Mos Flauschwelt – Meine Kritik an Eurer Kritik

Ihr habt eine Lanze für den Jungen mit dem derben Spruch gebrochen und gesagt: Moooment, so schnell entstehen keine schlechten Väter. Wollt Ihr eine Antwort? Dann lest weiter.
 
 
 
 
Okay, ich hab’s verstanden: Es stand zwar „impulsgebloggt“ drüber, aber das reicht nicht. Eine kurze Erklärung: Mit Impuls meinte ich „erster Impuls“. Und dieser erste Impuls einer Mutter ruft zuerst den Beschützerinstinkt für ihr eigenes Kind hervor.
 
Meine Tochter hat Angst, traut sich trotzdem, kriegt zu hören: „Du nervst voll!“ (mit Deiner Ängstlichkeit). Ich hab sie 9 Monate in meinem Bauch durch die Hyperemesis-Schwangerschaft getragen. Ich hab sie leiden sehen, Tag für Tag. Ich hab für sie gekämpft, über jede Grenze, und Erfolge erzielt.
 
Ich habe deshalb nicht losgelassen, weil meine Empathie es nicht zugelassen hat. Ich hätte auch sagen können „Ist nur eine Phase“, „Kinder schreien halt“ oder, wie der behandelnde Kinderorthopäde, „Sie soll endlich mal ihre Eltern in Ruhe lassen“. Empathie war so elementar wichtig, wie war die Antriebskraft, die medizinische Hilfe zu bekommen.
 
Maple war ein Häufchen Elend, und dass sie inzwischen ein selbstbewusstes Kind geworden ist, das auch unerfreulich bossy sein kann, ist unser Verdienst. (Das mit dem bossy bitte nicht falsch verstehen, das ist kein Erziehungsziel. Ich nenne das als Beispiel, weil sie weit entfernt davon ist, ein Engel zu sein: wer sie von Euch kennt, weiß Bescheid.)
 
Um Missverständnisse zu vermeiden: Ich spiele hier nicht die Opferkarte aus. Ich will keine Sonderbehandlung. Weder für mich noch für sie. Ich will eine respektvolle Behandlung, für alle.
 
Und wenn ein Kind Angst hat, wovor auch immer, finde ich es verachtend, sie dafür abzuwerten. Klar sind doofe Sprüche immer doof. Aber bei jemandem, der gerade unten ist, noch reinzutreten, sorry. Echt nicht. Das hat eine besondere Qualität.
 
Wie würdet Ihr Euch fühlen?
 
Stellt Euch vor, Ihr habt Megaangst vor einem Fallschirmsprung. Oder vor Würmern. Oder vorm Zahnarztbesuch. Wovor auch immer. Ihr überwindet Euch, Ihr springt, Ihr steigt in die Kiste voller Würmer, Ihr macht die Wurzelkanalbehandlung am Backenzahn. Und die Zahnärztin verdreht die Augen und sagt: „Sie nerven total.“ Super Gefühl!
 
Ach so, nee, Moment. Die Tatsache, dass ein Kind das sagt, ändert ja alles für Maple. Denn was Kinder sagen, das trifft andere Kinder ja nicht, weil: Sind ja nur Kinder.
 
Aber so ist es ja nicht. Hey, nicht so viel Anteilnahme. Die soll sich mal nicht so anstellen.
 
Nein, das hat niemand von Euch geschrieben. Darum geht es ja auch nicht. Nein?
 
Mag sein, dass ich das Oberweichei bin. Ja, ich fänd toll, wenn man für seine Angst nicht angepampt würde. Aber hey, wir leben ja auch nicht im Kindergarten (unserem) oder in Twitterworld of Bedürfnisorientierung.
 
Nein, wir leben ja in der richtigen Welt, in der realen, nicht zu verwechseln mit der Welt, wie sie sein sollte.
 
Flausch, Einhörner, Glitzer, Umarmungen und so… ach, das ist nur absurde Rhetorik? Sorry, das hatte ich irgendwie falsch verstanden.
 
Einigen von Euch geht es darum, den Jungen in Schutz zu nehmen, und zu sagen, dass Jungs mit an dem Punkt verletzendem Verhalten nicht automatisch schlechte Väter werden. Dass wir freie Kinder wollen und dass Sozialisation ein Leben lang dauert. Dass ich nicht so übertreiben soll und überhaupt. Mein Gott. Es ist ein Kind.
 
In welcher Welt wollen wir leben?
 
Ich bin so naiv, dass ich immer noch an eine bessere Welt glaube. Daran glaube, dass sie möglich ist. Und daran, dass eine Veränderung … äh … Moment …  ich schau kurz in der Bedienungsanleitung von „Welt“ nach … ach ja, genau, durch uns selber kommt.
 
Ich bin auch so naiv, dass ich meinen Kindern Empathie vermittle als etwas, das wichtig ist. „Wie fändest DU das denn, wenn…“ ist bei uns oft Thema. Sich in andere hineinzuversetzen, ist das wirklich so absurd viel verlangt im Kindesalter? Und es SIND die kleinen Situationen, aus denen Sozialisation besteht.
 
Wenn Maple bossy ist und alles bestimmen will, wenn sie rücksichtslos rumbrüllt, weil irgendwas ätzend ist, ist das auch alles andere als toll. Aber sie würde nie hingehen und ein Kind, dem es gerade nicht gut geht, abwerten. Abwerten für eine offensichtliche Schwäche.
 
Ich verstehe Eure Kritik:
 
Nicht jeder Spruch lässt Rückschlüsse auf eine Erziehung zur Härte zu. Einverstanden. Ihr habt Recht.
 
Und: Selbst eine Erziehung zur Härte kann liebevolle Erwachsene hervorbringen – trotzdem. Allerdings nicht wegen, sondern trotz dieser Erziehung.
 
Es sind Kinder – Kinder sagen „Ich bin nicht mehr Dein Freund“ und meinen: „Ich hätte bei ‚Mensch ärger Dich nicht‘ auch gern gewonnen.“ Einverstanden.
 
Nur: Ich finde wichtig, dass Eltern mit Kindern darüber sprechen, wie so etwas bei ihrem Gegenüber ankommt. Was spricht denn dagegen, ihnen das zu erklären, immer wieder?
 
Ist das wirklich zu viel verlangt?
 
Feuer frei.
 
Eure Mo
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Impulsgebloggt: Rant auf Rücksichtslosigkeit

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