Kleinkind außer Rand und Band - Mama kurz vorm Nervenzusammenbruch

Durch unseren Umzug scheinen sich bei unserer großen Tochter alle Schübe und Phasen extrem potenziert zu haben und ganz ehrlich, mich hat es auch an den Rand des Nervenzusammenbruchs gebracht. Ständige Explosionen und nebenbei umziehen, zwischen Kartons wohnen, ein zahnendes Baby zu tragen und dann kaum schlafen zu können...

 

 

Irgendwann kann ich nicht mehr

Ich habe ja schon einiges vom Umzug erzählt, aber bisher nur angedeutet, wie schwierig es für Peanut war. Sie ist ohnehin ein Kind, das schwer mit Veränderungen klar kommt, und dann ging ja auch alles ganz schnell mit Wohnung anschauen, Vertrag unterschreiben und umziehen. Ich werde nie vergessen, wie ich in ihrem Zimmer versuchte, Spielzeug einzupacken und sie herzzerreißend schrie "Nimm mir nicht meine Sachen weg Mama!". Wie sie generell den ganzen Tag herzzerreißend schrie, rebellierte, trauerte, provozierte. Gegen alles und jeden, und wenn es nichts gab, dann gegen Windmühlen. Weil die Haare nicht lang sind, weil der Wind pustet, weil es dunkel ist.

Ganz schlimm fand ich aber nicht nur die Eifersucht auf Baby Little Pea, sondern auch ihre Aggressionen gegen sie. Davor konnte ich beide auch mal kurz allein lassen und fand es rührend, wie sie auf ihre Schwester "aufpasste". Und nun musste ich ständig aufpassen, dass sie sie nicht umbringt. Mal drückte sie ihr das Kissen ins Gesicht, mal wickelte sie ihr eine Schnur um den Hals. Jedes freundliche Erklären wurde mit fiesem Gekicher quittiert und trotzigem jetzt - erst - recht - Draufhalten. Nach ihr geschlagen und getreten hat sie natürlich auch. Und nachts wachte sie mindestens zehn Mal auf, entweder direkt mit schrillem Kreischen oder nur mit Mama - Rufen. 

Den ganzen Tag verbrachte ich damit, abwechselnd Katastrophen zu verhindern und irgendwie selbst zu überleben, denn Little Pea zahnt ja nun auch mal mehr und mal weniger extrem und schreit und weint und will nur getragen werden. Natürlich extrem scheiße, wenn die Große so sehr Mama bräuchte. Aber wenn ich alleine bin, was soll ich machen? Meist bin ich natürlich rausgegangen, immer in Action, damit das Baby im mobilen Babybett schlafen kann (Mamas Trage) und die Große ein wenig Ablenkung hat. Ich konnte mir noch so viel Mühe geben, sie explodierte dennoch mehrfach, und der Papa war dann, wenn er mal da war, auch keine Hilfe, da sie ihre Reibungsenergie zu 99% auf mich richtete...

 

Hilfe - ich werde zu einer Mutter die ich nie sein wollte

Ich hab lange überlegt, ob ich dazu etwas schreiben soll. Wer gibt schon gerne zu, dass er sich nicht unter Kontrolle hat? Hier ist keine Supermutti am Werk, die den ganzen Tag Nerven wie Drahtseile hat und die die Trotzphase geübt an sich abprallen lässt. Ich weiß nicht, welche Knöpfe da wirklich alle gedrückt wurden, aber je mehr meine Tochter explodierte, desto mehr kam auch mein eigenes inneres Monster zum Vorschein. Ich war auch nur am Brüllen und ganz ehrlich, irgendwann hatte ich auch Angst, die Kontrolle über mich zu verlieren. Ich zerrte an ihr oder schob sie grob weg, zog sie die Treppe runter obwohl sie sich wand, ließ sie weinend alleine stehen oder stellte sie in einen anderen Raum, weil ich einfach nicht mehr wusste, was ich machen soll. Weil ich nicht wollte, dass ich einfach aushole und sie schlage.

Ja, ich habe das niemals für möglich gehalten, ich dachte immer, für jemand, der Gewalt hasst und für den Gewalt an Kindern das Schlimmste ist, ist das gar kein Thema. Aber allein die Einstellung scheint bei mir nicht zu reichen. Ich hasse mich so dafür, dass ich nicht der Mensch bin, der ich dachte zu sein. Ich hasse mich dafür, dass ich nicht mal halb so gut bin wie ich sein möchte. Natürlich ist es nämlich schon Gewalt, was ich im Absatz weiter oben beschrieben habe, und das ist auch wahnsinnig scheiße... in den schlimmsten Stunden dachte ich, dass ich meine Kinder gar nicht verdient habe. Da ist es auch keine Rechtfertigung, dass ich seit Monaten kaum eine Stunde am Stück geschlafen habe und unter massivem Druck gestanden habe mit der ganzen Mobbing Scheiße, die mir fast Panikattacken beschert hat. Sowas darf einfach nicht sein!

 

Irgendwann wird es doch wieder besser

Also um es noch mal klarzustellen, das oben beschriebene Verhalten ist nicht mein Standard. Das passiert ab und zu, in solchen Phasen in denen es ganz extrem wird. Normalerweise bin ich cool und lustig und verständnisvoll. Aber es gibt eben auch die andere Seite, und ich weiß, dass das vielen so geht, auch solchen, denen man es nie zugetraut oder angesehen hätte. 

Jedenfalls ist es nach einigen Wochen wieder besser geworden - die extremen Gefühle auf beiden Seiten und die Impulsausbrüche. Ich habe mich übrigens auch immer entschuldigt bei meiner Tochter, ohne sie um Verzeihung zu bitten (denn das hätte ihr aufgebürdet, mir zu verzeihen und dann hätte sie die Verantwortung getragen für die ganze Situation). Und ich habe ihr erklärt, dass ich nicht so hätte reagieren dürfen und dass ich auch nicht alles richtig mache. Und dass ich sie immer lieb habe. Ich möchte, dass sie trotz alledem ein selbstbewusster und starker Mensch wird, der sich mit allen Seiten geliebt fühlt - und dass sie es irgendwann einmal besser als ich schafft, sich zu beherrschen.

Beruhigt hat mich übrigens auch ein Artikel von Jesper Juul, der mich zu der Erkenntnis gebracht hat, dass man seinen Kindern auch vorleben soll / darf, dass man ein Mensch mit Grenzen ist. Dass man sich selbst respektieren muss. Denn nur so lernen Kinder, dass sie sich später selbst respektieren können und nicht unmenschlich grenzenlos sein müssen.

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