Die Oma im Familienbett

Kaum ein anderes Thema beschäftigt Eltern mehr, als das leidige Thema Schlaf. Am liebsten wäre es uns, wenn schon die Kleinsten ausgiebig und regelmäßig Schlafen würden. Dann wäre alles viel entspannter und wir würden uns nicht die meiste Zeit wie ausgekotzte Zombies fühlen. Aber so läuft das ja meist nicht. Wir haben rund zwei Jahre lang ein Leben ohne Schlaf geführt. Aus vielen Gründen schlafen wir von Anfang an alle in einem Bett – neudeutsch: Familienbett. Unsere Tochter liebt den engen Kontakt zu Menschen und wir mögen das (mittlerweile) auch. Die Tochter muss aber auch woanders schlafen können, zum Beispiel im Kindergarten. Auch dorf funktioniert es. Sie schläft dort eng an ihre Freunde oder an eine*n Erzieher*in gekuschelt. Was ist aber mit Oma und Opa? Das Konzept Familienbett ist nicht bei allen so bekannt, beliebt oder selbstverständlich. Lest selbst, wie wir unser Schlafdilemma auch bei Oma gelöst haben.

 

Die komischen Eltern mit dem Baby das nie schläft

Aber von Anfang an. Ein bisschen unpünktlich und mit einigem Aufwand kam das Kindelein auf die Welt. Aber irgendwie war das Ankommen des Kindes nicht so, wie man sich das vorgestellt hatte. Und wenn ich von „man“ spreche, meine ich vor allem die Großeltern.

Das Kind brüllte und brüllte und brüllte. Und die Mutter stillte und stillte und stillte. Und dieses Kind wollte so gar nicht woanders auf den Arm und auch so gar nicht schlafen und noch weniger in einem Kinderwagen liegen. Wie man sich vorstellen kann, fanden das die Omas ganz schön uncool!

In der großmütterlichen Welt tat sich somit das Höllenfeuer auf: das einzige Enkelchen sollte nicht mit Geschenken überhäuft (ich verzichte gerne auf nutzlosen Krempel) und mit Liebe überschüttet werden. Das schreiende Balg wollte nur zu seiner komischen Mutter, die versuchte, die absolute Reizüberflutung vom Kind fernzuhalten.

Während wir Eltern uns gegen eine Pathologisierung unseres Kindes wehrten, wollten die Großeltern natürlich eine Erklärung für dieses „abnorme Verhalten“. So ein Kind, dass sich noch nicht mal im Kinderwagen oder beim Autofahren beruhigt.. das gibt es doch nicht! Da kann das was nicht stimmen. Früher, da haben die Kinder doch schließlich auch einfach so geschlafen!

 

Kindchen, nun schlaf doch endlich… bei Oma!

Nun kam es zu der Zeit, in der wir beschlossen, dass das Kind  bei einer Oma übernachten sollte. Aus Selbstschutz und anderen Gründen. Aber ehrlich gesagt ging es uns darum, nicht umzukippen.

Die Oma war gut vorbereitet. Muttermilch im Gefrierfach und ein wunderhübsches Kinderzimmer und ein kleines Bettchen. Wir haben von unserer Seite natürlich auch alles getan, damit die kleine Dame es in ihrem Exil für eine Nacht möglichst bequem hat. Wir haben also das eigene Bettzeug mitgebracht und ein getragenes T-Shirt von mir, damit alles gut nach Mama riecht.

Wenn wir ehrlich sind, haben weder der Mann, noch ich überhaupt daran geglaubt, dass in dieser Nacht überhaupt einer Schlaf bekommt. Außer uns vielleicht. Warum sollte das Kind bei Oma urplötzlich in einen Dornröschenschlaf verfallen, wenn es Zuhause maximal kurze Nickerchen macht. Auf Mama oder Papa wohlgemerkt.

Und so war es dann auch: Leider Nein – Leider Garnicht. Der erste Versuch. Er scheiterte kläglich. Ich hatte einen Kreislaufzusammenbruch und einen Milchstau. Kind und Oma haben die Nacht laufend durch die Wohnung verbracht und der Mann…vielleicht hat der ja geschlafen. Ich weiß es nicht mehr.

 

Kurswechsel Richtung Schlaf-WG

Irgendwann, da passierte es: unser Kind schlief mehrere Stunden am Stück. So drei. Immerhin. Und man konnte das Kind von einem runterlegen. Immerhin. Aber diese drei Stunden waren nur garantiert, wenn es einen direkten Körperkontakt gibt. Nach mehreren Versuchen der einen und der anderen Oma wurde dann eingelenkt. Das Bettchen war, wie bei und Zuhause, nur noch Ablage und Sammelstelle für Babykrempel. Und das Kind? Das schlief bei Oma im Bett.

 

Erziehung im Wandel und Oma geht mit

Vor zwei Jahren war der Wunsch noch eindeutig:  Wenn unsere Tochter bei einer Oma schläft, dann sollte sie in ihrem Bettchen schlafen, so der Wunsch der Gastgeberin.

Und jetzt? Heute ist die Tochter 28 Monate alt, kann alles, was man so können muss und (Achtung Murphy, aber ich sage es jetzt einfach) schläft jetzt auch meist durch. Die Omas haben sich irgendwann mit dieser Situation arrangiert, dass dieses Kind nun mal nicht wie aus dem Lehrbuch funktioniert. Das wir unserem Kind keine Krankheit aufdrücken, nur damit man eine Erklärung hat, das Nähe und Zuwendung wichtiger sind als materieller Schnickschnack und wir unser Kind auch nicht durch dubiose Erziehungs -und Schlafprogramme zu einem dressierten Affen erziehen, nur damit es für uns einfacher ist.

Unser Kind hat das Recht bei jeder Person, die eine Bezugsperson sein will, die Liebe, Zuwendung, Nähe und Rücksichtnahme zu erfahren, wie wir sie als Eltern geben würden.

Familienbett und Erziehung durch Nähe – man kann es auch unserer Eltern -und Großelterngeneration vermitteln. Liebe schlägt Konvention. Und darum schläft die Oma jetzt im Familienbett. Ganz selbstverständlich.

 

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