Diese 10 Anforderungen sollten (werdende) Väter erfüllen können

Ich sage es gleich vorweg: Dieser Beitrag erhebt nicht den Anspruch der Bescheidenheit. Bescheidenheit ist nicht meine Stärke. Meine Stärke ist, in Situationen, in denen ich gebraucht werde, über mich hinaus zu wachsen. Diese Situation besteht seit Beginn meiner Schwangerschaft mit dem ersten Kind, also knapp vier Jahre. Meine Leistung besteht darin, dass ich noch am Leben bin und meine Kinder auch.

 

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Solltet Ihr also Millionäre sein, über einen Personalstock verfügen, über ein starkes Netz aus tollen Großeltern und Verwandten, eine super Schwangerschaft und gesunde Kinder haben, braucht Ihr erst gar nicht weiterzulesen. Läuft es bei Euch aber so wie bei mir, sprich Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Babygesundheit, Mamagesundheit, medizinische Versorgung, Seelenleben oder Verwandtschaft Vollkatastrophe (bzw. alles in Kombination), dann ist klar: Ohne einen ebenso über sich hinauswachsenden Papa geht es nicht.

Deshalb hier – aus meiner persönlichen Erfahrung – eine Liste von Anforderungen an werdende Väter und solche, die es schon sind.

1. Empathie. Es ist nicht übertrieben, zwei- bis zehnmal pro Tag (je nachdem, wie schlimm) zu fragen: Wie geht es dir? Wichtiger Zusatz: sich wirklich für die wahre Antwort interessieren.

2. Freude. Ihr habt oder bekommt ein Kind! In diese Kategorie gehört die Begleitung zu Frauenarzt- und Hebammenterminen (zumindest Kennenlernen, wichtig!). Natürlich nur wenn die Frau das möchte.

3. Respekt. Wenn ein Kind in mir wächst, muss mein Körper plötzlich mit fremdem Genmaterial fertigwerden. Wie bei einer Transplantation. Ich gratuliere allen Frauen, deren Körper das wegsteckt. Meiner hat es nicht getan. Der Körper einer schwangeren Frau geht jeden Tag an seine Grenzen. Das gilt ebenso fürs Stillen. Die Frau lässt in sich einen eigenen Menschen wachsen. Sie ernährt ihn. Nur aus der Brust, das ist für mich immer wieder unvorstellbar groß. Es ist ein Geschenk der Natur und damit, klar, das Natürlichste der Welt, aber eben auch Arbeit. Von der Geburt ganz zu schweigen. Das kann mein Mann mir nicht abnehmen, aber er kann mir Respekt dafür zollen. Und das erwarte ich.

4. Fürsorge. Für diese Anstrengung braucht die Frau alles – ALLES –, was ihr gut tut. Dem Körper und der Seele. Alles, wonach ihr ist, alles, was sie trotz Megaübelkeit in der Schwangerschaft mag. Stillen macht so durstig, dass ich schon das Waschwasser meiner Zweijährigen getrunken hab, weil ich an nichts anderes dran kam. H­eißt: der Mama ungefragt ein großes Glas Wasser, Schorle, Tee oder was sie auch mag und in großen Mengen trinken kann, hinstellen.

5. Loyalität. Sollte sich irgendwer danebenbenehmen und die Frau oder das Kind kränken, verletzen, missachten, beleidigen, dissen oder sonst was, ist ein starker Anwalt nötig. Eher ein Fels. Denn bei dem weiß man schon vorher, dass er felsenfest hinter einem steht.

6. Anerkennung. Seitdem ich Kinder habe, empfinde ich Arbeiten als Wellnessurlaub. Klar habe ich mich so entschieden; ich wollte stillen, ich wollte bei meinen Kindern sein im ersten Jahr. Aber trotzdem. Kinderbetreuung ist wahnsinnig anstrengend und verdient jeden Tag Lob und Liebe.

7. Liebe. Ist manchmal schwer zu trennen von Anerkennung und Respekt. Ich habe in letzter Zeit zum Beispiel gehört: „Du bist die tollste Mama der Welt“, „Danke dass du all das richtig machst, was deine Eltern falsch gemacht haben“ oder „Du Löwenmama!“. Ihr versteht, was ich meine. Liebe heißt aber auch, die Frau in der neuen Rolle zu lieben. Ihren Schwangerschaftsbauch zu lieben, ihre Stillbrüste oder ihre Nachgeburtskilos.

8. Prioritäten. Klassiker: Mann ist arbeiten, zu Hause brennt die Hölle. Klar kann man das Meeting nicht sausen lassen oder den Kunden vertrösten. Nein? Was wäre, wenn Ihr einen Anruf bekämt, Frau und Kinder befänden sich nach Autounfall im Krankenhaus? Ganz ehrlich, mein ganzes erstes Jahr als Mama war wie ein neun Monate dauernder Autounfall. Es war nicht das eine oder andere Mal ne schlimme Situation dabei. Nein, es war ein dauerhafter Ausnahmezustand ohne Pause. Mein Mann hat tausend Meetings abgesagt, kam tausendmal früher nach Hause, hat tausendmal nachts noch nachgearbeitet, hat unbezahlten Urlaub genommen, sich krankschreiben lassen und alles ausgereizt. Und zwar nicht  nach dem Motto: Wie weit kann ich gehen, bevor sie mich kündigen? Sondern entsprechend der Not zu Hause. Im Job ist er austauschbar, in der Familie nicht. Deshalb geht die Familie immer vor. Und wenn er gekündigt wird, weiß er, dass er trotzdem richtig gehandelt hat. Lieber Hartz IV und eine Familie als zwei Selbstmorde und nen tollen Job.

9. Toleranz. Mein Mann meint, es sei manchmal schwierig, nicht jedes Wort auf die Goldwaage zu legen. Das sei seine schwerste Lektion gewesen. Zu verstehen, dass sich Ausfälle nicht gegen ihn, sondern gegen die Situation richten. Aber umso wichtiger ist es, sich sicher zu sein, dass jemand nicht die Beziehung in Frage stellt, wenn man so durch ist, dass man nicht mehr weiß wohin mit der Belastung.

10. Teilen. Heißt: wirklich teilen. Bei uns hieß das zum Beispiel: Wenn ich schon den Tag meistern muss, muss mein Mann, der tagsüber arbeiten gehen darf, die Nacht übernehmen. Deshalb haben wir getrennt geschlafen. Mich zum Stillen geweckt, und danach durfte ich wieder schlafen. Oder wenn die Kinder krank sind und nachts gar nicht schlafen, sich stündlich oder wie auch immer abwechseln. Selbstverständlichkeiten wie dass beide wickeln und sich darum kümmern müssen, dass immer was zu essen da ist und saubere Wäsche im Schrank liegt, thematisiere ich erst gar nicht. Wobei klar ist, dass im Wochenbett der Mann, sollte er Elternzeit haben, möglichst alles übernimmt. (Alles andere oder was er nicht schafft, wird halt nicht gemacht.)

 

Diese Liste ist heftig, das weiß ich. Das, was ich leisten muss und musste, ist allerdings noch heftiger. Wer also meint, ich bin so eine, die sich von vorne von hinten von ihrem wahrscheinlich voll unter dem Pantoffel stehenden Mann bedienen lässt. Dem ist nicht so. Natürlich bin ich über alle Maßen glücklich, dass er so ist, wie er ist. Und ich verstehe es auch als Geschenk. Und doch denke ich, alle (werdenden) Väter sollten so sein. Nicht weil es so schön ist. Sondern weil es verdammt noch mal notwendig ist.

Happy Valentine... wir gehen dann mal ins "Chez Ik...
Trotz oder Traurigkeit?

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