Hilfe mein Kleinkind will noch in den Buggy oder nur getragen werden

Darf man sein 3 oder 4jähriges Kind in den Buggy setzen? Ich gebe es ganz ehrlich zu: früher habe ich über eine Nachbarin gelächelt, die ihre 4jährige Tochter mit dem Buggy geschoben hat. Ich flüsterte zu meinem Partner irgendwas in der Richtung "Schau mal, das Kind ist doch viel zu alt, das machen wir aber nicht." Und was ist jetzt? Unsere Tochter ist von Geburt an ein richtiges Tragebaby gewesen und jetzt ist sie 3,5 und hat überhaupt nicht vor, daran etwas zu ändern...

 

 

Ab wann laufen Kinder alleine - ohne Kinderwagen oder Mamas und Papas Arme?

Ich habe ein wenig recherchiert, und meistens steht in den Texten, dass man seine Kinder so ab dem 2. Lebensjahr dazu trainieren sollte, doch bitte selbst zu laufen. Klar, die meisten schaffen das natürlich in dem Alter, und viele wollen es sogar. Die ganz Fitten fahren sogar schon Laufrad. Als gute Tipps wird auch oft angepriesen, man könne die Kinder in einem Dreirad schieben. Dahingegen sind die Online Foren voll von Müttern, die fast schon verzweifelt und mit vielen Fragezeichen und Ausrufezeichen fragen, ob es normal sei, wenn sie ihre Kleinkinder noch durch die Gegend schleppen. Bei einigen ist es sogar so, dass die Kinder keine 5 Meter laufen würden.  

Und soll ich euch was sagen? Ganz genau so ist es bei unserer großen Tochter! Sie lief übrigens sehr früh selbst und probierte das auch fleißig aus, sie war etwa 10 Monate alt. Und trotzdem wurde sie bis sie etwa 2 Jahre alt war mit der Tragehilfe getragen, den Buggy verweigerte sie ausdauernd. (Der war im Übrigen sehr nützlich, um die Einkäufe mit der freien Hand zu schieben.) In dieser Zeit wurde ich schwanger mit dem zweiten Kind und musste sie weiterhin tragen, denn sie schrie immer herzzerreißend. Im Nachhinein weiß ich, dass sie so meine / unsere Liebe einfordert(e) und vielleicht ist es tatsächlich so, dass es wegen der kurzen Beinchen auch anstrengender für sie ist, zu laufen. Vor allem beim Treppen steigen ist es für Kinder viel schwieriger, als wir es einschätzen können. 

Als ich dann hochschwanger war und heftige Rückenschmerzen hatte, half es dann übrigens tatsächlich, ihr das zu erklären. In einfachen, nachvollziehbaren Sätzen, und zwar bevor der Wutanfall losging. "Mama hat Rückenschmerzen, ich möchte dass du im Buggy sitzen bleibst." Auch in ihren Kindersitz im Auto ist sie geklettert, weil es für mich schlichtweg unmöglich war, sie mit Kugelbauch hinein zu hieven. Es schien, als ob dieses Kind - will - kooperieren dann doch stimmt. Natürlich hat sie das nicht zu 100% umsetzen können, aber bei mir ging seit diesem Zeitpunkt auch der Buggy zum Spielplatz und wieder zurück. Der Papa muss bis heute tragen...

 

Dumme Sprüche und schiefe Blicke - Abweichungen von der Norm sind immer schwierig

Ich kann gar nicht sagen, wie oft wir schon dumme Sprüche gedrückt bekommen haben, seit wir Eltern sind. Wir wohnen nicht gerade in einer großen Stadt und sind so ziemlich die einzigen mit Tragehilfe. Von "das Baby erstickt" bis "es lernt nie laufen" war alles dabei. Wobei, wenn der Papa sie nur auf dem Arm trug, waren es immer Schreie des Entzückens von den Damen egal welchen Alters und ein wissendes Lächeln bei den Herren. Mittlerweile begegnet man auch dem Papa nicht mehr so wohlwollend - eher nach dem Motto "Aha, der kann sich nicht durchsetzen / trägt die kleine Prinzessin / Daddys little Girl". 

Besonders zum Kotzen finde und fand ich ja schon immer, dass die Kinder direkt angeredet werden, als wären die Eltern gar nicht da - und dann erwarten die Leute aber, dass man als Phantomstimme dennoch ihre Fragen beantwortet. "Naaaaa, hast du keine Lust zu laufen? Bist du zu faul? Hast du schlechte Laune oder bist du müüüüde?" Ganz ehrlich, auf sowas antworte ich nicht, da ist mir jedes Schnaufen zu blöd. Ich gehe einfach weiter und lasse die Arschgeigen einfach stehen. Ja, Arschgeigen. Das hat nämlich nicht ansatzweise etwas von Respekt, weder dem Kind noch den Eltern gegenüber und ist einfach nur abwertend, gleichzeitig aber so dämlich und alltäglich, dass es mir die Mühe nicht wert ist, zurück zu pöbeln. Was ist nur mit der Menschheit los, dass jeder meint, sich einmischen zu können? Kinder haben offenbar keine persönliche Grenze, die gewahrt werden muss...

 

Ich vertraue meinem Kind - irgendwann läuft es freiwillig. Und wenn nicht kauf ich ihm einen Segway

Das ist natürlich nur Spaß. Nein, um mal wieder auf den Anfang zurück zu kommen - ich denke, es gibt diese Kinder, die ganz besonders viel und lange getragen werden wollen, weil sie besondere Bedürfnisse nach Nähe und Liebe haben. Sie fordern diese steten Liebesbeweise ein und saugen sie auf wie ein nasser Schwamm. Sie regredieren auch, wenn sie unsicher sind und überfordert - lieber einen Schritt zurück, auf Mamas oder Papas Arm, dahin, wo es sicher ist. Und mit Druck hat es zumindest bei meiner Tochter noch nie geklappt, da wird eher vermehrt gebrüllt und deutlich weniger kooperiert. Manchmal hilft ja ein anderes Kind oder ein großer Anreiz zum Laufen. Manchmal hat sie einfach Bock es zu tun und dann klappt es. Als ich ihr das Versprechen abgenommen habe, weil ich sonst nicht in den Zoo gegangen wäre. Meiner Meinung nach ist das immer noch Attachment Parenting; dem Kind so lange eine schützende Hand sein, so lange es sie einfordert, und in dem Moment loslassen, wo man nicht mehr gebraucht wird. Und bis dahin schiebe ich eben den Buggy...

 

Kindheit im Zeitraffer. Warum wird das zweite Kind...
Mein #WIB: Kindergeburtstag und BABYWELT Frankfurt

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