Bedürfnisse von allen – die wahre Relativitätstheorie

Bedürfnisorientierte Elternschaft, ein beziehungsbasiertes Miteinander, Aufgabe des Machtgefälles, wo immer es geht, und dafür ein gemeinsames Bemühen: Ja. Da geht mir das Herz auf. So und nicht anders möchte ich mein Leben mit Kindern gestalten. So vieles wird leichter, wenn man die Bedürfnisse von Kindern ernst nimmt – ja, wenn man Kinder überhaupt ernst nimmt. Aber der Teufel steckt im Detail: Die Bedürfnisse widersprechen sich.
 
 
Try walking in my shoes
 
 
Als einzelne Aussage klingt für mich immer alles total nachvollziehbar. In dem sehr empfehlenswerten Buch „Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn – der entspannte Weg durch Trotzphasen“ empfehlen die Autorinnen, in jeder Situation neu und immer wieder abzuwägen, wessen Bedürfnis gerade stärker wiegt. Das war für mich einer der Schlüsselsätze.
 
Denn ich war, geprägt durch Maples Geschichte, sehr darauf geeicht anzunehmen, dass immer die kindlichen Bedürfnisse wichtiger seien. Und es war auch sehr lange so. Obwohl auch meine Bedürfnisse, Grundbedürfnisse, nicht erfüllt waren, waren die unerfüllten Grundbedürfnisse von Maple, vor allem jenes auf Schmerzfreiheit, einfach stärker. Ich bin erwachsen und kann reflektieren – sie ist gerade zur Welt gekommen und kennt nichts anderes als Schmerz. Solche Abwägungen sind einfach. Und solche Konstellationen sind es, wegen denen Eltern bis zur vermeintlichen Selbstaufgabe über alle Grenzen gehen. Der gut gemeinte Ratschlag „Pass auf Dich auf!“ wird erst dann relevant, wenn es dem Kind gut genug dafür geht. Und weil diese erste Zeit so prägend war, haben sich Verhaltens- und Reaktionsmuster bei mir eingebrannt, die immer das Kind voranstellen und mich immer hintenan.
 

 

Ausgangspunkt: stabil

Darüber bin ich hinweg. Dabei kommt mir zugute, dass meine Kinder stabiler werden, dass Maple mit viereinhalb Jahren und Kindergartenerfahrung – damit meine ich nicht: Abhärtung! – für sich sorgen kann, jedenfalls ansatzweise. Und mir kommt zugute, dass Coco nicht dasselbe durchmachen musste. Kommt allerdings etwas ähnlich Gelagertes dazwischen, wie die Sache mit dem Krankenhaus, sind die Erfahrungen wieder sehr präsent und wirksam. Schutzlose Kleinkinder, denen Schlimmes angetan wird, werden lebenslang meine Achillesferse bleiben.
 
Aber meinen Kindern geht es gut. Sie sind gesund. Und meine Seele ist auch gesundet. Sie ist vernarbt, aber nicht labil. Ich bin nicht überlastet in dem Sinne, dass ich Panik habe, wenn Karl morgens zur Arbeit geht. Das war sehr lange so. Und aus gutem Grund.
 
Was mich fertig macht ist die nahezu ständige Ausschließlichkeit der Bedürfnisse unterschiedlicher Menschen in unserer kleinen Familie.

 

Coco: in der Autonomiephase

… und das ist ihr gutes Recht. Sie darf alle Gefühle zeigen, das ist mir wichtig. Ich musste mich immer zusammenreißen, denn was sollen sonst die Leute denken? Ich komme auch mit lauten Äußerungen klar, und vor allem viel besser, seitdem ich das o. g. Buch gelesen habe. Ich habe verstanden, dass die Gefühle raus müssen, dass gerade das Erleben der Gefühle und das Verarbeiten einen Fortschritt bedeuten. Dass es also funktional ist. Wenn Kinder lernen können, unter liebevoller Begleitung, die vor allem darin besteht, dass jemand ihre Gefühle versteht, lernen, ihre Gefühle zu regulieren, ist das ein sehr wichtiger Schritt.

 

Maple: verdienter Feierabend

Sie geht bis 15, 16 Uhr in den Kindergarten, wo sie auflebt, wo sie geliebt und angenommen wird, so wie sie ist, wo sie unglaublich viel Inspiration erfährt, wo sie sich zurückzieht und Auszeiten nimmt, wenn ihr etwas zu viel ist, wo sie lernt, sich mit anderen Kindern auseinanderzusetzen.
 
Wenn ich Maple abhole, freut sie sich immer, will aber noch nicht gehen. Alternativ kann man auch schon mal angeschrien werden direkt zur Begrüßung, weil sie doch noch spielen will. Ich glaube, es ist deutlich geworden, dass ich mit ihrem Kindergarten ein supergutes Gefühl habe und ich sie dort weder unter- noch überfordert und gut aufgehoben weiß. Trotzdem ist sie nach einem Kindergartentag geschafft (egal ob ich sie um 3 oder 4 abhole). Das ist wie ein Arbeitstag. Zu Hause hat sie dann das Bedürfnis nach Ruhe und Gemütlichkeit, Nähe und Erholung. Im Moment vergeht kein Tag, an dem nicht ein „Lager“ gebaut wird, so groß wie der verfügbare Platz auf dem Kinderzimmerboden. Dabei kommen zahlreiche Bettdecken, Decken und Kissen zum Einsatz. Sie lässt sich in die Entspannung fallen, erdet sich durch ihre Ruherituale (Nuckeln, die eigenen nackten Füße streicheln, sich einrollen), genießt es, vorgelesen zu bekommen.
 

 

Eltern: brauchen mal Pause

Karl und ich leben einen glücklichen, anstrengenden Alltag. Wir hassen es, unsere Aufmerksamkeit teilen zu müssen und Dinge zu erledigen, während die Kinder die ganze Aufmerksamkeit von uns nicht nur einfordern, sondern sich von ganzem Herzen wünschen. Es ist ein Unterschied, ob man sich ganz aufs Kind einlassen kann oder noch die allerallerwichtigsten Dinge parallel machen muss, und irgendwas ist immer. Das Knöllchen, wozu bereits die 2. Mahnung gekommen ist, endlich überweisen. Trinken. Blase entleeren. Essen kochen, damit halt Essen auf dem Tisch steht. Die Wäsche aus der Waschmaschine holen (Dachboden). Und nein, sie hat nicht gerade erst geschleudert. Nach dem Lüften Fenster wieder schließen. Solche Sachen meine ich. Wirklich nur dringende Dinge.
 
Von einer traumhaften, direkt entspannenden Wohnumgebung, wie ich sie neulich bei Bella gesehen habe, sind wir absurd weit weg. Nicht weil wir faul oder undiszipliniert wären oder andere Dinge lieber täten (wir doch nicht). Sondern weil es so viel ist, dass einfach die Zeit fehlt. Halbherzig mit Coco „Hase hüpf“ zu spielen und die ganzen unaufschiebbaren Dinge im Nacken zu haben (nur mal kurz was zu trinken zu holen, geht gleich weiter!, ganz kurz auf Toilette gehen oder mal eben die Tür zu öffnen, weil es geklingelt hat, …), ist Stress für alle. Coco ist frustriert und regt sich über alles und jedes auf (Schnecke umgefallen? Katastrophe! Draußen ist ein Rasenmäher zu hören? Laaaaauuuuut!!! Ich hab etwas akustisch nicht verstanden? Weltuntergang!). Es ändert sich schlagartig, wenn man so fix und fertig von den tausend Parallelaufgaben, ständigen Unterbrechungen und Cocos Genöle ist, dass man beschließt, nix mehr zu machen, als sich einfach mal ganz dem Kind zuzuwenden. Allein diese Änderung im Kopf entspannt alles. Endlich kann ich es mir erlauben, nichts zu tun, als „Hase hüpf“ zu spielen, vor Liebe auszuflippen, wenn Coco versucht, den Elefantenrüssel motorisch auf die Reihe zu kriegen, zu bestaunen, wie ihre Sprachentwicklung sprintet. Dann ist es auf einmal total friedlich (welche Überraschung). Coco ruht in sich, geht im Spiel auf, und wir tanken beide auf.
 
Das Geheimnis ist, einfach GANZ bei EINER Sache zu sein.
Das Geheimnis ist, sich darauf zu konzentrieren, was gerade gut tut.
 
Aber wem?
 
In der Praxis habe ich oft von morgens bis abends das Problem, dass jede von uns unterschiedliche Bedürfnisse hat, die sich gegenseitig ausschließen. Beispiel. Wir sitzen am Tisch und essen. Maple zelebriert das Essen. Sie isst gerne, viel und in den Augen mancher Eltern vielleicht sogar paradiesisch gut. Sie isst sehr lange. Eine Stunde pro Mahlzeit kann man manchmal rechnen. So, dass man fast verrückt werden könnte. In den Worten ihrer Kindergärtnerin (begleitet von Strahlen und liebevollem Lachen) klingt das so: „Maple ist beim Essen immer die Letzte von allen. Die anderen scharren immer schon mit den Füßen, weil sie Nachtisch wollen. Maple lässt sich davon nicht beeindrucken. Sie nimmt sich Zeit zum Genießen und auch dafür, zwischendurch mit anderen zu sprechen. Sie macht es, wie wir Erwachsenen es uns immer für uns selbst wünschen: Essen ist für sie mehr als Nahrungsaufnahme. Es ist ein geselliger Akt, und da gehört viel mehr zu als das bloße Essen.“
 

 

Jedes Bedürfnis ist nachvollziehbar

Wir sitzen also am Tisch. Maple erzählt vom Kindergarten. Coco sagt irgendwas. Ich verstehe keine von beiden. Maple ist frustriert, dass Coco reinquatscht. Coco ist frustriert, dass ich sie nicht verstanden habe. Coco brüllt los. Dabei fällt ihr unbeabsichtigt der Löffel runter, und das wütende Geschrei erreicht trommelfellsprengende Lautstärke. Ich verstehe Coco. Sie fühlt sich unverstanden, und nun ist auch noch entgegen ihrem Willen der Löffel runtergefallen. Sie macht brüllend Anstalten, sich vom Hochstuhl fallen zu lassen, weil sie viel zu sehr außer sich ist, um ihren Körper zu kontrollieren. Sie versucht, Teller mit Essen und Becher vom Tisch zu fegen, um ihrer Wut ein Ventil zu geben. Auch das verstehe ich. Ich habe aber keine Lust, Spinat-Kartoffelpampe vom Boden zu kratzen (jedenfalls nicht in solchen Mengen). Ich versuche, sie abzustützen, damit sie sanft zu Boden gleiten kann, wo sie sich erfahrungsgemäß die nächsten 10 bis 45 Minuten quer durch die Küche wälzen wird. Brüllend. Der Dreck des Küchenbodens wird sich dank der Tränen gut in ihrem Gesicht und den Haaren festkleben, weil ich es natürlich mal wieder nicht geschafft habe zu wischen. Coco schreit „Maaaaamaaaaa!!!“. Ich möchte ihr zeigen, dass ich sie verstehe. Bei ihr sein. Sie meinen mitfühlenden Tonfall hören lassen (immer wenn sie wieder Luft holen muss, ist der auch hörbar). Ihr meine Hand auf den Rücken legen.
 
Maple hält sich ab Sekunde 1 die Ohren zu. „Mir ist das zu laut!“, weint sie. Diese Schutzmaßnahme ist mehr als angebracht. Technofestivals werden meinen Kindern später vorkommen wie Vorlesestunden. Beide schreien, wenn sie schreien, sehr laut. Ich erinnere an die einfühlsame *Ironie off* Krankenschwester, die Maples Schreien 2 Tage nach ihrer Geburt kommentierte mit „Hysterische Kleine, da freuen sich die Nachbarn!“. Auch bei mir als Baby witzelten damals die Krankenschwestern: „Die wird mal Koloratursopran.“ Ich merke, wie meine Ohren dröhnen. Maple weint längst anhaltend. Sie hält es nicht mehr aus, verlässt den Tisch und rennt ins Kinderzimmer, ihren Fluchtort. Das Essen lässt sie stehen.
 
Auch mein Essen wird kalt. Ich habe das Bedürfnis nach Ruhe und Harmonie.
 
Maple hat das Bedürfnis nach Ruhe und Essen und dass ich ihren Erzählungen lausche.
 
Coco hat das Bedürfnis, sie selbst sein zu dürfen. So würde ich das übersetzen.
 

 

Es gibt keinen Kompromiss

Ich könnte Coco rausbringen, schreien lassen, gern umschrieben als „sich ausbocken lassen“, Maple zurückholen und mit ihr weiter essen. Rechnerisch wären dann zwei Bedürfnisse erfüllt und eines nicht. Coco rauszubringen, käme mir jedoch vor wie soziale Isolation in einem Moment, in dem sie Nähe braucht (trotz wüten), nach Mama schreit und sich nach Verständnis sehnt. Sie aus dem Zimmer zu bringen, mehrere Zimmer weiter (damit es akustisch was bringt), wäre wie eine Strafe. Dann würde ich das Signal senden: So wollen wir Dich nicht bei uns haben. Du störst. Geh weg. Komm gerne wieder, wenn Du Dich beruhigt hast. Aber so nicht.
 
Sie lernt aber doch gerade, sich zu beruhigen. Dafür braucht sie noch Unterstützung. Eine Unterstützung, die auch Maple hatte, als sie sie brauchte.
 
Schweren Herzens nehme ich die Situation an und versuche, etwas Gutes daran zu finden: Maples Kompetenz, sich zu schützen. Obwohl sie sich sicher etwas anderes wünscht.
 
Meine Kompetenz, Gefühle auszuhalten. Meine bewusste Entscheidung, Coco nicht zu verurteilen.
 
Ich knie bei Coco, wir sind in Kontakt. Mein Magen knurrt. Maple hat, wenn man so will, den Kürzeren gezogen.
 
Und von solchen Situationen gibt es doch tausend.
 
Maple will ein Spiel spielen, bei dem sie endlich die Spielregeln durchschaut hat (was sie stolz macht). Aus diesem Grund darf das Spiel nur genau so und nicht anders gespielt werden. Coco findet die Spiele für große Kinder natürlich toll. Sie findet alles toll, was Maple macht. Sie himmelt Maple an. Und umgekehrt. Aber beim Spiel hört der Spaß auf. Coco spielt auf ihre Weise mit. Maple dreht durch. Fängt frustriert an zu schreien. Coco schreit, weil Maple schreit. Und ich möchte schreiend wegrennen.
 
Wir versuchen, einen Weg zu finden, der für alle funktioniert. Aber dafür müssen sich erst einmal alle beruhigen. Maple kann sich beruhigen, wenn ich mich ganz ihr zuwende. Coco kann sich beruhigen, wenn ich mich ganz ihr zuwende. Die jeweils andere darf nicht auf dem anderen Bein meines Schoßes sitzen. „Ich brauch die Mama!“ – „Mama!“ – „Nein, ICH brauch die Mama VIEL MEHR!“ – „MAAAAAMAAAAA!!!“ Und so weiter.
 
Wie. macht. Ihr. das?
 
Ich arbeite daran, das auszuhalten, dass es jetzt gerade scheiße ist. „Das darf sein“, würde Micha jetzt sagen. Ja, darf es. Aber es zehrt an den Nerven.
 
 

Es ist kein Drinnen-Problem

Und nein, draußen ist es nicht entspannter. Draußen kommt zu denselben Bedürfnissen noch die körperliche Belastung hinzu. Da muss ich ständig Coco irgendwo hochhelfen, sie über Kopf halten etc., alles Dinge, die meine Kopfbaustelle unmittelbar so immens schlimm werden lassen, dass bei mir gar nichts mehr geht. Der einen ist der Spielplatz zu babyeinfach, der anderen zu schwierig. Gibt es eigentlich Kinder, die friedlich im Sand spielen, oder ist das ein Mythos der Sandförmchenindustrie?
 
Maple jammert, weil sie dieses oder jenes nicht kann, Coco möchte alles machen, was aber saugefährlich ist. Zumindest muss ich drunter stehen und sie auffangen, wenn ich keine Lust habe, ins Krankenhaus zu fahren und erneut wegen ganz offensichtlicher Kindesmisshandlung festgehalten, erniedrigt und retraumatisiert zu werden und Coco dazu. Ihr werdet verstehen, dass sich meine Risikofreude, was gebrochene Gliedmaßen angeht, in Grenzen hält. Draußen ist für mich tatsächlich eine vielfache Mehrbelastung. Fortbewegung von A nach B läuft auf Schleppen hinaus. Kinder, die fröhlich im Wald umherlaufen und sich an Baumstämmen, Tannenzapfen und Blättern erfreuen, sind nicht meine.
 
Daher ist es gut, dass Maple den Kindergarten hat, wo sie so gut wie jeden Tag draußen ist, teils auch mehrmals. Und dass ich mit Coco (also nur mit einem Kind) rausgehen kann. In der Zeit bleibt natürlich alles, sprich: das Wichtigste liegen.
 
Also bleibe ich mit beiden nachmittags eher drinnen. Die Bedürfniskollisionen, die dort passieren, sind für mich deutlich besser zu händeln. Sie sind auch so anstrengend genug.
 
Ich bin inzwischen so weit, dass ich gestärkt aus solchen Situationen hervorgehe. Wenn sich irgendwann beide beruhigt haben und wir kuscheln können. Wenn wir gemeinsam feststellen können, dass das ganz schön anstrengend war. Wenn ich Maple erklären kann, dass sie das Spiel mit 2 auch noch nicht verstanden hat. Wenn ich Coco erklären kann, dass Maple das Spiel gerne anders spielen möchte. Meist spielen wir dann danach irgendwas ganz Anderes. Kuscheln uns ein, ich lese vor. Es ist für mich kein Gefühl des Scheiterns am Unmöglichen. Es ist ein Gefühl des Prozesses und des Miteinander Lernens. Das ist für mich ein Fortschritt.
 

 

Klassiker: Selber schuld!

Bedürfnisorientierte „Erziehung“ ist für mich trotzdem High-Level. Und alternativlos. Gestern bei der Weihnachtsfeier auf der Arbeit meinte eine Kollegin, 50+, dass die Eltern es sich heute selbst schwer machten, indem sie den Kindern so vieles recht machen wollten. Oder Karls Chef, der uns nicht nur ungefragt von einem dritten Kind abriet („Es wird ja nicht leichter.“ – Selbstverständlich wird es leichter. Je älter sowohl Maple als auch Coco wurden, desto besser wurde es.), sondern Karl obendrein auch noch fragte, ob wir denn
 
… eine …
 
– Es kommt gleich! –
 
FAMILIENBERATUNG
 
hätten. Wohlgemerkt, der Typ hat zwei Kinder, die von Institutionen und seiner Frau betreut werden. Und er hat Schlaflernprogramme durchgezogen, wie er stolz erzählt. Dieser Typ fragt uns, ob wir denn eine Familienberatung hätten?
 
Ich verbuche es als persönliche Entwicklung, dass ich weder meiner Kollegin vors Schienbein getreten habe noch den Chef meines Mannes abends um 11 angerufen habe, um mal über ein paar Dinge über Menschenwürde von Kindern und christliche Werte zu referieren.
 
Ich finde inzwischen, wir machen das alle zusammen ganz gut, wenn die Bedürfnisse aufeinanderknallen. Klar, Pipi machen, überweisen, trinken, Ruhe oder gar kurze Pause für Mama müssen dann warten.
 
Wie andere allerdings darüber hinaus noch saugen, wischen und putzen oder Küchen in eine Küchenstudio-Optik verwandeln können, ist mir wirklich ein Rätsel. Euer Tag hat doch auch nur 24 Stunden. Ihr schickt unbequeme Kinder auch nicht auf die Stille Treppe. Ihr tröstet und begleitet doch auch.
 
Glaubt mir, ich lebe auch lieber in einer aufgeräumten, sauberen Wohnung. Äußeres Aufgeräumtsein verursacht bei mir inneres Aufgeräumtsein. Aber dieses Bedürfnis kommt nach akustischer Ruhe, Waffenstillstand, Nahrungsaufnahme und einer Seele, der es gut geht. Das Bedürfnis nach Ordnung, und ich bin von Natur aus ein ordnungsliebender Mensch, kommt weit, weit hinten in der Relativitätstheorie unserer Familie.
 
Eure Mo
Das Leben als Mama - manchmal ist es zu eng.
Lotta - Vom Schreibaby zum High Need Kleinkind

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