Kinder soll man nicht loben? Ich sage: Kein Lob – kein Leben!

Heute muss ich mich mal unwissenschaftlich, aber mit meinem ganzen Mutterinstinkt zum Thema Loben äußern. Es gibt ja diese These, dass Erziehung ohne Lob und Tadel auskommt bzw. sogar besser funktioniert. Und es gibt Menschen, von denen ich pädagogisch viel halte, die dieser These reflektiert zustimmen. Klar, ich will auch kein Kind, das auf der Basis von Konditionierung wünschenswerte Verhaltensweisen an den Tag legt. Niemand will das. 

 

 

Konditionieren: ja oder ja?

Aber als Einschub schon mal eine erste Anmerkung von meiner Therapeutin, die auch und insbesondere Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin ist. Es ging um den ewigen Kreislauf (bei uns im Kontext der Schmerzstörung höchst relevant, dazu bald mehr): Weinen/brüllen/toben/“Mama Arm!“ einfordern  - und wie man darauf regiert. Wir hatten im Schmerzzentrum gelernt, dass es für ihre Situation alternativlos ist, die Brüll-Wein-Schmerzattacken (inkl. „Mama Arm!!!“) komplett zu ignorieren und, sobald das Kind sich beruhigt hat, sofortige und intensive Zuwendung zu geben. Ja, das ist krasse Konditionierung. Aber der einzige Weg raus aus dem Schmerzkreislauf ist die Konditionierung: Weil eben die Zuwendung ebenso konditioniert hat: Schmerz/Brüllen/Weinen → Trost → umso mehr Schmerz/Brüllen/Weinen → umso mehr Trost usw.

Also müssen wir auf jeden Fall konditionieren. Ich als Mensch mit eigenen Bedürfnissen nehme meine Tochter lieber dann auf den Arm, wenn sie mich nett fragt, als wenn sie es mir in aggressivem Tonfall befiehlt. Meine Therapeutin meinte, das sei völlig legitim und ok, wenn ich meiner Tochter sage, dass sie mich ganz normal fragen soll, statt mit diesem Heul-Befehlston zu kommen. Ich: „Aber das ist doch dann nur ankonditiert?“ - Sie (und darauf kommt es mir hier an): „Aber andersrum ist es auch konditioniert. Ob sie lernt, bei Brüllen komme ich auf den Arm, oder ob sie lernt, bei nettem Fragen komme ich auf den Arm – Sie konditionieren Sie sowieso.“

 

Hände hoch: Wer will kein Feedback?

Nun zum Loben. Ich behaupte, dass Loben nichts mit Konditionierung zu tun hat, jedenfalls nicht mehr als bei jedem anderen Glücksgefühl auch. D. h. dann konditioniert uns auch Sonnenschein, joggen zu gehen. Mal ehrlich: Wenn wir, sagen wir in einer Jobsituation, etwas gut gemacht haben, freuen wir uns dann nicht über Feedback? Wer fände ein Lob der Chefin oder des Chefs unangemessen? Und wer möchte seine Sache nur gut machen, damit er am Ende ein Lob von oben bekommt? Uns allen macht doch wohl (sofern die Arbeit das erlaubt) mehr Spaß, so zu arbeiten, dass wir selbst damit zufrieden sind, als wenn wir es nur hinrotzen, oder?

Ergänzung: Alle erwarten, dass man mit negativem Feedback auch umgehen kann. Und positives Feedback ist fehl am Platz? Ich weiß nicht, ob das wirklich so ein Riesenunterschied zum Loben im Kindesalter ist. Ich tadle nicht, aber wenn was kaputt geht, woran ich hänge, oder wenn meine Tochter ihrer kleinen Schwester ein Buch auf den Kopf haut, sage ich schon: „Das war nicht so gut, ne?“ Sie sagt das auch selber. Und ist das jetzt wirklich so schlimm?

 

Beispiel Trockenwerden

Neulich hat meine Tochter, ich wagte schon nicht mehr dran zu glauben, ihren ersten Kackeklops ins Töpfchen gemacht. Danach war sie stolz wie Oskar, kam angerannt und schrie circa zwanzigmal: „Mama! Guck mal, ich hab einen Klops ins Töpfchen gemacht!“ Ich schrie vor Freude  circa zwanzigmal mit: „Mäuschen, das ist ja super!!! Ich bin so stolz auf Dich! Das hast Du super gemacht!“ Es war unbändige Freude bei uns beiden, und ich hätte mich überhaupt nicht so verstellen können, um meine Freude hinterm Berg zu halten und nur eine inhaltlich-interessierte Information abzugeben wie etwa: „Tatsächlich. Der ist aber groß!“

Wenn ich lobe, dann weil ich mich wirklich freue, dass etwas so toll gelungen ist. Beim Trockenwerden lobe ich mehr, das gebe ich zu. Erstens freue ich mich über jeden kleinen Schritt, und es hilft mir auch, die vielen Rückschritte anzunehmen. Zweitens: Wenn das Loben sie dabei unterstützt, den Weg weiterzugehen, was ist dann so schlimm daran? Kann Konditionierung nicht auch eine Win-Win-Situation sein. Ich glaube nicht, dass, wenn eine Sache (z. B. Trockenwerden) mit Konditionierung unterstützt wurde, das Kind dann nur noch nach Konditionierung funktioniert. Es ist doch kein Roboter! Und es ist doch auch nicht die einzige Information, die ein Kind erhält von mir. Wenn die x-te Hose nassgepieselt ist, wird ja auch nicht bestraft.

 

Wenn Kinder loben

Ich freue mich über schöne Bilder oder was auch immer. Warum darf ich nicht das Feedback geben, das meiner Meinung entspricht? Meine Tochter sagt Dinge wie „Perfekt! Super reingequetscht!“, wenn ich in unserer immer vollen Straße einen Parkplatz gefunden habe. Sie sagt „Super gekocht, Papa!“ Finde ich das wirklich so schlimm?

Ich bin ein großer Fan des Lobens. Auf der Arbeit habe ich zusammen mit ein paar Kollegen den Club der sich gegenseitig Lobenden gegründet (nicht ganz ernstgemeint), denn sonst lobt einen ja keiner. Ich klopfe gerne meinem begnadeten Kollegen auf die Schulter. Und er mir. Es macht Freude. Ja, es macht auch mehr Spaß, dann zu arbeiten. Da habt Ihr mich. Allein: Was ist das Schlimme daran?

Schlimm wäre es nur, wenn es eine Sucht wäre. Das sehe ich nicht. Auch bei meiner Tochter nicht. Mein Lieblingszitat ist „Ich bin eine tolle Maus!“. Und ich bin stolz darauf. Ich selbst wurde immer kleingehalten, schön immer den unteren Weg gehen und bloß bei niemandem Anstoß nehmen. Mir eine selbstbewusste Tochter zu erziehen, ist mir ein echtes Anliegen. Sie darf sich toll finden. Sie darf andere toll finden. Und sie darf das äußern. 

 
 
Und was, wenn es dich treffen würde? Mein Statemen...
Die Butterblume

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