Mein (high need) Kind entwickelt sich anders als Gleichaltrige

Man soll seine Kinder nicht vergleichen – und doch, ganz tief im Inneren, tut man es leider doch öfters, als einem lieb ist. Meine große Tochter hatte zum Beispiel eine beste Freundin, seit sie etwa 1 Jahr alt war. Das Mädchen war ihr ähnlich, eher sensibel, sehr ruhig, introvertiert bei Fremden, hatte Schwierigkeiten in Gruppen. Beide waren früh mit Sprechen dran, und es passte so toll mit den beiden. Wir trafen uns sehr oft und die Mädchen spielten immer schön zusammen gemeinsam trauten sie sich auch erstmals ohne die Mamas alleine weg, wurden immer mutiger. Es war schön mit anzusehen. Aber dann überholte die eine die andere...
 
 
 
 

Mein high need Baby

Wie habe ich es gehasst – seit mein Kind auf der Welt war, musste ich nicht nur mit der krassen Umstellung eines high need Babys klar kommen, sondern auch mit den Ratschlägen und dem Unverständnis von allen Seiten. Ich weiß, an dieser Stelle fragen wieder einige – wieso denn high need, sind das nicht alle Babys irgendwie? Redest du dir das nicht ein? Nein, das denke ich nicht, allein schon wegen all dieser Reaktionen, die ich so bekam. High need war sie, weil sie sich gar nicht ablegen ließ, die ersten drei Monate überhaupt nicht und dann auch nur ganz ganz kurz. Mit Ablegen meine ich, die Krabbeldecke oder neben mich beim Schlafen. Alles nur auf Mamas oder Papas Bauch. Kurse waren undenkbar, und als ich dann in die Babymassage gehen wollte, als sie eben drei Monate alt war, brüllte sie sofort los, wenn ein anderes Kind weinte. Ich verbrachte also auch diese Zeit mit meinem Kind auf dem Arm auf dem Flur.
 
Autofahren war völlig grauenhaft, es ging so überhaupt nicht. Sobald sie im Sitz saß, brüllte sie los. Dieses Mark und Bein erschütternde Weinen hielten wir kaum fünf Minuten aus, und so fuhren wir eben kaum mehr andere Leute besuchen, die weiter weg wohnten. Was musste ich mir da alles anhören. „Meine Kinder haben auch gebrüllt, wir sind aber trotzdem in den Urlaub gefahren. Das waren wir uns eben wert.“ Oder „Du bist es den Leuten doch schuldig, hinzufahren und das Baby zu zeigen.“ Nein, fand ich nicht – nicht, wenn es bedeutete, mein Baby zu traumatisieren stundenlang.
 
 

Isoliert in der Krabbelgruppe

Besonders in Erinnerung geblieben sind auch die Stunden in der Krabbelgruppe. Alle Babys lagen friedlich auf ihren Decken, während die Mamas fröhlich über Zufüttern und andere Kurse quatschten. Und ich saß da mit meinem  immer noch gestillten Baby auf dem Schoß, das große Augen machte und sich an mich klammerte – und bald darauf auch losbrüllte, sodass ich dann mit meiner Tragehilfe wieder mal deutlich früher nachhause lief als die anderen. Was fühlte ich mich so einsam. Aber ich akzeptierte es. Vor allem, als ich besagte Freundin fand, deren Kind auch zurückhaltender war.
 
Sie waren keineswegs gleich – sie war kein high need Baby, deutlich unkomplizierter, aber eben introvertierter und ruhiger als andere und damit eine richtig tolle Spielkameradin für Peanut. Zusammen waren sie so süß und es störte auch nicht, dass meine Tochter viele Dinge nicht konnte oder aushielt – wie zum Beispiel im Kinderturnen, wo sie mir immer in die Arme sprang, wenn sich ihr andere Kinder näherten. Die Freundschaft war sozusagen außerhalb eines Vergleiches.

 

Kindergarten? Läuft nicht bei uns

Und dann kam die Zeit des Kindergartens. Als es easy lief mit Peanut, überredete ich die Freundin, auch ihr Kind dort einzugewöhnen. Und während das zwar etwas langsamer als beim Durchschnitt, aber dennoch gut funktionierte, wurde es bei uns immer schlimmer mit den Panikattacken und den Schlafstörungen. Ich erkannte mein Kind nicht mehr wieder, probierte es aber der Freundin zuliebe Woche um Woche immer weiter. Irgendwann musste es doch klappen, es wäre doch zu schön, beide zusammen im Kindergarten zu haben. Irgendwann gab ich auf, was zum einen an der mangelnden Unterstützung des Teams lag und zum andren daran, dass ich die Hoffnung aufgegeben und auch einfach keine Kraft mehr hatte. Mein Kind wollte einfach nicht, sie fühlte sich dort alleine und hilflos. Ich tat also das, was ich im Endeffekt immer mache: ich höre auf ihre Bedürfnisse und hoffe, dass sie diese Entwicklung zu einem anderen Zeitpunkt vollzieht. Anderes Kind, andere Messlatte.
 
 

Eine völlig andere Messlatte anlegen

Und ja, es stimmt – ich sehe Fortschritte. Zum Beispiel springt sie mir beim Kinderturnen nicht mehr in die Arme, sondern wartet einfach ab. Immer noch scheu, aber nicht mehr panisch.  Es sind kleine Fortschritte, aber ich sehe sie – und sie bedeuten für Peanut die Welt. Leider scheint das mit der Freundschaft aber nun an ihr vorbei zu ziehen – nicht mit Absicht, aber doch passiert es. Das Mädchen ist sehr selbstbewusst geworden, redet mit allen Leuten, traut sich auch allein in den Turnkurs, bleibt eine Woche ohne Mama, völlig problemlos. Das ist richtig toll für sie und ich freue mich, dass sie sich so entwickelt hat.
 
Und doch tut es weh, zu sehen, dass mein Kind sozusagen auf der Strecke bleibt. Jetzt fallen nämlich alle Vormittage flach, und an den Nachmittagen hat sie natürlich andere Verabredungen. Und wenn ich ganz ehrlich bin, tut es mir auch weh, dass mein Kind scheinbar nicht in die Gesellschaft passt im vermeintlichen Gegensatz zur Freundin. Ich hoffe, dass Peanut einfach einen längeren Anlauf braucht und sich das alles noch ergibt, ganz natürlich. Denn Druck und Zwang möchte ich nicht auf sie ausüben, das ist nicht mein Weg und ich weiß, dass es ihr auch nicht gut tun wird.
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