Geschwister(hass)liebe

Natalie / Mutter Tochter
Jeden Tag muss ich mich damit auseinandersetzen wenn sich meine beiden Mädels wieder in die Haare kriegen! Es ist manchmal so anstrengend und bringt mich definitiv an meine persönliche Grenze.

 

Bildrechte: Natalie
 

 

Der Streit läuft immer nach demselben Muster ab

Natürlich hat Hanna (8Jahre) viel bessere Karten als Matilda (4 Jahre) und ist ihr verbal so überlegen das Matilda sich nicht wehren kann und anfängt rumzukreischen oder zu schreien. Dann sagt Hanna: "schrei mich nicht so an" und Matilda schreit: "doooooooooooch" - zack dann ist der Streit in vollem Gange und es eskaliert, dass Hanna zum Beispiel schreit: "gut, dann spiele ich nie wieder mit dir" und wegrennt. Matilda bleibt traurig  und wütend zurück und weint sich bei mir aus.
 
Ich versuche es dann meistens so zu regeln dass ich erst mit einer spreche und dann mit der anderen, zum Schluss versuche ich die beiden wieder zusammen zu bringen oder wenn ich merke, es wird heute nichts mehr, dann schlage ich ihnen vor, dass jeder etwas für sich machen / spielen kann, aber nicht mehr beide zusammen.
 
Das klappt dann auch oft aber an manchen Tagen ist einfach so "der Wurm drin" dass sie es nicht einmal schaffen ein normales Wort miteinander zu wechseln. Dafür sind die meisten Tage bis auf 1-2 Streits (was ich voll in Ordnung finde) friedlich und sie finden immer etwas gemeinsames zum Spielen.
 
 

Ich bin mal in mich gegangen und habe mir Gedanken gemacht wann genau es zu einer Streitsituation kommt und habe mich mit der Frage beschäftigt, warum das so ist....

Es kommt vermehrt zum Streit an Wochentagen. Hanna geht Vormittags in die Schule und Matilda ist mit mir und Jakob (5 Monate) zuhause. Wenn Hanna wieder kommt müssen die beiden sich jeden Tag aufs Neue erstmal beschnuppern. Jeder checkt bei dem anderen die Stimmung ab und dann sucht sich jeder seine Position für den gemeinsamen Nachmittag.
 
Ich habe festgestellt, wenn Hanna in der Schule Konflikte mit Freundinnen hatte dann ist sie Matilda gegenüber sehr negativ eingestellt und hat meistens keine Lust mit ihr etwas zu spielen. Wenn sie einen guten Tag in der Schule hatte, dann fragt sie Matilda, ob sie zusammen spielen wollen, und dann entwickelt sich erstmal ein schönes Spiel.
 
An den Wochenenden zum Beispiel sehen sie sich ja schon morgens und da finden sie schneller zusammen, denn sie machen gemeinsame Dinge, die sie verbindet, und am Wochenende dauert es länger bis der erste Streit ausbricht.
 
Wenn Ferien sind, ist es die erste Woche chaotisch, weil jeder sich erstmal daran gewöhnen muss, das wir jetzt alle den ganzen Tag  zusammen sind. Ab der zweiten Ferienwoche wandelt es sich komplett und es wird jeden Tag harmonischer. Die Kinder sind dann gut aufeinander eingestellt und haben viele Ideen, was sie spielen und entdecken können. Hanna lässt sich richtig gut auf das etwas kindlichere Niveau ein und hat dann kein Problem mehr "Hundi" zu spielen, obwohl es ihr wahrscheinlich lieber wäre irgendetwas mit den Schleich Pferden zu spielen.
 
Was für mich jetzt neu dazugekommen ist, ist die Beziehung zwischen Matilda und Baby Jakob, die ja beide zuhause sind, denn als Matilda geboren wurde ging Hanna in den Kindergarten und ich war den ganzen Vormittag alleine mit Matilda zuhause. Und das ist so interessant und spannend mitzuerleben.
 
Jakob mit seinen jungen 5 Monaten wartet quasi morgens nach dem Aufwachen nur darauf, dass seine Schwester Matilda zu ihm mit ins Bett kommt, und dann packt er wirklich alles aus, was er bis dato schon gelernt hat. Sie berühren sich, Matilda stellt jeden Morgen fest, dass sie sich schon immer so einen Bruder wie Jakob gewünscht hat und das Bruders eben so aussehen wie er :-) Er genießt ihre Nähe und ist in einem super Kontakt zu ihr, ich habe das Gefühl, er hört ihr richtig zu, wenn sie etwas erzählt, denn es kommt immer eine Reaktion von ihm.
 
Wenn er im Laufe des Vormittags quengelig wird, dann kann ich ihn mit zu Matilda ins Zimmer nehmen, und er starrt sie die ganze Zeit an, was sie macht, und sucht ständig den Kontakt zu ihr und verbindet sich somit mit ihr. Matilda kennt ihn total gut und weiß was er für Bedürfnisse hat. Ohne darüber nachzudenken weiß sie wann er müde ist und wann er Hunger hat. Wenn ich zu ihr sage: "Mama legt sich mit Jakob kurz hin weil er schlafen möchte" ist das völlig in Ordnung für sie und sie beschäftigt sich in dieser Zeit mit etwas anderem. Sie kommt nie reingerannt ins Schlafzimmer und möchte genau in diesem Moment etwas. Weil sie auf seine Bedürfnisse achtet.
 

 

Und das ist der große Unterschied! Hanna war damals im Kindergarten.

Ich war mit dem Baby zuhause. Sie hat so viel gar nicht mitbekommen und hat irgendwann angefangen Matilda als Konkurrentin zu sehen, die ihr meistens Mama wegnimmt. Sie fühlte sich eventuell auch abgeschoben. Sie muss gehen und dafür ist das neue Baby da. Ich habe sie zwar immer gefragt ob sie in den Kindergarten möchte oder lieber zuhause bleiben möchte und sie hat sich ganz oft für den Kindergarten entschieden. Ich habe das akzeptiert und ihr nicht reingeredet. 
 
Im Nachhinein ist es so schade dass die zwei so separiert aufgewachsen sind, denn das hat die meiste Unruhe reingebracht. Dass jedes Kind ein eigenes Individuum ist, steht außer Frage, aber ich habe gelernt, dass wenn Kinder jeden Tag zusammen sind, die Bindung enorm gestärkt wird. Die Kinder kennen sich, achten sich. Sie werden zu Verbündeten, zu einem WIR. Die Spielsachen gehören automatisch allen und nicht der Eine besitzt das und der Andere jenes.
 
Wir versuchen genau DAS den Mädels jeden Tag zu vermitteln. Aber durch diese Trennung Vormittags wird das nie so eine innige Verbindung werden wie bei Matilda und Jakob.
 
Es ist eine wunderbare Bereicherung diese Geschwisterliebe bei Matilda und Jakob miterleben zu dürfen. Es stärkt mich jeden Tag so sehr, das Richtige zu tun mit der Betreuung zuhause. Ich darf sehen wie die Kinder aneinander wachsen, voneinander lernen. Wie diese Liebe ins Unendliche wächst. Wie sie einander ansehen und miteinander lachen. Ich freue mich schon so auf die weiteren Jahre in denen ich dieses kostbare Gut begleiten und aufsaugen darf.
 
Geschwister zu haben ist etwas ganz Besonderes, und ich hoffe so sehr, dass sie das mit auf ihren ganz eigenen individuellen Weg nehmen. Egal, wie verzwickt ihnen vielleicht eine Lebensphase vorkommt, dann hoffe ich, dass die Geschwister sie wieder erden können und ins hier und jetzt holen dürfen. 
 
Für Hanna und Matilda hoffe ich dass sie genau diese tiefe Verbundenheit, die sie mit Jakob haben, auch zueinander aufbauen können und irgendwann die Geschwisterliebe stärker wird als die Geschwisterhassliebe :-)
 
Danke an meine drei wunderbaren Kinder dass ihr es schafft, jeden Tag für mich zu einem Geschenk werden zu lassen!
 
 
Mehr von Natalie findet ihr übrigens auf ihrem Blog Mutter Tochter
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