Ich versage als Zweifachmama - ich kann es keinem recht machen

Nun bin ich seit etwa einem Monat Zweifachmama und muss sagen: vom absoluten Chaos abgesehen ist doch eine Sache richtig schlimm: ich hab das Gefühl, dass mir meine Große total fremd ist oder wird. Ich komme mir so richtig vor wie eine Versagerin, weil ich es nicht schaffe, ihr genügend Zeit und Aufmerksamkeit zu widmen, noch nicht mal in meinen Gedanken...

 

 

Zwei Kinder brüllen gleichzeitig - einmal entscheiden bitte

Das ist für viele Mamas vielleicht kein Problem, schon oft habe ich gerade von Zweifachmamas gehört, sie könnten ihre Kinder "besser schreien hören als beim ersten". Das ist nicht ganz verkehrt, denn wenn ich dran denke, dass ich bei meiner ersten Tochter garnichts anderes machen konnte, wenn sie schrie, gehe ich jetzt zumindest mal duschen oder esse etwas, weil ich sonst nicht dazu komme. (In der Zeit wird sie natürlich vom Papa betreut.) Aber ich bin ganz sicher nicht total cool, wenn beide brüllen! Und meistens ist das ja der Fall; das Baby hat Hunger und weint und die Große schreit, das Baby solle weg oder es stört oder der Papa soll es nehmen oder sie wolle zuerst. (Langzeitstillen hat viele Vorteile, das allerdings nervt gewaltig.) 

Ich sehe meine Große an und sehe ihre Not, wie unglücklich sie aus großen Augen zu mir hochschaut und wie enttäuscht sie ist, wenn ich mal wieder das Baby anlege und genervt zu ihr sage, sie solle warten. Eine Zweijährige kann kein Verständnis dafür haben, dass ein Baby nicht warten kann, wenn es Hunger hat, und sie denkt vermutlich, ich hätte sie weniger lieb, egal wie oft ich es ihr auch sage, in solchen Momenten zerreißt es mir schier das Herz so gemein komme ich mir vor... Andererseits gibt es auch die Situation, dass ich die Große ins Bett bringen will, was oft ewig dauert, und ich liege mit ihr im Dunkeln und heule still vor mich hin, weil ich mein Baby schreien höre... findet der ein oder andere vielleicht lächerlich, aber das ist echt Folter für mein Mamaherz!

 

Qualitytime für die Große? Schaffe ich kaum

Es gibt viele tolle Ratgeber, auch im Internet, wie man mit dem Entthronen des großen Geschwisterchens umgehen sollte. Wohlgemerkt, sollte. In der Theorie weiß ich das auch: ganz viel Aufmerksamkeit geben, ganz viel zusammen spielen, möglichst viel Normalität erhalten. Und die Wahrheit sieht so aus: weil ich länger aufbleibe mit dem Baby, schlafe ich morgens länger weil ein Mittagsschlaf nämlich nicht drin ist. Also ist morgens der Papa der Ansprechpartner, was er auch echt gut macht. Dann kocht er meistens auch noch, während die Große ein Video schauen darf - ich würde ja auch mit ihr spielen, wenn ich nicht zu dem Zeitpunkt schon auf dem Pezziball sitzen würde, um dem Baby seine Bauchschmerzen erträglicher zu machen. Wähhh, kreisch! Beim Mittagessen muss auch einer hüpfen, der andere die aufsässige Große davon abhalten, mit Essen zu schmeißen. Entspannung pur sag ich euch. Und der Rest des Tages sieht ähnlich aus. 

Ich versuche mindestens ein Mal am Tag länger mit ihr zu spielen, klappt zwar auch mal, aber ich habe dabei immer ein Ohr beim Baby - wenn es zu doll weint, muss ich einfach hin, weil ich das garnicht aushalte. In den seltenen Fällen, in denen sie mal kein Bauchweh hat, sitzen wir auch zu dritt im Kinderzimmer... und was noch einigermaßen geht ist rausgehen mit Baby in der Tragehilfe, wobei ich da auch meist spazierengehen muss weil die Bauchschmerzen sie sonst nur schreien und zappeln lassen. Ich hoffe wirklich, dass das bald besser wird, denn sonst weiß ich nicht, wie ich es allein mit beiden schaffen soll...

 

Entfremdung von dem älteren Kind?

"Du musst sie auch mal ablegen!" Den Ratschlag höre ich auch öfters. Leg sie doch mal ab, kümmer dich mehr um die Große. Oder - "Warum hat das Baby solche Schmerzen, was hast du Falsches gegessen?" Mein Versagensbarometer glüht förmlich bei allem, was ich tue oder unterlasse. Ich lege jedenfalls kein Baby ab, das nach mir brüllt! Ab und zu klappt es, wenn sie im Tiefschlaf ist, aber im Prinzip ist sie ein Steinzeitbaby, das sofort spürt, wenn sie alleine ist und protestiert. Und warum sollte ich ihr verweigern, genauso behandelt zu werden wie die Große in dem Alter? Sie ist doch kein Mensch zweiter Klasse, nur weil sie Zweitgeborene ist. Ich würde es so gern richtiger machen, jedem Kind gerecht werden und vielleicht auch irgendwie auch noch meinem Partner, aber ich kriege einfach nichts so richtig hin. Scheiße, aber es geht nicht...

Je länger diese Phase (wenn es denn eine ist was ich ja hoffe) andauert, desto fremder kommt mir die Große vor. Das ist so gemein und hart, das zu sagen, aber ich fühle es einfach - und ich habe total Angst, dass es ihr genauso geht. Sie braucht mich nicht mehr so sehr, hat gelernt klar zu kommen. Das ist toll, aber heißt das auch, dass sie mich weniger lieb hat? Ich weiß das klingt kleinlich und naiv und die vermutliche Antwort ist "Nein, du spinnst" aber gefühlt ist es echt hart.

 

Welche Erfahrungen habt ihr mit der Phase gemacht?

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