Wie einen das Alleinerziehend - Sein stark machen kann. Ein Mama Interview

Dani ist 31 Jahre alt, arbeitet als Chemikerin in Teilzeit und erzieht ihre zweijährige Tochter seit neun Monaten alleine. Probleme hat sie vor allem mit der finanziellen Situation und dem schlechten Gewissen, weil sie so viel arbeiten muss und von der Freizeit auch nicht mehr so viel für ihre Tochter übrig bleibt. Wie sie das trotzdem alles schafft, erzählt sie in einem sehr offenen Gespräch mit mir...

 

"Dani und ihre Tochter" - Quelle: privat

 

Hallo liebe Dani, danke dass du dich von mir interviewen lässt. Momentan geht so einiges zum Thema "Alleinerziehende Mütter" durch die Medien - was ist da bei dir hängen geblieben und wie fühlst du dich dabei?

Hallo liebe Frida. Danke, dass ich zu dem Thema meinen Senf abgeben darf. Ich muss sagen, solche reißerischen Sendungen von dem bekannten Privatsender schaue ich mir gar nicht erst an, da müsste ich mich zu sehr aufregen. Außerdem liege ich um die Uhrzeit schon meistens im Koma. Aber auch ich habe als Alleinerziehende mit diversen Vorurteilen zu kämpfen. Am Anfang hatte ich damit große Probleme, mittlerweile kann ich glücklicherweise meistens drüber lachen, das andauernde schlechte Gewissen meiner Tochter gegenüber und die ständigen Sorgen bleiben allerdings.

Warum genau hast du ein schlechtes Gewissen, worüber machst du dir die meisten Sorgen?

Die finanzielle Situation ist nicht so einfach. Ich gehe Teilzeit arbeiten (25 Stunden/Woche), wenn man Kindergeld, Betreuungsgeld und den Unterhalt dazurechnet, reicht es, aber ich kann nichts zurücklegen und es darf nichts Unvorhergesehenes passieren. Ich kann nicht mehr Stunden arbeiten, weil ich für mehr Stunden keine Betreuung habe und will es auch ehrlich gesagt nicht, weil ich meiner Tochter gegenüber ein schlechtes Gewissen habe, weil ich wenig Zeit habe, um mit ihr zu spielen bzw. bewusst Zeit mit ihr zu verbringen. Ich habe ja den kompletten Haushalt alleine zu wuppen, das kann ich nicht alles erledigen wenn sie schläft. Auf der Arbeit muss ich auch oft Sachen unerledigt lassen, was eigentlich nicht meine Art ist. Da kommt noch das schlechte Gewissen den Kollegen gegenüber dazu. Ich muss mich ja auch reinhängen - wenn ich den Job verlieren würde, wäre ganz heftig.

Wie läuft es denn auf der Arbeit - müssen die Kollegen öfters mal Rücksicht nehmen? Wenn ja: wie gehen Chef und Kollegen damit um? Und war es schwierig für dich als Alleinerziehende einen Job zu finden nach der Elternzeit?

Ich denke, ich habe das mit der Arbeit gut im Griff. Meine Tochter ist bei meiner Mutter und da ist es nicht ganz so tragisch, wenn ich mal 10 Minuten länger bleiben muss oder sie erkältet ist. Wenn sie in den Kindergarten kommt, wird das anders werden, da meine Mutter dann auch zwei Vormittage arbeitet, ich sie pünktlich vom Kindergarten abholen bzw. zuhause bleiben muss, wenn sie krank ist. Ob das dann auf so viel Verständnis stößt, werde ich sehen. Eine Kollegin erntet da zeitweise genervte Blicke oder Unverständnis, und sie ist noch nicht mal alleine... Das Alleinerziehen war bei der Jobsuche eigentlich nicht das Problem, generell eine Teilzeitstelle zu finden war schwierig.

Wie klappen denn die Absprachen mit deiner Mutter? Und wie ist die Betreuung mit dem Vater geregelt? Schafft ihr es alle an einem Strang zu ziehen?

Mit meiner Mutter ist es gut organisiert, sie denkt in Erziehungsfragen grundsätzlich ähnlich wie ich. Der Vater kommt einmal unter der Woche abends und ist am Wochenende ebenfalls da. Die Erziehung bleibt trotzdem an mir alleine hängen. Meine Mutter und meine Oma verwöhnen meine Tochter gerne, leider oft mit Süßigkeiten. Das ist schon grenzwertig, weil sie natürlich bei mir dann auch bettelt und wir schon den einen oder anderen Wutanfall an einer Supermarktkasse hatten... Der Vater macht ebenfalls gerne Dinge, hinter denen ich nicht wirklich stehe, Handyvideos gucken zum Beispiel oder das Belohnungs-Spielzeug, wenn sie beim Einkaufen lieb war. Klar kann man sie damit ruhig stellen, wenn sie quengelt, aber dass man mir damit in den Rücken fällt, kommt manchmal nicht so an. Ich bin dann in den Augen meiner Tochter immer die böse Mama, die alles verbietet. Es ansprechen hilft kurzzeitig, dann ist es aber wieder vergessen. Aber im Großen und Ganzen bin ich sehr froh, dass ich sie habe.

Wie fühlst du dich denn als Alleinerziehende? Wünschst du dir manchmal einen Partner an deiner Seite oder denkst du, dass du besser allein zurechtkommst?

Hm, das ist eine schwere Frage. Die meiste Zeit komme ich gut mit der Situation klar, die Trennung war ja auch nicht unbegründet. Es ist nicht einfach, ihren Vater immer vor der Nase zu haben. Ich frage mich oft, ob ich nicht noch mehr kämpfen hätte sollen, aber letzen Endes hatte ich dazu keine Kraft mehr. Es ist jetzt ruhiger geworden, und ich denke wenig darüber nach, verdränge diese Gedanken meistens.

An manchen Tagen macht sich die Erschöpfung doch bemerkbar, die Doppelbelastung Kind und Beruf, die Verantwortung für alles alleine zu tragen. Meine Tochter hatte Anfang Dezember drei Nächte lang Pseudo-Krupp-Anfälle. Ich habe während dieser Zeit nicht geschlafen, habe versucht immer entspannt zu sein, auch wenn man vor Angst um das Kind nicht mehr klar denken kann. Da wäre es schön, jemanden an seiner Seite zu haben, der einen in den Arm nimmt, einem wieder Mut macht und das Gefühl gibt, nicht alleine zu sein.

Wie, denkst du, wirkt sich dein Single Mom Dasein auf das Verhalten deiner Tochter aus?  Oder denkst du eher dass es keinen Unterschied macht - immerhin hat sie ja Kontakt zum Vater...

Ich denke, es macht keinen großen Unterschied für sie, wie Du schon sagst, sie hat ja einen guten Kontakt und sie kennt es ja auch nicht anders. Außenstehende, wie zum Beispiel meine Nachbarin, sehen das wahrscheinlich anders. Wobei wir beim Thema Vorurteile sind. Jedesmal wenn ich sie sehe, kommen Sprüche wie "na, da weint aber jemand viel in letzter Zeit. Sie vermisst bestimmt ihren Papa..." oder "Sie gehen ja auch sehr viel arbeiten, ICH würde das in keinem Fall machen!". Ja, als druff! Oder eine Öko-Super-Mutti aus dem Kinderturnen "Hast Du Dir schon mal Gedanken gemacht, ob das Beißen von Deiner Tochter vielleicht aus Deiner Überforderung bzw. Deiner mangelden Zeit für sie kommt?" Ja, meine Tochter beißt hin und wieder. Man kann sich jetzt darüber streiten warum. Meistens tue ich das mit nem Lächeln ab und denke das böse A-Wort, aber in manchen Momenten denke ich schon drüber nach, ob sie nicht recht haben.

Wo musst du Abstriche machen - und hat das dann mit dem alleine erziehen zu tun oder eher mit dem viel arbeiten?

An erster Stelle wohl an der Zeit für mich. Die habe ich nämlich kaum. Abends, wenn meine Tochter im Bett ist, könnte ich mal was für mich machen, aber die Zeit geht meistens für Bürokram und Haushalt drauf. Und wenn ich dann mal lese, bin ich nach zehn Minuten eingeschlafen. Meine Freunde wissen mittlerweile, dass sie zu mir kommen müssen, wenn wir uns treffen wollen. Das ist auch kein Problem für sie. Oder wir treffen uns auf einem Spielplatz oder im Sommer am See. Das ist ein guter Kompromiss der meistens auch für meine Tochter sehr spaßig ist. Manchmal gibts schon noch die ein oder andere komische Situation, wenn ich eben nicht spontan mit ins Kino kommen kann, aber da haben sie eben einfach nicht dran gedacht und ist nicht weiter schlimm. So Dinge wie abends in Clubs oder Discos zu gehen, bis in die Puppen zu feiern, vermisse ich eigentlich nur selten. Da haben sich eindeutig die Prioritäten verschoben.

Was ich eindeutig vermisse ist das Ausschlafen am Wochenende! Aber Dinge, die mir wirklich wichtig sind, versuche ich zu verwirklichen. Und meistens klappt es auch recht gut, es erfordert nur etwas Organisation. Sicherlich wäre es mit Partner um einiges einfacher, sich mehr Freiräume zu erschaffen, aber manchmal hilft es auch schon, Wichtigkeiten zu überdenken. Und ehrlich gesagt habe ich wahrscheinlich mehr Zeit für mich als in einer Beziehung.

Danke für diesen sehr privaten Einblick! Gibt es abschließend irgendetwas, das du Müttern, die frisch alleinerziehend sind, gern mit auf den Weg geben möchtest? 

Auch wenn der Anfang schwer ist, nicht aufgeben! Wir wachsen mit unseren Aufgaben und unsere Kinder sind es wert, dass wir kämpfen. Jeden Tag aufs Neue, es macht stark und unabhängig, den täglichen Alltagsterror alleine zu wuppen. Und bloß nicht auf Nachbarn oder gute "Ratschläge" hören, ihr wisst am Besten, was für Euch und Eure Kinder gut ist!

 
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