Märchen Zeit: Aschenputtel trifft Bachelor mit Schuhfetisch

Ich lese meinen Kindern gern Bücher vor, und Märchen, die habe ich persönlich in sehr guter Erinnerung. Irgendwie haben sie meine Kindheit geprägt und ich bilde mir ein, einiges aus ihnen gelernt zu haben. Wenn mir jetzt jemand drei Wünsche schenkt, würde ich sie nicht verballern, oder so. Aber abgesehen davon finde ich sie total sexistisch und bescheuert. Und deshalb werde ich sie mir mal vornehmen und euch in satirischer Art neu erzählen. Ach ja - nicht unbedingt zum Vorlesen geeignet, nur für den Fall der Fälle dass das nicht so ganz klar war.

 

 

Das Märchen vom Aschenputtel - in der Frida Version

Es war einmal ein besorgter Bürger,

... dessen Frau starb und ihn mit einer Tochter sitzen ließ. Praktischerweise fand er recht schnell einen passenden Ersatz, wenn auch ähnlich mit Kindern gehandicapt, und so fusionierten sie zu einer Patchwork Familie, bei der sämtliche Verantwortung in Sachen Haushalt und Kindererziehung an der Mutter hängen blieb. Arg gefrustet ließ die gar nicht so gute Frau ihre narzisstischen Egoprobleme an der Stieftochter ab - während sie ihre eigenen Mädchen verwöhnte, musste das Aschenputtel den Haushalt schmeißen und die abgeranzten Klamotten aus dem Altkleidercontainer auftragen.

 

Aschenputtel selbst war ein wenig tierfanatisch

... und so begnügte sie sich mit ihren Tauben, die ihr zwar gern in die Küche schissen, dafür aber fühlte sie sich nicht so einsam. Außerdem war sie seit dem Tod ihrer Mutter schwer depressiv und weinte täglich stundenlang an deren Grab, weshalb sie nicht die nötige Energie aufbrachte, mit ihrem Vater zu reden, der sowieso völlig abwesend war und sich nur mit Geldverdienen beschäftigte. Rabenvater des Jahres wäre ein passender Titel für ihn, aber da er in diesem Märchen keine große Rolle spielt, belasse ich es an der Stelle mal bei dem freundlichen Hinweis.

 

Aufruhr kam in die kleine Stadt, als der örtliche Bachelor einen Aufruf startete

... denn es handelte sich hierbei um den begehrtesten Junggesellen des Landkreises. Er war zeitlebens ein Playboy gewesen und kam langsam in die Midlife Crisis - eine Frau und Kinder sollten her. Da er aber nur Affären und geldgeile Tussis kennen gelernt hatte, suchte er auf einem alternativen Weg  nach einer passenden Ehefrau: er wandte sich ans Fernsehen, schließlich würden da hauptsächlich ernsthafte Bewerberinnen den Weg zu ihm finden. Time is money, dachte er sich, und so organisierte der TV Sender eine mehrtägige Party, wo er anhand dümmlicher Tanzspiele die Richtige finden und zuvor Rosen verteilen sollte. Die Stiefschwestern waren bereits gecastet worden (zickige und gutaussehende Diven sind für jeden Fernsehsender ein Muss), und auch Aschenputtel selbst wollte (vermutlich aus hormonellen Gründen) unbedingt des Bachelor's Herz erobern. Mit ihrem naiven Charme und ihrer natürlichen Schönheit überzeugte sie die die Fernsehbosse - jetzt hieß es nur noch, irgendwie an den Eltern vorbeizukommen.

 

Die Stiefmutter hatte aber ein paar fiese Tricks auf Lager

... denn sie sah überhaupt nicht ein, wieso das ungeliebte Aschenputtel seine fünf Minuten Fame abbekommen sollte. Im Nu zauberte sie einen Messie Haushalt und hieß ihre Stieftochter, sie solle das gefälligst schnell aufräumen. Leider schissen auch Aschenputtels Tauben mal wieder in die Küche, und so hatte das arme Kind alle Hände voll zu tun, während sich die anderen Mädels stylten und schließlich ohne sie zur Party fuhren. Deprimiert fand Aschenputtel mal wieder am Grab der Mutter Trost, und wie von Zauberhand - oder hatte es vielleicht mit dem Dübel zu tun, den Aschenputtel geraucht hatte - fand sie ein ziemlich fetziges Designerkleid und High Heels herumliegen, die scheinbar auf sie gewartet hatten. Schnell klaute sie den Kombi ihres Vaters und bretterte kurz vor 12 zur Party, wo die Sause schon begonnen längst hatte.

 

Der Bachelor war umlagert von schönen Mädchen

... und doch langweilte er sich total, denn seltsamerweise war keine mit wirklich ernsthaften Absichten dabei. Ständig schoben sie sich vor die Kameras, platzierten ihre Brüste vor seinem Gesicht und kicherten dümmlich über seine halbgaren Witze. So hatte er sich das aber nicht vorgestellt, und er stellte die Senderbosse zur Rede. Doch aussteigen konnte er nicht mehr, und so versuchte er, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Als er gerade dabei war, seinen Frust in Wein zu ertränken, traf er an der Bar das etwas bekiffte Aschenputtel, das nicht nur spitzenmäßig aussah, sondern auch richtig tiefgründige Gespräche mit ihrem führte. Irgendwie schaffte er es, nur noch mit ihr zu tanzen, und die Senderbosse sahen schon die Dollarzeichen in ihren Augen, als das Gezicke unter den anderen Ladys los ging.

 

Eine wahrlich gelungene TV Show also 

... bis Aschenputtel auffiel, dass sie ständig in Großaufnahme gefilmt wurde und auch ihre Eltern und sowieso alle Welt das Format anschauen würden. Der Bachelor war zwar ein richtig attraktiver Typ und sie spürte auch ein wenig die Verbundenheit ihrer verlorenen Seelen, aber plötzlich hatte sie Angst vor der eigenen Courage. (Außerdem ließ die Wirkung des Marihuanas nach.) Noch bevor der Bachelor ihr die letzte Rose überreichen konnte, verließ sie die Party und stolperte die Treppe hinunter, um schnell mit Vaters Kombi nach hause zu rasen. Da es sich so schlecht mit High Heels rennen ließ, verlor sie einen Schuh auf der Treppe, den der hinterher laufende Bachelor an sich nahm. Da er zufällig auch Schuhfetischist war, nahm er auch das als Zeichen Amors, und er wusste genau: die oder keine!

 

Von Kameras begleitet suchte der Bachelor also

... nach der Frau, deren Füße in den Schuh gehörten. Glücklicherweise hatte Aschenputtel Größe 36, und so begrenzte sich die Auswahl ein wenig. Da Aschenputtel dem Bachelor weder den Namen genannt hatte noch die Senderbosse Bock darauf hatten, in ihrer Kartei nachzuschauen (außerdem ergab das doch ein ziemlich lustiges Finale und war somit bombe für die Einschaltquoten), wurden alle Kandidatinnen von einem Filmteam aufgesucht. Der Bachelor war immer wieder in Großaufnahme zu sehen, wie er (Schuhfetischismus sei Dank) mit leuchtenden Augen verschiedenen Ladys seinen Schuh anzuziehen versuchte, was natürlich ein wenig seltsam war, wenn man bedenkt, dass man im Vorfeld auch die Schuhgröße hätte klären können.

Als die Stiefschwestern an der Reihe waren, hatten die eine ganz besonders bekloppte Idee: sie säbelten sich ein Stück vom Fußzeh ab, um als vermeintliche Traumfrau geheiratet zu werden. Ob sie dafür besonders viel Geld vom Sender bekommen hatten oder ob sie wirklich so dringend ins Fernsehen oder geheiratet werden wollten oder ob sie schlichtweg eine fette Persönlichkeitsstörung hatten, interessierte im Nachhinein eigentlich niemanden so recht.

 

Für alle Happy End Fans sei gesagt

... dass der Bachelor nicht ganz so blöd war, wie es den Anschein hatte und so merkte auch er, dass heulende Frauen, deren verstümmelten Füße bluteten, nicht ganz das waren, was er suchte. Als er aus dem Nebenzimmer gurrende Tauben hörte, fand er seine Traumfrau beim Putzen - im Schlabberlook zwar, aber nichtsdestotrotz wunderschön. Sie fiel ihm in die Arme, und er durfte ihr zeitlebens die Schuhe an- und wieder ausziehen. Und ein paar andere Dinge haben sie dann auch noch gemacht. Heiraten zum Beispiel. Und wie lang die Ehe gehalten hat, steht dann auf einem anderen Papier.

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