Cry me a river. Ein typischer Abend mit Schreibaby

Ich habe vor wenigen Tagen etwas gefunden das ich schrieb als unser kleines Mädchen wenige Wochen alt war. Es ließ mich schmunzeln, denn heute ist alles vergessen und so unendlich einfach und normal geworden. 
 
 
 
 
 
Eigentlich wollte ich diesen niedergeschriebenen Gedanken löschen, aber dann fiel mir ein, wie gerne ich davon las, dass es auch anderen Mama so ergeht wie mir. Ich musste kurz überlegen, aber hier exklusiv für Euch ein Einblick in unser Schlafzimmer damals, vor zwei Jahren. 
 
Heute wollte ich mal über das Schreiverhalten und einen typischen Abend in unserer Familie berichten. Einige von euch wissen ja, dass unsere große Tochter Pepper ein Schreibaby war, dazu hatte ich auch mal geschrieben - auch unsere Mini macht es uns diesbezüglich nicht leicht, und auch, wenn wir mit Pepper schon vieles durch haben, haben wir vergessen, wie schlimm ein nicht zu beruhigendes, kleines schreiendes Baby eigentlich ist.
 
Unsere Mini schreit extrem viel, mehr auf jeden Fall als andere Babys, wie ich denke, aber lange noch nicht soviel wie Pepper damals. Mittlerweile schreit sie nur noch am Abend, vor 2 Wochen waren es abendlich gute 4 Stunden oder länger, nun hat es sich auf 1,5 Stunden im Schnitt verkürzt. Es gab auch Tage, an denen sie dauerhaft schrie, auch am Tag, und da zweifelte ich ernsthaft an mir und meiner Fähigkeit, eine gute Mutter zu sein, denn gleich zwei "solche" Kinder zu bekommen, das erschien mir absurd und ganz unmöglich.
 
Aber es waren nur wenige Tage, an denen es so schlimm war, dennoch hatte ich beim Anblick meines schreienden Babys ein richtiges Déjà-vue, nicht nur optisch, sondern auch alle Emotionen und die damit verbundenen Ängste kamen wieder hoch. 
 
Was probierten wir nicht alles. Tragen, Stillen, Pezziball, White Noise Geräusche, Federwiege, Besuch beim Osteopath... aber alles vergebens. Und wisst ihr was, heute weiß ich, dass sie schreien muss, ich bin da und höre ihr zu und versuche, sie nicht davon abzuhalten. Und seitdem ich es so akzeptieren kann und sie in Ruhe neben mir in meinem Arm weinen lasse, minimiert sich die Schreidauer drastisch. Ich glaube, wir haben vorher einfach zuviel versucht.
 
Doch unsere Abende, erst recht diejenigen, an denen ich mit beiden alleine bin, sind hart. Es ist nicht machbar, beiden gerecht zu werden. Trösten und gleichzeitig Entertainen, das geht nicht. Mir tut Pepper unendlich leid, denn notgedrungen muss sie das Schreien miterleben, aber sie nimmt das echt gelassen und will trotzdem ihre Gute Nacht Geschichte hören oder ihr Memory spielen, es ist fast so als wäre es nur ein Hintergrundgeräusch für sie. Oft tröstet sie die Mini und sagt Dinge wie "sind ja alle da", "ich streichel dich oder ich schützt  (beschütze) dich". Das muntert mich auf, denn sie lässt sich nicht stressen, frage ich sie ob ihr das nicht zu laut ist, antwortet sie nur "Mama die erzählt nur". Vielleicht ist da was Wahres dran.
 
 
Na ja der Abend lief bis vor wenigen Tagen so ab, dass unter Gebrüll gekocht und gegessen wurde, immerhin jetzt beginnt das Drama erst gegen 20 Uhr. Nur ungut, dass dies genau die Zeit ist, in der Flocke ins Bett geht. Hätte wer einen Blick in unser Schlafzimmer riskiert vor ein paar Wochen, der hätte gedacht, ich sei gaga. Ein schreiendes Baby im Tuch, die Zweijährige hüpft im Bett rum, und in all dem Chaos versucht die Mutter, dass beide irgendwie einschlafen. Haha. An einem Abend bekam ich einen Koller, ich musste raus, sonst hätte ich womöglich beide angeschrien. Also Pepper ab in den Buggy, die Mini ins Tuch und so sind wir abends gegen 21 Uhr spazieren gegangen. Pepper fand das natürlich mega toll, logo :) 
 
 
Wie auch immer, ich glaube, wir befinden uns derzeit in einem Aufwärtstrend. (Wehe, wenn nicht.) Es ist anstrengend, aber ich merke, es wird besser und ich somit einfach lockerer. Ich mache mir nicht mehr solche Sorgen und versuche nicht, mir noch einzureden, ich bin Schuld an ihrem Schreiverhalten, ich tue alles, trage sie immer bei mir, stille sie nach Bedarf und lasse sie nie alleine. Die Schwangerschaft lief scheiße und auch die Geburt, und es war schwer, sie im Krankenhaus zu lassen, all das habe ich ihr auch gesagt. Aber jetzt ist sie da und alles ist gut, und wenn sie ihre Sorgen und Ängste noch loswerden muss, um abzuschließen mit all dem, was passiert ist, dann soll sie das dürfen, wir fangen sie auf. 
 
 
 

 

Cause every little thing gonna be alright

Und für alle die noch nicht genug haben, anbei unser Abend aufgeführt und niedergeschrieben in all seinen schmutzigen Details: 
 
Szenario 1:
Kinder und Babys haben ja so ihre ganz eigene Vorstellung von Schlaf. Das größte Thema derzeit bei uns ist das Einschlafen. Seufz. Alleine dieses Wort macht mir schon einen Kloß im Hals. Alles fängt irgendwann gegen 17.30/18 Uhr an. Wir sitzen beim Abendessen und die Mini fängt das Weinen an. So wie jeden Abend. Mama und Papa tun ihr Bestes, das kleine Mäuschen nochmal zu einem Nickerchen zu bewegen. Klappt manchmal oder halt auch nicht. Es wird gehüpft auf dem Pezziball, geschuckelt, getragen und was weiss ich.
 
Stimmung ist also zu diesem Zeitpunkt schon voll am Tiefpunkt, weil alle irgendwie genervt sind. Dann gegen 19.30 schnappe ich mir Pepper. Unter Protest werden die Zähne geputzt, gewaschen und eine Schlafwindel angezogen. Dann ab zum Vorlesen ins Bett gekuschelt, nach dem gefühlt 50.ten Mal Grüffelo vorlesen ist sie bereit, sich in ihre Ecke zu kuscheln. Die Mini wird mir vom Mann gereicht, übrigens wieder schreiend, weil sie aufgewacht ist und überhaupt alles am Abend wohl einfach doof ist aus ihrer Sicht. (Ja ich weiß, sie verabeitet ihren Tag, alles gut) dies ist Teil 1 eines Abends, wenn mein Mann daheim ist.
 
Szenario 2: (ohne Mann)
Wir essen zu Abend und die Mini beginnt, zu weinen. Während Pepper ihr Abendbrot überall verteilt, ihren Becher umwirft und sämtliche Kuscheltiere einlädt mitzuessen, renne ich wie eine Gestörte durch das Wohnzimmer (und jetzt bring dem Kind mal bei, dass man beim Essen sitzen bleibt, macht Mama ja auch nicht) und versuche, die Mini zu beruhigen. Gelingt mir nicht immer. Mit viel Pech brüllt sie durch bis, ja bis sie halt aufhört irgendwann so kurz vor 22 Uhr, 23 Uhr oder eben später erst...
 
Das Abendessen ist mehr oder weniger erfolgreich beendet, und ich versuche, das Wohnzimmer und die Küche wieder einigermaßen herzustellen. Nebenan ruft eine 2,5 jährige ständig irgendwas oder bekommt Wutanfälle, weil sie keine Videoas auf YouTube mehr sehen darf. Das Baby brüllt immer noch oder schläft einen wimmernden seichten Schlaf in der Trage vor sich hin und wacht beim kleinsten Fehler in Mamas Bewegungsradius wieder auf. Dann endlich ist es 19.30 und ich mache Pepper wie oben beschrieben fertig fürs Bett. Entweder unter mega Gebrüll oder steif wie eine Mumie, die sich nicht bewegen darf, weil das Baby ja immer noch an mir klebt, versuche ich mein Kleinkind aus- und anzuziehen, ihm die Zähne zu putzen etc. pp. Sieht sicher lustig aus, aber aus meiner Sicht ist es echt beschissen.
 
Dann folgt der Teil des Abends der immer gleich ist, egal ob der Mann anwesend ist oder nicht. Probiert haben wir vieles unter anderem, dass er die Mini betüddelt, während ich Pepper ins Bett bringe, aber das bringt alles irgendwie nichts, also werden beide Kinder gegen 20 Uhr ins gemeisame Familienbett gelegt. So und jetzt hat Mama Feierabend. Haha hört ihr mich lachen? Innerlich stelle ich mich jeden Abend auf ein Drama ein, um dann jubelnd meinen kleinen Zeh zu bewegen, mehr geht nicht, nicht dass wieder eines der Kinder aufwacht, wenn es dann doch klappt, dass vor 22 Uhr Ruhe einkehrt. Es sei dazu gesagt, Pepper war schon immer ein schlechter Einschläfer und die Mini ändert daran nicht wirklich was zum Positiven. 
 
Es beginnt die Zeit in der ich mir allabendlich wünsche, es gäbe einen Ausknopf an meinen Kindern. Ja ich Rabenmutter würde ihn echt betätigen. Pepper kommt nicht zur Ruhe, sie hüpft im Bett herum, wirft sich auf mich oder kaut mir ein Ohr ab. Dass ihre Schwester nach wie vor brüllt, ist ihr total egal. Alle Versuche, rauszugehen, damit sie Ruhe hat, scheitern, immer wird gebrüllt "Neiiiin Mama und Mini reinkommen". "Aber die Mini ist doch so laut, Schatz, ich bin draußen, die Türe bleibt auf, okay?". "Neiiiiiin Mama und Mini reinkommen zu mir, nicht draussen sein".
 
Okay, dann ergebe ich mich. Also liegen wir entweder zu dritt im Bett. Irgendwo zwischen quatschendem Kleinkind und weinendem Baby höre ich leise die Melodie der Spieluhr und wünsche mir gerade sehnlichst einen Gehörschaden. Oder ich sitze vor dem Bett auf dem Pezziball oder laufe mit Baby im Tuch durch das dunkle Zimmer, stoße mir dabei immer wieder meinen Zeh am Bett an und sage mantramäßig den Satz auf "Pepper leg dich hin, es ist spät, du musst schlafen". Das wird natürlich ignoriert, und Duracellpepper hüpft weiter herum. 
 
Das Baby weint immer noch, Pepper schläft einfach nicht ein (wie auch bei dem Lärm), und ich will eigentlich einfach nur schlafen. Irgendwann schläft eine der beiden ein, yeah ein Teilerfolg, um dann von der anderen wieder geweckt zu werden. Echt, da könnte ich jedesmal explodieren, aber du kannst weder von einem Baby verlangen, dass es aufhört, zu meckern, noch von einer 2,5 jährigen, dass sie endlich ruhig ist, weil das Baby eingeschlafen ist. Doch ich gebe zu, in solchen Momenten beneide ich die Eltern, die ihr Kind ins Bett legen können, Licht aus und Türe zu und irgendwann schläft das Kind ein, aber ich könnte sowas nicht, also mache ich weiter.
 
Irgendwann gibt Pepper dann auf, zu langweilig wird es ihr oder sie hat sich müde gequatscht, und da Mama auch nicht mehr auf das 1000.te "Mama ich habe Durst" reagiert, kann man ja auch schlafen. Das Minikind schläft dann meist kurz davor oder danach ein, die Anspannung könnt ihr euch ja vorstellen, wenn das Minikind zuerst einschläft und Pepper dann mitten in die Ruhe ein "Mama weisst du waaaaas" zum besten gibt... jedes kleinste Zucken des Babys wird sofort mit Bewegung versucht, zu beruhigen.
 
Und dann, ja dann schlafen die beiden nach gefühlten zehn Stunden endlich ein. Ich lege das Minikind dazu ins Bett, packe mich dazwischen und dann ist Feierabend.
 
Um auch ein positives Haar an meinen beiden Mädels zu lassen muss ich sagen, dass ich mich dann echt auf die Nacht freue, denn Pepper schläft komplett durch, manchmal will sie ihre Wasserflasche haben, aber sonst habe ich bis mindestens 8 Uhr Ruhe, und sogar mein Minikind schläft wie ein Stein und meldet sich maximal 2x in der Nacht, und da ich sie im Liegen stille, bekomme ich das kaum mit. Irgendwas Gutes muss das Schlafen ja auch haben. In diesem Sinne: eine Gute Nacht.  
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