Kindheit damals und heute - Was wir von unseren Eltern lernen können

Gestern habe ich mich mit einer Freundin unterhalten, wie unterschiedlich doch unsere Kindheiten im Vergleich zu dem Leben unserer Kinder heute ist. Bei einigen Dingen mussten wir lachen, andere waren fast schon fahrlässig. Ich habe für euch die besten Facts von früher aufgeschrieben und vergleiche sie mit der heutigen Zeit - 80er, wir kommen! Ach ja, es könnte einen Hauch von Satire enthalten.

 

 

Freiheit bis zum Abwinken!

Früher durften wir schon als Vorschüler ewig alleine draußen spielen - und dabei sind wir sogar ganz ohne Trinkflasche und Tupperdose ausgekommen. Zum Essen sind wir reingerufen worden und danach direkt wieder rausgestürmt. Wer Durst hatte, holte sich selbst was, und ansonsten waren die Mamas froh, mal ihre Ruhe zu haben. Aber heute? Forget it! Niemals würden wir unsere Knirpse so lange unbeaufsichtigt lassen, allein schon der Verkehr und die ganzen bösen Menschen da draußen! Die Kinder würden sich außerdem entweder einpullern oder verdursten oder verhungern, wenn wir ihnen nicht ständig unsere Salzstängchen und Quetschies nachtragen würden.

 

Die Natur als bester Freund

Mein Bruder und ich hatten das Glück, am Wald zu wohnen, und so sind wir ständig umher gestreift, sind auf Bäume geklettert, haben uns Lager gebaut, haben coole Geheimwege gefunden und haben uns auch teilweise richtig weit entfernt. Alles kein Thema. Ich war auch oft alleine draußen, meine Fantasie hatte keine Grenzen und mir war niemals nie langweilig, ich war total glücklich wenn ich draußen spielen konnte. Aber wo haben Kinder heute die Möglichkeit, das völlig alleine gefahrlos auszuprobieren? Alles ist angelegt, die Plätze für Kinder von Erwachsenen definiert und klar eingegrenzt. Wer nicht auf dem Land wohnt, kann froh sein, dass es ab und zu mal einen Spielplatz gibt, und woanders sind Kinder oft ein Störfaktor. Möp!

 

Pausenbrot - (k)ein gesunder Snack

Was hattet ihr so als Pausenbrot dabei? Hand hoch, wer hatte eine Tupperdose? Bei mir war es meist eine schlichte Wurststulle in einer Papiertüte, dazu ein (ich wiederhole: ein) Trinktütchen. Für den ganzen Schultag! 150ml Limo! Wer Durst hatte, konnte ja noch mal aus dem Wasserhahn trinken. Das war halt damals normal, aber heute würde ich meinem Kind niemals nie sowas mitgeben. Das müsste dann natürlich seine Tupperware mitschleppen, Trinkflasche mit Wasser oder ungesüßtem Tee, maximal eine Saftschorle. Aber hallo. Und neben dem veganen Brot gäbe es noch eine größere Portion rohes Gemüse. Es gibt ja auch so Mamas, die sich da regelrecht übertreffen mit ihrer Kunstfertigkeit und den Kindern Bento Boxen mitgeben mit ausgestochenem Herzchenbrot und Obstspießchen. Da hätten sich unsere Mütter damals schlapp gelacht... 

 

Haustiere - das interaktive Spielzeug

Also nicht, dass ihr jetzt sauer auf meine Eltern werdet. Die haben sich wirklich Mühe gegeben mit unseren Haustieren, aber damals hat man ja noch nicht so viel von artgerechter Haltung gewusst. Meine Meerschweinchen damals waren hochgradig verhaltensgestört, wurden einzeln in Miniaturkäfigen gehalten und ordentlich lange durchgeknuddelt. Sie mussten in meinem Barbie Wohnwagen spazieren fahren und ich ließ sie regelmäßig draußen weiden - und nie haben sie sich wirklich weg  bewegt. Die armen Tiere... aber damals waren sie mein liebstes Spielzeug. Heute sehe ich auch ab und an fiese Kinder, die ihre Hasen an Leinen herumschleifen, aber meistens ist doch den meisten Leuten bewusst, dass es so nicht sein sollte. Ich hoffe mal, dass sich das auch weiter durchsetzt.

 

Entertainingprogramm? Da Sah's Mau aus

Viele Kinder in den 80ern sind mit ihren Eltern gar nicht raus gegangen, denn sie hatten ihre Freunde draußen zum Spielen. Maximal ins Schwimmbad ging es da. Bei uns hieß Wochenende, dass wir alle zusammen einen Spaziergang machen, uns mal eine Burg anschauen oder in Ausnahmefällen mal ins Schwimmbad gehen. Das war natürlich das absolute Highlight! Wir haben uns oft gelangweilt, aber wir konnten uns auch prima selbst beschäftigen. Und heute? Wir haben ein schlechtes Gewissen, wenn wir unseren Kindern nichts bieten.

Wir schleifen sie durch Indoor Spielplätze, Spaßbäder, Hüpfburgen Länder und was es nicht noch alles gibt. Wir kaufen ihnen düdelige Spielzeuge, spielen viel selbst mit und reißen uns den Allerwertesten auf, um pädagogisch zu fördern (oder zumindest pädagogisch wertvolles Zeug zu kaufen). Wenn die Kinder sich mal langweilen, haben wir sofort ein schlechtes Gewissen und googeln, was man in der Umgebung noch unternehmen könnte...

 

Das Fazit: 80er vs. heute

Ich habe bestimmt noch das ein oder andere vergessen in meiner Liste - was war denn bei euch noch wichtig? Was mir jedenfalls klar geworden ist: ich finde es vor allem sehr sehr schade, dass ich meinen Kindern diese Freiheit nicht mehr bieten kann, die ich so genossen habe. Die schönsten Kindheitserinnerungen waren dieses Umherstreifen draußen, mit Freunden und alleine. Ohne Eltern. Ohne Tupperdosen. Kinder dürfen sich heute nicht mehr so kompetent und frei fühlen, weil wir ihnen nicht mehr so viel zutrauen, und das ist echt schade.

Andererseits - wir wohnen an einer Hauptstraße, ich werde selbst ab und zu fast an der Ampel umgenietet. Wie soll ich da meine Kinder guten Gewissens ausprobieren lassen? Und Hand aufs Herz, wer kriegt keine Horrorphantasien, wenn er die Kinder allein im Wald spielen ließe? Klar, bestimmt passiert da nichts, aber es macht auch niemand. Könnte ja ein Pädophiler kommen. Oder die Kinder verlaufen sich im Wald. Horror! Die Kinder spielen fast nur noch auf Spielplätzen und verlieren die Möglichkeit, sich mit "Nichts" zu beschäftigen. Meine Tochter kann das noch, sie spielt mit Hölzchen und Tannenzapfen im Wald - aber wie lange wird das noch so sein?

Ich habe mal eine Weile im Kindergarten gearbeitet und in der Waldwoche sagten 90% der Kinder, dass ihnen stinklangweilig wäre und sie nicht wüssten, was sie machen sollen. Das gab mir echt zu Denken. Ich musste sie regelrecht anleiten, Käfer zu beobachten, auf Baumstämmen zu balancieren, Hütten zu bauen. Das ging bei den meisten, aber andere ekelten sich einfach nur vor dem Material Wald. Richtig krass. Das sind Kinder, die im Wohnzimmer, nur mit dem Fernseher groß werden, für die der Spielplatz schon freie Wildbahn ist.

Was diese Dinge angeht, können wir uns also von unseren Eltern echt eine dicke Scheibe abschneiden - manchmal ist weniger einfach mehr. Was wir aber alle gemeinsam haben: wir wollen damals wie heute das Beste für unsere Kinder und machen das Bestmögliche aus unseren Möglichkeiten. Nur manchmal kann man ja darüber nachdenken, ob es nicht auch ein wenig anders geht...

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