Jedes Kind macht seine Entwicklung im eigenen Tempo

Kinder überraschen einen immer wieder. In diesem Beitrag geht es um die positiven Entwicklungsschritte, die meine Tochter so macht, ganz nebenbei. Für viele andere sind das keine großen lobenswerten Erkenntnisse, aber für uns sind diese kleinen Schritte schon riesig und ich freue mich so sehr darüber - denn so oft bekomme ich Angst gemacht, weil sie sich dem Durchschnitt einfach nicht anpasst. Wir müssen anfangen, unseren Kindern mehr zu vertrauen...
 
 
 

 

"Du nimmst deinem Kind wichtige Erfahrungen und hemmst seine Entwicklung"

Das war der Vorwurf, der mir vor knapp einem Jahr am meisten ins Herz getroffen hat. Als ich mich dazu entschloss, es mit dem Kindergarten sein zu lassen und auf mein Bauchgefühl zu hören. Ich war mir absolut sicher, dass mein Kind sich dort nicht nur unwohl fühlt, sondern regelrecht Panik davor hat. Nicht, weil sie sich nicht von mir lösen kann oder ich von ihr - sondern weil ihr das alles zu viel auf einmal war. Zu viele Kinder, zu viel Überforderung, zu wenig Beistand durch die Erzieher. Hätte ihr jemand die Möglichkeit gegeben, eine Bindung aufzubauen und sie bei sich ankern lassen, wäre dieser Schritt auch möglich gewesen. Die Loslösung hatte durchaus geklappt, aber der Folgeschritt, nämlich eine sichere Bindung aufbauen zu lassen, wurde ihr verweigert mit der Begründung, es sei für ihre Entwicklung wichtig.
 
Ich hatte also die Wahl: breche ich ihren Willen, den sie sehr deutlich gezeigt hat (Panikattacken tags und nachts, extremes Klammern, extreme Ablehnung, Regressionen) und lasse sie ihren persönlichen Alptraum durchleben oder vertraue ich ihr und gebe ihr noch mehr Zeit, bis sie so weit ist. Ganz ehrlich, manchmal war ich auch ungeduldig und dachte, bei allen anderen geht es doch auch, wieso dauert es so lange. Vielleicht liegt es daran, dass sie mein erstes Kind ist - denn mit jeder Erfahrung als Mama werde ich gelassener. Bei meinem zweiten Kind würde ich da von Anfang an anders heran gehen. 
 
 

Von kleineren Schritten und dem Küken, das um das Nest flattert

Für alle Eltern mit ängstlicheren Kindern (oder gar high need Kindern) - habt Vertrauen. Lasst euch nicht von der Umwelt verrückt machen. Ich habe Peanut nun schon ein paar Monate begleitet seit dieser extremen Reaktion nach dem Kindergarten - und es wurde besser. Ich habe sie erst mal klammern lassen, so wie sie es brauchte. Es war manchmal hart für mich, aber ich akzeptierte, dass sie noch mal richtig klein sein wollte. Und dann, als ich selbst aufgehört hatte, mich verrückt zu machen und etwas von ihr zu fordern, da überraschte sie mich. Wieder und wieder. Aber es klappt auch nur da, wo sie selbst es möchte. (Oh Wunder...)
 
Zuerst war sie einen halben Tag bei ihrer Oma. Ja, ich weiß, viele Kinder schlafen schon als Baby eine Nacht oder ein Wochenende bei den Großeltern, aber wir wollen hier ja nicht vergleichen. Für mein Kind war es eine Herausforderung, eine Menge positiver Stress, aber sie hat es gemeistert und war hinterher total euphorisch, hat einen positiven Schub gehabt. Dann war sie einen halben Tag bei ihrer besten Freundin zuhause. Dann mit ihr und deren Mutter ohne mich beim Puppentheater. Völlig ohne Angst, ohne mir nachzuwinken. Tschüss, Mama. Mein Herz machte einen Riesensatz - war das wirklich mein Kind? Für manche ein kleiner Schritt, für mich die ganze Welt.
 
Und dann noch das Thema alleine bleiben in fremden Gruppen. Was wurde ich belächelt, als ich den Erziehern sagte, ich sei dafür, sie nicht ins kalte Wasser zu schmeißen, sondern diese Erfahrung langsamer anzugehen. Ich ging jedenfalls mit ihr in die musikalische Frühförderung und Peanut war total ängstlich, wollte mich einfach nicht gehen lassen. Bis ich verstand: es war ihr zu viel Chaos, zu wenig Struktur, zu enger Raum. Ich sorgte dafür, dass sie in einen anderen Kurs kam, und außerdem ließ ich die Oma mitgehen, in der Hoffnung, dass es doch ein Loslöse - Problem sei. Bis ich verstand: sie findet es einfach schrecklich langweilig und hat keine Lust darauf. 
 
Irgendwann kam sie von selbst zu mir, wollte ins Tanzen gehen. Wir versuchten es mit Ballett - abgesehen davon, dass die Unterrichtsmethoden ziemlich unangenehm waren und Peanut deshalb nicht mehr hin wollte, war es für sie trotzdem kein Problem, dass ich mehrfach aus dem Raum ging. Mein mutiges kleines Mädchen machte die ganze Zeit mit, stand dem harschen Lehrer Rede und Antwort.
 
Mittlerweile haben wir ein anderes Kindertanzen gefunden, wo ich nur beim ersten Mal dabei bleiben durfte. Die beste Freundin ist wieder dabei. Und sie sagte vorher sehr reflektiert, dass sie Angst davor habe und mich dabei haben möchte. Ich aber sagte ihr völlig überzeugt, dass sie das schaffe und ich das wisse. Und kaum waren wir da, war sie einfach nur geflashed - von der Musik, der mitreißenden Lehrerin, den anderen Mädchen. Und sie wollte nicht mal die Pause mit mir verbringen. 
 
 

Jedes Kind geht seinen Weg, wenn man es nur lässt

Ich weiß, es ist schwer. Es ist oft schwer für mich, nichts aktiv beitragen zu können, sondern zu warten, ihr zu vertrauen. Aber wenn sich dann so ein Entwicklungsschritt anbahnt, dann lehne ich mich zurück und genieße ihn. Wahnsinnig. Ich bin so stolz auf sie, weil sie Dinge schafft, die für sie schwieriger sind als für andere Kinder. Weil sie sie aus eigenem Wunsch heraus meistert. Ich bin mir ganz sicher, dass sie das für ihr Leben stärkt und werde mein Bestes geben, dass sie so lange wie möglich diese Stärke tanken darf. 
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Geschwister(hass)liebe

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