Geschrei und Tränen, wenn es schnell gehen soll. Ab wann verstehen Kinder eigentlich die Zeit?

Manchmal treiben mich meine Kinder wirklich in den Wahnsinn. Wenn ich zum Beispiel einen Termin abgesprochen habe und dann klappt wieder gar nichts. Es wird getrödelt, geschrien, in Tränen ausgebrochen. Und warum? Weil ich gesagt habe, dass wir jetzt aber schnell machen müssen. Und weil ich eher früher als später genervt bin. Dabei versteht meine Vierjährige die Zeit doch überhaupt nicht...

 
 
 
 

Typische Mama - Fehler oder: täglich grüßt das Murmeltier

Am Schlimmsten ist es eigentlich morgens. Die Kinder gehen beide sehr spät schlafen - das liegt vor allem daran, dass sie abends immer aufdrehen und egal, wie schläfrig und kuschlig man den Abend gestaltet - sobald das Licht aus ist, leuchtet die Gehirnaktivität noch mal so richtig auf. Peanut mit ihren vier Jahren kann ewig erzählen und Fragen stellen. Little Pea geht auf die 2 Jahre zu und lernt gerade, zu sprechen - und wiederholt immer wieder ihre neusten Lieblingswörter. Gestern zum Beispiel musste ich eine Stunde lang "Lollopad lele" - den Leopard hinlegen und zudecken. Seufz. Da hat sogar Peanut schon geschlafen, und irgendwann hab ich es aufgegeben und bin noch mal aufgestanden.
 
Tja, und am Morgen sind die beiden dann extrem mies gelaunt und wollen einfach nicht aufstehen. Peanut braucht es besonders gemütlich - würde ich sie aus dem Bett schmeißen, gäbe es eine Stunde lang Gebrüll. Also darf sie Hörspiel hören, wenn ich keine Zeit habe, ansonsten kuscheln wir. Auf Frühstück hat sie meist keine Lust, das packe ich dann zum Picknick ein.
 
Und irgendwann muss ich dann ein wenig den Hebel anziehen, weil wir sonst überhaupt nicht voran kommen. Kinder ins Bad schieben, alle auf die Waschmaschine setzen, Zahnbürsten in die Hand drücken. Oder versuchen, Peanut selbst die Zähne zu putzen - einfach weil es so lange dauert, bis sie in die Gänge kommt. Schließlich muss sie erst zehn, fünfzehn Minuten lang ihr Beautyregalfach neu sortieren. Kreisch! Der Papa darf schon mal überhaupt nichts, und wenn ich mich nebenbei auch noch fertig machen will, ist das Geschrei groß. Alles muss die Mama machen, und wehe, ich sage so was wie "Wir müssen uns beeilen." Dann kann es sein, dass sie auch mal sofort losweint und dann darauf besteht, dass sie fertig weinen muss.
 

 

Frust auf allen Seiten

Irgendwann bin ich dann völlig durchgeschwitzt und schreie auch nur noch, weil ich so gefrustet bin. Mir ist es peinlich, dass ich IMMER mindestens 10 - 15 Minuten zu spät dran bin, auch wenn ich lange vorgearbeitet habe. Auch ohne Streß und Hektik scheint Peanut allergisch darauf zu reagieren, wenn ich eine zeitliche Absprache getroffen habe, und mir kommt es so vor, als ob sie mich boykottieren wollte. Da muss erst die Hose fünf Mal neu angezogen werden, bis sie sich entscheiden kann. Dann muss auf einmal Spielzeug mit (das dann aber im Auto bleiben soll). Oder sie schreit, dass sie die Mütze nicht anziehen will und direkt vor der Tür schreit sie, weil sie sie dringend auf dem Kopf benötigt.
 
Und Little Pea? Die kriegt einen Wutanfall, weil sie lieber die andere Jacke anziehen will (es ist immer die andere), macht kurz vor dem Rausgehen die Windel voll und dann muss sie dringend noch mal was trinken. Zwanzig Minuten lang.
 

 

Wie ist das eigentlich mit dem Zeitverständnis?

Mich hat das mal interessiert, vor allem weil wir auch ein Kinderbuch haben, in dem es um Zeit geht und ich auch gefühlt schon seit Jahren erkläre, was ein Termin ist und was "zu spät kommen" bedeutet. Hilft alles nix. Richtig erschrocken hat mich dann, zu lesen, dass sich das Zeitgefühl erst zwischen dem 7. und 10. Lebensjahr entwickelt. Klar, Zeit ist etwas ganz Subjektives und Kinder leben in der Gegenwart, können völlig im Moment aufgehen. Aber dass es so völlig unverständlich ist mit der Zeit, das öffnet mir natürlich die Augen. 
 
Für Peanut muss es total beängstigend sein, wenn Mama aus (für sie) völlig irrationalen Gründen schlecht gelaunt ist und sie drängelt. Wenn sie nicht wie sonst die Zähne geputzt bekommt, wenn sie so weit ist, sondern Mama mit ihr schimpft, weil es doch heute mal der Papa machen soll. Außerdem ist sie ein Kind, das viel Struktur und Berechenbarkeit braucht - passiert etwas Unvorhergesehenes, reagiert sie immer mit Angst. Mit Chaos kann sie nicht so viel anfangen. Und wenn ich selbst unter Stress stehe, dann habe ich natürlich keinen Nerv, ihr die Abfolgen in aller Ruhe zu erklären. Oder mich an die normalen Rituale zu halten. 
 
Ich werde jedenfalls versuchen, mit das bewusster zu machen und noch etwas besser zu planen. Mehr Vorlaufzeit, mehr Erklären, mehr Ruhe bewahren. Denn im Endeffekt bringt es auch wenig, wenn alle gehetzt und gestreßt ankommen und dann keinen Spaß mehr haben. (Ausnahme sind natürlich Arzttermine.) Meistens sage ich meinen Freunden auch, dass ich eine Uhrzeit anpeile und sie direkt mal zwanzig Minuten später kommen sollen, dann treffen wir oft gleichzeitig ein. 
 
 
Wie ist das denn bei euch? Kommt euch das bekannt vor? Habt ihr noch andere Ideen und Strategien?
 
Love & Peace,
eure Frida
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