Das hat sie aber vom Papa! Das Gerangel der Familie um die besten Gene

Richtig super finde ich das, wenn das große Ratespiel losgeht, dessen kein Familienmitglied jemals wirklich müde werden kann. (Oder doch?) Noch im Mutterleib werden erste Wetten angenommen - kann man vom Trommel-Stakkato der Babyfüße das Temperament ablesen oder gar vom Ultraschallbild die Schönheit einer Familiendynastie zuordnen? Und oh, kaum ist das Baby da...

 

"Kinder - nur eine Genlotterie?" - Bildrechte: 2KindChaos 

 

Macht das Spaß oder geht es da um was Ernstes?

Ehrlich jetzt mal - manchmal hab ich den Eindruck, es geht da recht verbissen zu im Gen - Business. So ein Kind besteht ja rein theoretisch zu 50% aus Mama und 50% aus Papa, aber eigentlich (!) besteht das Kind zu 100% aus der Herkunftsfamilie eines Elternteils. Und zwar auch noch aus beiden Familien. Klingt unlogisch? Das sehen die Betroffenen jedenfalls nicht so. Gern werden auch die Babyfotos von Mama / Papa herausgekramt und verglichen, was an sich ja noch irgendwie niedlich sein kann, wäre da nicht eine weitere Komponente, die man mit einrechnen muss: die Penetranz, die dabei an den Tag gelegt wird. Immer und immer und immer wieder. Jahahaaaaa, wir glauben es ja, ganz der Papa. 100%. Ich hab nur zufällig meinen Uterus zur Verfügung gestellt, aber eigentlich hab ich mit dem Kind nicht so viel zu tun. Ihr könnt es haben, aber hört bitte auf darüber zu reden...

Gene sind wichtiger als Individualität - or what?!

Ihr findet das krass? Nun, ich finde es auch krass. Und leider nicht so witzig. Anfangs grinst man vielleicht noch schief mit, aber wenn man das Gefühl hat, wirklich nur noch der Uterus zu sein, hört der Spaß auf. Denn wenn sämtliche guten Eigenschaften nur dem einen Elternteil, nein, dessen Familie zugeschrieben werden, wird dem anderen ja automatisch aberkannt, ein gleichwertiger Genpool zu sein. Oder eben der pädagogische Einfluss, der ja rein theoretisch mindestens genauso viel Einfluss hat wie die Genetik. Aber was ich noch schlimmer finde: man nimmt dem Kind sämtliche Individualität! Ist das nicht wahnsinnig traurig?

Ich finde ja, dass meine Tochter nicht nur eine einzigartige Mischung ist, sondern auch wie sie selbst aussieht und sie selbst ist. Klar, sie hat vielleicht die Augen vom Papa und den Mund von Mama, aber sie ist sicher keine Blaupause von einem von uns beiden (oder unseren Familien). Vor allem charakterlich ist sie ein ganz eigener Mensch, und nur weil sie gern barfuss läuft wird sie noch lange nicht denselbe Mensch wie ihr Papa, der gern so lange es geht mit Flip Flops herumrennt. Merkt denn keiner, wie perfide das ist? Und in unserem Fall ist es ja noch relativ harmlos.

Ich kenne andere Kinder im weiteren Kreis, die richtig dick in Schubladen gestopft werden: DIE ist ängstlich, schafft sicher die Schule nicht so gut, DIE ist sehr wild und will lieber ein Junge sein, man muss sie härter anpacken damit sie "es" lernt. Wenn die Ängstliche aber mit ein wenig Unterstützung Selbstbewusstsein aufbauen könnte und die Wilde mit mehr Toleranz Mädchen und Junge sein darf, wären sie sicher glücklicher. In anderen Fällen geht das auch so weit, dass Großeltern ein bestimmtes Enkelkind bevorzugen, weil es ihnen ähnlicher sieht und auch vermeintlich "denselben" Charakter hat.

Lasst die Kinder in Ruhe!!

Klar, irgendwie gehört es für die Familie mit dazu: vergleichen, identifizieren, das neue Rudelmitglied annehmen. In der heutigen Zeit ist das vielleicht noch viel krasser, weil es weniger Kinder gibt und eine Frau durchschnittlich 1,4 statt 7+ produziert, da muss man natürlich das wenige Erbgut, das einem bleibt (wenn man das Glück hat versteht sich) besonders ins Herz schließen. Ja, vielleicht ist das eine seltsame Art, seine Liebe auszudrücken. Oder so. Aber trotzdem finde ich es schädlich für die Kinder und mir tut es im Herzen weh, wenn ich mir so manche Fälle anschaue. Auch meinen Kindern wünsche ich, dass sie sich frei entwickeln dürfen, ohne ständig zu hören "Nein, so bist du nicht, du bist doch genau wie der/die". Das ist Gift für die Seele und sollte unter Androhung von Fotoalben - Entzug bestraft werden. Mindestens.

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