WoW Gildentreffen vs. 2KC Bloggertreffen

Wir hatten letzten Samstag unser erstes größeres 2KindChaos Blogger Treffen in Wuppertal und ich war ganz erstaunt, dass ich mich plötzlich an meine World of Warcraft-Zeit erinnert fühlte. Online und Real Life. Eine kompatible Parallelwelt? Der Bericht zum Treffen und viele Fotos (von Frida).

 

Kennt ihr World of Warcraft? Das ist das Zeug, was vor ein paar Jahren immer genannt wurde, wenn es um Internetsucht ging. Ich bin / war auch so ein Nerd. In meiner Jugend war ich das einzige Mädchen auf Magic Turnieren, habe verschiedene Pen & Paper Rollenspiele gespielt, mich in der Mittelalter Szene rumgetrieben und später im Studium viel mit dem PC gearbeitet und gespielt. Unter anderem World of Warcraft. Ich hatte mit meinem Mann eine eigene Gilde, eigene Raids* und wir haben jedes Jahr ein Gildentreffen organisiert. Wir waren recht „gut“ in den Hochjahren und hatten 2-4 feste Raidabende in der Woche.

 

 

Die Erwartungen

Als ich früher die Gildentreffen plante, war ich immer aufgeregt und gespannt wie die Menschen aussehen, von denen man meist nur die Stimmen kannte. Ich hatte aber oft ein sehr klares Bild im Kopf, da man die Menschen auch mit verschiedenen Gefühlen erlebt hat, wie Wut und Freude. Außerdem wusste ich sehr viel Privates, da die Hemmschwelle im anonymen Internet anscheinend geringer als im RL ist.

Diesmal, also beim Bloggertreffen, war ich viel aufgeregter! Was zieh ich bloß an? Wird mein Sohn brav sein und kooperieren oder klammern? Werde ich zu schüchtern und außen vor sein und den coolen Mädels nur zuschauen? Kann ich Menschen, die ich nur von ihren Texten her kenne, die nur einen Auszug aus ihrem Leben erzählen, tatsächlich schon kennen? Oder liegen Welten zwischen meiner Vorstellungen und den wirklichen Menschen?

 

Die Realität

Wenn sich die sexy Stimme aus dem Teamspeak plötzlich als pickeliger Teenie entpuppt, dann weiß man, die Realität schaut anders aus als die Vorstellung. Wie viele Flirts habe ich bei WoW miterlebt. Es war immer die große Liebe. Stunden im Teamspeak gequatscht, drölfzig Stunden gechattet und sich gegenseitig die intimsten Geheimnisse erzählt. Irgendwann den Mut gehabt und sich im RL getroffen: Das war´s dann meist. Die Chemie, der Geruch, was weiß ich, stimmt einfach nicht überein mit dem Bild im Kopf. Aber so ein Gildentreffen war immer sehr bereichernd und hat Beziehungen auch nochmal verändert. Mein Mann und ich haben immer noch Freundschaften aus dieser Zeit.

Und das Bloggertreffen? Ich sag nur wow! Was ein wunderschöner Tag!

Aber von Anfang an. Ich hatte es so toll geplant: Ich habe mir die Route ganz genau angeschaut, eingeprägt und ausgedruckt. Bin früh losgefahren und hab das Kind im Auto den Mittagsschlaf abhalten lassen.

 

 

Ich komme wie geplant am Ziel an. Suche einen Parkplatz und will ne Runde drehen wie ich es gewohnt bin. Huch, fette Baustelle. Umfahren. Mh, nun bin ich auf nem Hügel! (Also für mich Ruhrpottler / Niederrheiner eher ein Berg!). Schnell drehen. Mist! Geht nicht. Einbahnstraße. So irre ich also umher in einer fremden Stadt. Sobald sich die Möglichkeit ergibt, halte ich an und befrage das Handy. Tja, GPS funktioniert hier nicht. Wäre ja auch zu schön gewesen. Ich drehe weiter verzweifelt meine Runden und werde immer angepisster und wütend auf mich selbst. Ich hab normal nen guten Orientierungssinn. Weiß immer wo Norden liegt. Aber diese Berge schaffen mich! Nach ner kleinen Heul-Attacke finde ich mich dann doch noch zurecht und parke irgendwo am Rand, nur um dann festzustellen das ich es tatsächlich bis zum ersten Treffpunkt geschafft habe!

Blöd nur, dass ich nicht zu den anderen stoßen kann. Denn ich hab meinem Sohn ja Schwebebahn fahren versprochen und das will ich auch halten. Also mal kurz in die Schwebebahn gehüpft, 3 Haltestellen hin und zurück müssen reichen. Ich will nämlich unbedingt Begleitschutz zum 2. Treffpunkt, dem Kinder Café. Also zu spät, verheult, völlig gehetzt und verschwitzt bei den Blogger-Kollegen ankommen, einmal Hallo sagen und direkt weiter fahren. Erster Eindruck kann ich.

 

 

Endlich normale Leute

Im Kinder Café wird es Gott sei Dank entspannter für mich. Mein Sohn ist wider Erwarten richtig gut drauf, spielt sofort los und gibt sich alle Mühe den Mädels und Papas zu imponieren. Nun kann ich ankommen und durchatmen. Wir Eltern genießen die Zeit und quatschen ausgiebig. Ich bin ganz geflasht wie nett, offen, interessiert und locker alle sind. Die Stimmung ist super herzlich und man unterhält sich, als würde man sich tatsächlich schon ewig kennen. Kein Verstellen nötig, sich nicht über ein heulendes Kind rechtfertigen müssen, kein Flüchten vor den Blicken anderer um sein Kleinkind zu stillen. Alles scheint normal, unkompliziert und leicht. Wir reden über dies und das. Urlaube, Verwandtschaft, Familienplanung, Musik, Arbeit, usw. Aber am meisten imponiert uns, wie viel entspannter es sich in so einer großen Gruppe leben lässt. Jeder hockt mal im Bällebad rum oder kümmert sich um die kulinarischen Gelüste der Kinder während die anderen Eltern einfach mal… Freizeit (!) haben! Ich glaube ich saß zu 90% rum und hab gegessen und getrunken. Luxus pur! Ihr wisst wovon ich rede!

Die Location war aber auch super ausgewählt von unserer Gastgeberin und Reiseführerin Mo. Hier nochmal ein dickes Lob und großes Dankeschön für alle Mühen! Der Tag ging viel zu schnell vorbei und eine Fortsetzung ist schon in Planung.

 

 

Mehr davon!

Die liebe Mo hat ja hier schon was zu ihrer Idee der Twitterkommune erzählt. Ich denke mir auch: Warum kann die oben beschriebene Situation nicht eigentlich Normalzustand sein? Warum leben wir so „abnormal“ isoliert und machen uns dadurch das Leben so schwer? Wir sind schließlich Rudeltiere. Also sollten wir rudeln, oder? Versteht mich nicht falsch, ich will hier kein Dogma von „Früher war alles besser“ oder so vertreten. Ich mag meine Waschmaschine und geb sie nicht mehr her. Ich stell nur immer wieder fest, wie anstrengend ein Tag allein mit meinem Sohn sein kann. Und wie viel entspannter es zugeht wenn man mit den richtigen (!) Leuten zusammen ist. Das ist natürlich auch ein wichtiger Punkt. Die richtigen Leute. Manchmal ist das leider nicht die eigene Familie. Manchmal muss man sich sein Rudel selbst suchen. Und heutzutage hat man das Glück das online zu tun. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ich tatsächlich in die Twitterkommune ziehen werde. Dafür bin ich einfach zu schissig und zu gesetzt. Ich weiß die Sicherheiten, die ich habe, mit festem Job und Haus, sehr zu schätzen. Mo hat die Nachteile ja auch schon zusammengefasst.

Ich denke, mir reicht es vorerst zu lieben Menschen zu Besuch zu fahren und dort zu Rudeln. So hat man immer unterschiedliche Ziele und neue Impulse.

 

 

Onlinewelt = Parallelwelt?

In meiner WoW-Zeit habe ich wenig Verständnis für mein Online-Leben erfahren. Jeder Depp darf 3-mal die Woche zum Fußball oder was auch immer tun, aber ich darf mich nicht an den Computer setzen?! Warum galt mein Hobby nicht als richtiges Hobby? Warum sind Online Bekanntschaften schlechtere Bekanntschaften, für die man sich zu schämen hat? Durch die Erfahrung bin ich nun vorsichtiger geworden. Bisher weiß niemand, bis auf meinen Mann und einer Freundin, dass ich blogge. Das ist zwar blöde Geheimniskrämerei und jetzt zum Treffen musste auch eine Lüge herhalten. Aber so ist es erstmal besser. Ich weiß noch nicht über was ich alles schreiben möchte. So bin ich freier in meinen Texten und muss mich nicht einschränken. Es ist sehr schade, dass das RL nicht verstehen will oder kann, dass sich die Online Bekanntschaften sehr positiv auswirken können.

Man kann solche Treffen ein wenig mit Reisen vergleichen. Man trifft sehr verschiedene Menschen, mit ganz unterschiedlichen Hintergründen und es ist einfach sauinteressant. Diesen Menschen wäre man im RL niemals begegnet und man hätte diese tolle Erfahrung verpasst. Man lernt Neues über sich selbst und öffnet seinen Horizont. Die Gesprächsthemen haben sich natürlich geändert. Bei den WoW Treffen ging es meist um unsere Onlinewelt, bei dem Bloggertreffen ging es um uns, als Privatperson. Diesmal war meine ganze Lebenssituation eine andere und auch schlecht zu vergleichen mit früher. Dieses Treffen fühlte sich auch viel glücklicher, viel bereichernder an (natürlich auch durch die Kinder). Ich bin sehr dankbar, dass ich diese Erfahrungen machen darf und werde immer wieder dabei sein, wenn das nächste Treffen ansteht.

 

 

Meine Parallelwelt ist nichts Negatives, sondern eine persönliche Bereicherung! 

Für´s nächste Mal werde ich mir dann aber lieber ein Navi kaufen… Und irgendwann auch mal wieder Alkohol...

*Was ist ein Raid? Für alle Nicht-WoW-Nerds: Man trifft sich einen Abend mit 10, 25 oder 40 Leuten online und spielt. Jeder mit Headset (also man hört sich), man muss bestimmte Taktiken einhalten und zusammenarbeiten, damit das selbstgesetzte Ziel erreicht wird. So viele Leute zu koordinieren ist nicht immer leicht. Im Idealfall sind alle ruhig, hören auf die „Raid-Leitung“, die sagt, wer was wann zu tun hat. Meistens läuft es so ab, dass alle nebenbei Chips fressen, irgendwer immer dieselben blöden Fehler macht, Kaffee über die Tatstatur kippt, schon wieder alle sterben, alle genervt sind, weil es mal wieder nicht klappen will, am Ende schreit einer rum und verlässt die Gilde. (bin ich froh, dass diese Lebensphase vorbei ist.)

Genderscheiß vs. reale Ängste. Ich will meine Mädc...
Mein #WiB und #12von12: Familytime

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