Wie Trolle im Netz ganz schnell Schaden anrichten können. Ein Blogger verschreckt die Blogosphäre

Nach fast 3 Jahren des Bloggens bin ich an einem Punkt angelangt, wo ich echt erschüttert bin. Es gibt tatsächlich Menschen da draußen, die wollen erfolgreich bloggen, und das möglichst schnell (ok, wenn's sein muss) und auch noch um jeden Preis (äh, what?). Menschen, denen jedes Mittel recht ist, und die sich dabei auch noch im Recht sehen. In diesem Artikel geht es um Netztrolle im Allgemeinen und um den Einzelfall des Troll - Bloggers.
 
 
 
 

Klauen Kopieren Inspirieren lassen

Manchmal passiert es, dass mehrere Blogger dasselbe Thema aufgreifen. Entweder, weil es einfach bei allen im Leben auftaucht (gerade beiderselben Nische ist das ja logisch), oder weil eine Sau durch's Dorf getrieben wird. Letzteres ist manchmal ein regelrechter Sport unter uns Bloggern und kann auch mal Spaß machen oder einfach nur dämlich sein. Wie auch immer - es gilt die unausgesprochene Regel, oder nennen wir sie Moralkodex - derjenige, der die Idee zuerst hatte, wird verlinkt. So gehört sich das. Damit tu ich keinem weh, der Leser, der sich für das Thema interessiert, kann auch noch weiter lesen und andere Aspekte erfahren und der mit der ursprünglichen Idee wird sozusagen als Initiator gehändelt. So weit, so gut.
 
In meiner Bloggerzeit ist mir zwar schon untergekommen, dass Ideen weiter getragen und anders interpretiert werden, dass es Diskussionen gibt zwischen alten und neuen Bloggern, großen und kleinen, es wurde getweeft auf Twitter, es gab Hexenjagden auf Facebook und Shitstorms auf größeren Magazinen und Hater - Kommentare auf meinem Blog. Aber so einen richtigen Troll, den habe ich bisher noch nie in den eigenen Reihen erlebt. Einen Troll - Blogger also. Aber jetzt gibt es ihn, und er hat es geschafft, innerhalb weniger Wochen eine negative Welle loszutreten, die, so befürchte ich, gerade erst ihren Anfang genommen hat.
 
 

Kurzer Einschub: Was ist ein Netztroll?

Ein Troll ist eine Person, die im Internet andere Personen auf destruktive Weise stört und die Community durcheinander bringen möchte. Meist ist er in Foren anzutreffen, oft aber auch auf Blogs in den Kommentaren oder auf Twitter und Facebook. Ein Troll geilt sich daran auf, andere zu beleidigen, ohne richtig beleidigend zu werden - er versucht erst subtil, die Party zu crashen, damit er nicht gleich enttarnt wird, bevor er zu härteren Waffen greift. Ein Troll möchte so lange wie möglich Schaden anrichten und Konflikte innerhalb der Community schüren. Was steckt dahinter? Meist Langeweile, Gier nach Aufmerksamkeit, Rachegelüste und oft auch ein sadistischer Charakter. 
 
Wirklich viel tun kann man gegen Trolle meist nicht. Der Grundsatz "Don't feed the Trolls" ist zwar schön und gut, aber meist findet sich doch das passende Druckmittel, um jeden aus der Reserve zu locken. Schlimm finde ich, dass Trolle genau wissen, in welcher rechtlichen Grauzone sie sich bewegen können, damit sich die Opfer nicht gegen sie schützen und dagegen vorgehen können. Ganz wichtig ist immer der Grundsatz, nicht vorschnell zu reagieren, sondern immer neutral und sachlich zu antworten, wenn überhaupt. Hat man so einen Troll als Kommentator auf dem Blog oder den Social Media, sollte man am besten nicht mit ihm kommunizieren, sondern einfach löschen und die betreffenden User und Fake Profile sperren.
 
 

Wenn ein Troll - Blogger sein Unwesen in der heimeligen Welt der Elternblogger treibt

So, und da sind wir wieder bei uns angekommen. Ich werde keine Namen nennen und ich werde auch niemanden verlinken, da ich vermute, dass es dem Troll nur um die schnellen Klicks geht. Unser Troll jedenfalls bloggt noch nicht einmal ein halbes Jahr und hat es schon geschafft, dass die halbe Eltern Blogosphäre ihn kennt. Begonnen hat es ganz "harmlos" mit einer sehr enervierenden Masche, die ich damals mit Schmeißfliegen gleichsetzte. Auf Facebook erhielt ich immer wieder Freundschaftsanfragen und direkt danach die Aufforderung, eine Seite zu liken. Solche "Freunde" werden von mir sofort wieder gelöscht. Irgendwann fiel mir aber auf, dass es eine Person gab, die es immer wieder versuchte, kackdreist und täglich mehrmals mich dazu aufforderte, eine Seite zu liken. (Nicht nur mich übrigens, das berichteten viele andere Blogger. Schnell kristallisierte sich heraus, dass es sich dabei um a) einen neuen Trend und b) bei vielen auch um dieselben Personen handelte.)
 
Ich sprach den Troll darauf an und wurde mit einer Ausrede abgespeist, dass "man" das jetzt so mache, wolle man als Blogger Erfolg haben, und ich solle mich nicht so anstellen. Im Übrigen sei ich ja ganz schön zickig. Gut, alles klar. Einmal geblockt, trotzdem nicht gestoppt. Als ich zur Verarbeitung meines Traumas (ja, das war Sarkasmus) meinen Schmeißfliegenbeitrag schrieb und das Video drehte, tauchten auf einmal auf Facebook und Youtube anonyme Hater auf. Zufall? Glaube ich nicht, denn ich hatte knapp ein Jahr lang keine Hater mehr gesehen. Kurz darauf wurde eine andere Bloggerin zur Zielscheibe des Trolls und die Hasskommentare hörten auf. Zufall? 
 
Der Troll trieb sich mittlerweile vor allem auf Twitter herum und fiel dadurch auf, dass er sehr provokant war und seine eigenen Kommentare wieder löschte, kaum dass man darauf Bezug nehmen wollte. Er blockierte auch munter und drohte mit Polizei und Anwalt. Von Rufmord war die Rede. Interessant, dass ein Troll sich als Opfer deklariert, sich hinter Recht und Gesetz versteckt, wo er doch zu all diesen unfeinen Mitteln griff, die er anderen vorwarf.
 
Ich bekam das alles nur noch am Rande mit, schließlich hatte ich den Troll ja geblockt (für mich war er unsichtbar) und die Hater waren weg - ich glaubte, in Sicherheit zu sein. Bis mir eine Leserin Screenshots zuschickte von dem Blog des Trolls, der sich kräftig bei mir bedient hatte. Mein Sidebar Text wurde 1:1 kopiert (ohne den Zusatz der Mitautoren), was vor allem wegen dem Wort "Ehrlichkeitsgarantie" fast ein widerwilliges Kichern bei mir auslöste. Auch inhaltlich sah ich, dass da einige meiner Artikel auftauchten, selbstverständlich mit eigenen Worten nacherzählt, sodass eine Anklage keinen Halt haben würde. Auch mein Template, also das Design des Blogs, wurde in großen Teilen nachgebaut.
 
Ja, ihr Lieben, sollte ich zum Anwalt gehen, würde der mich mit feuchtem Händedruck wieder nach hause schicken - sich an einigen Sätzen und Inhalten zu bedienen, ist nicht strafbar genug, lediglich amoralisch. Nice. Der Troll weiß also genau, wie er sich bedienen kann, ohne dass man etwas dagegen unternehmen kann. Übrigens hat der Troll den gesamten Blog inhaltlich bei vielen Bloggern abgekupfert, immer nur ein Stückchen, er will ja auf der sicheren Seite sein. Sozusagen ein Frankenstein - Blog, mit dem best of seiner Lieblingsblogger. Würde dieser Troll doch nur all diese kriminelle Energie dahinein investieren, sich eigene Ideen zu machen, wäre doch allen geholfen...
 
Tja, und nun? Ich hatte dem Troll eine Mail geschrieben, auf die es keine Antwort gab. Aber, und da liegt die Ironie des Ganzen, schrieb der Troll eine Drohemail an eine andere Bloggerin, in der er einen Satz aus meiner Email heraus kopiert hatte. Humor hat er ja, der Troll. Es wird offensichtlich so weitergehen, dieses perfide Spiel, und ich sehe nicht ein, dass ich aus Angst oder anderen Gründen nichts dazu sagen darf. Ja, der Troll ist ein echter Clickbaiter, aber nichts über ihn zu schreiben, macht die Sache auch nicht besser.
 
Es muss thematisiert werden, damit auch anderen klar wird, wie ekelhaft es ist, sich einfach zu bedienen. Wie gesagt, mir ist so ein Fall bisher noch nicht unter gekommen und ich finde es nicht mehr zum Lachen, sondern zum Kotzen. Und es wird Zeit, dass wir gesammelt dagegen ankämpfen und solche Personen nicht mehr unterstützen - auch nicht durch unser Schweigen oder unsere Angst vor anonymem Hass.
 
Gegen die Geborgenheit.
Serie: Das hab ich mir anders vorgestellt! Folge 2...

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