Längerer Besuch bei Oma und Opa, Kind zurück auf Werkseinstellung

Kennt ihr den Spruch? "Nach einem Besuch bei Oma und Opa sind die Kinder erziehungstechnisch wieder auf Werkseinstellung zurückgesetzt." Wir waren das erste Mal seit Little Peas Geburt bei den Großeltern, die weiter weg wohnen, einige Tage zu Besuch und es war einerseits besser als gedacht, aber auf andere Art und Weise kann ich diesen Spruch doch unterschreiben...
 
 
 
 

"Da hättet ihr auch zwei Mal nach Mallorca fliegen können!"

Die Eltern von Papa Mercury wohnen etwas mehr als 400km weit weg, soll heißen wir fahren ungefähr vier Stunden einfach hin. Das ist natürlich schon ziemlich viel, und wenn man mit kleinen Kindern fährt, die es gar nicht ab können, zu lange sitzen zu bleiben, dann muss man sich da richtig viel Zeit einplanen. Normalerweise fahren wir solche Strecken nur mit dem Zug, aber da wir einen Urlaub dranhängen wollten, ging erstmal nur das Auto. Bewaffnet mit allen möglichen Spielzeugen und Spielzeugkoffern haben wir es tatsächlich geschafft, und es dauerte in etwa acht Stunden, bis wir angekommen sind. 8 Stunden! Acht! A-c-h-t!
 
Jedes Mal, wenn wir länger Autofahren, denke ich an die vielen Sprüche, die mir zu Anfang des Mamadaseins reingedrückt wurden, als ich mich weigerte, mit Baby Peanut Auto zu fahren, denn die schrie auch für fünf Minuten alles zusammen. Das solle man sich doch wert sein, Hauptsache man komme in den Urlaub, oder das sei man den anderen schuldig, immerhin müsse man jedem in der Familie doch das Kind zeigen. Ich lass das mal so stehen, erzähle euch aber, dass ich die allerschlimmsten Nackenschmerzen und die weltbeste Migräne von diesem Trip bekommen habe und Kinder, die hochgradig aggressiv waren. 
 
 

"... für uns ist das ja auch anstrengend, aber es man macht es ja gerne"

Ich gestehe, ich habe bisher noch nie bei den Eltern von Papa Mercury geschlafen gehabt. Wir hatten sie ein Mal länger besucht und da war Peanut so schräg und so speziell, dass wir uns nur in eine Ferienwohnung getraut haben, und da hat sie auch extrem viel gebrüllt. Das war echt etwas, das ich als Kinderquälerei bezeichnen würde. Ich wusste also nicht, wie es werden würde, aber seltsamerweise lief es doch besser als gedacht. Zumindest auf den ersten Blick. Die Großeltern haben sich super viel Mühe gegeben, unsere vielen Spezialwünsche zu erfüllen, haben die Reformhäuser geplündert (glutenfrei und vegan, nicht so einfach) und haben im Gästezimmer ein Matratzenlager errichtet. Sie haben unseren Tagesrhythmus klaglos mitgemacht und Peanut bis spätabends noch bespielt, denn die konnte natürlich auch dort nicht vor 12 einschlafen. Das war sicher für alle Beteiligten mega anstrengend, und mir taten sie auch sehr leid, als ich dann gegen Ende gesehen habe, dass auch sie ganz schön müde wurden.
 

 

"Lass sie doch ihre Oma genießen"

Jetzt kommt der Abschnitt mit der Werkseinstellung. Peanut ist ein absolutes Omakind, sie liebt beide Omas und beansprucht sie ziemlich für sich, wenn wir sie sehen. Das ist natürlich sehr schön und ich gönne es allen Beteiligten von Herzen, da ich auch weiß, wie schön die Kindheitserinnerungen an liebevolle Großeltern sein können. Andererseits ist es seltsam, wenn man vom Kind als Mama (und vor allem Papa) dann angebrüllt wird, dass man sich gefälligst verpfeifen soll. Wenn nur noch die Oma alles machen darf und das über Tage hinweg. Anfangs ist man großmütig und denkt, ja gut, enjoy, ich leg mal die Füße hoch. Aber trotzdem wird mir dann nach einer Weile komisch zumute. Ist das kindisch von mir? Am ersten Tag habe ich echt grinsend gesagt, wie geil, endlich mal etwas Durchatmen, aber auf Dauer fand ich doch, dass es ganz schön weh tat. Bin ich doch eine Klammer - Mama?
 

 

Von Fort- und Rückschritten

Doch irgendwann kippte diese Begeisterungsphase bei Peanut. Nicht die für die Oma, aber sie wurde merklich angegriffener, explodierte öfters, wurde aggressiver, aufgedrehter. Wenn ich anfangs dachte, dass es keine Steigerung gibt - oh doch, die gibt es. Sie hielt es wirklich die ganzen knapp vier Tage aufrecht, total an ihrer Oma zu hängen und sich nur an ihr zu orientieren, aber schon auf der Autofahrt in den Urlaub wurde klar, wie viel Anstrengung sie das gekostet hat. Und seit wir nun allein in der Ferienwohnung sind, ist sie total in der Regressionsphase. Nur noch Mama geht, den Papa hat sie gar nicht so lieb (Autsch!!), nur Mama darf ins Bett bringen, nur Mama darf das Essen holen, nur Mama darf kuscheln, Zähne putzen, im Bad fertig machen, vorlesen, spielen... Ok, durch die Gegend tragen darf er noch, aber nur, weil ich mich da seit Monaten konsequent geweigert habe.
 
Wo ich vorher gedacht habe, "Ist das überhaupt noch mein Kind?", habe ich jetzt die schlechtgelaunteste und klammerigste Peanut, die ich kenne, wieder zurück. Juhu. Nicht. Einerseits ist sie dank unserer guten Bindung in der Lage, ohne mich klar zu kommen (für eine gewisse Zeit), und anderen Menschen ihre Nähe und Liebe zu zeigen, andererseits merkt sie dann, dass sie doch noch nicht so alt ist und regrediert dann wieder ziemlich extrem. Ist das nun, weil sie noch so jung ist, oder weil sie so sensibel ist und das einfach verdammt viel Anstrengung bedeutet hat?
 
Bei Kindern denkt man immer, die passen sich an, die machen alles mit, aber auf den zweiten Blick sieht man, dass es eben doch nicht so ist. Andere Leute sagen, was habt ihr doch für tolle Kinder, und glauben nicht, dass sie, sobald die Tür zu ist, nur noch explodieren und die Eltern bis über alle Grenzen hinaus fordern. Den Preis für so ein tolles Oma Wochenende zahlt nämlich immer die Mama. Und wenn ich sie jetzt wieder ein paar Tage klammern lasse, habe ich mein ganz normales Kind wieder. Und dann haben wir ja nur noch die Rückreise vor uns...
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