Schiss, Entspannung und ein großer Traum: Elternbloggertreffen Darmstadt

Ich bin ja so ne Superschisserin. In großen Gruppen. In kleinen ist alles gut, aber eigentlich sind Bloggertreffen überhaupt nicht meins, erstens weil eben siehe oben und zweitens weil ich vom Bloggen nichts verstehe (also weder von dem ganzen technischen Kram, geschweige denn von Suchmaschinenoptimierung, Social-Media-Konzepten oder sonst was. Ehrlich gesagt interessiert es mich auch nicht so. Ich blogge ja eigennützig. Für mein Seelenheil. Und wenn es anderen hilft, umso besser.).

 

Bildrechte: Sabrina Wurtz, Babykeks Blog

 

Aber es war einfach zu verlockend, einige wirklich mal zu treffen, die mir ans Herz gewachsen sind. Mit denen ich mich viel austausche, und außerdem war es sowieso schon fünfzigmal überfällig, die Frida mal wieder so richtig feste zu drücken.

 

Alleine schüchtern, mit Unterstützung große Klappe

Nun hatte ich ja einen wichtigen Vorteil: Ich kam nicht alleine, sondern mit der ganzen Familie, was mir ungeheuer den Rücken stärkt. Der Großteil entfällt natürlich auf meinen Mann. Aber selbst mit einem meiner Töchter dabei fühle ich mich deutlich stärker, vielleicht weil es offensichtlich ist: Ein Mensch mag mich schon mal. Und mit einem Menschen an seiner Seite kann man alles ertragen. Nicht dass ich davon ausging, dass Ihr mich alle hassen würdet. Aber … keine Ahnung, was mir so eine Heidenangst macht, auf größere Gruppen zu treffen. Dieser Druck, mich einfügen zu müssen (Lebensthema: Pass dich an, sonst wirst du nicht geliebt – danke, Mama!).

 

Flauschiges Ankommen

Aber auch von der Seite her war es perfekt: Wir kamen an (keine Ahnung, ob zu früh oder zu spät – eine bestimmte ausgemacht Uhrzeit ist mit Kindern sowieso immer plus/minus 90 Minuten zu verstehen), und es saßen da: zwei Frauen. Zwei, nicht zwanzig. Meine Gruppengröße! Zwei Frauen, die ich nicht kannte, aber die eine solche Herzlichkeit und Offenheit ausstrahlten, dass ich mich direkt zu Hause und willkommen fühlte. Danke, Anke und Isabel. Ihre Blogs, Gemüsebaby und DieDAHLIEBen, kannte ich bisher gar nicht – und schon hab ich das Bedürfnis mich zu rechtfertigen. Ich kann es kurz machen, ich komme kaum dazu, unseren eigenen Blog zu lesen :(

 

 

Das bist Du?!

Ich war also in jeder Hinsicht angekommen und freute mich aus dieser sicheren Position heraus über jedes neue Gesicht. Für mich ist es manchmal echt abgefahren, Menschen, deren einzige optische Vorstellung an einem Ava hängt, live zu sehen. Es gibt diejenigen, die genauso aussehen wie auf dem Foto, wie zum Beispiel Julia von der Guten Kinderstube. Und es gibt die, bei denen ich total daneben lag, die ich nie erkannt hätte, wie Bella vom Freiraumkind-Blog. Wie mag es denen ergangen sein, die mich nun live gesehen haben, die doch ein bisschen anders aussieht als auf dem Ava? Und warum ist das so essenziell für meine Orientierung, das Aussehen?

Seltsam, denn die geschriebenen Worte gehen so viel tiefer, und doch gibt das Bild einem etwas zum Festhalten, zum Drandenken. Bei Mara (Erdbeer Lila) war es leicht: An unserer für mein Stresslevel viel zu engen Tafel sagten gleich mehrere, den Blick aus den großen Fenstern gewandt: „Da kommen die lila Haare!“ Ja, vielleicht ist es das: Das Optische hilft, die vielen lieben Stimmen auseinanderzuhalten. Denn obwohl es gar nicht böse gemeint ist, geht es mir manchmal so, dass ich mich frage: Wer hatte das jetzt noch mal geschrieben?

Und irre war auch für mich, sich mit jemandem auszutauschen bei Twitter, verstanden und unterstützt zu werden, wenn auch erst seit kurzer Zeit (ich brauche ja immer sehr lange, bis ich mit der Anzahl an Menschen, denen ich folge, klarzukommen, ich hab immer das Gefühl, ich komme gar nicht hinterher). Irgendwann die Mamas, die ich nicht kannte, zu fragen: Und wer bist Du? Und Du? Und Du? Und dann stellt sich eine vor, und es ist die, die mir schriftlich nah ist. Irgendwie abgefahren. Schön abgefahren. Also, noch mal: Hallo, Mutterstiefchen!

Als Frida mit ihrer Familie kam, war es fast wie ein Familientreffen. Wir haben uns doch erst dreimal vorher getroffen, und doch ist da schon so viel Vertrautheit. 

 

 

Menschen statt Tweets

Es war auch so schön für mich, Euch mit Familien zu sehen. Denn manchmal frage ich mich schon: Da schreibt eine Person, die ich mag, aber wie ist sie wohl zu Hause in ihrer Einheit, mit ihren Lieben, die dazugehören? Mich interessieren ja nicht nur ihre Tweets (zum Blog lesen komme ich so ungefähr gar nicht – wann macht Ihr das bloß???), sondern mich interessiert der Mensch dahinter. Und der ist ein soziales Wesen und kein Einzelgänger.

 

Vorgeschmack auf meinen Traum

Es gab einige, die ich gar nicht kannte (etwa Sabrina vom Babykeksblog, Gordana von Kroatien-mit-Kindern und viele mehr), aber das Irre war: Alle waren nett (obwohl ich nicht mit allen sprechen konnte, aber das liegt wohl in der Natur der Sache), und ich hätte allen spontan mein Kind anvertraut, und damit sind wir beim für mich bewegendsten Aspekt:

Es war ein bisschen wie mein Traum von einer Kommune. Meine Große ist ja eher so der Typ Klammeraffe, und so war klar, dass ich mich entscheiden musste: bei Maple im Heuparadies zu bleiben (wo ich sie so gelöst und mutig herunterspringend sah, dass mir das Herz aufging) oder aber sie zu überreden, wieder mit rein zu kommen zu Euch (meisten) anderen Mamas, wenn ich denn mit Euch reden wollte. Und dann plötzlich passierte es: Ich hatte das Gefühl, ich kann einfach gehen. Alleine. Obwohl es ein ganz schön weiter Weg für sie war, alleine zu mir gelaufen zu kommen, wenn sie mich denn brauchte, denn das Hofcafé war auf der anderen Seite einer großen Wiese. Maple hatte aber schon an der Hand anderer, bislang fremder (!) Bloggereltern den Sprung vom Heu geschafft, hatte außerdem Fridas Tochter Peanut als Anker an ihrer Seite, und Papa Mercury war auch dabei. Ich war mir also absolut sicher, dass sie irgendwie bei mir ankommen würde, sollte sie mich brauchen. 

Und das ist es, das Gefühl: Loslassen können. Sein Kind sicher behütet (dämliches Wort) wissen. Weil da alles Gleichgesinnte sind, die sofort verstehen und handeln, wenn sie gebraucht werden. Ich hätte das natürlich für alle anderen Kinder dort genauso gemacht. Aber im Alltag ist es eben in weiter Ferne. Ich hab mich so frei gefühlt, so furchtbar frei und glücklich. 

 

 

Glück pur

Mein emotionaler Höhepunkt war, als ich mit Maple Pipi machen war (ohne Windel übrigens!), sie mal wieder austickte wegen „seeeeeeeeeeeeeeeeeelber Wasser aufdrehen! Seeeeeeeeeeeeeeeeeelber Ärmel hochmachen!“ (natürlich dann doch nicht gemacht), „am aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaanderen Wasserhahn die Hände waschen!“ usw. (normalerweise ist dann der Ofen erst mal für zehn Minuten aus) und als ich sie die Hände waschen ließ im anderen Raum und nachschaute, ob sie klarkam, war sie nicht mehr da, sondern in ihren Gummistiefeln schon den halben Weg über die große Wiese hinüber zum Heu gerannt.

Ist das meine Tochter? Es macht so heile. Es macht so glücklich. 

Wie viel einfacher alles doch sein könnte. Immer Kinder zum Spielen da. Das heißt, weit weniger Bespaßungs- und Betreuungszwang für Eltern. Viele Schultern, auf die Betreuungsaufgaben verteilt sind. Und natürlich eine tolle Heuburg.

Danke für dieses wunderbare Erlebnis, Ihr alle!

 

Eure Mo

P. S. Coco hat am Finger, kurz unter Nagelbett, eine dicke Blutkruste. Sie hatte sich also nicht nur erschreckt, als das Huhn ihr den Hirsekringel aus der Hand gepickt hat.

 
Weitere Berichte zum Treffen findet ihr bei Babykeks und Mutterstiefchen
 
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