Ein Rant gegen das System Kindergarten / Schule

Ich bin ehrlich an gekotzt. Ziemlich, sehr sogar. Nicht die feine Art einen Post zu eröffnen aber mir steht es gerade einfach alles bis hier und daher diese doch sehr plumpe Einleitung. 
 
 
 
 
 
 
Wir hatten neulich ein Gespräch im Kindergarten des großen Mädchens. Bis dato verlief dort eigentlich alles sehr gut, das erste Entwicklungsgespräch verlief durchweg positiv. Diesmal jedoch nicht.
 
Vorab sei gesagt, dies hier ist kein Schreiben gegen die Erzieherin. Vielmehr gegen das gesamte System in welches unsere Kinder reingesteckt werden. Ich weiß, dass sie ebenso unter Druck steht den Kindern bestimmte Dinge zu vermitteln. Mir ist bewusst wie wenig die Arbeit der Erzieher honoriert wird, von dem Betreuungsschlüssel mal ganz abgesehen, individuell auf ein Kind eingehen ist so kaum machbar. Also bitte nicht falsch verstehen, dies hier richtet sich ins keinster Weise an die Erzieherin der Einrichtung meines Kindes. 
 
Unsere Große wurde im Januar vier Jahre alt. Meines Erachtens malt und bastelt sie auch wie eine vierjährige, also meine ungeschickten Augen erkennen da keinen Unterschied zu ihren gleichaltrigen Freunden. Nun wurde uns Eltern aber ans Herz gelegt, das Kind doch zu einer Ergotherapie anzumelden, wir würden ihr keinen Gefallen tun damit noch länger zu warten. Wir waren völlig vor den Kopf gestoßen, war doch bis dato alles okay. Dachten wir zumindest. 
 
Fakt sei, sie würde nicht altersgerecht malen. Viel Gekritzel, mal eine eine Sonne, einen Regenbogen oder einen Kopffüßler, dies sei aber nicht mehr altersentsprechend. Sie könne die Schere nicht richtig führen, an Linien entlang zu schneiden sei für sie gar unmöglich. Ich bin kein Pädagoge, nur Mutter, ich glaube einer Fachperson wenn sie mir sagt das Kind habe Probleme.
 
 

Erste Zweifel sind gestreut

Ich war verunsichert, machte mir Vorwürfe, ich würde das Kind nicht richtig fördern. In diesem Gespräch wurde kein gutes Haar an meinem Kind gelassen, sie sei (zu) lebhaft, könne schlecht stillsitzen (wenn nicht mit vier Jahren wann denn dann verdammt nochmal?). Außerdem kann sie das, wenn wir vorlesen zum Beispiel oder sie ihre Lieblingsserie sehen darf dann sitzt sie da als wäre sie festgeklebt. Interessiert sie sich für Dinge, dann kann dieses Kind jedem Stein Konkurrenz machen in Puncto still sitzen. 
 
Sie sei sehr empathisch und sozial, aber ließe sich viel zu leicht ablenken. Fing so schön an dieser Satz, aber endete in einem Fiasko. Wo wir auch beim Punkt wären, Ablenkung. Daheim malt sie sehr gerne aus, ich gebe zu, sie ist noch nicht so weit, dass sie vielleicht ihren Namen schreiben kann, auch malt sie beim Ausmalen oft noch über die Linien oder mehr als ein "Fabelwesen" bringt sie derzeit noch nicht zu Papier, aber muss sie das denn?
 
Oft sagt sie mir ihr sei es zu laut, um in Ruhe zu basteln, das kann ich verstehen, wenn alle um mich herum toben und spielen, hätte ich auch keine Lust sitzen zu bleiben und mich zu konzentrieren. Doch genau dies wird verlangt von ihr und sie solle doch lernen, Dinge zu Ende zu bringen. Sie würde es später in der Schule sehr schwer haben, wurde uns gesagt, Kinder werden dort auf Noten begrenzt und die Kindheit würde dort eigentlich enden. Friss oder stirb. Wer nicht mit kommt hat verloren. Die Erzieherin selbst sagte, sie würde die Kinder so gerne den ganzen Tag spielen lassen aber das ginge nicht, da sie die Meute vorbereiten müsse auf die Schule.
 
Mir wurde ganz schlecht. Mein Kind ist vier und mir kam es vor als würde ihre gesamte Zukunft gerade zunichte gemacht.
 
Sie geht in den Kindergarten in erster Linie um:
 
- ihre Freunde zu sehen
- zu spielen
- mit ihren Freunden zu spielen
- und zu spielen, erwähnte ich dies schon?
 
Aus Elternsicht besucht sie diese Einrichtung weil es ihr gut tut und sie gerne dort hin geht.

 

 

Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht

Warum kann man ein Kind nicht einfach Kind sein lassen, Talente fördern und Schwächen einfach so hinnehmen? Hilfestellung geben finde ich toll, aber etwas erzwingen, woran ein Kind (noch) kein Interesse hat? Muss das sein? Warum müssen denn alle Kinder in eine scheiß Schublade passen, sich anpassen, ja nicht auffallen und mit dem Strom schwimmen? Individualität wird nicht mehr gewollt, am Besten alle haben den gleichen Stand und die Eltern ziehen schön mit bei diesem scheiß Förderwahnsinn.
 
Bei jedem Kind welches aus dem Raster fällt, werden gleich "Maßnahmen" empfohlen. Frühförderung, Ergotherapie, Physiotherapie und was weiß ich. Verdammt noch eins, manche Kinder brauchen vielleicht einfach nur einen Zacken länger um Dinge zu erlernen.
 
Jegliche Gegenargumentation unsererseits wurde total überhört. Das Kind habe keinen Antrieb, mal ein Puzzle zu machen, hieß es. Sie hasst puzzeln, ich übrigens auch, dafür spielt sie mit einer Hingabe Jenga oder baut tolle Türme, dafür braucht man auch Konzentration und Geschick. Nein, dies sei nicht zu vergleichen.
 
Ich ging heim mit Gefühl, ich habe total versagt als Mutter, und mein Kind wird auf einer Hilfsschule enden. Jegliche Talente meines Mädchens wurden unter den Tisch gekehrt, wichtig war nur, dass sie nicht so weit ist wie ihre gleichaltrigen Freunde in den oben erwähnten Punkten. Aber das stimmt so nicht.
 
Sie ist zum Beispiel die Erste aus ihrem Freundeskreis, die Laufrad fuhr mit nicht einmal zwei Jahren, auch ist sie die Erste, die Fahrrad fahren kann. Sie ist das Kind, welches alle mitreißt, da ihre Fantasie unendlich ist und sie Meister des Rollenspiels ist. Sie kann auch erzählen wie lange die Titanic war und weshalb sie unterging, sogar warum zu wenig Rettungsboote dort an Deck waren. Das kann sie, weil sie sich dafür interessiert, mir über dieses Schiff Löcher in den Bauch fragte. Aber so what damit kommt sie ja in der Schule nicht weiter.
 
Scheiß System und scheiß Schule. Sie ist vier Jahre alt und schon jetzt hängt dieses Schwert über ihr, das Schwert namens Schule und dieses wird schneller auf sie zukommen und zerreißen als wir gucken können.
 
Sie sei sturköpfig, ließe sich nichts zeigen und stehe sich selbst im Weg, bekamen wir zu hören. Ich weiß, dass sie schnell die Motivation verliert, auch für uns ist es schwer, dann an sie ran zukommen, aber was soll ich tun? Sie zwingen, täglich Dinge auszuschneiden, Puzzles zu machen und das so lange, immer und immer wieder bis dieser kleine Mensch es endlich kann. Darauf zu vertrauen, dass sie dies bald selbst lernen will.....das geht nicht. Denn dann stimmt der Zeitplan ja nicht mehr.
 
Wann wenn nicht jetzt, sollen unsere Kinder denn sonst Kinder sein? Sich frei fühlen, die Dinge erlernen wollen, die sie interessieren? Kein Kind will dumm bleiben, jedes interessiert sich für andere Dinge und möchte von sich aus lernen. Diese Zeit dürfen wir Ihnen nur nicht lassen. Es ist so ernüchternd.
 
Ich will das so nicht für mein Kind. Der Zwang, der Druck, der Leistungsdruck, all das kommt so schnell noch. Aber nicht jetzt, das ist zu früh. Sie soll gar nicht mit dem Strom schwimmen oder in eine Schublade passen,sie kann die Dinge gut die sie eben gut kann und alles andere kommt noch - darauf vertraue ich ganz ganz fest.
Momente festhalten mit den Fotobüchern von Kleine ...
Arbeiten, High Need und bedürfnisorientiert Eltern...

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