Schnauze voll! Das hat man dann von der Liebe

Was haben wir alles gemacht. Über jede Grenze und noch weiter und immer weiter bis kurz vorm finalen Ende. Nie aufgegeben. Tage, Nächte, Wochen, Monate, Jahre durchgetragen, durchgemacht, alles versucht, alles gegeben, für alles Verständnis gehabt. Erklärt, gestreichelt, Geborgenheit gegeben. Uns gab es schon lange nicht mehr, und damit meine ich nicht unsere Partnerschaft, sondern uns als die zwei anderen Menschen, die vorher auch gezählt hatten: meinen Mann und ich.

"Schwanger mit Kleinkind - eine echte Herausforderung" - Bildrechte: 2KindChaos

 

Es gab uns nicht mehr als Menschen mit Würde, mit Verletzlichkeit, mit Angst, Wut, Ohnmacht, Hoffnungslosigkeit, mit Körpern, die von oben bis unten nur noch schmerzten vor Erschöpfung und Überlastung, von den Seelen ganz zu schweigen. Nur noch am Leben erhalten gesteuert von Hormonen. Elternhormonen. Und selbst die waren sehr knapp vorm Versagen. Wir waren Maschinen, die über jede Laufzeit hinaus und trotz Verschleiß aller Verschleißteile funktionierten und funktionierten. Wir waren alles gleichzeitig. Wir waren Eltern, wir waren Ärzte, wir waren Apotheker, wir waren Therapeuten, wir waren Sterndeuter, Wünschelroutengänger, Rechercheexperten, Hochleistungssportler, Tiere. 

Hätte das Kind andere Eltern gehabt, ich schwöre, es wäre tot. Wie oft haben wir uns angehört: Gehen Sie in die Schreiambulanz. Da lernen Sie, mit dem Schreien besser klarzukommen. Wir wollten aber nicht mit dem Schreien klarkommen, sondern die Ursache beheben. Eine Ewigkeit später war jemand bereit, an der Ursache zu arbeiten. Die Heilung begann. Kurze Zeit später kamen ernsthafte, schmerzhafte Spätfolgen. Wieder war alles am Limit. Wieder begann die Suche, und niemand nahm es ernst. Wieder haben wir nicht aufgegeben, bis jemand die Ursache gefunden hatte. Haben gestreichelt, getragen, getragen, getragen, getragen, Tage, Nächte durch, Wochen, Monate. Die ganze zweite Schwangerschaft durch. Es ist müßig zu spekulieren, ob das zweite Kind wegen der ständigen und dauerhaften körperlichen Überlastung zu früh kam. Der gesunde Menschenverstand sagt ja. Dauernd Wehen. Es wurde nicht gerade leichter für das erste Kind mit der Geburt des zweiten.

Ich erwarte von einer Dreijährigen keine reflektierte Dankbarkeit. Aber ein bisschen Nettsein zu mir fände ich schön. Ich möchte nicht eins nach dem anderen in die Fresse bekommen von dem Menschen, für den ich alles gegeben habe, fast mein Leben. 

Ich weiß, es ist ein Kind. Ich weiß, was sie alles durchgemacht hat und dass sie mit Teilen davon nie fertig sein wird. Zur Wahrheit gehört aber auch: Mein Konto ist leer. Ich habe nichts mehr zu geben. Da ist nichts mehr. Es ist, als wäre alle Liebe aufgebraucht. Ich muss auch was zurückbekommen. 

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