Wubttika: Schüchtern rennt die Zeit davon

Wubttika. Ja, ich bin dabei, nach langem Zögern. Mit gemischten Gefühlen. Ich kenne niemanden persönlich, und ich muss allein hin. Zwei sehr entscheidende Unterschiede zum Elternbloggertreffen Darmstadt...

 

 

Warum ich mich doch entscheide hinzugehen: wegen einzelner Menschen. Und weil ich ziemlich spät, als ich endlich mal auf die Website schaue, sehe, dass Bella vom Freiraumkind-Blog auch kommt. Sie nämlich „kenne“ ich schon aus Darmstadt. Vertrauen! Anker!

Da die schlaflose Anne und Papapelz Steffen aus Hamburg anreisen und ich schon vorher in Wuppertal bin, tue ich so (was sie zweifelsohne durchschauen), als würde ich sie vom Bahnhof abholen aus Servicegründen. Der wahre Grund ist natürlich, dass ich mich bei den beiden, zu denen schon über schriftlichen Austausch viel Vertrauen und Sympathie entstanden ist, dranhängen möchte. 

 

Geborgenheit vs. Großgruppe

Wie Ihr wisst, machen mir große Gruppen Angst („Pass dich um jeden Preis an, oder Du wirst nicht geliebt“), in kleinen hingegen fühle ich mich wohl. Da kann ich so sein, wie ich bin, und eigentlich bin ich auch ein durchaus soziales Wesen. Nur halt, ja. Diese großen Gruppen. Diese Übermacht.

Schon beim Treffen auf dem Bahnsteig ist klar: Ich bin geborgen. Ich genieße es sehr, die beiden endlich persönlich kennenzulernen, und ich möchte aus dieser Geborgenheit gar nicht mehr raus. In unmittelbarer Umgebung zum Brauhaus sitzen wir kurz auf einer Bank, während Anne fotografiert, und erwägen dann zu dritt (nicht so ganz ernst gemeint), einfach da sitzen zu bleiben.

Strategischer Nachteil: Obwohl wir eigentlich früh dran waren, ist es bereits 14:27 Uhr, sprich: Die Hütte wird schon voll sein. Was sie natürlich auch ist. Schluck.

 

Was mir fehlt

Ich sehe Bella, die allerdings gerade mitten in einer Mahlzeit mit ihrem Sohn ist, und starte die „Ich tu so, als fühl ich mich wohl“-Tour, gehe auf Menschen zu. Im Zweiergespräch entspanne ich mich, aber alles in allem fühle ich mich ziemlich verloren. Außerdem bin ich einfach nicht mehr vollständig, wenn ich alleine bin. Sprich ohne wenigstens ein Wesen aus meiner kleinen Familie. Überall wuseln Kinder, und ich würde viel lieber mit ihnen spielen, als mich unter die Erwachsenen zu mischen. Bei Kindern habe ich keine Berührungsängste, erstaunlich, dass ich das schreibe, konnte ich doch in meiner Vor-Mama-Zeit nichts mit Kindern anfangen, hatte keinen persönlichen Zugang, war total verkrampft mit ihnen.

Überall Kinder, eins wundervoller als das andere, und mir wird bewusst, wie schmerzlich ich in diesem Moment meine eigenen vermisse.

Es geht los, die drei bezaubernden und souveränen Organisatorinnen Miriam von Frau Chamailion, Null-Punkt-Zwo-Bloggerin Susanne und Mama Schulze Julia eröffnen den Abend und sind dabei genauso souverän wie ihr Outfit.* Julia scheint häufiger vor Gruppen zu sprechen. Von Nervosität keine Spur.

* Ich brauche Euch nicht erzählen, wie ich kurz vorher vor einem Berg an herausgerissenen Klamotten verzweifelt vor dem Kleiderschrank stand. Nach so einer Nacht wie der vorangegangen sieht man halt in allem scheiße aus und fühlt sich in nichts, aber auch gar nichts wohl.

 

 

Mitten ins Herz

Ich lausche dem Vortrag über journalistische Darstellungsformen, von Berufs wegen jetzt nicht so viel Neues für mich, aber darum bin ich auch nicht hier. Es folgt die Lesung einer Mama, die mich direkt total packt. Wie sie ihrem Sohn erzählt, dass sie Brustkrebs hat. Ich fühle. Ich bin angekommen in Wuppertal, es ist auf einmal persönlich, sehr persönlich. Da bin ich zu Hause.

Und trotzdem plätschert es noch ein bisschen für mich verkrampft dahin. Ich bin noch im Modus „Pass dich an, sonst wirst du nicht geliebt“. Dann kommt meine Familie zu Besuch, und ich bin wieder ich. Es war so wunderbar. Maple bastelt, und Coco … naja … arbeitet halt an ihrem ersten Backenzahn und ist müde und überfordert, weil alles zu viel und zu laut ist. Ich stille sie, und in dem Moment versinkt die Welt um mich. Sie erdet mich, diese Stillbeziehung schützt mich, schottet mich ab von der Welt.

 

 

Kurz vor Schluss geht’s los

Dann gehen sie wieder, die Kinder und der Mann, und ich bin allein, aber etwas in mir ist aufgetaut. Und das macht wahrscheinlich den Unterschied. Wir kommen ins Reden, reden, reden, und es sind gute Gespräche, sehr gute. Solche, die man mindestens noch vier Stunden weiterführen muss, um annähernd all das sagen zu können, was zu sagen ist. Zu dieser Zeit ist es für mich Zeit zu gehen: Die Kinder müssen ins Bett, und wir hatten fest ausgemacht, dass ich zeitig komme. Severin, besser bekannt als Mama on the rocks, setzt sich neben mich, als ich gerade gehen muss. Es ist zum Mäusemelken. 

Ich rufe, mal wieder dreist und eigennützig Karl an, obwohl wir eine feste Zeit ausgemacht hatten, wann ich kommen soll. Der Mann gibt mir, gut gelaunt und völlig entspannt noch eine halbe Stunde. Das war wunderbar. So kam ich dazu, noch mit Severin zu reden, und traute kaum meinen Ohren, was ich zu ihrem Grad der Belastung hörte. Für mich war sie immer eine von denen, die das alles wuppen, die es einfach drauf haben, arbeiten, Kinder, dazu noch selbständig, ständig quer durch die Welt fliegen – ein Zustand, der für mich so absurd weit entfernt ist. Aber sie ist ebenso am Limit wie ich, nur sie jammert nicht so. Sie erzählt, wie ihre Situation ist, und ich bin erstaunt, dass sie überhaupt noch schlafen kann. Sie sagt, sie fällt ins Bett wie ein Stein, trotz all der Dinge, die nebenher laufen, nicht verpeilt werden dürfen, weil ihre berufliche Existenz dran hängt (und diese nicht nur Beiwerk ist) und die sich eigentlich gegenseitig ausschließen. Ich mach mir Sorgen um sie.

 

 

Ich brauche keinen Nachmittag, ich brauche ein Wochenende!

Mit so vielen komme ich gar nicht ins Gespräch, obwohl ich das möchte. Es liegt wohl daran, dass ich so unglaublich langsam auftaue. Ich möchte die ersten zwei Stunden des Nachmittags gern vorne streichen und hinten dranhängen, weil ich jetzt endlich auch bei Wubttika angekommen bin.

Da ist die wunderbare Jenni von Flavius und Brutus, die ich schon fast ein wenig hassen muss, nicht nur weil sie so verdammt hübsch ist, sondern auch weil sie mit 24 bereits zwei Kinder hat, dazu Zwillinge, daneben studiert und eine berufliche tagelange Trennung jede Woche auch noch entspannt wegsteckt. Da ist Vany von Place for Memories, die sich alleinerziehend im Studium befindet in einer überteuerten Stadt fernab ihrer Heimat. Da sind Anne und Steffen, mit denen ich so viel zu reden habe, mit denen wir so viele Gemeinsamkeiten haben, dass es schon fast weh tut. Schön weh. Da ist Organisatorin Susanne, von der ich gerne mehr gehört hätte, auch eine Frau aus der Kategorie: Die packen das irgendwie alle so taff, obwohl alles andere als einfach, und hadern trotzdem nicht so wie ich, müssen sich nicht so ausheulen, bemitleiden sich nicht so schrecklich selbst wie ich. Überhaupt stelle ich fest: Die anderen haben es auch nicht leicht. Was bilde ich mir eigentlich ein? Muss ich mich vielleicht doch einfach nur mal ein bisschen zusammenreißen, oder die Frage der Fragen: Wie machen die das bloß?

 

Das Ende muss der Anfang sein

Bloggertreffen sind für mich, können sie nie sein, keine einmaligen Events, kein Kongress, auf denen man sich austauscht und Neues lernt. Sie sind der Beginn von persönlichen Beziehungen, und die sind nicht punktuell. Sie schreien nach Wiederholung und Vertiefung. Deshalb haben wir das Bedürfnis, die Zeit zurückzudrehen. Deshalb erfreut sich die Seite der Deutschen Bahn heute größerer Beliebtheit. Ich hab schon gerade gebucht fürs Wochenende. Nach Darmstadt diesmal wieder. 

 

Ich freu mich auf und über Euch!

Eure Mo

 

P. S. Wenigstens unsere geplante wöchentliche Nähwerkstatt, die die Frau Chamailion und ich mal angedacht hatten, haben wir in den fünfeinhalb Sätzen, die wir gewechselt haben, ein wenig fester gezurrt. Juhu!

 

Du bist 'n Monstaaa! Schwiegermonstaaa...
Stillen in der Öffentlichkeit - schaut halt weg we...

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