Jedes Kind ist besonders und einzigartig. Ein Plädoyer für die Autonomiephase

Ich bin so verliebt in meine Kinder, dass ich sie ganz oft fasziniert beobachte und es total großartig finde, wenn sie ihre ganz eigenen Persönlichkeiten zeigen. Little Pea zum Beispiel ist mitten in der Autonomiephase und sagt per se erst mal nein, oder erklärt ganz selbstbewusst, sie wäre die Katze. Oder dass sie jetzt genau die Klamotten Kombination anziehen möchte und keine andere. Ich finde das nicht nur aus der mütterlichen Perspektive niedlich, sondern mich fasziniert, wie aus einem Baby ein Kind wird. Wahrscheinlich werde ich sie für den Rest meines Lebens anglotzen und fasziniert verwundert sein, wie großartig sie ist. Umso mehr tut es mir dann weh, wenn ich sehe, dass es Eltern gibt, die jegliche Autonomie unterdrücken…
 
 
 
 
 

Autonomiephase - da hat sich die Natur doch was gedacht

Ich werde jetzt keinen Aufsatz über Autonomiephase schreiben, nur so viel - es gehört zur psychischen Reife dazu und kein Kind ist bockig oder frech nur um die Eltern zu ärgern. Kinder müssen sich ausprobieren, um zu spüren, dass sie eigenständige Wesen sind, erfahren, was sie können und was nicht. Und ganz oft flippen sie auch aus, weil sie an ihre natürlichen Grenzen kommen, zum Beispiel, weil sie irgendwo nicht dran kommen, weil sie nicht sagen können, dass sie gern den roten Löffel hätten und nicht den blauen oder weil Mama so schön vorlesen kann und sie gern noch ein Buch anschauen würden.
 
Leider hat sich im Laufe der Generationen in den Köpfen festgesetzt, dass Kinder ihre Eltern provozieren wollen und man ja aufpassen muss, dass sie sich nicht zu kleinen Tyrannen entwickeln. Kinder sind nämlich gefährliche Egomanen und man muss echt aufpassen, dass man da keine Schlange am Busen nährt - und was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Oder so. Alles Bullshit. Es ist eine ganz normale Entwicklung, und Kinder würden niemals aus Böswilligkeit ihre Eltern ärgern, denn zum einen lieben sie sie ja und zum anderen sind sie auf sie angewiesen - wieso sollten sie sich das Wohlwollen ihrer Überlebensgarantie wissentlich wegnehmen wollen? Macht evolutionär gar keinen Sinn.
 
 
 

Trotzige Kinder und grinsende Eltern

Manchmal tut es mir richtig in der Seele weh, wenn ich Eltern sehe, die völlig unempathisch mit ihren Kindern umgehen. Meist versuche ich, mir kein Urteil zu bilden, und nicht genau hinzusehen. Bevor sich jemand angegriffen fühlt: ich gehe auch manchmal mit brüllenden Kindern durch den Supermarkt - und nein, sowas meine ich nicht. Wenn ich ein Elternteil sehe, bei dem die Kinder gerade richtig im Wutflash sind, denke ich nur, ach ja, kenn ich. Ich meine eher die Situationen, wenn ein Kind zum Beispiel auf dem Spielplatz noch weiter schaukeln möchte, die Mutter sagt, dass sie jetzt gehen wolle und dann reißt sie das Kind einfach aus der Babyschaukel. Das Kind fängt an, zu brüllen und ihr am Bein zu klammern, die Mutter grinst dann noch alle Umstehenden an nach dem Motto, der kleine Tyrann will mich testen aber ich gewinne das Ding. Oder wenn ich höre, wie ein Kleinkind einfach seiner Natur nachgeht und etwas explorieren und ausprobieren möchte und der Vater schreit ihm aus der Ferne hinterher, dass man denken könnte, es handle sich um einen schlecht erzogenen Hund. Oder einem nicht mal 2jährigen Kind sagen, man hätte es doch vorgewarnt, jetzt müsse es eben fühlen, wenn es nicht hören könne. 
 
Das waren alles Beispiele, wo das Gebrüll vermeidbar gewesen wäre. Situationen mit Eltern, die denken, sie würden das Richtige für ihre Kinder tun, hart aber herzlich sein und somit keine Kritik der Gesellschaft befürchten müssen, weil sie sich ja nicht auf der Nase herum tanzen lassen. Und irgendwann werden diese Kinder gelernt haben, dass man bei diesen Eltern besser nichts versucht, weil man sowieso keine Chance gegen sie hat. (Gegen, also wie in einem Kampf.) Dass sie nicht so viel wert sind, wie die Eltern, denn das sind ja die Großen (und sie selbst sind klein und machtlos). Kinder, die lernen, dass man Dinge lieber hinter dem Rücken der Eltern tut, weil sie sowieso verboten sind. Kinder, die irgendwann wirklich rebellieren, weil sie nämlich keinerlei Spielraum bekommen, um sich auszuprobieren. Kinder, die lernen, dass sie böse sind, weil sie einen eigenen Willen haben, und dann ein schlechtes Selbstbild haben. Und das ist es, was mich so traurig macht.
 
 

Liebt eure Kinder um ihrer selbst willen

Ich denke, dass fast alle Eltern ihre Kinder lieben. Natürlich auch die, die ich beschrieben habe. Alle machen das, was sie für das Beste halten und weil sie ihren Kindern etwas beibringen wollen. Sie möchten sie ja davor beschützen, zu unsozialen Egomanen zu werden. Oder davor, Weicheier zu werden, die sich nicht durchsetzen können. Es sind keine schlechten Menschen, aber sie machen sich und ihren Kindern das Leben schwerer, als es sein müsste. Meist werden da auch die Erziehungsmuster von früheren Generationen unreflektiert wiederholt, und alles verlacht, was grob in andere Richtungen geht - um sich dann selbst zu bestätigen, dass man es richtig macht. Vielleicht, weil auch diese Eltern eine Intuition haben, gegen die sie manchmal handeln, weil sie denken, das Richtige tun zu müssen.
 
Ich möchte mit diesem Beitrag eigentlich ermutigen, seine Kinder anzusehen - und zwar richtig. Hinschauen und erkennen, wie großartig jedes Kind ist. Wie faszinierend es sich entwickelt. Wie toll es eigentlich ist, wenn es seine eigenen Wege gehen will. Egal, welches Temperament, welche Eigenschaften, welche Voraussetzungen ein Kind hat, es ist etwas ganz Besonderes. Und verdient es, geliebt zu werden, einfach nur, weil es da ist.
 
Love & Peace,
 
eure Frida
 
 
 
 
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