Die 3 Phasen vom privaten zum öffentlichen Blogger

Während Bloggen für die einen die Medien von morgen darstellen, ist es für eine Vielzahl immer noch etwas total Absurdes und nicht Greifbares, wenn man erzählt, dass man bloggt. Darum erzählt man es nämlich meist gar nicht. Aber was, wenn man langsam immer öffentlicher - weil bekannter - wird? Und plötzlich wird all das Virtuelle mit dem realen Leben vernetzt... Ein Artikel mit viel Selbstironie.

 

 

Phase 1: Ich blogge mal so drauf los und probiere mich aus

Wie kommt man zum Bloggen? Entweder man ist ein fleißiger Blogleser und hat irgendwann selbst Lust dazu oder man rutscht einfach irgendwie rein. Ich zum Beispiel. Nachdem mich das reale Leben ziemlich kalt abgeduscht hat, beschloss ich, mir im virtuellen etwas aufzubauen, das nur mir gehört und mit etwas Glück würde ich ja andere finden, denen es genauso geht wie mir. Aber hallo! Mir eröffnete sich eine ganz neue und vor allem riesige Welt, und mittlerweile fühle ich mich online fast heimeliger als sonstwo. Nicht nur die anderen Elternblogger, auch die Leser geben Feedback, man tauscht sich aus, bloggt immer weiter. Mal positiv, mal negativ. Am Anfang ist es eher wie ein einziger Vergnügungspark, man lebt nach dem Lustprinzip, schreibt mal dieses und mal jenes, freut sich über fünf Besucher, auch wenn es nur Bots sind und man lässt auch mal richtig die Sau raus. Yeeha!

 

Phase 2: Ich lerne dazu und professionalisiere mich

Bei den meisten kommt es automatisch, dass man sich weiterentwickeln möchte. Der eine hat Lust, den Blog ein wenig aufzupimpen, dem anderen geht es mehr um die Leser - man opfert immerhin viel Zeit und es braucht irgendeinen Anreiz, damit man damit nicht aufhört. Wer wirklich nur für sich selbst schreibt, schreibt eher Tagebuch. Die ganz Ehrgeizigen lesen auf den Myriaden von Blogger - Blogs alle Artikel zu Themen wie "77 Tipps wie du deinen Blog bekannter machst" oder "666 Artikel Überschriften die garantiert jeder lesen will", basteln stundenlang an ihren Templates herum, kaufen sich eigene Domains, knipsen extra ihre Frühstücksstulle für Instagram und tauschen sich in Facebook Gruppen über erfolgreiche Kooperationen aus.

Hell yeah, es macht Spaß, es ist crazy, aber es hat immer noch was von einem riesigen lustigen Spiel. Bin ich jetzt in Level 4 oder schon Level 5? Düdeldüdeldüüü! Irgendwann kommen auch noch die Bloggertreffen hinzu und man ist sowieso in einem Paralleluniversum angekommen - oder wieso kriege ich jetzt auf einmal so schnieke Goodiebags? Und wieso will mir jemand Geld zahlen, dass ich über ein Produkt berichte? Mega! Mit etwas Glück hat man vorher auch schon mal was von Schleichwerbung gehört und lässt sich nicht voll über den Tisch ziehen. Schon abgefahren, so ein Bloggerleben. Die Bekannten und Verwandten staunen und schütteln abwechselnd den Kopf. Putzig, das neue Hobby. Ach nee, erzähl mir nicht mehr, ich glaub dir schon dass das ganz witzig ist.

 

Phase 3: Ich werde bekannter und auf den Blog angesprochen 

Irgendwann fühlt man sich ein wenig angekommen in der Blogosphäre. Man kennt sich zumindest in den Basics aus, hat ein Media Kit, bekommt ein halbwegs faires Gehalt für die Kooperationen, man kennt die meisten anderen Blogger in der Nische und wenn man die Stulle für Instagram knipst, zückt man seine Lightbox und Tageslichtlampen und legt ein paar weiße Tulpen dazu. Aber hey, die meisten Leute aus dem Umfeld checken immer noch nicht so genau was man da macht oder wissen es vielleicht gar nicht und das war bisher auch ganz gut so, immerhin hat man das ein oder andere breitgetreten und das Gefühl gehabt, es bleibt ja unter uns, den virtuellen Freunden.

Haha! Nix da! Irgendwann kommt alles raus. Klar, mit Google ist man sowieso zu finden, aber man rechnet nicht damit, bis es dann mal passiert ist. Oder man schafft es mal in irgendeine Zeitung und der Dorftratsch macht die Runde. Erst freut man sich über die fünf Minuten Ruhm aber dann wird einem eiskalt bewusst: jetzt weiß jeder Bescheid, jetzt wird es jeder lesen (können) und das beeinflusst dann nicht nur den künftigen Freiheitsgrad was den Inhalt betrifft - nein, man ist jetzt auf dem Präsentierteller. Und dabei spielt es kaum eine Rolle, ob man wirklich Privates vom Stapel gelassen hat oder ob man sich beim Schminken fotografiert hat. Wenn es irgendwie mit der Person zusammenhängt, kann man aus fast allem einen Strick drehen.

 

Sind Blogger also total bescheuert oder wirklich Masochisten?

Man könnte natürlich sowas sagen wie "Das hättest du doch wissen müssen" oder "Selber Schuld" oder "Ich sag bäng, bäng, bängedibäng, ich sag bäng bäng bängedibäng!". Oder man könnte sich denken, dass die Wahrscheinlichkeit, dass das ganze private Umfeld irgendwann mal zum Zeitpunkt X, an dem man beschließt, sich einen Blog anzuschaffen, ganz bestimmt nicht damit rechnen konnte, wohin einen der Weg führt. Der ganze Ehrgeiz, die ganze Arbeit, und ja auch das Glück das man ab und zu mal hat. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Blogger im direkten Umfeld bekannt ist? Oder bin ich jetzt total schief gewickelt und nur die, die sich strafbar machen und kein Impressum haben, werden weiterhin im wattigen Flauschebauch des Blogoversums gepampert?

Ich glaub es jetzt einfach mal nicht und gehe eine Runde zum Weinen in den Keller. Und bis dahin warte ich darauf, wer mich noch alles anspricht und meint, mich bewerten zu müssen.

 

Frida Abgang, Mimimi, Ende.

PS. Bevor wieder jemand shitstormen will: Ja ich habe verallgemeinernd geschrieben aber dieser Beitrag ist kein "Ich weiß alles besser und gebe jedem ungefragt Tipps" Artikel. Die Verallgemeinerung ist ein stilistisches Mittel und außerdem mit ein wenig Satire angereichert. Und eine Lightbox habe ich übrigens auch nicht. Schade eigentlich.

Wenn Väter auf hohem Niveau jammern. Ein Rant
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