. Ich habe mich nach vielen Monaten dazu entschieden, meine Tochter aus dem Kindergarten zu nehmen. Nicht, weil ich alle Kindergärten und Erzieher scheiße finde, sondern aus völlig subjektiven Gründen. Und jedes Mal, wenn ich das erwähne, fühlen sich ein paar Leser angegriffen und schreiben, dass Kindergärten voll wichtig zur Sozialisation wären, ohne die ginge es gar nicht. Wenn ich eine Meinung habe, denken manche automatisch, ich würde sie, die eine andere Meinung haben, damit schlecht machen. 

 

Kritik und Shitstorm sind nicht dasselbe

Wenn es denn nur kontruktive Kritik wäre. Wenn diese angegriffenen Leser mir das dann einfach nur als Frage schreiben würden. Oder als halbwegs sachlich formulierter Kommentar. "Ich denke, Kindergarten ist wichtig weil xy." Aber gerade in den Sozialen Medien, vor allem Facebook, wird daraus eine kleine Hexenjagd. Einer fängt an, viele jubeln hinterher. Da wird man auf einmal zu einem Antagonisten aufgeblasen, der man gar nicht sein möchte. Die alternative Mutter, die gegen jedes System kämpft und auch gleich alle anderen, die im Mainstream sind, an den Pranger stellt. (Dieses Beispiel habe ich jetzt übrigens gewählt, weil es nicht aktuell ist und weil es leichter nachzuvollziehen ist.)
 
Also, was ich verstehe, ist, dass man wegen irgendetwas persönlich getroffen ist und dazu Stellung nehmen möchte. Etwas, das ich auch gern in Anspruch nehme - und da ist das Bloggen wiederum geil, weil man andere erreichen kann. Aber man muss sich im Klaren darüber sein, dass hinter so einem Blogger ein Mensch steckt. Ein echter, realer Mensch. Der meist auch über sich und sein Umfeld schreibt.
 
Ein Journalist bei einem Magazin bekommt meist nicht mit, wie sein Artikel bei der Leserschaft ankommt. Print gibt es wenig Feedback, das kommt meist auch nicht beim Autoren an. Und online muss er die Kommentare ja nicht lesen. Der Blogger hingegen muss die Kommentare moderieren und im Bestfall auch beantworten. Er bekommt Emails, Privatnachrichten, Kommentare auf den Social Media.
 
Und ich würde mal sagen, die meisten Blogger sehen sich auch nicht als abgehobene Stars, an die nichts herankommt. Das sind Menschen wie du und ich. Menschen, die ihre Gedanken aller Welt zugänglich machen. Es ist ein Risiko, das man eingeht, weil man es gern macht. Weil es einem etwas bringt. In den meisten Fällen. Aber manchmal wird man echt mit Scheiße beworfen, und dann fragt man sich, wieso das alles. Und was die Leser dazu bewegt, sich so sportiv an einem abzureagieren. I don't get it. Wenn mich ein Blogger total ankotzt, dann entfolge ich und lese nicht mehr. Ich schreibe ihm keine Beleidigungen. 
 
 

Missverständnisse oder persönliche Triggerpunkte - wie geht man damit um?

Ich denke, es ist im Prinzip egal, worum es thematisch geht - es wird immer jemanden geben, der eine Meinung ganz furchtbar findet. Entweder, weil sie furchtbar ist oder weil sie etwas antriggert, eigene Problematiken oder Themen, über die man nicht hinweg ist. Aber die Frage ist eher, wie man damit umgeht.
 
Um im Beispiel zu bleiben - wenn ich mich als Mutter angegriffen fühle, weil eine andere darüber schreibt, dass sie sich dazu entschieden hat, ihr Kind nicht in den Kindergarten zu geben, dann kann ich mich fragen, woran das liegt. (Außer sie schreibt explizit, dass alle anderen Kinder egal in welchem Kontext niemals in den Kindergarten gehen sollten - aber das habe ich ja nun nicht getan.) Und selbst wenn ich mich das nicht fragen möchte, wieso mich das dann so ärgert, dann kann ich zumindest meine Kritik nicht als Beleidigung formulieren. Sondern vielleicht fragen, wie es gemeint ist. Oder die eigene Position neutral formulieren. 
 
 
Eingangs sprach ich von "Hassliebe". Das ist natürlich ein starkes Wort. Vielleicht zu stark, hängt mich nicht daran auf. Aber die Kernaussage stimmt. Es gibt viele, die Blogs nur lesen, weil sie wissen wollen, wie es weiter geht, ähnlich wie bei einem Autounfall. (Ohne Witz, das wurde mir mal so geschrieben.) Mehr Menschlichkeit im Umgang miteinander, das wäre schön. Gerade in den Social Media.
 
Love & Peace,
eure Frida
Diary #endlichzuckerfrei: Schwierigkeiten auf Reis...
(Anzeige) So schön kann Hilfe sein. Die Kinderpate...

Ähnliche Beiträge

 

Copyright © 2015-2017 2KINDCHAOS - ELTERN BLOGAZIN Alle Rechte vorbehalten.
Powered by Hilkert Consulting