Grippe Virus oder auch: quasi - radioaktive Familienverseuchung. Das Leben im Sperrgebiet

Die letzte Woche war so wahnsinnig anstrengend. Wir kamen gerade von unserem Wochenende bei Mo und Karl zurück und waren aufgetankt mit guter Laune und stürzten uns gerade wieder in den Alltag, als erst das Baby krank wurde und dann dem Domino Prinzip nach alle anderen. So einen richtigen Virus hatten wir bisher nicht und ich kam mir zwischenzeitlich vor wie bei The Walking Dead... Ein Artikel im Seuchen Style.

 

 

Stadium 1 - mitten im Kernzentrum

Das Virus hat mich befallen. Wann genau es angefangen hat, weiß ich nicht mehr - was aber sicher ist: es greift auch die Gehirne an. Oder liegt das am fehlenden Schlaf? Irgendwann jedenfalls hat mein Gehirn ausgesetzt und der Virus hat den Körper übernommen. Husten und Schnupfen waren die ersten Anzeichen und ich lächelte noch müde darüber. Mein Baby klammerte sich den ganzen Tag weinend an mich mit heißem Körper, und die Große war unleidlich wie eh und je. Schon wieder so ein Scheißtag, dachte ich, und wusste nicht, dass alles noch viel viel schlimmer kommen sollte.

Die Nacht brachte die Wahrheit: wir alle schliefen schlecht und bei mir setzte der allumfassende Kopfschmerz ein, der an einen Schraubstock erinnerte. Mit ein wenig Schmerzmittel war es nicht getan, aber die Kinder mussten ja bespielt werden. Irgendwann gingen die Schmerzen in Migräne über und zersetzten dann nach und nach mein Bewusstsein, bis ich nur noch ein Häufchen Elend war. Ein Häufchen Elend mit Schüttelfrost, das resistent gegen jegliche Schmerzmittel war. Ein Häufchen Elend mit zwei Kindern, die auf ihm herumhüpften und dann auch die ganze Nacht halbstündlich wach wurden und betreut werden mussten. 

 

Stadium 2 - das Virus breitet sich aus

Es kam natürlich wie es kommen musste und auch die Kinder wurden schnell ausgeschaltet von dieser viralen Mutation. Die Große, sonst ein Ausbund an Energie und Schlaflosigkeit, hing den ganzen Tag nur irgendwo herum, um immer wieder in einen Dämmerzustand abzugleiten, und die Kleine, gebeutelt von Husten und Schnupfen, klebte wie ein dämonisches Gorillababy an mir dran und krächzte, als sie nicht mehr weinen konnte. Der Papa hatte es sich nicht nehmen lassen, arbeiten zu gehen, und so schleppte ich mich in Zeitlupe durch die Wohnung, hoffend, dass der Tag bald vorbeigehen möge.

Wenn ich in den Spiegel geschaut hätte, dann hätte ich mich sicherlich erschrocken: wirre, fettige Haare, ein eingefallenes Gesicht, blaue Augenringe, die mit dem pinken Bademantel harmonierten, knallrote Schnupfennase und das pfeifende Röcheln der befallenen Lungen, das mir vorauseilte. Ab und an erbebte der Mombie Körper vom Schüttelfrost, aber ich erlaubte ihm nicht, zusammenzubrechen, schließlich gab es ja noch die Kinder, die es trotz Nahrungsverweigerung schafften, nahezu komplett durchzuweinen, sodass ich bis zum heutigen Tag einen "weinenden Tinnitus" habe. Andere Mombies wissen sicher, was gemeint ist.

Verzweifelte Kontakte nach außen endeten schnell mit der Feststellung, dass man sich nicht anstecken wollte - und so waren wir isoliert in unserer Keimstation...

 

Stadium 3 - apokalyptische Aussichten

Irgendwann hatte ich die Verwandlung abgeschlossen und war ein vollständiger Zombie geworden. Ich benötigte keinerlei Nahrung oder Wasser mehr, geschweige denn dass ich schlief. Röchelnd legte ich mich nieder und wurde minütlich wieder hochgetrieben - irgendeines der kleinen, noch warmblütigen Wesen schrie und hustete erbärmlich. Wenn das Virus sie nicht schon erwischt hätte, so hätte ich jetzt sicherlich den Drang gehabt, sie zu vernichten. Alles, was ich wollte, war ausgeschaltet. Vorwärts gehen, nein, schlurfen. Überleben.

Mit bösartigem Gekreisch stürzte ich mich auf den einzigen Lebenden in diesem Szenario, den Papa, der es wagte, noch arbeiten zu gehen und dem Kind Sahnekuchen zu kaufen, als ob es sich hierbei um kotzfeste Nahrung handeln würde. Irgendwann beschwor ich ihn, beim Kinderarzt anzurufen, in der Hoffnung, wenigstens eins oder sogar beide zu retten, aber da hatte der Virus schon die gesamte Stadt lahmgelegt, die Praxen waren überfüllt und es wurden keine Patienten mehr angenommen.

Im Krankenhaus ergab sich ein ähnliches Szenario; die Wartenden standen aufgereiht bis zur Eingangstür und stierten jeden weiteren Verseuchten mit einem letzten Rest verzweifelter Wut an, als ob sie sagen wollten "Verpiss dich mit deinem Virus, wehe du steckst mein Kind an". Wenn sie wüssten. Dabei hatte uns alle dasselbe Virus lahm gelegt und nun mussten die einzige Ärztin der Notfallstation jedem einzelnen von uns sagen, dass wir erst wieder kommen dürften, wenn wir halb tot seien. Also regungs- oder gar bewusstlos vor Fieber. Ein Medikament gebe es leider nicht, dazu seien wir nicht ausreichend infiziert genug, das würde man für die ganz schweren Fälle aufheben. Ich vermute aber ganz ehrlich, dass es entweder kein Heilmittel gibt, oder dass es nur für die Reichen und die Politiker aufgehoben wird, während man die Bevölkerung krepieren lässt.

Und so gingen wir wieder nach hause. Wenn ihr in absehbarer Zeit nichts mehr von mir hört, dann wisst ihr Bescheid. Mittlerweile habe ich gehört, dass das Virus schon das halbe Land lahmgelegt hat. Ich wünsche euch, dass ihr es überlebt - und wenn nicht, dann seid ihr zumindest nicht alleine. 

Eure Frida

 

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