Bald sind wir zu viert. Von der Nestbaupanik

Ticktack, ticktack. Bald habe ich ein zweites Baby im Arm, und ehrlich gesagt hab ich keine Ahnung, wie ich das schaffen soll. Zum einen ist da natürlich die Geburt, zum anderen die Tatsache, dass ich noch nicht wirklich "bereit" bin - ist das beim zweiten Kind immer so oder hab ich den Zug mal wieder verpasst?

 

"Selfie in der 36. Schwangerschaftswoche" - Bildrechte: 2KindChaos

 

Wenn die Schwangerschaft so nebenher läuft

Ich hatte ja bereits darüber geschrieben, dass es in der zweiten Schwangerschaft wenig bis kaum Mitleid gibt. Für alle Außenstehenden ist so ein zweites Kind nix Besonderes mehr, zumal das erste ja gut genährt, angezogen, gewickelt ist und einen halbwegs aufgeweckten Eindruck macht. Beim ersten muss man sich ja nicht nur Ratschläge en masse gefallen lassen, sondern hat auch mit Vorurteilen zu kämpfen, erst recht wenn das Kind dann da ist und man es eben irgendwie macht (irgendwie im Sinne von, irgendwer macht es anders also hat er was auszusetzen). Beim zweiten ist es also nicht nur verdammt unaufregend, sondern keiner hat wirklich die Muße, sich so wirklich damit zu beschäftigen - schon garnicht die Mama selbst. Ein Kleinkind will bespielt, getröstet und versorgt werden, je nach Vereinbarkeit geht man noch arbeiten oder eben auch nicht, man kann froh sein, wenn es wenig Probleme gibt. 

BÄM!! WEHEN!! NESTBAUPANIK!!

So ist es bei mir seit gut zwei Wochen, immer mal wieder geht es gut ab und mir dann der Arsch auf Grundeis. Scheiße, ich hab doch noch nichts vorbereitet! Ok, etwas schon, manches hat man ja auch noch von Nummer 1, aber da gibt es noch so viel auf der persönlichen To Do Liste, die auf einmal in Gedanken knallrot anläuft und ein Martinshorn untermalt das Szenario noch mit gellenden Nesttrieb - Schreien. Plötzlich ertappe ich mich dabei, nicht nur wie eine durchgeknallte Dekofee durch den Baumarkt zu rennen und total wichtige Dinge wie Wandtattoos, Rollos und Accessoires einzukaufen (denn das geht ja später NIE WIEDER!), nein, ich belästige auch sämtliche Leute aus meinem Umfeld damit. Der Freundin erkläre ich halb lachend, halb panisch, was in ihrem Garten alles noch gemacht werden sollte (Hust!!), der Mutter, was sie noch alles einkaufen könnte, dem Freund klatsche ich jeden Papierkram um die Ohren, den ich finden kann (sowie eine abgetippte To Do Liste mit mehreren Reitern...) und auch was den Blog angeht, werde ich erst dann Ruhe geben, wenn alles JANZ ORDENTLICH aussieht. Also nie! Ach ja, schnell noch die Steuer machen, täglich beim Online Shoppen total wichtige Dinge bestellen und mich dann dank Schwangerschaftsdemenz überraschen lassen was im Paket so alles drin ist, Küche neu einsortieren, Putzen, und und und...

Ich bin der Hase aus Alice im Wunderland

Faszinierend, dass eine so unförmige dicke Mutti, die vor Schmerzen kaum humpeln kann, derartig viel Energie entwickelt und alle Dinge erledigt, die im letzten Jahr liegen geblieben sind. Und jetzt sagt nicht, du bist doch gar nicht so dick... Leute! Eine Schwangere fühlt sich wie ein 200kg Mensch, habt ihr wohl vergessen. Man kriegt keine Luft, kann kaum laufen, Treppe sowieso nicht, Bücken ist eine Triathlon Challenge (Gleichgewicht - Kugelstoßen - Aufstehen ohne Hinfallen), im Bett umdrehen gleicht dem Käfer aus Kafkas "Verwandlung" und von den weniger appetitlichen Dingen sag ich jetzt mal nichts... Nie vergessen werde ich, wie dieser uralte Mann und ich uns ein Wettrennen auf der Hauptstraße lieferten und er mich schlußendlich abzog! 

Jedenfalls bin ich derart getrieben, dass eines auf der Strecke bleibt: die Freude auf mein Baby. Ich schiebe den Gedanken oft ganz weit weg, weil ich es mir einfach nicht vorstellen kann, diesen durchgeknallten Zustand hinter mir zu lassen und die Familie im wahrsten Sinne zu sprengen. Ich habe wirklich Angst davor, dass es meiner Großen nicht gutgehen könnte, wenn ich plötzlich weg muss, oder zu lange weg bin, das wird sie vielleicht schaffen, aber nicht besonders gut. Derjenige, der auf sie aufpassen muss, hat echt dick die Arschkarte gezogen, denn sie wird Brüllen was das Zeug hält, und dieses Kind HÖRT.NICHT.AUF!! Ehrensache!! Schlimmer ist ja die Vorstellung, lange im Krankenhaus bleiben zu müssen anstatt ambulant und chillig im Geburtshaus zu entbinden - schon beim Telefonat waren die derart gestresst und unfreundlich und überbelegt, dass es einem derbe vergeht da hingehen zu wollen.

Und dann kommen sie doch, die Momente, in denen ich innehalte und mich einfach freuen kann. Bald ist sie da, meine kleine Maus, und es wird schon irgendwie gutgehen. Ich glaub einfach mal dran...

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