Aus Vätersicht: wenn die Mutter (zu viele?) Anforderungen stellt

Liebe andere Väter oder solche, die es gerade werden: Die Rolle als Vater ist nicht leicht. Man wird mit ganz wenigen Ausnahmen nie die „Most important person“ für das Baby sein, muss aber gleichzeitig so vielen Dingen gerecht werden. Und dann kommt noch so eine Liste wie die meiner Frau: 10 Anforderungen, die ein (werdender) Vater erfüllen sollte. Zu viel des Guten?

 

"Vater werden ist nicht schwer..." - Bildrechte: 2KindChaos

 

Vorab: Die meisten Reaktionen – auch von Vätern – waren erstaunlich positiv. Aber es gab auch Stimmen, die sich überfordert fühlen von so vielen Anforderungen, die sich unter Druck gesetzt fühlen, zu perfektionistisch sein zu müssen. Warum eigentlich? Hier meine zehn Kommentare, warum diese Forderungen richtig sind. Und für alle, die sich jetzt erst recht unter Druck gesetzt fühlen: Ich schaffe es auch nicht immer, alle Anforderungen zu erfüllen. Deswegen sind aber nicht die Anforderungen falsch. 

 

1. Empathie. Es ist nicht übertrieben, zwei- bis zehnmal pro Tag (je nachdem, wie schlimm) zu fragen: Wie geht es dir? 

Interessiert Ihr Euch für Eure Frau? Ja? Dann erübrigt sich eine Diskussion über diesen Punkt.

 

2. Freude: Ihr habt oder bekommt ein Kind! In diese Kategorie gehört die Begleitung zu Frauenarzt- und Hebammenterminen.

Keine Lust darauf, Euer Kind im Ultraschall zu sehen? Kein Interesse daran, ob alles in Ordnung ist? Mal ehrlich: Wollt Ihr überhaupt ein Kind?

 

3. Respekt. Wenn ein Kind in mir wächst, muss mein Körper plötzlich mit fremdem Genmaterial fertigwerden. Wie bei einer Transplantation. Der Körper einer schwangeren Frau geht jeden Tag an seine Grenzen. 

Erstens: Respekt sollte man seiner Frau immer entgegenbringen, egal, ob sie schwanger ist, Mutter oder einfach „nur“ Eure Frau. Aber was Eure Frau da schafft mit Schwangerschaft und Stillzeit, das verdient einfach Eure Hochachtung. Mal ganz im Ernst: Wollt Ihr die ganze Scheiße machen? Acht Monate jeden Tag über dem Klo hängen? Sich am Ende nicht mehr bewegen können, weil Ihr Euch wie ein Wal auf dem Trockenen fühlt? Bei der Geburt stundenlang Schmerzen aushalten, gegen die sich ein Tritt in die Familienjuwelen wahrscheinlich wie eine Wellnessmassage anfühlt? Danach sich nicht ausruhen können, sondern alle zwei, drei Stunden alles auch Euch raussaugen lassen? Zwei Jahre kein Bier? Ihr könnt Eurem Schöpfer auf Knien danken, dass Ihr das alles nicht mitmachen müsst. Also macht wenigstens das Mindeste und zeigt Euren Frauen, wie toll Ihr das findet, was Sie für Eure Familie auf sich nimmt.

 

4. Fürsorge. Für diese Anstrengung braucht die Frau alles – ALLES –, was ihr gut tut. Dem Körper und der Seele.

Ja, ich gebe zu, wenn man es sich selbst gerade auf dem Sofa gemütlich gemacht hat, steht man nicht mehr gerne auf. Gerade nach einem anstrengenden Arbeitstag. Aber denkt mal einen Augenblick daran, dass Eure Frau es sich gerade vielleicht auch gerne auf dem Sofa gemütlich machen würde, sie es aber nicht kann, weil das Baby vor Hunger schreit. Oder weil ihr wegen dem Kind im Bauch so kotzspeiübel ist, dass sie sich nicht rühren kann. Und dann überlegt Euch mal, ob Ihr immer noch mit gutem Gewissen Euren Hintern weiter auf dem Sofa geparkt lassen wollt.

 

5. Loyalität. Sollte sich irgendwer danebenbenehmen und die Frau oder das Kind kränken, verletzen, missachten, beleidigen, dissen oder sonst was, ist ein starker Anwalt nötig. Eher ein Fels.

Vielleicht der wichtigste Punkt überhaupt. Ihr seid eine Familie oder werdet es gerade. Wem sonst solltet Ihr denn loyal gegenüber sein, wenn nicht diesen Menschen, die enger zu Euch gehören als alle anderen Menschen auf dieser Welt? Wer meinen Liebsten quer kommt, bekommt ein Problem mit mir. Und da ist mir es egal, ob das die fiese Grabschoma im Supermarkt, die arrogante Oberärztin in der Geburtsklinik oder meine eigene Schwester ist.

 

6. Anerkennung. Seitdem ich Kinder habe, empfinde ich Arbeiten als Wellnessurlaub. 

Versucht Ihr mal für zwei Kleinkinder gleichzeitig da zu sein, denen es vielleicht auch gesundheitlich nicht so gut geht, so wie unseren. Jeden Tag. Für viele Stunden. Ich weiß ja, wie mich schon die Abende schaffen. Und wie beschaulich dagegen die Stunden bei der Arbeit sind, mit gemütlich Kaffeeholen zwischendurch. Nein, ich bin kein Beamter und ja, ich habe einen fordernden Job. Und trotzdem ist er Pillepalle gegen Dauerangeschrien werden. Ansonsten: Siehe Punkt 3.

 

7. Liebe. Ist manchmal schwer zu trennen von Anerkennung und Respekt. Liebe heißt aber auch, die Frau in der neuen Rolle zu lieben. Ihren Schwangerschaftsbauch zu lieben, ihre Stillbrüste oder ihre Nachgeburtskilos.

Wer sich von der Forderung nach Liebe überfordert fühlt, sollte sich überlegen, ob er in der richtigen Beziehung lebt. Liebe ist einfach da, und bei uns ist sie gewachsen mit jedem Tag. Und mit jedem Kind. Und so schwer ist das auch nicht. sie zu zeigen. Und schon gar nicht ist es unmännlich. Ich liebe meine Frau – weil sie toll ist, so wie sie ist, weil sie mich so liebt, wie ich bin. Und weil sie eine Löwenmama ist.

 

8. Mein Mann hat tausend Meetings abgesagt, kam tausendmal früher nach Hause, hat tausendmal nachts noch nachgearbeitet, hat unbezahlten Urlaub genommen, sich krankschreiben lassen und alles ausgereizt. Im Job ist er austauschbar, in der Familie nicht. 

Ist schwer, ich weiß. Beim Job denken die Pappnasen ja leider genau das Gleiche, dass sie Priorität Nummer eins sein sollten. Bleibt die große Aufgabe, denen beim Job das Gefühl zu geben, dass sie ganz, ganz wichtig sind, aber in Wirklichkeit zu wissen, dass der Sinn des Lebens zu Hause ist. Und im Falle eines Falles, wenn beides nicht zusammen passt, eben die Priorität klar zu setzen. So schnell wird man nicht rausgeschmissen. Und wenn doch: Was ist denn die Alternative? Dass die Familie vor die Hunde geht? Wer das ernsthaft erwägt, hat ein ernsthaftes Problem.

 

9. Toleranz. Mein Mann meint, es sei manchmal schwierig, nicht jedes Wort auf die Goldwaage zu legen. Das sei seine schwerste Lektion gewesen. 

Für mich die schwerste Übung. Wenn man alles, alles tut, ständig über seine eigenen Grenzen geht und dann noch angeraunzt wird für Kleinigkeiten, stehts mir auch manchmal bis zur Oberkante Unterlippe. Aber seit ich gemerkt habe, dass ich ja gar nicht gemeint bin mit dem Anraunzen, sondern es Ausdruck ist, dass meine Frau nicht mehr kann, ist es leichter zu ertragen. Wer es auf die Hormone schieben will, kann es von mir aus auch tun. Ist auch egal. Nur bitte keine Grundsatzdiskussion vom Zaun brechen, denn das ist das Letzte, was die Situation entspannt. Mir hat es geholfen, öfter mal gegen die Wände und Türen zu boxen (Wir haben stabile Türen und ich schlappe Oberarme, also von daher auch keine weiteren Auswirkungen als schmerzende Fingerknöchel).

 

10. Teilen. Heißt: wirklich teilen. Bei uns hieß das zum Beispiel: Wenn ich schon den Tag meistern muss, muss mein Mann, der tagsüber arbeiten gehen darf, die Nacht übernehmen. 

Das ist ein interessanter Punkt, weil da viele Männer anscheinend Probleme mit haben. Warum eigentlich? Glauben sie, dass ihre Frauen in der Elternzeit Wellnessurlaub machen, sich Käffchen trinkend durch die Homeshoppingkanäle zappen oder, wenn sie sich mal um zwölf Uhr aus dem Bett bequemt haben, mit dem schlafenden Baby in die Stadt schlendern und das von den Männern sauer verdiente Geld verprassen? Hallo? Kinderbetreuung und Haushalt sind Arbeit! Heißt: Wenn der Mann vom Job nach Hause kommt, haben beide schon einen vollen Tag gearbeitet. Heißt dann auch, dass man sich die Arbeit, die dann noch da ist, teilt. Auch nachts. Und wenn ich noch mal höre, dass sich ein Mann über das zu grelle Nachtlicht beschwert, während seine Frau die ganze Nacht rumgetanzt ist, um das schreiende Baby zu beruhigen, komme ich vorbei und prügle ihm seinen verdammten Egoismus aus dem faulen Pelz. Nein, tue ich wahrscheinlich nicht. Ich werde zu  Hause gebraucht.

 

Übrigens gibt es umgekehrt durchaus auch Dinge, die ich trotz aller Belastung von meiner Frau erwarte. Dazu demnächst mehr. 

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