Kein Mitleid für die zweite Schwangerschaft?! Wenn Mama da durch muss

Wenn ich in meiner ersten Schwangerschaft gewusst hätte, wie selten so viel Anteilnahme in der zweiten sein würde, hätte ich sie möglicherweise etwas weniger nervig gefunden. Nein, ich hätte sie genossen. Wer bereits mein Bullshit Bingo für die zweite Schwangerschaft gelesen hat, wird wissen, was ich meine..

 

"Huch, ich bin ja schwanger. Gar nicht bemerkt... meine Snacks leg ich da immer drauf ab!" - Bildrechte: 2KindChaos

 

Oh wie schön ist Anteilnahme

Wie haben sich doch alle überschlagen, als ich verkündete, dass ich zum ersten Mal schwanger sei. Ja wie geht es dir denn? Dir ist doch nicht etwa schlecht? Wehe du trägst eine Einkaufstüte, du weißt ja, bloß nicht mehr als 5 Kilo heben! Ach, Autofahren, das ist viel zu gefährlich, lass dich lieber fahren! Willst du stillen? Also bei mir war das ja sooo... Was macht das Baby, zeig doch mal das Ultraschallbild! Habt ihr schon einen Namen? Wollt ihr jetzt heiraten? Ihr lasst es aber schon taufen? Blaaaablaaaablaaaaaaa! Ich erspare euch den Rest, zumal ich damit die Nähte eines normal langen Blogartikels sprengen würde. Worauf ich hinaus will: jeder hatte etwas zu sagen, eine Meinung aufzudrücken, Ängste anzubringen. Ein wenig penetrante Einmischung war auch dabei; unterm Strich fühlte ich mich ein wenig zu sehr beachtet, die Schwangerschaft fand unter der Lupe der (weiteren) Familie, Kollegen, Bekannten statt. Alles war hoch interessant und diskussionswürdig, jeder hatte eine Meinung. Was hat es mich genervt... 

Wenn etwas noch mehr nervt als Anteilnahme dann ist es Ignoranz

Ja wenn ich gewusst hätte, dass es noch blöder werden kann. Als Reaktion auf die zweite Schwangerschaft kamen neben blöden Fragen wie "Traut ihr euch denn wirklich noch ein zweites Kind zu?" saublödere Fragen wie "Und, war es denn geplant?!" Ächt jetzt? Geht's noch? Kein Witz, das haben durch die Bank weg alle gefragt, besonders angenehm von Schwiegerleuten und weit entfernten Bekannten oder gar Klienten. Familienplanung scheint heutzutage kein Tabuthema mehr zu sein, oder wie ist das zu verstehen... am Ende erwarten die noch den Beweisfilm, dass es doch geplant war und wie lange man "gehibbelt" hat. (Gibt es eigentlich ein bescheuerteres Wort? Sorry an alle Mamas da draußen die gern gehibbelt haben und auch gern und oft über das hibbeln gesprochen haben, aber das Wort geht gar nicht! Man sagt ja auch nicht "gebumselt" oder etwa doch?) 

Aber ok, irgendwann ist die Botschaft bei allen angekommen, die Frida ist noch mal schwanger. Gähn. Und, wie ist das Wetter heute? (Hat denen wohl zu lange gebraucht? Oder nicht lang genug?) Die Tatsache, dass mir übel war wie noch nie zuvor in meinem Leben, hat ungefähr so viel Anteilnahme ausgelöst wie ein mittelprächtiger Heuschnupfen. Ja, is halt blöd, ne. Dass ich über den Boden gekrochen bin wie eine entbeinte Stabheuschrecke, um mein aufgedrehtes Kleinkind zu betreuen, löste da leider auch kein ausgedehntes "Ooh" aus - selber Schuld, da muss man durch. Gerade die ältere Generation scheint da mit einem mentalen "Been there, done that!" einen harten Standpunkt zu vertreten. Ok, bin ich eben ein gottverdammter Whimp, aber es war drei Monate Hölle! Wenn mir wenigstens nur schlecht gewesen wäre, aber den ganzen Tag allein Kinder betreuen, da hört es echt auf. Dazu noch alle paar Tage Migräne, und ich könnte jeden fressen, der mir von der ach so schlimmen Männergrippe vorheult.

Erschöpfte Kleinkind - Mama und nebenbei schwanger

Nachdem ich die angenehme Mitte der Schwangerschaft dann mit Umzug und Aufräumarbeiten verplemperte, stand ich plötzlich mit riesigem Bauch, extremen Rückenschmerzen, Erschöpfungszuständen und halbem Nervenzusammenbruch jeden Tag ganz alleine da. Meine Tochter hatte es sich angewöhnt, keinen Mittagsschlaf mehr zu machen und so war ich, Papas Schichtdienst sei dank, oft den ganzen Tag bis zum Ins - Bett - Bringen alleinerziehend. (Tiefsten Respekt vor allen wirklich Alleinerziehenden by the way!) Nachts dann eigentlich auch, denn da konnte der Papa eigentlich noch nie irgendetwas übernehmen. Und wie schön es ist, nach so einem Tag auch noch eine zweistündige Nachtschicht und mindestens zehn Mal weiteres Aufwecken zu ertragen, kann man sich ja in etwa vorstellen, oder? Unser täglich Brot gib uns heute...

Tja, und interessiert es irgendwen? Nope! Jeder will eigentlich nur hören, dass doch alles gut läuft - und ja, ich bin froh und dankbar, dass ich keine Schwangerschaftskomplikationen habe, aber das heißt ja nicht, dass mein Leben deshalb fluffig und easy wäre. Stattdessen bekommt man noch von der Ärztin reingedrückt, man solle doch gefälligst nicht so viel fressen (Hallo, Verzweiflung!) oder von der Schwiegermutti, ob die Müdigkeit am Ernährungsdefizit liegt (kann ja nur das bekannte vegan - vegetarische Problem sein, oder? Klar!). Schnell ein paar Eisentabletten reingeknallt und weiter geht's. Manchmal glaube ich, nur weil viele schon selbst mehrere Kinder aufgezogen haben oder "aus dem Gröbsten heraus sind", meinen sie, alle Tücken der Erziehung und der Alltagsprobleme zu kennen. Dabei vergessen sie aber leider, dass zum einen nicht jede Schwangerschaft gleich ist, und schon gar nicht alle Kinder. Ich wär auch gern eine sportlich schlanke Supermutti, die nur 5 Kilo zugenommen hat und ihr Kleinkind mit Links wuppt. Es soll sie ja geben, die Kinder, die schön auf die Uhr getaktet leben und ihr Schläfchen machen und trotzdem abends früh ins Bett fallen. Bislang wollte aber keiner sein perfektes Superkind mit mir tauschen, und bis dahin muss ich dann wohl durch...

 
Ich hätte dich fast verloren. Brief an mein Baby
Regretting motherhood? Die Suche nach dem Glück

Ähnliche Beiträge

 

Copyright © 2015-2017 2KINDCHAOS - ELTERN BLOGAZIN Alle Rechte vorbehalten.
Powered by Hilkert Consulting