Schmerzen, Kind und Trauma - Ich hab was in den Knochen

Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Ein Anfang könnte sein, dass ich mal gebeten wurde, über die Schmerzstörung meiner Tochter zu schreiben, was das ist und wie sie entstanden ist. Da wären wir dann auch gleich beim Bauchthema und dem ganzen Drama, das mich, ich schreibe jetzt frei von der Leber weg und rechne mit ersten hochgezogenen Augenbrauen, zugrunde gerichtet hat.

 

"Mein Weg durch Dornen"

 

Ein anderer Anfang könnte sein, wie ich heute scheinbar aus dem Nichts derart an ein Limit gelangt bin, wo sich manche vielleicht fragen: Was ist denn jetzt los? Wie ich um Hilfe rufe und alle Ideen abschmettere, scheinbar mir nicht zu helfen ist. Wie ich immer tiefer in den Sumpf der Ohnmacht gezogen werde, der Ohnmacht des Gefühls, nicht verstanden zu werden. Ein Gefühl, das ich noch nie gut haben konnte, das mich aber, wenn es um die Probleme mit meinen Kindern geht, … mir fehlen die Worte.

 

 

Ja, mein Baby wollte nicht schlafen. Das werden alle von Euch kennen. Na und?

Muss ich mal nur einfach den Arsch zusammenkneifen? Ich lebe mit zusammengekniffenem Arsch, wenn man mich trifft, merkt man es mir vielleicht nicht an, besonders wenn es an einem guten Tag ist, aber die Wahrheit ist, dass mein ganzer Arsch nur noch ein einziger Muskelkrampf ist vor lauter Zusammenkneifen, damit ich irgendwie den Tag überstehe. Jeden Tag neu. Ein Muskelkrampf, ein dauernder und pausenloser, den ich nur deshalb nicht merke, weil die Baustelle rund um meinen Kopf so viel schlimmer ist.

Auch damit könnte ich anfangen, oder mit meiner Kindheit und der zielsicheren, immer wieder eingeimpften Botschaft: sei anders, du bist falsch, so wie du bist. Pass dich an, was andere denken, zählt alles, und wie es Dir dabei geht, zählt nichts.

 

1.  Schwächung: Schwangerschaft

Ich fange jetzt doch chronologisch an. Meine erste Schwangerschaft verlief nicht so super. Mir war so schlecht, dass ich nicht mal mit den Wimpern zucken konnte. So schlecht, dass man mir keine tröstende Geschichte von einem Wald erzählen konnte (der Geruch „Wald“ ist der, an den ich denken kann, ohne dass mir schlecht wird), weil ich die Assoziation Eichhörnchen hatte, und Eichhörnchen hüpfen – Kotzanfall. Mir war so schlecht, so schlimm und so ständig, dass ich nicht mal an Wasser denken konnte. Nichts half, keine Medizin, keine Infusion, nichts. Ich habe mir nur gewünscht, ohnmächtig zu werden oder mein Kind zu verlieren (die ersten Tiefenpsychologen unter Euch zücken bereits den Bleistift.) Währenddessen glänzten meine Eltern damit, mir zu sagen, das könne doch gar nicht sein, das sei doch alles eine Kopfsache und eine Schwangerschaft eigentlich ein Grund für Freude, und ich sollte mich einfach mal zusammenreißen. Alpträume von meinen Eltern wurden zur Gewohnheit.

Im zweiten Monat (da dachte ich noch: muss ja bald vorbei sein) fuhren wir nach Österreich in den Urlaub. Der Horrorurlaub Nr.1 meines Lebens. Die Fotos davon konnte ich mir erstmals zweieinhalb Jahre später ansehen, ohne einen Schwall von Übelkeit aufkommen zu spüren. Wie eine Schwangerschaft ohne Übelkeit ist, durfte ich im neunten Monat erleben. Es war der Himmel auf Erden, und auch die Geburt war einfach nur toll, und das ist, das kann ich sagen, mein Verdienst (Hypnobirthing). Und natürlich der meiner vielen Hebammen.

 

Antrengender Start mit Baby

OK, doof war, dass der Start ins Leben insofern katastrophal war, als mein Mann Influenza hatte und ich selbst Fieber, also nach Krankenhausentlassung mit Fieber auf mich selbst gestellt war, das kleine Wesen zu versorgen und mein komplett neues Leben zu bewältigen, während mein Mann mit 41 Grad Fieber im Bett lag und Kontaktverbot hatte. Auch ihm brach das Herz, aber er war zu schwach, um nachzugeben.

Meine erste Tochter kam also zur Welt, und die ersten drei, vier Wochen waren abgesehen vom Infekt gut, bis auf die Wahnsinnsschmerzen beim Stillen (weil das Kind völlig schief war, und mit schiefem Gaumen die Brustwarze nur so 2 mm halten konnte; ich stillte unter Schmerzenstränen und hatte Horror vor jedem neuen Mal, aber nach ein paar Wochen hatte die Osteopathin das Baby komplett mittig ausgerichtet, und die Stillbaustelle ging besser). 

 

2. Schwächung: Völlige Überanstrengung, täglich

Dann, mit etwa drei, vier Wochen bekam mein Baby solche Schmerzen, dauerhaft und ständig, dass keine Worte der Welt das beschreiben können. Ich starb tausend Tode, das mit ansehen zu müssen. Das ist der Kern meines Traumas, das mit ansehen zu müssen und nicht helfen zu können. Psychisch unerträglich. Daneben war es körperlich so anstrengend, ihren durch Krankheit und Orthopädie lahmgelegten Darm mechanisch durch wildes, rhythmisches Herumhüpfen mit ihr auf dem Arm zu bewegen, dass ich sicher locker 20.000 Kalorien pro Tag verbrauchte. Pausen gab es keine. Geschlafen hat sie nicht. Die Schmerzen haben sie nicht schlafen lassen. Todmüde wurde sie im Gähnen immer wieder durch Schmerzensschreie unterbrochen, ebenso beim Stillen. Wenn überhaupt, schlief sie tagsüber nach stundenlangem Rumhopsen über die Schmerzen hinweg ein. Ablegen war aber völlig unmöglich, und deshalb war man froh, zwar verkrampft in irgendeiner Schieflage, aber doch zumindest irgendwie sitzend mal zu verschnaufen. (Trinken, Pipi machen oder ähnliche Nebensächlichkeiten waren dann natürlich nicht drin, aber ich wurde bescheiden.)

 

Nichts unversucht

Um es kurz zu machen (und das ist kein Scherz, sonst müsste ich ein Buch schreiben): Wir haben uns überall Hilfe geholt, wir haben jede auch nur am Rande relevante Seite im Internet verschlungen, um ihr zu helfen. Alle Ärzte taten ihr Leid ab, rieten, wir sollten ruhiger werden, sonst könne sie ja nicht zur Ruhe kommen. Ich habe vier DIN A 4-Seiten, Schriftgröße 10, aufgelistet, welche Medikamente, von Schulmedizin über Homöopathie, Ernährungsanpassungen, Krankenhausaufenthalte, Akupunktur und andere TCM, Verfahren und was auch immer dokumentiert, was wir alles versucht haben, um ihr zu helfen. Ich kann die Geschichte jetzt nicht in Langform erzählen, und es ist meiner Traumatherapeutin zu verdanken, dass ich das hier so locker flockig runterschreiben kann. 

 

Auflösung des Bauch-Rätsels

Der Horror war nach neun Monaten vorbei. Ursache war übrigens, was es ja nicht geben kann, dass das Baby keine Lactose, sprich keine Muttermilch vertragen hat. Keine Lactoseintoleranz, denn sie gedieh, wenn auch unter Qualen, aber eine Unverträglichkeit, die für eine so heftige Dysbakterie im Darm sorgte, dass es Jahre dauerte, den Darm endlich vernünftig zu besiedeln. Von der Lactose ernährten sich fäulnisbildende Bakterien vorbildlich, vermehrten sich immer und immer weiter und produzierten unvorstellbare Mengen von Gasen, die erwünschten Bakterien konnten sich im Gegenzug fast überhaupt nicht ansiedeln. Durch die kaputte Darmwand gelangten immer wieder Stoffe des nun nicht gerade sterilen Darminhalts in die Blutbahn, sodass sich der Darm wieder und wieder und immer wieder entzündete. Eine chronische Darmentzündung kam also noch oben drauf. Wohlgemerkt unbehandelt. Auch Schmerzmittel durften wir nicht geben. Denn sie hat ja nichts – Babys schreien halt schon mal. 

Die gefühlten Kubikmeter Gase kamen nicht raus, weil das Baby vom Orthopäden verordnet wegen subluxierter, sprich immer wieder auskugelbarer Hüfte (Typ IV nach Graph) in eine Pavlik-Bandage eingeschnürt wurde, um eine OP eventuell (!) zu vermeiden. Diese Bandage fesselt alles bis auf Arme und Kopf und kommt dem kindlichen Bewegungsdrang, zumal wenn man zwischen 50 Riesenpupsen (an guten Tagen) und 200 (an schlechten) im Bauch hat, nur so semi entgegen. Die ohnehin schon körperlich und seelisch fix und fertigen  Eltern wurden vom Orthopäden eingenordet, dass es absolut notwendig sei, auch wenn er nicht ausschließen könne, dass die Maßnahme nichts bringe. Tragezeit der Bandage: 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche.

 

Leben am seidenen Faden

Also, der Horror der Schmerzen war nach neun Monaten vorbei, als ich gegen jedes Empfinden und Bedürfnis meinerseits und meines Babys fast abgestillt hatte. Nur noch eine Portion Lactose pro Tag war offenbar tolerabel. Zwischenzeitlich reihte sich noch Horrorurlaub Nr. 2 ein („Das sind doch die, wo das Kind immer schreit“). Wir klammerten uns an jeden Strohhalm, wenn wir wieder irgendetwas Neues gelesen hatten. Wir waren voller Hoffnung, jedes Mal. Und wir waren voller Liebe, jeden Tag neu. Und deshalb umso verletzlicher. Und verletzter, als ich es mir je hätte ausmalen können. Ich kann mir inzwischen vorstellen, wie es dazu kommt, dass Schreckensdiktatoren so viele Anhänger haben. Man muss nur einmal ihre Kinder foltern, und die Eltern tun alles. Ich hätte das auch getan. Ich hätte mein Leben gegeben und tat dies auch zweimal fast, allerdings aus Verzweiflung und weil ich das Leid nicht mehr länger ansehen konnte.

Die Story, wie ich so weit war, dass ich mein schreiendes, vollgestilltes Baby allein in der Wohnung zurückließ mit einem Rucksack fürs Wochenende auf dem Rücken erspare ich Euch mal. Diese Wunde wird nie, nie mehr heilen. Es zeigt nur, zu was Menschen fähig sind, wenn sie nicht. Mehr. Können. 

Mein Mann sagte nach ca. zwei Monaten Horror mal: „Wir werden das schaffen, das weiß ich. Und wenn es ein 100-km-Marathon ist und ich auf allen Vieren durchs Ziel krieche.“ Wir krochen nicht auf allen Vieren durchs Ziel, und wir krochen auch nicht auf dem Zahnfleisch. Wir krochen auf abgewetzten Kieferknochen, bereit, wenn es denn etwas helfen würde, sogar die NPD zu wählen.

 

Job riskiert - alternativlos

Es stimmt, dass mein in Vollzeit arbeitender Mann mich in dieser Zeit sehr, sehr unterstützt hat, aber nicht, weil es beruflich möglich gewesen wäre, sondern weil es nicht anders ging, um unser Leben zu retten, meins und das des Babys. Wenn er rausgeschmissen worden wäre, dann wäre es so gewesen. Es stand nicht zu Debatte. All die Krankenscheine, der unbezahlte Urlaub, die Nachtschichten, um Arbeit vom Tag nachzuholen. Das ist kein Spaziergang, da hat auch keiner gesagt: Du, ist kein Problem, geht schon. Aber es war schlicht überlebensnotwendig.

Der Horror war also vorbei, und es begann eine wunderbare Tragezeit, in der ich mein Baby endlich friedlich bei mir haben konnte. Ich werde nie ein Rauschmittel ausprobieren müssen in meinem Leben. Ich weiß, was Rausch ist. Mehr geht nicht. Zu dem Zeitpunkt vorher dachte ich auf so schlaue Ratschläge „Ihr müsst aber auch mal was für Euch tun“ (während Euer Kind krepiert) immer: Sobald es meinem Kind besser geht, wird es auch uns besser gehen.

Der größte Irrtum meines Lebens. Vielleicht. 

Ich glaube, selbst wenn wir das psychisch aufarbeiten können (und wunde Punkte natürlich bleiben), wird es körperlich sicher noch fünf bis zehn Jahre an uns zehren.

 

Fremdbetreuung: War wohl nix

Aber zurück zur Chronologie. Maple war nun 10 Monate, und mit 11 Monaten begann die geplante Eingewöhnung in eine sehr liebevolle Tagespflege (ich hatte mich ja zuvor festlegen müssen, nach einem Jahr wieder arbeiten zu gehen). Das ging natürlich vorne und hinten nicht, denn während die anderen Einjährigen fröhlich loskrabbelnd auf Entdeckertour gingen und die Eltern relativ schnell vergaßen, klebte Maple an mir, ein kleines Häufchen Elend aus Angst und endlich langsam entstehender Bindung. Klar, dass man keine sichere Bindung aufbaut, wenn man gerade zur Welt kommt und erst mal (=neun Monate) nichts als Schmerz erfährt und die wichtigste Bezugsperson nichts daran ändert (ändern kann). Mit Betreuung war also nichts, und an einem Sonntagnachmittag riefen wir unsere Arbeitgeber an und schilderten mit klopfendem Herzen die Situation, zwar auf Verständnis hoffend, aber völlig klar wissend: Zur Not muss halt einer kündigen. Das Kind ist nicht betreuungsfähig. 

Es ging gut, wir konnten abwechselnd arbeiten, jeder auf einer halben Stelle, einer war immer beim Kind. Nur als Joke am Rande sei erwähnt, dass meine Eltern darauf pochten, das Kind solle doch mal langsam bei ihnen übernachten. Einschlafen tat es übrigens ausschließlich auf dem Arm. Gott sei Dank nicht mehr schreiend, aber halt nur im sichersten Hafen, was ja viele von Euch kennen. 

 

Antihilfreich: Mutter-Kind-Kur

Zwischenzeitlich kam die Mutter-Kind-Kur, beantragt mit Attest meines Gynäkologen wegen physio-psychischer Erschöpfung. Sie wurde natürlich erst mal mit dem Argument abgelehnt, meine Beschwerden hätten ja gar nichts mit meiner Mutterrolle zu tun. Dabei fällt mir ein, dass ich bei der ersten Beantragung einer Haushaltshilfe, noch in den ersten Monaten, die Diagnose „Anpassungsstörung“ las. Da kam ich mir doch reichlich verarscht vor („Kann sich in ihrer Mutterrolle nicht einfinden“). Als der juristische Schriftverkehr mit der Krankenkasse Form annahm, schlug die Kasse doch tatsächlich vor, ich solle mein Kind zu Hause lassen. (Fremdbetreuung ist ja sicher kein Problem.) Die Wahrheit ist, dass mein Mann (Jahres-)Urlaub genommen hat, um als 2.000 (?) Euro selbstzahlende Begleitperson die drei Wochen mitzufahren, um mein Kind zu betreuen. Es gab in der Kur natürlich auch die Mütter, die einen solchen Luxus nicht hatten, die ihr Kind in die Fremdbetreuung geben mussten und das jeden Tag (!) so lange geschrien, bis es sich (ebenfalls täglich) übergeben hat. 

Die Kur war dann insofern sehr erholsam, als bei mir um 8:30 Uhr Walken auf dem Programm stand. Wenn das Kind um 6 Uhr endlich eingeschlafen war, war das genau das Richtige, um wieder zu Kräften zu kommen. Walken weil laut kaukasischer „Ärztin“ Walken „gutt für Gesundheit“ sei, aber nicht zu anstrengend, denn ich sollte ja zunehmen. „Dafür jeden Tag zwei Stück Kuchen statt eins.“ Die Kur war wie Alltag, nur mit Knüppeln zwischen den Beinen. Und in dem Zonengrenzgebiet im Harz, wo man einen Horrorfilm hätte drehen können, haben sicher alle, die noch keine hatten, eine Depression bekommen. Die Klinik war übrigens auf Burn Out spezialisiert (Geheimrezept: Walken). Und wichtig: Bei der Hausarbeit einfach mal nen Besen hinten in die Hose stecken, damit man nicht immer so einen krummen Rücken macht. Fürs Leben gelernt. Mache ich immer noch so.

 

Verflixte Hoffnung

Zurück zur Chronologie. Maple durfte wegen der Bauchgeschichte zwar ungefähr überhaupt nichts essen (spezielle Diäten und Jahre lang verschiedene Probiotika), kam aber langsam in der Welt an, wenn auch emotional immer noch ein besonderes Kind. Sie war dann so anderthalb oder eindreiviertel, und wir entschieden uns für ein zweites Kind. Denn ab jetzt würde es ja immer steil bergauf gehen. Wir hatten es endlich geschafft.

Ich war prompt schwanger, und mir war auch schlecht, aber nicht so schlimm wie in der ersten Schwangerschaft. Im dritten Monat jedoch bekam Maple plötzlich seltsame heftige Schmerzen in den Beinen. Es wiederholte sich alles. Niemand fand etwas heraus, man zweifelte an, ob das denn stimme, eine Rheumaklinik in St. Augustin traumatisierte sie (mich gleich mit) mit einer an Vergewaltigung erinnernde, stundenlangen Blutabnehme, und es kam nichts dabei heraus. Wieder nichts. 

 

3. Schwächung: schwanger und Schmerzstörung

Meine Tochter wachte schon morgens vor Schmerzen weinend auf, spielte nicht, verbrachte die Zeit nur auf meinem Arm. Da ging es einigermaßen. Sie hatte kurz vor dem zweiten Geburtstag den Mittagsschlaf aufgegeben, aber vom einen auf den anderen Tag schlief sie wie eine Viruskranke. Nach dem Aufwachen vergingen die ersten zwei Stunden mit Weinen vor Schmerzen. Bis der Trost endlich zu ihr durchdrang, vergingen wirklich Stunden. Sie regredierte natürlich auch heftig, und mein Horror wiederholte sich, wobei ich sagen muss, auf einer Skala von 1 bis 10 waren die Bauchschmerzen 12 gewesen und jetzt lag es so bei 6 bis 8. Aber ich war ratlos, schleppte mit Schwangerschaftsbauch den ganzen Tag mein immer schwerer werdendes Kleinkind und durchlebte den ganzen Horror noch mal: Sah sie leiden, unterlassene Hilfeleistung, uns wurde nicht geglaubt.

Unserer Hartnäckigkeit ist es zu verdanken, dass wir irgendwann im Deutschen Kinderschmerzzentrum landeten, die eigentlich Zweijährige noch nicht behandeln. Es war Anfang September, Maple war zweieinhalb und ich im 9. Monat schwanger. Ich wusste weder aus noch ein, neben diesem offenbar kranken Kind, das meine komplette Kraft überbeanspruchte, auch noch ein Baby zu bekommen, überstieg schlicht meine Vorstellungskraft, um nicht zu sagen: Manchmal wünschte ich mir eine Totgeburt. Das mag für die, die so etwas Schreckliches erlebt haben, wie Hohn klingen, und ich möchte niemanden verletzen. Ich hatte nur schon ein halbes Jahr mit diesem erneut von Schmerzen geplagtem Kind (allerdings halfen auch Schmerzmittel nicht zuverlässig) schwanger verbracht, der Geburtstermin rückte näher, und es gab keinerlei Perspektive. Ich wusste nicht ein noch aus.

Das Ambulanzgespräch im Kinderschmerzzentrum änderte jedoch alles. Sie erklärten, es gebe grob drei Ursachen für chronische Schmerzen: Rheumaerkrankungen, Migräne oder eine chronische Schmerzstörung, wovon letzteres das wahrscheinlichste sei. In den anderthalb Stunden Gespräch gingen mir so viele Lichter auf, dass es nur so klick machte, wie ein Blitzlichtgewitter.

 

Nicht heilbar

Ihr Körper hatte die Schmerzen gelernt, sie hatten sich verselbständigt. Während des ersten Babyjahres hatte er nur Schmerzen erfahren. Die Ursache wurde behoben, der Schmerz ging weg. Nun aber, vor einem halben Jahr, hatte irgendetwas (möglicherweise der Sturz von einem hohen Stuhl) ihr Schmerzgedächtnis angetriggert. Ab da verlief das wie ein Kreislauf. Schmerz, Schmerz, immer mehr Schmerz. Man streifte sie am Arm, sie schrie auf vor Schmerz. Irgendwann tat ihr alles weh. Füße, Beine, Arme, Rücken, Bauch, Hals, Augen, alles. Der Fokus war immer auf Schmerz, und das hat den Kreislauf begünstigt. Und an dieser Stelle bin ich zur tragischen Figur (also unschuldig schuldig) geworden. Ich hatte mein Baby so lange unter Schmerzen erlebt. Die Medizin hatte versagt. Das einzige, was diesem kleinen Wesen minimale Milderung hatte verschaffen können, war meine Nähe, mein Trost, mein Mamaherz, mein Oxytozin-Rausch gewesen. Eine andere Waffe hatten wir nicht gehabt.

Also reagierte ich mit Trost und Liebe, als meine Tochter wieder Schmerzen bekam. Der Knackpunkt: Im Gehirn, das die dauernden Schmerzen (ohne akute Ursache) immer wieder produzierte (d. h. meine Tochter hatte diese Schmerzen tatsächlich! Auch wenn sie sich definitiv von außen betrachtet nicht wehgetan hatte), ja, im Gehirn wirkte meine Zuwendung wie eine Verstärkung – sie WAR Verstärkung. Das Gehirn lernte: Schmerz bedeutet Trost, Trost ist eine Belohnung, also produziere ich wieder Schmerz, bekomme wieder Trost als Belohnung usw.

Warum sich die Schmerzen vor allem in Füßen und Beinen zeigten? Die Schmerzspezialisten tippten auf die Pavlik-Bandage. Weil Beine und Füße immer eingesperrt waren, entgegen dem größten Bedürfnis, sich zu bewegen und die Luft aus dem Bauch rauszustrampeln. Trauma.

 

Wie Schweinsteiger bei der WM

Und die Therapie der Schmerzstörung: Wir. Die schlechte Nachricht: Die Störung bleibt ein Leben lang, sie ist nicht heilbar und wird vermutlich immer wieder angetriggert. Von Stress. (So wie jetzt im Kindergarten. Seit der Eingewöhnung. Seitdem ist die Schmerzstörung wieder sehr aktiv.) Die gute Nachricht: Man kann die chronischen Schmerzen eindämmen, indem man ihnen möglichst wenig Aufmerksamkeit schenkt.

Beim Anamnesegespräch erinnerte die Ärztin an die krasse Verletzung von Bastian Schweinsteiger im WM-Endspiel und erläuterte, was alles relevant dafür ist, wie stark ein Schmerz empfunden wird: Schweini weiß, er ist jetzt im Endspiel, es geht um alles. Er weiß auch aus seinem Erfahrungsschatz, dass Verletzungen behandelt werden können und heilen. Er ist voll konzentriert auf das Spiel, muss schnellstens entscheiden, wie er den Ball zu wem hin schießt. Und er ist voller Adrenalin. Das hat dazu geführt, dass er, trotz heftigster Verletzung, einfach weiterspielen konnte und den Schmerz vielleicht in dem Moment nur minimal gespürt hat. Anderes Beispiel: 

Wenn ich gerade die Zusage zu meinem Traumjob bekommen habe, schnell los muss, um rechtzeitig zu einem angenehmen Termin zu kommen, ich stoße mir volle Kanne den Fuß und gleichzeitig klingelt mein Handy, wird es viel weniger weh tun als bei demselben Stoß ohne Zusage, ohne Eile, ohne Termin und ohne Handyklingeln.

Es geht also grob darum, vom Schmerz abzulenken, ihm keinen Raum zu geben. Fakire machen das ganz ähnlich. Sie lenken ihr Gehirn so massiv von den glühenden Kohlen ab, dass sie drüberlaufen können. Im Deutschen Kinderschmerzzentrum wird eigentlich erst mit Schulkindern gearbeitet, weil kleinere sich noch nicht selbst ablenken können. Die Schulkinder haben erstens Verbot, Schmerzen zu thematisieren und lernen zweitens jede Menge Ablenkungsstrategien für die Schmerzsituation. Eine Strategie, die ich schon mal erfolgreich bei der Zahnärztin angewendet habe (und ich bin sehr, sehr schmerzempfindlich) ist die, die ich gerne zitiere: Man muss Dinge durchdeklinieren in der Schmerzsituation, z. B. eine Automarke mit A, eine Automarke mit B, eine mit C, eine mit D … 

 

Mein Kind als Fakir

Bei Kleinkindern fällt die Aufgabe der Ablenkung natürlich den Eltern zu. Und das ist nicht einfach. Ihr müsst alles, wirklich alles geben. Wenn das Kind vor Schmerzen schreit, ist es erst mal gegen den Instinkt, von Automarken, Urlaubszielen, Spielzeugen oder sonst was anzufangen. Kinder sind ja auch nicht ganz doof. Ich gebe ein Beispiel. Wenn Maple sagte, ihr tue etwas schrecklich weh (oder sie hatte sich wirklich wehgetan – das weiß man natürlich nie! Nebenbemerkung: Sehr schweres Los. Muss ich sie ablenken oder übersehe ich gerade eine Mittelohrentzündung?), dann sage ich: „Oh! Dann brauchen wir schnell die Arnika-Kügelchen. Wie viele noch mal, 3 oder 5? [Kind überlegt - „5!“] Kannst du bitte fünf Kügelchen rausholen? Tu sie bitte in das blaue Schälchen, kannst Du das mal holen?“ Also ich überschütte sie mit Denkaufgaben oder Handlungsanweisungen. Das funktionierte von Anfang an erstaunlich gut. 

Nach dem Anamnesegespräch bekamen wir sofort für die darauffolgende Woche einen Platz für die ganze Familie auf der Palliativstation. In der eigentlichen Station hätten sie uns Eltern nicht mit aufnehmen können, und Maple wäre auch zu klein gewesen. Es waren erstmals Menschen, die uns da in Form von Ärzten begegneten, und sie sahen, ich war hochschwanger. Und wir brauchten Hilfe, und zwar sofort. Mein Mann setzte ein weiteres Mal seinen Job aufs Spiel, um mitkommen zu können. Ich konnte kaum noch Maple versorgen, war von der ständigen Schlepperei völlig überlastet und hatte seit einem guten Monat oder zwei schon häufig Wehen.

 

Wir planen Entlastung...

Wir lernten die Strategien, ich bekam Auszeiten, ich heulte fast jeden Tag vor Glück, und auch jetzt stehlen sich mir noch Tränen in die Augen, wenn ich daran denke, was für wundervolle Menschen das da sind und wie hilfreich, wertschätzend und anerkennend sie waren. Ein wunderbarer Sozialarbeiter besprach mit uns alle erdenklichen Unterstützungsmöglichkeiten für nach der Geburt, von Wellcome über Haushaltshilfe bis hin zur Traumatherapie (er rief die Therapeutin persönlich an und drang darauf, dass ich sehr schnell Hilfe bräuchte – nur deshalb kam ich bei dieser wunderbaren Frau überhaupt so schnell unter). Auch er riet eher von einer Kur ab – oft nicht hilfreich. Erziehungshilfen übers Jugendamt etc. gingen am Ziel vorbei, ich hätte Entlastung, wenn einmal wöchentlich jemand komme, um mir zu erklären, wie ich mein Kind erziehen solle. In dem Kinderschmerzzentrum war es übrigens auch, wo mir die Oberärztin sagte, dass das ganze interdisziplinäre Team voller Anerkennung dafür sei, was wir geleistet hätten. Erstmals. Von irgendjemandem. Nach zwei Jahren. Wir machten einen Plan mit dem Sozialarbeiter, wir hatten Telefonnummern gesammelt, wir waren fest entschlossen, uns alles an Unterstützung zu nehmen, was wir kriegen konnten, denn wir hatten sie verdient. 

Zwei Wochen stationär waren geplant, von Mittwoch bis Mittwoch. Vor einem Jahr, an Karls Geburtstag, waren wir gerade im Krankenhaus. Nach anderthalb Wochen sollten wir eine Art Belastungs-Wochenende zu Hause verbringen, um zu sehen, ob die erlernten Strategien auch zu Hause einigermaßen klappten, denn da entfällt ja die überaus unterstützende Struktur des Krankenhauses mit der ganzen positiven Energie, die dort herrschte. Und die Ablenkung klingt erst mal gut, ist aber ungeheuer anstrengend, weil man volle Konzentration braucht, und halbherzig funktioniert sie nicht. Man muss wirklich alles geben, damit das Kind drauf einsteigt. Wir fuhren also Freitag nach Hause, besuchten Freitagabend und den ganzen Samstag einen Geburtsvorbereitungskurs für Familien, Maple malte meinen Bauch an. Sonntag Morgen waren wir im Aufbruch zurück ins Krankenhaus (die Ablenkungsstrategien klappten natürlich längst nicht so gut wie dort, aber wir hatten sie ja auch gerade erst gelernt) – da platzte meine Fruchtblase.

 

… die Geburt kommt dazwischen

Während der Geburt von Coco mussten wir unter anderem mit Ärzten der Intensivstation diskutieren (bis meine Beleghebamme sie rausschmiss), dass mein Baby bei SSW 36+4 auf jeden Fall auf Intensiv müsse, ganz egal ob es gesund sei. Und ich wollte doch ambulant entbinden und zurück zu Maple, die zu Hause mit der herbeigeeilten Schwiegermutter war. Mein Mann unterschrieb irgendwann, als sich herausstellte, dass ich so nicht gebären konnte, alles verkrampfte sich vor Verzweiflung, dass wir auf eigenen Wunsch das Kindeswohl gefährden wollten und deshalb (das war maximal herausgehandelt) gegen ausdrückliche ärztliche Warnung mit dem Neugeborenen ein normales Familienzimmer beziehen wollten. Coco kam zur Welt, ich platzte fast vor Liebe. Die Psychologin im Kinderschmerzzentrum hatte ganze Arbeit geleistet und aus mir wieder einen Menschen mit Hoffnung gemacht. Coco hatte fast dieselben Geburtswerte wie Maple, die in SSW 37+2 kam. 

 

4. Schwächung: Entthrohnung aus der Hölle

Wie es für Maple war, dass Coco jetzt da war, auch dafür gibt es keine Worte. Sie schrie vor seelischem (und daher wohl auch körperlichem) Schmerz. Mein Mann trug sie auf dem Arm in der Wiege wie ein Baby stundenlang, bis sie sich in den Schlaf geschrien hatte. Wie früher.

Eine Woche mussten wir da bleiben, Coco war zu müde zum Trinken und musste doch in die feindliche Atmosphäre Intensivstation, wo Eltern übrigens unwillkommen waren (Wieso wollen Sie denn ständig bei Ihrem Kind sein?). Coco wurde nach vier Lebensstunden gegen Hepatistis B geimpft, weil ich angeblich Hepatitis B positiv sei (dann doch ein Messfehler, welche Überraschung). Mein Neugeborenes lag verkabelt mit Infusion in der minikleinen Hand (nach 80 Versuchen hatte die Ärztin es dann auch geschafft, den Zugang zu legen) im grellen, wegen Nachbarskind dauerpiependen Folterraum (direkt gegenüber der Tisch für die Neuzugänge und die nächsten 80 Versuche). Ich krümmte mich vor Nachwehen auf dem Gartenstuhl neben ihrem Bett, war fix und fertig und konnte vor Trauer und Verzweiflung nicht schlafen, und wenn die Erschöpfung mich doch übermannte, schreckte ich 20 Sekunden später wieder vom Alarmpiepen des Nachbarmonitors hoch. 

 

Wenn Entlastung zur Belastung wird

In der einen Woche Intensiv schaffte es die Schwester mit dem medizinischen Ansatz „Sauber, satt und trocken und klinisch nicht tot“, mich psychisch nach Strich und Faden fertig zu machen. Danach ging es nach Hause, und auch dazu fehlen mir die Worte. Zwar ging es mit Coco überraschenderweise direkt steil bergauf (aber meinem Gefühl wollte natürlich mal wieder niemand glauben), aber was Maples Entthrohnungstrauma angeht, habe ich noch mal eine Horizonterweiterung erlebt. Sie schrie ganze Nachmittage durch, und die Entlastung durch die angeblich beste Mitarbeiterin von Wellcome hielt sich in Grenzen „Nu hör aber mal auf zu heulen“ und mit lactose- und glutenhaltigen Süßigkeiten vollstopfen. Das einzige, was Maple gebraucht hätte, wäre auf Mamas Arm 24 Stunden am Tag. Aber da war ja auch noch Coco.

Unser Psychiater verschrieb mir für täglich vier Stunden eine Haushaltshilfe. Weder Caritas noch Diakonie noch eine dritte Organisation konnten das leisten. Mussten absagen, so leid es ihnen täte. Einzig die vierte hier tätige Organisation konnte helfen, schickte uns erst eine sehr liebe Mitarbeiterin, die wegen kurzweiliger Krankheit rausgeschmissen wurde und dann noch vier andere Frauen, von denen die harmloseste faul und unsympathisch war. Die, die blieb, über die sagt Maple heute noch „Ich mag die Jutta nicht“. Jutta war eher der ruppige Typ. Null empathisch. Null in unsere Situation passend. Entsprechend klammerte Maple sich, ohnehin höchst verunsichert und wieder übelst schmerzgeplagt, ultramäßig an mich. Das sah so aus, dass ich mich stundenlang um die vor seelischem und körperlichem Schmerz sich durchs Kinderzimmer wälzende Maple kümmerte, während die unsympathische Haushaltshilfe stundenlang mein Neugeborenes auf dem Arm hatte, das natürlich auch nur zu mir wollte, aber zurückstecken musste. Mir blutete und blutete und blutete das Herz, aber Maple hatte Schmerzen. Ich hatte die Wahl zwischen Pest und Cholera, und meine Hebamme gab zu bedenken, dass Coco die Mama brauche – auch wenn sie es notgedrungen wegsteckte – nicht, dass ich noch ein bindungsgestörtes Kind hätte.

Parallel begann bei Coco übrigens dieselbe Bauchgeschichte wie bei Maple, aber inzwischen sind wir Experten und lassen uns auch von keinem Arzt mehr was erzählen oder von etwas abbringen, wovon wir wissen, dass es hilft. Anstrengend ist es trotzdem. Man hat seine Strategien. Aber auch die kosten Kraft.

 

5. Schwächung: Sahnehäubchen Muskelerschöpfung

Und weil das alles noch nicht reicht, kommt hier noch die körperliche Komponente: Ich bin hypermobil, d. h. meine Bänder sind zu schlabberig, um den Kopf zu halten. Übernehmen müssen das die Muskeln an Hals und Nacken. Ich wusste das nicht, ich hatte nie Beschwerden, ich mache regelmäßig gesunden Sport, seit ich 20 war. Seit der ersten Schwangerschaft ging nichts mehr. Stattdessen kam die dauerhafte Überlastung durch die ständige Schlepperei hinzu. Kennt Ihr diese Übung, die manchmal in Geburtsvorbereitungskursen gemacht wird, um zu trainieren, sich unter Wehen zu entspannen? Streckt Eure Arme zur Seite aus. Haltet das 10 Minuten. Nach 5 Minuten fallen Euch die Arme ab. Ich mache dasselbe mit meinem Kopf. Ich muss ihn halten, halten, halten, seit 3,5 Jahren. Obwohl ich seit 3,5 Jahren nicht mehr kann. Die verkrampften Muskeln schmerzen bis ins Auge, ins Ohr und in den Kiefer.

 

Mehr kann ich nicht

Ich habe einiges mitgemacht, und wenn ich fertig bin, dann ist das mein gutes Recht. Wenn mein Baby einfach nicht schläft, sich nur windet und wehrt und ich es vor Schmerzen und Erschöpfung kaum noch halten kann, weil mir der Kopf abfällt, dann ist das der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Ich weiß, wie manch andere von Euch auch, wie sich Erschöpfung anfühlt. Richtige, tiefste Erschöpfung. Wenn einem die Beine wegsacken, wenn einem das Kind fast aus dem Arm fällt. Weil alle Muskeln nur noch zittern. Wenn man tausendmal am Tag Sekundenschlaf hat. Wenn man einfach nicht mehr kann. Ja, ich habe ein Baby, das nicht schläft. Ihr auch. Aber ich habe dreieinhalb auch körperlich heftige Jahre in den Knochen, von denen ich mich lange, lange noch nicht erholt habe.

Ich habe, um mich zu entlasten und um den Kindern zu helfen, ungefähr alles probiert. Ich habe gekämpft, gekämpft, gekämpft. Ich will mir nicht vorwerfen lassen, dass ich mir nicht helfen lassen möchte. Und schon gar nicht möchte ich das Gefühl haben, dass ich selbst schuld sei, wenn ich Hilfe ablehne. Nicht jede Hilfe ist Hilfe für mich. Sie muss hier, in unserer Situation passen.

 

Passgenaue Hilfe

Ich brauche jemanden, der immer meinen Kopf hält. Dieses Hilfsangebot gibt es leider nicht. Ich brauche Wurzeln und Sicherheit für meine Kinder. Auch das können Haushaltshilfen oder ehrenamtliche Besuchsomas nicht leisten. Ich brauche seelische Unterstützung. Professionell. Die habe ich. Und ich brauche Eure Unterstützung. Die hab ich auch. Klar wäre es besser, wenn ich ohne alles und alleine klar käme. Davon bin ich aber weit entfernt, und ich kann es auch nicht erzwingen. 

Ich muss mir meine eigene Unterstützungsstruktur schaffen. Kann sein, dass Karl Stunden reduziert, damit ich Physiotherapie besser wahrnehmen kann und damit er mehr da ist. Ich bekomme schon Physio- und Therapietermine kaum realisiert, ohne dass es immer ein Kampf um Ausnahmen ist. Das sind die Dinge, die mir langfristig helfen. Und, wie heute, wenn es akut ist, bin ich so dankbar für Euch. Natürlich kann ich nicht damit rechnen, aber irgendwer ist immer da, der mich virtuell in den Arm nimmt und mir Mut macht. Und das gibt mir die Kraft, die ich in dem Moment ganz konkret brauche. Ich wünschte, ich könnte das, was Ihr für mich tut, bei der Krankenkasse anmelden. Danke. Für alles.

Eure Mo

 
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