Geht gar nicht!? Zwei kranke Kinder und eine Mama im Dauereinsatz

Also ich war ja schon oft am Limit mit meinen Kräften, aber diesen Fall hatte selbst ich so noch nicht erlebt. Zwei kranke Kinder und die Nächte des Grauens. Und die Tage des Grauens. Und die Kinder des Grauens. Und die Nerven des Grauens. So viel Kaffee kann man gar nicht trinken und so viel Schokolade kann man gar nicht fressen um das durchzustehen... und wie immer bleibt als letzte Wahrheit der Gedanke, ob der Herrgott oder die Natur das so vorgesehen hat - denn ich denke, das ist doch kaum zu schaffen! 

 

 

Es beginnt: Scheißlaune und Scheißnacht

Eine Weile lang schob ich es auf den Kindergartenfail, dass Peanut einfach nur mega ätzend gelaunt ist. Und mit mega ätzend meine ich, dass sie gefühlt alle fünf Minuten wegen Kleinigkeiten explodiert. Ja, sogar wenn ich ihr ein Stück Schokolade hinhielt, brüllte sie in voller Empörung, weil es nicht "Viele! Vieläääää!" waren. So Dreijährige sind wirklich ein Geschenk der Natur, sag ich euch. Wisst ihr aber bestimmt selber. Wenn man so einen Tag halbwegs (!) geduldig übersteht, natürlich ohne den Herrn Papa, der ja arbeiten muss, freut man sich auf den Abend. Ach ja, mein Abend, so ganz ohne Kinder, den gibt es eigentlich gar nicht. Das Baby pennt bei einem von uns auf dem Arm, wenn es denn pennt. Mit etwas weniger Glück so zwischen 12 und 2. Bis dahin heißt es also Dauereinsatz. 

 

 

Nach einem Tag, der wirklich ungelogen bis halb 2 ging, fiel ich ermattet in mein Familienbett, in der Annahme, jetzt wenigstens eine Stunde oder so schlafen zu können. Nichts da, direkt als hätten sie sich abgeklatscht, brüllte Peanut drauf los. WTF? Der Papa also erst mal wieder ab ins Wohnzimmer mit dem Baby, Einschlafhüpfen auf dem Pezziball. Peanut schlief zwar relativ schnell wieder ein, nur um dann um drei endgültig den Nachtschlaf zu beenden. Es folgte ein endloses Martyrium von allen Familienmitgliedern, das sich gewaschen hat. Brüllen, Kreischen, total verrückte Wünsche von Peanut wie Umziehen, Fußschmerzen, Buch vorlesen. Ich ging auf dem Zahnfleisch und ja, ich war die Mutter, die ich nie sein wollte. Ich zog alle Register, war lieb, verständnisvoll, pragmatisch, irgendwann zog und zerrte ich sie, versuchte sie zu ignorieren, vielleicht schläft sie ja selber ein, kuschelte mit ihr, schleifte sie ins Kinderzimmer, schimpfte, schrie, heulte. Leider interessiert es einfach nicht, ob man selber nicht mehr kann und es gibt kein Safeword, das in solch einer Situation helfen würde...

 

Und wieso ich das allergrößte Arschloch von allen bin

Ich habe nicht gecheckt, dass sie einfach tierische Schmerzen hat. Weil sie nämlich oft diese Phasen hat, in denen sie wegen allem brüllt und ich sie nicht mal mehr ernst genommen habe. Gut, es war auch die Nacht vor dem neuen Kindergartenantritt, dummer Zufall. Wenigstens habe ich dann am Morgen mal ein wenig weiter gedacht und beschlossen, das doch mal abklären zu lassen. Und tatsächlich: Mittelohrentzündung! So eine Scheiße... und Little Pea röchelte und hustete auch schon eine Weile. Zwei kranke Kinder, ich geh mich dann mal erschießen. Von diversen Erzählungen wusste ich ja schon, dass es nichts schlimmeres gibt, aber so... Horror!

 

 

Die Kinder essen nichts, sie schreien am laufenden Band und auch noch wie am Spieß, wenn ich mich weg bewege. Peanut will "nicht allein sein", Little Pea kreischt nur noch "Mamamamamam!" und krabbelt mir hinterher und wenn es nicht schnell genug geht mit dem Hochnehmen weint sie herzzerreißend. Ich habe Peanut in dem Alter niemals so lange weinen lassen wie ich es jetzt mit dem Baby tun muss, und das ist einfach nur traurig. Völlig abgehetzt und kaltschweißig fällt mir dann mitten am Tag ein, dass ich noch nicht mal Zähne geputzt habe oder einen Schluck Wasser getrunken. RABÄÄÄH! Und als wäre das noch nicht genug, ist die Eifersucht mal wieder an einem Siedepunkt angelangt, der sich gewaschen hat. Little Pea bekommt alles weggenommen, weint. Sie wird beworfen, weint. Sie wird geschubst, gezerrt, gehauen, weint. Kaum nehme ich sie auf den Arm, brüllt Peanut los. Mamaaaaa, ich will kuschääääln!

 

Ja verdammt ich verstehe dass sie mich jetzt brauchen, aber wie zur Hölle soll ich das den ganzen Tag schaffen?

Ich bin einfach nur noch müde. Verrückterweise habe ich nichts besseres zu tun, als in jeder freien Minute am Blog herumzuschrauben. Wieso? Weil es mich davor bewahrt, durchzudrehen. Weil ich dann mental etwas zu tun, zu durchdenken habe. Jedenfalls wundere ich mich, dass die Nachbarn noch nicht das Jugendamt angerufen haben. Der Typ von nebenan hat schon den ganzen Tag krachend laut die Musik aufgedreht, ich kann ihn verstehen. Tut mir auch echt leid - am Liebsten würde ich mal klingeln und fragen, ob ich mal eine Stunde bei ihm abhängen und mithören kann. Ich liebe meine Kinder aber momentan will ich einfach nur noch weg, wenigstens mal fünf Minuten. F.Ü.N.F. Minuten. 

 

 

Die letzte Hoffnung ist dann abends der Papa, der dummerweise jeden Tag irgendwelche dringenden Notfälle hat und noch später kommt - wenn doch jede Minute zählt. Am Ätzendsten ist, wenn man minütlich auf die Uhr schaut und irgendwann sind 60 rum. Oder 90. Ich frage mich allen Ernstes, wie das Alleinerziehende schaffen, und welchen Preis sie dafür zahlen müssen. Aber zurück zum Papa, der immerhin dafür gut ist, mal ordentlich Dampf abzulassen und ihn eine Runde anzuschnauzen. Dafür dass er zu spät ist und keine Schokolade mitgebracht hat und außerdem mir nicht mal F.Ü.N.F. beschissene Minuten die Mädels abnehmen kann. Peanut brüllt den Laden zusammen, wenn sie ihn schon sieht - der Arsch trennt sie ja von Maaaamaaaaa! Und Little Pea tut so, als wäre er der Räuber Hotzenplotz, der sie zum Kartoffelschälen zwingen will. 

Es bleibt nur die Hoffnung darauf, dass es bald besser wird. Und der nächste Virus kommt bestimmt. Immerhin geht nächste Woche ja dann der Kindergarten los.

Leserinterview #15 - Tabea wurde jung Mama gegen a...
Wem schulde ich meine Dankbarkeit? Teil 4

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