2KindChaos - Eltern Blogazin

Ein Mama und Papa Blog für alle, die chaotische Familien lieben. Wir bloggen über Kinder, Lifestyle und Erziehung.

Jede dritte Frau wird Opfer sexualisierter Gewalt. Ich bin Eine davon

Triggerwarnung: sexuelle Gewalt

Bitte! Atempause! Was geht zurzeit nur ab auf dieser Welt? Die deutsche gespaltene Gesellschaft ist seit Silvester nun noch mehr im Clinch und die Folgen noch nicht abzusehen. Ich habe jetzt definitiv Angst. Eine Angst, die ich vorher recht gut im Griff hatte. Nun kann ich sie nicht mehr überspielen.

 

 

Altweiber werde ich definitiv nicht rausgehen 

Hab ich vorher auch nur selten gemacht. Ich mag dieses besaufen und abschleppen nicht. Egal ob Karneval, Oktoberfest, Schützenfest oder sonst eine Veranstaltung, wo man sich betrinkt und mehr oder weniger gesellschaftlich akzeptiert fremdvögeln darf. Als Frau fühle ich mich wie Freiwild. In diesen Nächten mehr als in anderen.

Dieses Jahr Karneval habe ich vor allem Angst vor arischen Bürgerwehr Vollpfosten, die meinen, Straßen säubern zu müssen. Ich habe Angst vor besoffenen Männergruppen, die aufeinander losgehen und Krieg spielen. Da will ich nicht reingeraten. Es ist ein Hohn, dass diese Männer, die nun die Ehre deutscher Frauen verteidigen wollen, da bisher nie ein Interesse dran hatten. Das sind dieselben Männer vor denen ich schon immer Angst hatte und auch immer haben werde.

Dieselben, die mir als Kind „Scheiß Türkin“ mitten in der Stadt hinterher gerufen haben, dieselben die meine Schwester mit Neger-Rufen bedacht haben, mich und mein Fahrrad in die Büsche getreten haben bloß weil ich die selbe Straße benutzte. Dieselben brüllen jetzt nach Frauenrechten. Das ich nicht lache. Da kann ich noch nicht mal drüber lachen, da kann ich eigentlich nur noch kotzen.

Die Taten der Kriminellen der Silvesternacht sind verabscheuungswürdig und müssen schwer bestraft werden. Aber das Problem versteckt sich nicht hinter ethnischer Herkunft sondern in der kompletten Gesellschaft und auf der ganzen Welt. Es ist das Patriarchat.

 

Eine Milliarde Frauen…

…erleben in ihrem Leben (sexualisierte) Gewalt. Das sind 1 von 3 Frauen weltweit! Diese Statistik (Quelle: Vereinte Nationen) muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.

Ich bin Eine von Dreien. Ich erlebte sogar 2 Übergriffe innerhalb von wenigen Jahren. Und da ich hier anonym blogge, trau ich mich sogar meine Erlebnisse mit euch zu teilen. Zumindest so kurz gefasst wie es mir möglich ist. 

Als meine Brüste anfingen zu wachsen hat ein männlicher Verwandter angefangen mich anzutatschen. Erst so im Spiel, wie zufällig und dann wurde es immer konkreter. Ich habe ganz lange gebraucht bis mir bewusst wurde dass das nicht" normal" ist. Es wurde immer häufiger und die Übergriffe wurden immer extremer. Einmal steckte er mir seinen Finger in die Scheide und hielt ihn mir dann unter die Nase mit den Worten "so riechst du". Als ich es mit ungefähr 12 Jahren erzählte, wurde mir nicht geglaubt und ich wurde fortan mit Schweigen bestraft. Ich war wie Luft für meine Familie. Es wurde sich nicht mehr um mich gekümmert, ich konnte gehen und kommen wie ich wollte. Immerhin hörten auch die Übergriffe auf.

Mit 14 Jahren ging ich auf eine Party von Schulfreunden. Ich weiß nicht mehr genau wie es dazu kam. So viel hab ich verdrängt von diesem Abend... Auf jeden Fall lag ich auf dem Rücken auf einer Matratze im Schlafzimmer und wurde von einem 16 jährigen Jungen vergewaltigt. Mit der Zeit kamen immer mehr Zuschauer (alles Jungs ohne Migrationshintergrund übrigens) dazu und guckten sich das an. Zwei andere probierten auch in mich einzudringen, bekamen aber keinen Hoch. Ich schätze die Zuschauerzahl auf ca. 7 Leute. Ganz genau weiß ich es nicht mehr. Zwischendurch kamen so bewundernde Rufe wie "der fickt die wirklich". Die Altersspanne der Täter belief sich so von 13 bis 16 Jahren und die meisten waren noch jungfräulich. Ich lag ganz still, starr vor Schreck und hielt meine Arme fest verschlossen über meinem Gesicht zusammen, damit niemand meinen Gesichtsausdruck und meine Tränen sehen konnte...

Nun hatte ich ein wirkliches Problem. Zu Hause war die Hölle für mich und in die Schule konnte ich auch nicht mehr gehen. Jeden Tag hatte ich Suizid Phantasien. Ich begann Dummheiten zu machen. Log viel, trank, rauchte. Auch vor meinen Eltern. Ich schnitt mir die Arme auf, bloß damit mal jemand Notiz von mir nahm. Ich bin mir sicher dass es alle gesehen haben. Meine Familie, Mitschüler, Lehrer. Niemand hat mich je darauf angesprochen.

 

Das Leben ist eine Schachtel Pralinen

Durch Zufall lernte ich einen Punker kennen und verbrachte meine Zeit fortan in einem linken Zentrum, wo ich mich in jeder freien Minuten rumtrieb. Das tat mir gut. Die Leute waren nett, hatten ein Ziel, wollten wie ich die Welt verbessern. Ich konnte meine Energien von meinem eigenen Leid weglenken und was Produktives machen. Mit 15 lernte ich meine große Liebe auf einer Antifa Demo kennen. Er war ein paar Jahre älter und hatte praktischerweise eine eigene Wohnung. Sofort bin ich (inoffiziell) von zu Hause ausgezogen. Mit 19 Jahren haben wir geheiratet, mit 30 einen Sohn bekommen und wir werden dieses Jahr unseren 14. Hochzeitstag feiern. Manchmal hat man einfach Glück. 

 

Why I didn´t say nothing

Ein paar Wochen vor Silvester machte der Hashtag "why i didnt say nothing" die Runde. Da kamen meine eigenen Erfahrungen wieder hoch und Gedanken, warum ICH nichts gesagt habe. 

Da die Reaktionen nach dem familiären Vorfall so schlimm waren, kam es mir überhaupt nicht in den Sinn nach der Vergewaltigung noch was zu sagen. Wäre ja eh nix Gescheites dabei rausgekommen. Außer das ich wieder die Blöde bin, die allen das Leben schwer macht.

Mein Hauptgrund zu Schweigen war aber:
Weil es ja nicht so schlimm war.

Weder die Übergriffe innerhalb der Familie (dich hat ja schließlich niemand vergewaltigt), noch die Vergewaltigung (ob die Zuschauer überhaupt wissen was da passiert ist? Immerhin hab ich weder geschrien, noch Nein gebrüllt oder mich sonst wie gewehrt).

Außerdem gibt es Schicksale und Erlebnisse, die gruseln so sehr das mir meins wie Pille Palle vorkommt. Deswegen soll ich nen Aufriss machen? Ne… Lass ma lieber…

 

Und jetzt?

Was kann ich nun tun? Was kann JEDE tun, die sich jetzt nicht gerade Aktivistin nennt?

·       Informiert euch! Hinterfragt kritisch, die Medien die ihr lest und sammelt neue Quellen.

·       Diskutiert! Das Problem ist in der Mitte der Gesellschaft und wir müssen genau da ansetzen. Auf der Arbeit, auf Familienfeiern… Überall wo die Menschen zusammen kommen. Auch wenn es sehr müßig ist. Wir müssen überall Position beziehen, damit wir gesehen und gehört werden.

·       Unterschreibt Petitionen! Das dauert 5 Minuten und man muss noch nicht mal vor die Tür. Was Einfacheres gibt´s nicht!

·       Support your local activist! Liked, verlinkt und spendet für gute Aktionen und Gruppen.

·       Geht auf die Straße! Jetzt, wo das Thema mediale Aufmerksamkeit genießt, werden die Aktionen, die eh immer schon durchgeführt wurden, vielleicht mehr Zulauf erfahren. Werdet Teil davon! Am 14.2., Valentinstag ist die nächste Gelegenheit. Schaut mal hier (onebillionrising.de) ob eure Stadt auch dabei ist. Bringt eure Partner und Kinder mit und lasst uns zusammen Tanzen!

·       Vorbild sein! Wenn ihr Eltern seid, ist es ganz einfach. Lebt einfach so, wie ihr es für richtig haltet und wie ihr euch wünscht, dass euer Kind mit seinen Mitmenschen umgeht. Kinder spiegeln was sie sehen. So könnt ihr eine bessere Welt schaffen!

 

Mehr zum Thema:

Rechtsextreme Reaktionen nach Köln 

Angstmacherei mit System 

Willkommen in der Hölle Ladys 

Was ist #Ausnahmslos 

Petition Ausnahmslos 

UN – Gewalt gegen Frauen 

Wenn ihr andere Tipps habt oder mehr Lesenswertes, immer her damit! Ich erweitere die Liste gerne!

 

 
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