Mama will alleine baden - aus dem Drehbuch des Lebens

Kennt ihr das Phänomen: wenn man denkt, die Kinder spielen gerade friedlich, der Partner ist ja gerade zum Aufpassen da, man könnte doch mal kurz was für sich machen? Und genau in diesem Moment kippt das zarte Gleichgewicht und das Chaos bricht aus, die Kinder kletten an mir, egal was der Papa macht, es wird gebrüllt und von Ruhe und Frieden keine Spur...? So erging es mir, als ich nach wochenlanger Badeabstinenz mal wieder in die Wanne wollte... Ich habe dieses tragische Stück für euch zu einem kleinen Drehbuch verwurstet.

 

 

Mama, entspann dich doch mal!

Super Tipp, den man immer mal wieder bekommt. Mal ein paar Minuten pausieren, vielleicht in einer Zeitschrift blättern, mal die Füße hochlegen, telefonieren oder baden. Nur mal kurz, und schon hat man mal wieder Energie getankt. Jaaaaa, schön wär's! Ist's! In der Vorstellung zumindest. Bei mir sieht das ja eigentlich immer gleich aus:

 

1. Akt: Die Harmonie kippt

Die Kinder spielen friedlich schon einige Minuten miteinander, der Papa chillt neben dran

Ich (vorsichtig fragend): "Duuu, sag mal, könnte ich jetzt nicht eigentlich mal in die Badewanne? Nur gaaanz kurz?"

Papa (skeptisch): "Hm, ja."

Der Kinder hören in demselben Moment auf zu spielen, starren mich entsetzt an - irgendeine mentale Verbindung muss in diesem Moment zerbrochen sein.

Ich (tapfer, möglichst leise): "Ok, dann geh ich jetzt mal."

Kind 1: "ICH KOMM MIT, MAMA!"

Kind 2 (bedeutet mit Gesten, hochgenommen werden zu wollen): "Baaaaaaap!" 

Ich (genervt): "Nein, ich will mal alleine was machen, der Papa ist doch da!"

Kind 1: "ICH WILL ABER MIIIIIT!"

Kind 2 (fängt an zu jammern)

Ich (versuche, mich zu beeilen): "Doch ich mach das jetzt!"

Ich schließe die Badezimmertür hinter mir, während die Horden dagegenrennen und im Sturm der Entrüstung brüllen und wehklagen. Der Papa steht wie ein bedröppelter Hund hilflos daneben, als hätte er nicht verstanden, was ihm da gerade passiert ist. Ich verstehe ihn, aber mein Mitleid hält sich in Grenzen. Tapfer lasse ich das Badewasser ein und bekämpfe das aufkeimende Mitgefühl den protestierenden Kindern gegenüber. Eine innere Stimme höhnt mir entgegen, ich solle mich doch mal durchsetzen und der Papa könne das ja wohl auch mal auffangen. (Diese Stimme setzt sich übrigens aus all den Ratschlägern zusammen, die mir so im Laufe meines Mamadaseins untergekommen sind.)

 

2. Akt: Der Kampf um die Me Time

Der Papa hat es kurzzeitig geschafft, beide Kinder von der Tür wegzulocken. Möglicherweise mit Eis und Schokolade, aber ich will es gar nicht so genau wissen. Seufzend liege ich mit einer Zeitschrift in der Wanne. Aber keine fünf Minuten später...

Kind 1 (platzt ins Bad herein): "Mama, was machst du da?"

Ich (seufze): "Ich wollte doch mal baden. ALLEIN. Geh mal bitte zu Papa."

Kind 1 (zuckersüß): "Nein ich will doch bei dir bleiben."

Ich (sauer): "PaaaaaPAAAAAAA!!!!!"

Papa (mit Kind 2 auf dem Arm): "Ja, ich weiß auch nicht, sie bleibt einfach nicht bei mir."

Kind 2 (windet sich, als es die Badewanne sieht) "BAAAAAAAAAAP!"

Ich (stinksauer): "Das waren doch keine fünf Minuten! Das muss doch mal gehen! Bitte!!"

Papa (mit extrem windenden Kind 2 auf dem Arm, halbherzig überzeugt): "Na komm, Kind 1, wir gehen was spielen."

Ich (genervt): "Knete! Der Papa holt dir die gute Knete raus!"

Kind 1 (wird hektisch): "Nein, ich will bei MAMA BLEIBEN!"

Papa (kann Kind 2 kaum mehr halten, das mittlerweile zu weinen anfängt): "Komm jetzt mal mit."

Kind 1 (brüllt los): "HIIIIAAAA BLAIBÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄN!"

Ich (stinksauer): "NEEEEIIIIINNN!"

Kind 1 und Kind 2: "RABÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄH!"

Nachdem vom Papa mal wieder keine Lösung der Situation zu erwarten ist, füge ich mich in das Unvermeidliche. Der Papa verlässt den Raum fluchtartig mit Kind 2 und ich versuche, das sofort wieder ruhige Kind 1 zu ignorieren, das mich während des Lesens mit der Gießkanne wässert und mir mit stoischer Gelassenheit Boote und Entchen anreicht, egal wie sehr ich es anknurre.

 

3. Akt: It's all about Family

Nachdem auch diese Phase relativ schnell endet, einfach weil ich mich überhaupt nicht auf die Wellness Tipps in meinem Frauenmagazin konzentrieren kann (erkennt ihr die Crux an der Sache), läd der Papa auch Kind 2 bei mir ab, und ich plantsche mit Haarkur, Feuchtigkeitsmaske und Baby in meiner Me Time Wanne im Badesalz, das höhnischerweise "Glücksmomente" heißt. Yep. Feeling so lucky now. 

Kind 2 (spielt glücklich): "Mamamamamamam!"

Kind 1 (rasiert mich mit einer Plastikklammer): "Guck mal Mama, ich helfe dir!"

Ich (stoisch): "Mmmmmhmmmmm."

 

Und so endet die Glücksmomente Me Time mit einer Mama - Kinder - Familytime in der Wanne. Ich kann mich nicht erinnern, dass es mal anders war. Ich bade ja wirklich gern mit meinen Mädels, aber wenn ich wenigstens mal 10 Minuten Vorlauf hätte, wäre ich echt happy...

„Mama, du bist mein Zuhause!“
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