Schlafen bei uns: heute hier, morgen dort

Ich weiß gar nicht, wie viele Schlafsituationen wir schon hatten. Nur mit Maple. Immer wieder hat es sich anders ergeben, der Situation geschuldet. Wir haben darauf reagiert. Meine Eltern fragten Woche um Woche: Und? Schläft sie denn jetzt in dem schönen Bett?

 

 

Als Neugeborenes alleine bei den Schwestern

Angefangen von den ersten Tagen nach der Geburt, als mein Neugeborenes im „Kinderzimmer“ der  Entbindungsstation im separaten Bettchen schlafen musste (ja, so was gab es 2012 noch), weil ich nicht 100-prozentig garantieren konnte, nicht einzuschlafen während der Nacht (hatte ja nur gerade eine Geburt hinter mir). Mein Mann war zu Hause, denn ein Familienzimmer haben wir nicht bekommen. Also durfte ich das Baby nicht bei mir behalten. Das würde mir heute natürlich nicht mehr passieren. Sobald ich babybedingt ein Krankenhaus betrete, lüge ich wie gedruckt, um meinen  Weg (den Ihr alle normal und nicht rebellisch fändet, ich schwöre) durchzusetzen.

Dann nach ein paar Tagen zu Hause, Karl hatte Influenza, 41 Fieber und Kontaktverbot zu Maple, versuchten wir es mit dem Anstellbettchen am Ehebett. So hatten wir uns das vorgestellt, und so stand es doch überall? Maple schrie die ganze Nacht, ich versuchte außerdem die ganze Nacht verzweifelt, sie zu stillen, was nicht klappte (sie konnte wegen kompletter Verschiebung der ganzen Achse die Brustwarze kaum am Gaumen festhalten, nur so ein paar Millimeter). 

 

Im Kinderwagenaufsatz bei Mama

Dann versuchten wir, die Situation im Krankenhaus, wo sie (nachgeburtserschöpfungsbedingt) recht gut geschlafen hatte, zu imitieren: In ein Kapuzenbadetuch wickeln (eher locker) und damit den Kinderwagenaufsatz gefühlt verkleinern. Der Aufsatz stand mit ihr drin nachts direkt neben dem Sofa, auf dem ich schlief. Karl schlief im Schlafzimmer und brauchte Ruhe. In seinem Leben war er noch nie so krank wie direkt nach Maples Geburt.

 

Im Anstellbett, weil alles egal

Dann kam die monatelange ganz schlimme Zeit, und wenn Maple irgendwann über die Schmerzen hinweg völlig erschöpft einschlief und nicht gerade vor Schmerzen wach wurde, schlief sie nachts wie ein Stein, total erledigt vom schrecklichen, schmerzvollen, durchgeschrienen Tag. Da schlief sie dann auch im Anstellbettchen. Genauso gut hätte sie vermutlich auf dem Boden, im Keller oder auf dem Arm einer bösen Hexe geschlafen. Als es irgendwann besser wurde, wurden in dem Maß, in dem die Tage besser wurden, die Nächte schlechter. Man könnte sagen, das Baby befand sich nun nachts außerhalb von Koma und meldete maximale Ansprüche an, weil es merkte, wie schlimm alles war. Es schlief also nur auf uns. Rückenlage ging übrigens nie bei ihr, viel zu schlimm fürs Bauchweh. Sie schlief nur auf dem Bauch, oder, irgendwann seitlich liegend eingequetscht zwischen Papabauch und Sofalehne. Das war ihre Art des Gepucktwerdens. Karl versuchte, so zu schlafen, aber es ging natürlich kaum. 

 

Auf Mama oder Papa

Dieses nur am Körper schlafen – auf dem Arm, auf dem Bauch usw.: Natürlich war das sehr anstrengend, körperlich, aber es war auch die einzige Tankstelle. Der einzige Ort, wo es den Treibstoff gab, den ich zum Überleben brauchte: absolute Glückseligkeit. Mein Baby so nah bei mir, so friedlich, zur Ruhe gekommen auf mir. Endlich ungestört lieben können. Denn dieses kleine, friedlich schlafende Wesen auf meinem Arm oder meinem Bauch konnte man nur lieben. Wenn sie auf mir schlief, war endlich Raum dafür.

Ich kann mich noch erinnern, als meine Tochter erstmals ohne Schreien einschlief. Einfach indem ich sie rumtrug, bis sie schlief. Klar, lange, aber ohne Schreien, nicht im Stechschritt, hüpfend-rennend, mit Van Halens „Jump!“ in Discolautstärke, das einzige Lied, das sie beruhigte (genau Baby-Herzschlag-Rhythmus). Discolautstärke, damit es lauter als ihr Schreien war, sodass sie es überhaupt akustisch hören konnte.

 

Nervengift statt Bedürfniserfüllung

Irgendwann begann ein richtiges Zubettgeh-Ritual. Mit ewig Rumtragen und Spieluhr dabei aufziehen (zigmal). Dann, wenn sie ein richtig nasser Sack war, vom Arm aus in Bauchlage ins Anstellbett legen. Es kam noch mal die Zeit, als das nicht ging, als sie einfach nicht schlief, außer auf unserem Bauch. Ich muss dazu sagen, dass ich auf dem Rücken nicht schlafen kann. Ich muss mich einrollen, auf der Seite, ich brauche die Geborgenheit. Es ist jetzt so lange her, aber ich weiß, dass wir wirklich verzweifelt waren. Einer der hochkompetenten Kinderärzte, die wir im Laufe der Zeit kennenlernen durften, verschrieb dem Baby Atosil. Etwas, das das zentrale Nervensystem quasi ein Stück weit lahmlegt, runterfährt. Wir haben es nicht gegeben.

Mit 14 Monaten schlief Maple erstmals im Liegen ein, angekuschelt an den Papa. Ich weiß nicht, wie er auf diese Schnapsidee kam, das überhaupt zu versuchen, aber das ist eben Karl, der unverbesserliche Optimist, der schon so viele Apfelbäumchen am letzten Tag der Welt gepflanzt hat, dass er dafür den Friedensnobelpreis verdient hat.

 

Juhu: Familienbett!

Wir schliefen im Ehebett mit 70x140er-Anstellbett daneben zusammen. Das Bett hatte  zuvor im Kinderzimmer als vollgestaubter Dekogegenstand gedient. Maple kletterte gern rein und raus, tagsüber, aber drin schlafen? Niemals. Schlafend reinlegen hat, glaub ich, einmal geklappt. Irgendwann hatten wir Angst, dass sie im Familienbett über den Rand klettern und rausfallen könnte, und legten unsere Matratze und daneben die 70x140-Matratze auf den Boden nebeneinander.

Die Crux an der ganzen Schlafsache und an dem ganzen Schmerzhorror war, dass wir verlernten abzuschalten. Der Psychiater hat es uns so erklärt, dass der Körper, wenn man über einen so langen Zeitraum (berechtigterweise!) immer in Alarmbereitschaft war, erst wieder lernen muss zu schlafen. Wir bekamen ein sehr gut verträgliches, sehr gut und niedrig und punktuell dosierbares Beruhigungs- / Schlafmittel verschrieben, und es wurde besser. Aber bis heute ist es so, dass ich neben dem Baby nicht schlafen kann. Ich schlafe einfach nicht. Deshalb ist die Reihenfolge im Familienbett (ausgenommen die Koma-Zeit im ersten Lebensjahr): Baby – Vater – Mutter. Ich kann dann loslassen, und Karl, die alte Schnarchnase, stört sich nicht dran. 

 

Alleine im Familienbett

Maple wurde größer, und mein Mann musste dienstlich zwei Nächte weg. Die erste Nacht war für mich furchtbar. Ich schlief nicht. Ich schlief einfach nicht. Sie blieb nach wie vor ein anspruchsvolles Kind, sodass ich kaum den Tag schaffte. Als ich dann in der Nacht auch nicht schlief, weil neben ihr, konnte ich nicht mehr. Völlig erschöpft heulend am Telefon schmiedeten mein Mann und ich am nächsten Tag den grandiosen Plan, dass ich nicht bei Maple im Familienbett schlafen sollte, sondern auf dem Schlafsofa im Kinderzimmer, zwar zu ihr gehe, wenn sie weinte (das war schon immer so einige Male in der Nacht), dann aber nicht bei ihr bleiben, sondern immer wieder nach nebenan ins Kinderzimmer auf die Schlafcoach zurückgehen würde. Das war viel, viel besser. Ich musste zwar immer wieder aufstehen und rüber gehen, konnte aber in der Zwischenzeit wirklich schlafen.

Ich fand Gefallen daran, und so ergab es sich, dass Maple allein im Schlafzimmer im Familienbett schlief und Karl und ich im Kinderzimmer auf der Schlafcoach. Wenn sie weinte, ging Karl zu ihr rüber und blieb dort. Es entspannte sich alles. 

 

Ab ins Kinderzimmer!

Dann irgendwann bemerkten wir, dass es ja auch eine Möglichkeit wäre, dass WIR wieder in unserem Bett schliefen und sie im Kinderzimmer. Es klappte. Wir sicherten die Ausziehcoach nach allen Seiten ab (Bettbegrenzungen waren bei uns von jeher nötig und sind bis heute unentbehrlich, bei jeder einzelnen auswärtigen Übernachtung schleppen wir sie mit), machten ihr die Couch schmackhaft und alles war gut. 

 

Zurück zum gemeinsamen Schlafen

Dann fuhren wir in Urlaub, ich glaube, wir hatten sogar eine extra Klappmatratze dabei. Ich war inzwischen hochschwanger mit Coco und Maple volle Granate mitten in der Schmerzstörung gefangen. Sie wachte jeden Morgen und nach jedem Mittagsschlaf (der seit der Schmerzstörung plötzlich wieder nötig wurde, obwohl sie ihn schon vor dem 2. Geburtstag abgeschafft hatte) vor Schmerzen schreiend auf und brauchte stundenlang, um endlich für irgendwas offen zu sein außer auf meinem Schoß kuscheln und nuckeln (am Daumen). Nur Familienbett, das war gut. Wir hatten plötzlich alle wieder Lust, gemeinsam zu schlafen (Kind – Vater – Mutter), und es tat uns allen gut. Es war wie in ihrem Babyalter: Wir tankten Frieden, Ruhe und unbeschwerte Liebe in diesen Stunden.  So kamen wir im Kindesalter von knapp zweieinhalb zurück zum Familienbett.

Da unser Ehebett bewusst nur 1,40 m breit ist (wir sind eher die „Mehr Nähe!“-Typen), war das natürlich zu eng. Wir kauften ein gebrauchtes zweites Ehebett mit 1,80er-Breite, stellten an jede Seite ein Anstellbett, ein großes, ein kleines. In unseren Träumen schliefen wir darin alle vier zusammen. In der Realität natürlich nicht. Die Kinder machten einander wach, niemand kam zur Ruhe, und wir waren nur angespannt. 

 

Zwei Familienbetten

Wir hatten uns schon der Schwangerschaft mit Coco die Matratze unseres kleineren Ehebetts ins Kinderzimmer gelegt, inspiriert von Frida und jeder Familie zu empfehlen! Coco kam zur Welt, Maple drehte durch, wälzte sich tagsüber schreiend, tobend, verzweifelt weinend auf der Matratze rum und wollte nachts allein mit Mama da schlafen. Papa und Coco schliefen im Familienbett. Ich stand nachts einmal auf, um abzupumpen, er zweimal, um Coco zu füttern: Es war für uns alle (außer für Coco) der einzig gangbare Weg. Ich musste an den furchtbar anstrengenden Tagen irgendwie durchhalten, und niemand wusste wie lange, deshalb sollte ich wenigstens nachts zwei Schlafphasen haben statt nur Miniabschnitte mit zweimal füttern und zwischendurch noch einmal abpumpen.

Ich bekam Rückenschmerzen ohne Lattenrost, wir bauten das alte Ehebett wieder auf. Im Kinderzimmer. Und legten die Matratze drauf. Bettbegrenzung dran, und so haben wir jetzt zwei Familienbetten. Im Kinderzimmer schlafe ich mit Maple, im Schlafzimmer Karl mit Coco. Ich kann nach wie vor nicht beim Baby schlafen, traue mich nicht, mich zu rühren, aus Angst, es könnte wach werden. Bei Maple ist das kein Problem mehr. Sie schläft inzwischen wie eine Erwachsene eher noch besser ein, wenn man sich an sie heranrollt und den Arm um sie schlingt, als ohne. Sie ist jetzt nicht mehr so zerbrechlich, hängt nicht mehr so am seidenen Faden, beruhigt sich sehr schnell, und (!!!) kommt manchmal sogar alleine ins Schlafzimmer herüber gelaufen, falls ich bei Karl schlafe. Ich gehe dann mit ihr zusammen ins Kinderzimmer, damit Coco nicht wach wird, kuschle mich an Maple, und wir schlafen dort beide wieder ein. 

 

Halbes Familienbett

Meistens weint sie zwar noch „Mama...“ ins Babyfon, manchmal sogar „Papa“ (!!!), wenn er sie ins Bett gebracht hat, aber selten. Jede Selbständigkeit ist für uns ein großes Geschenk, und wisst Ihr, was vorletzte Nacht passiert ist?

Ich hatte dreist beschlossen, bei Karl und Coco zu schlafen und erst rüberzugehen, wenn Maple mich durchs Babyfon ruft. Irgendwann, taps, taps, taps, kam sie ins Schlafzimmer, kletterte ins Familienbett, und wir kuschelten alle zusammen. Der Wecker zeigte 6:47 Uhr.

 

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