Meine 4 Phasen, bis ich es mit Kleinkind vor die Tür geschafft habe

Kreisch! Manchmal gibt es so Phasen mit Kindern, da könnte man nur noch schreien. Wenn die fast 4Jährige einfach nicht in die Puschen kommt, zum Beispiel. Da sind diese lustigen Facebook Videos von Faultieren noch eine Lightversion dessen, was ich hier geboten bekomme. Und das auch, wenn der einzige Zeitdruck die untergehende Sonne ist... eine Parodie oder, wie ich es nennen würde, ein Drama, das ich euch hier gern mal beschreibe.
 

 

Phase 1: Aufwecken

Aufstehen? Holy fxxxing shit! Zählt das noch zu Morgenmuffel wenn man Angst davor hat, dass einem vom Kind die Rübe abgebissen wird? Stellt euch so einen süßen kleinen blonden Engel vor, ihr nähert euch ihm vorsichtig schleichend, zaghaft, flötet ganz leise "Guten Morgen, mein Schaaaatz... hast du gut geschlafen?" und zählt innerlich eins, zwei, drei... "RABÄÄÄÄÄÄH! NEIN MAMA NEIN! NEEEEIIIIIIN!" Tief durchatmen, gute Laune Schalter anlassen. Vielleicht was singen? "Guten Mohohohorgäääähn..." "NEIN MAMA NICHT SINGEN DU BIST EIN KACKAHAUFEN!" Mittlerweile bekomt man nicht nur unflätige Worte an den Kopf geknallt, sondern wird auch getreten. Ja, äh, moin, liebes Kind.

 

Phase 2: Frühstücken

Nach etwa einer halben Stunde hat sich der Morgenmufflon wieder beruhigt, der mütterliche Angstschweiß ist getrocknet und so langsam wäre es ja schön, in Richtung Bad zu kommen. Zuerst muss allerdings das Volk der Dreikäsehochs gesättigt werden. Little Pea ist noch recht anspruchslos und begnügt sich mit Muttermilch, ansonsten sitzt sie gern auf meinem Schoß, greift mit der Begeisterung eines Picasso in meine Müslischüssel und verziert den Tisch mit Schlickspuren, wahlweise auch mich und oder den Boden.
 
Peanut hingegen ist immer noch in Granatenstimmung. Da ist das Feingefühl eines Bombenentschärfers angesagt, denn ein wenig zu lange auf dem falschen Frühstücksvorschlag beruhen könnte eine weitere Explosion nach sich ziehen. "Also, was willst du? Müsli? Toast? Joghurt?" - "NEEEEIIIIINNN!" Aber wehe, du setzt dich einfach selbst hin und isst "DU HAST MIR KEIN FRÜHSTÜCK GEMACHT ICH HAB DOCH HUNGER!" Also machst du dich an den zuerst geäußerten Wunsch, kassierst das NEIN und machst dich an den zweiten Wunsch. Ein guter Tag ist, wenn Peanut dann drei mal abbeißt. Ein schlechter, wenn drei verschiedene Mahlzeiten unberührt dastehen. Und je hungriger das Kind, desto schlechter die Laune.
 
 

Phase 3: Im Bad fertig machen

Kicher, kicher, kicher! Das Kind fängt an, aufzudrehen und sich dem mütterlichen Zahnputzeifer zu entziehen. Das Spiel kennt bestimmt auch jeder - erst verstecken, dann lachen, wegrennen. Was machste jetzt? Schimpfen, Zwingen, Sein - lassen? Pfröt! So wirklich das Wundermittel hab ich nicht gefunden, meist so eine Mischung aus Resignation und Apelle an die Vernunft wechseln sich ab mit Wenn - Dann - Erpressungsversuchen. Auch das Waschen und Anziehen ist meist sehr schwierig und so zieht sich das ganze manchmal bis zu einer Stunde hin. "NEIN NEIN NEIN NICHT ZÄHNE PUTZEN!" "ICH WILL MICH NICHT WASCHEN!" "MAMA DU STINKSTIEFEL!" Manchmal muss ich da echt an "Täglich grüßt das Murmeltier" denken... wuäääh!
 

Phase 4: Ready to leave?

SO, jetzt wird es richtig anstrengend. Zwei Kinder, oder wie ich es nenne, double trouble action. Little Pea kann noch nicht so viel selbst machen mit 17 Monaten, dafür beschwert sie sich regelmäßig mit gutturalen Lauten. Die Geräuschkulisse wird also von permanenten MMMMMMMHs und ARRRRRRGHs untermalt, während sie diverse Schuhe anschleppt und mir Zeichen gibt, dass sie diese anziehen möchte. Natürlich auch nicht die Richtigen, aber egal. Während ich es also schaffe, Kind 2 anzuziehen, hat sich Kind 1 wieder komplett ausgezogen und sich im Bad verschanzt. Wieso? Na klar, die Hose hat gejuckt. Spitzenerklärung, die kommt immer dann zum Einsatz, wenn ihr etwas nicht passt. Blöd ist sie ja nicht. Alles juckt. Selbst ins Zimmer hoch gehen und holen kann man ihr zwar vorschlagen (auch in lauterem Tonfall), machen tut sie es aber noch lange nicht. Also selbst holen, anziehen, durchschnaufen. Kurz weggedreht, Kind wieder nackt. Wieso? "DER PULLI HAT AUCH GEJUCKT, MAMA!" RaaaaaaAAAAAGH! 
 
Hat man es irgendwann wie durch Zauberhand geschafft, ihr irgendein tuffiges Kleidchen und eine Strumpfhose anzuziehen, die nicht jucken, dann kommt Level 2 dran - Matschhose to wear or not to wear. Da es ständig regnet und wir gern auf Spielplätze gehen, wäre das ja eigentlich von Vorteil, oder? "ICH WILL MEINE KUSCHELJACKE NICHT DRUNTER ANZIEHEN! UND AUCH NICHT DRÜBER!" Ähm äh, und jetzt? Matschhose weglassen? Man steht also vor der Wahl, entweder körperlich gewalttätig zu werden, drin zu bleiben oder das Kind so rausgehen zu lassen. Meist mache ich letzteres, nur um dann auf dem Spielplatz einen Wutanfall zu kassieren, wenn der Bobbes nass geworden ist. Seufz. Im Prinzip kann der WAR OF WEAR auf jedes Kleidungsstück ausgeweitet werden. Wieso nicht die Badelatschen anziehen? Es regnet doch, die sind doch für's Wasser geeignet. Wieso nicht im Schlafanzug rausgehen? Wieso überhaupt eine Jacke? Ach aber wenn der Wind das Kleid pustet, lieber doch nicht raus...
 

Phase 5: ERROR

Wenn man ganz großes Pech hat, dann brüllt sie einen Meter hinter der Haustür, weil der Wind pustet, man ihr doch das Falsche angezogen hat oder weil sie gar nicht raus möchte. Also wieder zurück. Oder weiter schleifen und den ganzen Ausflug verschissene Laune haben.
 
Ich weiß echt nicht, wie das diese autoritäten Eltern machen, die man manchmal so sieht (oder hinter dem ein oder andren passiv aggressiven Ratschlag à la "Setz dich doch mal durch" vermutet). Wäre es wirklich sinnvoll, das Kind mit dem Papa zusammen in die Mangel zu nehmen, die vermeintlich richtigen Klamotten mit Gewalt anzuziehen, es dann an beiden Armen quer über die Straße bis zum Spielplatz zu schleifen und jedes Gebrüll zu ignorieren, nur um sich durchzusetzen? (Das ist natürlich nicht ernst gemeint, manchmal würd ich das den Betreffenden aber gern sagen.) Andererseits ist es ja wirklich ätzend, wenn man manchmal an einem Tag überhaupt nicht raus kommt oder wenn der Prozess so lange dauert, bis irgendwer wieder Hunger hat oder die Sonne untergegangen ist. Ich versuch es einfach mal mit einer Wagenladung Schokolade (für mich) und dem Elternmantra "Es geht irgendwann vorbei..."
Pasta mit Spinat (vegan und glutenfrei)
Man soll seine Kinder nicht loben? Kurzreflexion z...

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