Den ganzen Tag zuhause, ohne Kindergarten - wie wird das Kind gefördert?

Wir sind nun dank zwei misslungenen Kindergarten - Eingewöhnungen kindergartenfrei und ich muss sagen, es hat sich sehr entspannt. Peanut hat ja sehr extrem auf den Kindergarten reagiert - Wutanfälle, Panikattacken, Schlafstörungen und noch einiges mehr machten uns allen den Alltag schwer. Jetzt geht es ihr wieder gut - aber nun ist eben die kleine Schwester ihre Hauptbegleitung im Alltag. Ich erzähle euch, wie das so klappt und wie ich das mit dem "Fördern" kompensiere.

 

 

Langeweile im Alltag? Wenn zwei Kinder ganz unterschiedliche Bedürfnisse haben

Hätte ich jetzt nur eine 1Jährige oder nur eine 3Jährige, ich könnte mein ganzes Repertoire ausleben an Ideen. Ausflüge, Kurse, Gruppen, Malen, Basteln, Singen, Praktisches im Alltag - aber ganz ehrlich, meistens mache ich nur sehr wenig gezielt mit der einen oder der anderen. Kurse sind schwierig zu finden, denn die meisten sind früh morgens, das würde ich kaum schaffen, denn die Mädels gehen ja eher spät ins Bett. Die Kurse für die älteren Kinder sind meist am frühen Nachmittag, da schläft die Kleine meist noch. Wenn ich mal ein Puzzle oder ähnliches mit der Großen machen will, kommt die Kleine und nölt. Und wenn ich etwas mit der Kleinen spiele, kommt die Große und nimmt es ihr weg. Das kennen sicher alle Mehrfach - Eltern - es ist und bleibt anstrengend.

Aber wisst ihr was? So müssen Eltern und Kinder kreativ werden. Peanut zum Beispiel war immer ein Kind, das ganz aktiv eingefordert hat, dass man sie bespielen soll. Alleine beschäftigen Fehlanzeige. Als ich dann irgendwann nicht mehr konnte, weil ich noch ein Bauchwehbaby auf dem Arm hatte, gab es richtig Probleme. Aber mittlerweile kommt sie regelrecht in Spiel - Flows, ganz alleine. Sie sucht sich oft aus den (für mich) lustigsten Dingen eine Beschäftigung. Zum Beispiel kann sie ewig im Bad mit Tampons und Binden spielen, klebt alle Tampons in Reihe, klebt sich was an die Füße und spielt Eislaufen, stopft alle in kleine Behälter und hat einen Schatz. Das nur als Beispiel, was sich ein Kind selbst ausdenken kann.

Immer öfters spielen auch beide zusammen, und ich kann auch mal in Ruhe kochen (ok, phasenweise hängen mir beide brüllend am Bein, aber es wird weniger!). Was können die denn miteinander anfangen? Zum Beispiel tanzen sie ganz toll zusammen zu Musik, hüpfen über das riesige Floorbed, lachen, rollen und kugeln herum. Das geht. Täglich, mehrmals. Oder sie spielen "Kuckuck" in dem großen Karton, den wir zur "Burg" umgestaltet haben. Also, die Kleine denkt, es wäre "Kuckuck", die Große lacht sich einen ab, weil sie die Kleine nicht reinlässt. Egal, es funktioniert.

 

Welche Frühförderung brauche ich wirklich / überhaupt?

Und am allerliebsten gehe ich mit den beiden raus, in den Wald. Da muss ich nicht wie auf dem Spielplatz dem ein oder anderen Hilfestellung geben, mir einen Wolf im Sandkasten buddeln, damit sie ein paar Minuten bei der Sache bleiben, oder sie ständig trösten. Nein, im Wald haben sie ganz viele Freiheiten. Ich muss ihnen nicht hinterher rennen, denn es kann nicht viel passieren. Little Pea klettert über liegende Bäume, sammelt hoch konzentriert Tannenzapfen, stopft Sand hinein. Peanut spielt Prinzessin in einer Baumgruppe, die so schön zusammen gewachsen ist, dass es sich anfühlt wie ein Schloss. Die Zeit steht still und ich merke, wie ich ruhiger werde. Das tut allen immer sehr gut und deshalb versuche ich, das mindestens ein Mal die Woche zu machen. Gern auch mal mit Freunden, denn mir ist aufgefallen, dass Kinder da noch mal ganz anders miteinander spielen.

Was mich ganz besonders gestresst hat - ich dachte, ich müsste Frühförderung kompensieren. Das klingt so hochtrabend, denn was ist das eigentlich. Kinder müssten für die Schule Schneiden können, den Stift richtig halten, Ausmalen, Puzzlen, Gesellschaftsspiele und sowas. Aber deshalb mein Kind zu Dingen zwingen, auf die es keine Lust hat? Ich kann nur von meinen Kindern sprechen, aber mir ist aufgefallen, für alles gibt es seine Phasen. Peanut hat phasenweise total Lust auf Malen, dann wieder will sie nur Kneten, oder nur frei spielen. Und das ist ok. Kinder suchen sich, worauf sie Lust haben, und wenn man dann eingreift, wird es nur halbherzig ausgeführt oder gar nicht.

Im Kindergarten nennt man das "Situationsansatz" - es wird geschaut, worauf Kinder Lust haben, und das wird aufgegriffen und angeboten. Bei Peanut kann man das auch sehr schön sehen: sie interessiert sich stark für ein bestimmtes Thema und will alles darüber wissen. Wie funktioniert der Körper, wo kommt das Essen hin, wieso blute ich, was sind Knochen. Wir mussten tagelang das Körperbuch anschauen. Jetzt gerade interessiert sie der Tod. Oder wieso es regnet. Wieso wird es heiß im Auto. Wir unterhalten uns viel darüber und wenn der Papa auch da ist, schauen wir dazu passend Bücher an.

Oder ganz interessant, wann haben wir eigentlich Geburtstag und was ist ein Jahr, was sind Jahreszeiten. Ganz spontan habe ich eine sehr vereinfachte Jahresuhr gemalt, um ihr das zu zeigen. Dann haben wir eine gebastelt, mit Uhrzeiger und Gesichtern, wann jeder von uns Geburtstag hat. Dazu die Zahlen 1 - 12, die sie dann auch "nebenbei" sehen und lernen kann. Da entwickelt sich alles natürlich nebenher. Im Kindergarten hängt zum Beispiel ein ähnlicher Jahreskreis, aber der wird nicht erklärt, man kann nur sehen, wer wann Geburtstag hat, aber wieso, weshalb, warum? Schwierig. Ihr wisst, was ich meine, oder? Kinder suchen sich ihre Interessen aus und es bedarf gar nicht so viel an Förderung unsererseits - einfach die Interessen aufgreifen wenn sie vorhanden sind und wenn nicht, dann ist gerade eben was anderes dran. Das allerwichtigste in meinen Augen ist das freie Spiel, und dazu muss man sich als Eltern vor allem zurückhalten lernen.

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