Fremdbestimmte Geburt, überlastete Hebammen und unfreundliches Personal?! Nie wieder Krankenhaus - Geburt

Diese Woche war der letzte Tag des Geburtsvorbereitungskurses - ausnahmsweise mit den Papas. Und ganz ehrlich, ich könnte mich über so einige Dinge aufregen - im Nachhinein - wenn ich vergleiche, wie meine erste Geburt war und was ich jetzt beim zweiten Mal alles besser weiß. Nein, nicht aufregen, heulen. Irgendwie war nämlich alles, auch wenn nach außen hin nichts "Schlimmes" passiert ist, doch ziemlich traumatisch für mich...

 

"Keine rosarote Brille bei der Geburt im Krankenhaus" - Bildrechte: 2KindChaos

 

Geburtsvorbereitungskurs ist auch nicht gleich Geburtsvorbereitungskurs

Leute, Mädels, Frauen, Schwangere. Schaut euch gut an, bei wem ihr den Kurs macht. Ok, ich weiß, heute ist das nicht mehr so einfach, die Hebammen werden ausgerottet und die Kurse sind vermutlich schon ausgebucht, man nimmt was man kriegen kann. Aber wenn! Wenn! Meistens ruft man ja irgendwo an, und wenn die Hebamme da schon unfreundlich oder komisch klingt... oder wenn die Webpräsenz irgendwie unsympathisch rüberkommt, muss das natürlich kein schlechtes Zeichen sein, kann aber. Mein erster Kurs vor zwei Jahren war von einer Klinikhebamme, die selbstständige Nachbetreuungen gemacht hat, und er war wirklich grottenmäßig. Wir saßen die erste Stunde zusammengestaucht auf alten Gymnastikmatten und mussten uns Traumreisen reinziehen, während die Hebamme irgendetwas gelesen hat. Danach hat sie dann Infos von vergilbten Zetteln vorgelesen. Nett war sie, aber das war schon alles. 

Jetzt bin ich in dem Geburtshaus, in dem ich auch entbinden möchte - und ursprünglich wollte ich keinen zweiten Kurs machen, weil ich davon ausging, dass die ja alle gleich sein müssen. Boah nee, Traumreise, leck mich, eine Geburt ist einiges aber keine Traumreise. Zum Glück hab ich mich dann überzeugen lassen, denn neben gut vermittelten Informationen ging es mehr um Dialoge und vor allem auch Partnerübungen (mit den Frauen und in zwei Stunden auch mit Männern). Wenn ich für meine erste Geburt so gut vorbereitet gewesen wäre, hätte ich mich auch deutlich selbstbewusster verhalten können und eher gewusst, was ich will und brauche. 

Leicht traumatisiert vom Gebären im Krankenhaus

Ok, allein schon eine Hebamme an der Seite zu haben, die man kennt und der man vertraut ist Gold wert. Die hätte mir direkt sagen können, dass ich gut noch ein paar Stunden zuhause bleiben kann mit meinen Wehen - denn im Krankenhaus war ich genauso alleine. Ich lief Stunden über den leeren Flur, während die Hebamme vor Ort ihre Büroarbeit (nachts) erledigte. Irgendwann bat ich sie dann um ein Wannenbad. Der Papa versuchte währenddessen, sein Energielevel im Familienzimmer aufzutanken. Die Hebamme jedenfalls war zwar nicht wirklich für mich da, aber sie war wenigstens nett. Die Ablösung leider nicht, denn die warf mich mit den Worten aus der Wanne raus, das Badewasser sei ja kalt und neues würde sie nicht einlassen, dann wäre es zu spät für eine PDA. Äh, ok, brauche ich die? Ich lehnte ein, zwei, drei Mal ab und irgendwann hatte sie mir genügend Angst gemacht, dass ich zustimmte. Der Papa war mittlerweile da und wurde zum Wasserträger degradiert, denn Essen durfte ich ja nicht zu mir nehmen, obwohl ich schon zitterte vor Hunger.

Eigentlich war ich ja auch bei der Aufklärung gewesen, aber mir war nicht klar, was das in der Praxis heißt mit der PDA: ständig das bescheuerte CTG an der Plauze, was irgendwann echt unangenehm ist. Taube Beine, was wiederum heißt, man muss auf dem Rücken liegen was wiederum heißt, die Geburt ist ziemlich beschissen. Und wenn man sie wirklich braucht, bei den Presswehen, wird sie sowieso abgeschaltet - das hatte mir so keiner gesagt. Niemand war für mich da, ich musste den Papa dann auf die Suche schicken, als es so richtig los ging und ab dann wurde er zu meinem Sprachrohr, denn auf das, was ich sagte, hörte sowieso keiner mehr. Auf ihn leider auch nicht, aber ich rechne es ihm an, dass er es versucht hat.

Als das Kind dann endlich geboren war, wurde sie direkt abgenabelt obwohl ich im Aufnahmegespräch etwas anderes gewünscht hatte, gesäubert und vermessen. Ich bekam sie dann gefühlte fünf Sekunden, bevor sie der Papa auf den Arm gedrückt bekam denn ich musste ja noch die anderen unangenehmen Dinge erledigen, die so anstehen. Möglichst schnell, versteht sich, man hat es ja eilig. Personalmangel und so. Ich heulte mittlerweile nur noch, weil mich die Sehnsucht nach meinem Kind so zerriß, kalter Schock deluxe.

Auch die Krankenhausbetreuung war furchtbar, keiner hatte Zeit, das mit dem Stillen zu erklären, dafür wurde ich in militärischem Tonfall über Hygienemaßnahmen aufgeklärt und musste den durchgeknallten Zeitplänen der Schwestern folgen. Solch wichtige Dinge wie nachts um vier das Kind baden oder mir um fünf den Blutdruck messen lassen (im Schlaf), weil sie ja dann die meiste Zeit hätten. Überhaupt platzte ständig jemand herein und forderte etwas "Ich muss dann mal ihr Kind mitnehmen." oder "Ich putze jetzt das Bad." Da war der Spruch "Schlafen Sie doch wenn das Kind schläft" wirklich nur noch ein müdes Lächeln und einen inneren Mittelfinger wert.

Schöne heile Welt im Geburtshaus

Ich muss es unbedingt! schaffen bis zur 37. Woche, denn es könnte so schön sein! Es ist ja irgendwie auch für die Papas gleich ein ganz anderes Gefühl, wenn sie von Anfang an mithelfen können bei der Geburt, auch wenn sie natürlich nicht so viel machen können. Aber die Vorstellung, so ganz hilfloser Zuschauer zu sein, stelle ich mir auch nicht so schön vor. Aber hey, weg von den Papas.

Ich hätte es so toll gefunden, jemand chilligen an meiner Seite zu haben, eine Hebamme, die wirklich da ist, mich beruhigt und mir auch sagt, was ich bei den Schmerzen machen kann. Die nicht nur sagt, ich soll rufen wenn die Presswehen kommen. Denn der Spaß geht ja schon vorher los. Eine, die nicht drängt und aufzwingt und einen dann überrumpelt und fremdbestimmt, sondern die der Person das Geschehen überlässt, die den Hauptteil tragen muss: der Mutter. Und der Person, die auch Teil der Familie und des Gebärvorgangs sein sollte, dem Vater. Wie wichtig das eigentlich ist, denn das ist ja die Weichenstellung für den Start ins Familienleben...

 

Übrigens: bei der Blogparade von Susanne Mierau gibt es weitere tolle Artikel zum Stöbern, wieso es nicht ohne Hebamme geht - und nicht nur in der Klinik!

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