Erfolgreich als Ebook Autor im Eigenverlag? Ein Interview mit Emma Wagner

Emma ist Dreifachmama und hat bereits zwei erfolgreiche Chic Lit Romane als Ebooks publiziert, der dritte steht auch schon in den Startlöchern. Ich habe mal die Gelegenheit ergriffen und sie gefragt, wie ihre Romane entstehen, was sie bei Schreibblockaden macht und welche Vorteile das Selfpublishing hat. Außerdem gibt sie einen kleinen Einblick in ihr chaotisches Familienleben...

 

Emma Wagner ist eigentlich ein Autoren Pseudonym

 

Liebe Emma, danke dass du dich so bereitwillig von mir ausquetschen lässt! Erzähl doch erstmal kurz wer du bist und was du so machst.

Aber gerne doch! Nun, zunächst und an erster Stelle einmal mit ich Dreifachmama. Und das mit Leib und Seele und jeder Menge Schlafmangel! Und da mir der Schlafmangel und der Stress als berufstätige Mutter nicht reichen, schreibe ich seit 2013 auch noch nebenher Romane. Mehr oder weniger verrückt scheine ich also zu sein. Emma Wagner ist dabei mein Autorenpseudonym. Ich hatte damals nämlich beschlossen, nicht unter meinem realen Namen zu veröffentlichen, weil ich befürchtete, es könne ein totaler Reinfall werden. Und ich wollte nicht für den Rest meines Lebens gezwungen sein, meine Sonntagsbrötchen online zu kaufen.

Gott sei Dank kam es ganz anders, doch ich habe mich inzwischen so sehr an mein Pseudonym gewöhnt, dass ich ihn nicht mehr hergeben will. Er fühlt sich schon so sehr wie ein realer Name an, dass ich mich immer öfter dabei ertappe, wie ich Mails meines „realen“ Ich mit meinem Pseudonym unterzeichne. Oweh. Also auch noch leichte Schizophrenie... Oder ich hieß in meinem letzten Leben tatsächlich Emma Wagner. Wenn nicht, liebes Universum, weißt du ja, was ich mir für das nächste Leben wünsche. Abgesehen vielleicht von Hemden, die sich selbst bügeln.

Worüber schreibst du in deinen Büchern und in wie weit hat das mit deinem realen Leben zu tun?

Über die Liebe, das Leben und den ganzen Rest! Am allerliebsten mit viel Humor gewürzt. Und mit meinem realen Leben hat das eine ganze Menge zu tun, denn ohne Humor hätte ich hier wohl schon längst die Flagge gestrichen.  So basiert mein erstes Buch „Liebe und andere Fettnäpfchen“ auf meinen Erlebnissen und denen meiner Freundinnen während unserer Studentenzeit in Heidelberg, als wir alle noch auf der Suche nach Mr. Right waren. Ein Unterfangen, das – wie der Titel schon sagt – nicht ohne den einen oder anderen (oder auch etwas mehr davon) Fehltritt vonstatten ging. 

Bei meinem zweiten Roman „Das Handy in der Hummersuppe oder Ein harter Job für die Liebe“ hingegen habe ich mir für die Rahmenhandlung all die sonderbaren und dennoch liebenswerten Kollegen und weniger liebenswerten Chefs zur Brust genommen, denen zu begegnen, ich im Laufe meines Berufslebens das Glück – oder Unglück – hatte. Und für meinen dritten Roman „Die Liebe ist (k)ein Basketballspiel“ habe ich mich von Geschichten meines Mannes, eines ehemaligen Basketballers, inspirieren lassen.

Meine Romane sind also immer eine Mischung aus Realität und Fiktion und nahmen alle praktisch ihren Anfang im Sommer 2013, theoretisch jedoch mit meinem Studienbeginn in Heidelberg vor fast - naja, sagen wir mal, vor ein paar Jährchen. Und dabei verschlug es mich eigentlich nur nach Heidelberg, weil ich auf eigenen Beinen stehen und möglichst weit weg von zu Hause studieren wollte. Etwas das ich heute ziemlich bereue, da ein paar Großeltern, die mich beim Kinderbuch-Vorlese-Marathon mal ablösen könnten, nicht schlecht wären.

Trotzdem war es eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Denn in und an Heidelberg verlor ich mein Herz. Die drei wundervollsten Kinder der Welt (was sonst) sind die Folge. Und ohne diese total verrückte, megastressige und doch unglaublich schöne Zeit, die ich seit dem Studienbeginn und noch viel mehr seit der Geburt meiner Kinder habe, hätte ich sicher nicht so Vieles, über das ich schreiben könnte.

Welche schriftstellerischen Pläne hast du für die nähere Zukunft?  

Eine ganze Menge, doch die konkretesten sind Folgende: Parallel zu meiner Heidelberg-Chick-Lit Reihe habe ich bereits mit einem zur Abwechslung mal sehr dramatischen, in England spielenden Liebesroman begonnen. Außerdem habe ich mit 4 Autorenkolleginnen die Amor’s Five gegründet und als solche schreiben wir gemeinsam an einem fünfbändigen Liebesroman. Ein sehr spannendes Projekt.

Wie entstehen deine Bücher? Wie genau gehst du da vor, wann schreibst du und wie schnell entsteht ein Buch von dir?

Erst sind sie ein Gedankenfetzen, der mich hartnäckig verfolgt. Eine Szene, die ich in meinem Geiste wie einen Film vor mir ablaufen sehe. Ein Dialog, der mir plötzlich in den Sinn kommt. Eine ungewöhnliche Person, die mit einem Mal in meinem Kopf herumgeistert. Irgendwann nerven diese Gedankensplitter mich so sehr, dass ich mich ihnen zuwende und diese Hirngespinste weiterdenke und plötzlich feststelle, dass sich da eine komplette Story draus ergeben hat.

Und dann? Naja, da habe ich inzwischen alles Mögliche ausprobiert.Bei meinem ersten Roman habe ich einfach wild drauflosgeschrieben, ohne zu wissen, was die nächste Szene bringen oder wie der Roman enden wird. Bei meinem zweiten Roman stand das Ende von vornherein fest. Wild drauflos geschrieben habe ich trotzdem. Und beim dritten stand seltsamerweise zuerst der Mittelteil, die dramatische Zuspitzung. Dann erst folgten der Anfang und Schluss. Doch auch hier habe ich mich einfach von meinen Gefühlen und meinen Gedanken tragen lassen.

Bei allen drei Romanen hat diese Vorgehensweise irgendwie Erfolg gehabt. Doch sie kostet sehr viel Zeit und Nerven, vor allem hinterher, im Lektorat, wenn dann so viele der ach so heißgeliebten Wörter wieder weggestrichen werden müssen, weil sie nicht dem roten Faden folgen. Das tut weh. Sind ja irgendwo auch alles meine Babys.

Daher habe ich mein viertes Buch, an dem ich gerade schreibe, von Anfang bis Ende durchgeplottet, weiß genau, wann was in welcher Szene passiert. Theoretisch zumindest. Denn vieles ändert sich bei mir während des Schreibens dann doch wieder. Da verhalten sich die Personen plötzlich ganz anders, als ich mir das ursprünglich gedacht hatte. Andererseits finde ich immer, dass dies das beste Zeichen dafür ist, dass die Geschichte lebt.

Wie hast du „richtig Schreiben“ gelernt? Kannst du anderen Schreibwütigen gute Tipps geben wie man seinen Stil verbessern kann?

Bei meinem ersten Roman hatte ich, wie gesagt, einfach drauflos geschrieben, ohne mir um irgendetwas Gedanken zu machen. Am allerwenigsten darum, was da noch alles auf mich zukommt, wenn das Buch schon fertig ist. Und das war auch gut so. Sonst hätte ich die ganz Sache wohl sofort abgebrochen. Erst als ich fassungslos festgestellt hatte, dass sich nicht nur, wie eigentlich erwartet, drei oder vier Leser für mein Buch interessierten, sondern es in den Rängen nach oben schoss, legte ich mir Schreibratgeber und theoretische Werke zu. Und so ein klein bisserl vorbelastet war ich in dieser Hinsicht ja auch durchs Studium schon. Ja, dieses schreckliche Wort, das mit ,G‘ anfängt und mit ,ermanistik‘ aufhört.

Sehr wichtig ist jedoch, zumindest meiner Ansicht nach, auch selbst viel zu lesen. Und da sind wir wieder beim leidigen Zeitproblem. Während ich früher dicke Wälzer in wenigen Tagen verschlang, so habe ich leider, seit ich selbst schreibe, so gut wie gar keine Zeit mehr, etwas nur zum Vergnügen zu lesen. Also zu meinem Vergnügen, nicht dem meiner Kinder. Denn so richtig viel Vergnügen stellt sich bei mir nach der hundertsten Wiederholung ein und derselben Benjamin Blümchen Geschichte nicht mehr ein. Seufz.

Was machst du bei einer hartnäckigen Schreibblockade?

Das kam zwar bislang noch nicht besonders häufig vor – aber ich habe ein ultimatives Heilmittel für alles, sogar noch effektiver als Omis hochgelobte Tasse heißen Tee: Kinder durchkuscheln, mit ihnen durch das Zimmer toben und einfach nur Blödsinn machen! 

Du verlegst deine Bücher selber. Welche Gründe hat das und kannst du das empfehlen?  Was lohnt sich mehr - Ebooks oder „richtige“ Bücher?

Das Selfpublishing hat natürlich Vor- und Nachteile.

Vorteil: Der Autor erhält bei Amazon 70% des Verkaufspreises. Wenn der Autor über Distributoren, wie z.B. neobooks auch Shops wie Thalia, Weltbild usw. beliefert, erhält er aber etwas weniger. Arbeitet der Autor jedoch mit einem Verlag zusammen, erhält er in der Regel (sehr bekannte oder Bestsellerautoren mal ausgenommen) sogar nur 5 % des Verkaufspreises. Außerdem kann der Autor den Roman immer wieder durch selbstgesteuerte Werbe- und Preisaktionen wieder ins Bewusstsein der Leser zurückbringen, während ein Verlagstitel in der Regel seine 3 Monate in der Auslage liegt und dann durch neue Ware ersetzt wird.

Nachteil: Der Autor muss sich um absolut alles selbst kümmern, vom Lektorat über das Coverdesign bis hin zum Marketing. Und das kostet unglaublich viel Zeit! So viel Zeit, dass ich manchmal frustriert das Handtuch werfen möchte, weil ich kaum noch zum Schreiben kommt.

Im Zusammenhang mit dem Selfpublishing machen dann auch eBooks mehr Sinn, weil sie vom Preis her natürlich viel günstiger sind als Prints und viele Leser für den Roman eines unbekannten oder Indie-Autoren nicht so viel Geld zu zahlen bereit sind wie für den Roman eines bekannten oder Verlagsautoren. Ich selbst versuche mich möglichst breit aufzustellen: Ich veröffentliche jeweils einen Titel exklusiv nur über Amazon, während ich die anderen sowohl bei Amazon als auch bei neobooks anbiete. Außerdem biete ich meine Romane in beiden Formaten an: eBook und Print.

Als Familien Bloggerin interessiert mich natürlich zum Schluss noch: wie passen die Autorentätigkeit und deine Familie zusammen?

Also, ich sag mal so: Momentan lässt es sich nur insofern gut vereinbaren, als ich eben von zu Hause arbeite. Auch wenn das, da meine Kinder noch so klein sind,  nicht durchschlafen und auch noch nicht alle im Kindergarten sind, damit einhergeht, dass ich nachts arbeite und zu wenig schlafe. 

Typische Tage sucht man bei mir vergebens. Jeder Tag ist eine neue Herausforderung und verläuft unvorhersehbar – und dabei will ich gar nicht erst von kaputten Spülmaschinen, grippekranken Kindern oder (noch schlimmer) erkälteten Männern – anfangen. Denn zwischen Kindergarten, Babyschwimmen, Arztterminen, Basketballtraining, Kinder-Singen, Kinderschwimmen, Spieleverabredungen, Zoo-Besuchen, Kindergeburtstagen und allem, was sonst noch so dazu gehört, muss ja auch – selbst wenn man sich jeden Virus eingefangen hat, den der Kindergarten zu bieten hatte – noch gekocht, geputzt, Wäsche gemacht, Bücher vorgelesen, Baby gewickelt, Sauereien beseitigt, die Kinder erzogen und ab und zu auch mal ausgeflippt werden... Naja, und dann muss eben abends auch noch irgendwie geschrieben werden, selbst man so müde ist, dass man fast vom Klo fällt.

Doch ich denke, dass es sich immer leichter vereinbaren lässt, je älter sie werden. Zumindest kann man dann mal hier oder dort zwei Stündchen abzwacken, um in Ruhe schreiben zu können, ohne alle zwei Minuten aus seinen Gedanken herausgerissen zu werden, weil gerade diverse Cremetuben an den Möbel ausgedrückt, sämtliche Regale ausgeräumt oder Wettbewerbe im Couch-Weitspringen veranstaltet werden. Doch das ist okay. Verdächtig ist ja nur plötzliche Stille. Dann schrillen meine Alarmglocken.

Ein großer Nachteil am Schreiben ist allerdings – zumindest bei mir – dass ich nicht abschalten kann. Früher blieb die Arbeit, wo sie hingehörte, nämlich am Arbeitsplatz. Jetzt begleitet sie mich in meinem Kopf auf Schritt und Tritt. Doch zum Glück sind wir Frauen ja bekanntermaßen multitasking-fähig. So bin ich inzwischen in der Lage, mit Baby auf dem Arm beim Haarewaschen zu telefonieren, während ich meine beiden großen Kleinen davon abzuhalten versuche, die Orchideen in Multivitaminsaft zu ertränken und dabei gleichzeitig über den Plot meines neuen Romans nachdenke.

Und ich bin stolz darauf! Ich hoffe nur, dass meine Kinder es einmal auch sein werden. Also stolz auf ihre Mama!

 

Emma's Schreibtisch - bunt und chaotisch

 

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Bildrechte alle Bilder und Buchcover: Emma Wagner

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