Über das Verurteilen von anderen Eltern und das Erziehungsexperiment

Bei all diesen Themen, die aufgrund der RTL Show "Das große Erziehungsexperiment" durch Medien und Blogs zogen, ist mir mal wieder aufgefallen, wie groß der Graben zwischen den verschiedenen Fraktionen ist. Die einen feiern frenetisch das Familienbett, die anderen finden ferbern ganz ok und die meisten sind irgendwo in der Mitte. Ich persönlich finde total verkrampfte Einstellungen nicht so toll und ich möchte an dieser Stelle dafür plädieren, nicht immer gleich mit Steinen zu schmeißen, wenn es jemand anders sieht als man selbst.
 
 
 

 

Try walking in my shoes

Wisst ihr, bevor ich Mutter wurde, war ich total davon überzeugt, vieles zu wissen. Schließlich hatte ich ja Sozialpädagogik studiert und auch schon einiges an Erfahrung. Ich hatte mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet und dachte, ich wüsste, worauf es ankommt, grob zumindest. Und dann wurde ich Mutter und meine ganze Welt stand Kopf! Keiner hat mir gesagt, wie krass es sein würde - all die Hormone, die aus mir scheinbar einen ganz anderen, weicheren Menschen gemacht haben (in mehrfacher Hinsicht), das Baby, an dessen Bedürfnisse ich mich zu 100% anpassen musste, all die Komplikationen, die damit einhergingen, Angriffe und Ratschläge von Außen. Ihr kennt das bestimmt, zumindest in Ansätzen.
 
Zum einen aus der Not heraus, weil mein Baby einfach nicht anders hätte schlafen können und zum anderen auch aus meinem Gefühl heraus, nicht zu sehr von meinem Kind getrennt sein zu wollen, schliefen wir alle zusammen im Familienbett. Das Anstellbettchen haben wir schnell wieder verkauft. Was habe ich nicht alles anhören müssen zum plötzlichen Kindstod... und das über viele Monate hinweg. Auch jetzt schütteln viele den Kopf, wenn sie hören, dass wir immer noch alle in einem Bett liegen.
 
Und das ist nur ein Beispiel von vielen. Worauf ich hinaus will: egal wo man hinschaut, jede Familie hat ihren ganz persönlichen Grund, wieso sie etwas macht. Und der sollte in den meisten Fällen respektiert werden. Ausnahmen sind natürlich die, wo Kinderrechte mißachtet werden, aber das versteht sich von selbst. Mir geht es darum, feinere Unterschiede wahrzunehmen und zu verstehen. Es gibt nicht nur schwarz und weiß, es gibt auch viele Graustufen.
 
 

Warum das Erziehungsexperiment kein Reinfall war (my 2 cents)

Wenn ich mir eine Familie vorstelle, wo die Eltern selbst sehr autorität erzogen wurden und es nicht besser kennen, aus welchen Gründen auch immer nicht reflektiert haben und sich auch nicht großartig eingelesen haben, wie man Kinder erzieht - für diese Eltern finde ich Formate wie das "Erziehungsexperiment" oder die "Supernanny" tatsächlich hilfreich. Ich weiß, es hat viele Gegenstimmen gegeben, und ja, ich denke auch, dass man Kinder nicht vorführen darf, und ja, es wäre grandios gewesen, einen bindungsorientierteren Weg aufzuzeigen. Ja, vielleicht hätte es etwas bewegt. Aber ich hoffe, nein, ich weiß, dass auch kleine Schritte in die richtige Richtung besser sind, als garkeiner. Allein schon zu zeigen, dass es wichtig ist, Kinder liebevoll zu begleiten, bis sie schlafen, ist für mich ein guter Impuls gewesen. Ich habe da kein Ferbern gesehen wie so mancher anderer, sondern Eltern, die etwas zu früh aus dem Zimmer gegangen sind und es dann noch mal versuchen sollten. Eltern, die sehr verunsichert waren, und die nicht auf ihr Bauchgefühl gehört haben.
 
 

Bauchgefühl versus Kopfstimme

Und ich wette, das geht vielen so - ich kenne es auch von mir. Immer diese Stimme im Kopf, die sagt "Sollte dein Kind jetzt nicht xy machen? Bei anderen klappt das bestimmt. Sei der Leitwolf, setz dich durch. Die Dings hat aber letztens gesagt, sie ist auch immer allein und die kriegt das auch hin" und so weiter und so fort. Aber wisst ihr was? KEINER kann WIRKLICH wissen, in welcher Lage man steckt, denn NIEMAND ist IMMER dabei! Keiner steckt in meiner Haut, keiner hat meine Geschichte, keiner hat meine Kinder. Eltern, deren Kinder ähnlich drauf sind, die fangen übrigens gar nicht erst an, solche Tipps zu geben, die seufzen nur, nicken, klopfen dir auf die Schulter. Been there, done that. Vielleicht sagen sie: Es wird besser, irgendwann. Lass dich mal umarmen. Im Bestfall: Kann ich dir helfen? 
 

 

Andere Eltern muss Kann man nicht erziehen

Und genau solche Reaktionen braucht es. Keine moralisierenden Blogposts, keine Stinkefinger, keine Hate Welle. Ich gehe davon aus, dass die meisten Eltern das Beste für ihre Kinder wollen, und das nach bestem Wissen und Gewissen tun. Die wenigsten ändern sich, weil man ihnen sagt, wie scheiße sie sind und wieviel besser man selbst ist. Zuhören, verstehen (versuchen), akzeptieren. Und vielleicht auch vorleben. Ich versuche jedenfalls, keine Ratschläge mehr zu geben, außer den, auf das eigene Bauchgefühl zu hören. Und meine Meinung, meine völlig subjektive Meinung, die auf meinen Erfahrungen und ein wenig Hintergrundwissen beruht, die teile ich nur mit, wenn ich danach gefragt werde. Jeder hat nämlich das Recht, eigene Erfahrungen zu machen. Aber auch das ist nur meine persönliche Meinung...
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