Unser wahres Leben – ein Ponyhof wäre neidisch

Ab und zu gibt es diese (gern stillen Mit-) Leserinnen, die in einem Kommentar mittteilen, sie hätten jetzt lange den Mund gehalten und viel Geduld mit uns gehabt, aber jetzt reiche es mal. Jetzt sei es an der Zeit, mal offen zu kritisieren, dass wir uns immer auskotzen. Deshalb kommt hier die wahre, die einzig wahre Wahrheit über das Familienleben bei uns zu Hause: Es gibt überhaupt gar keinen, nicht den geringsten Grund, sich auszukotzen.

 

 

Fangen wir mit unseren Kindern an. Eines ist im Babyalter, das andere in der Autonomiephase. Maple, die Große, lernt gerade, alles völlig selbständig und allein, ohne jede Hilfe zu tun. So gut wie alles klappt auch auf Anhieb. Egal, ob es Trockenwerden ist, allein eine Schleife in die Schuhe binden, sich anziehen oder einen Latte Macchiato zaubern. Schafft sie es doch mal nicht gleich beim ersten Mal, sagt sie: „Oh! Das versuche ich gleich noch mal!“ und schwupps – beim zweiten Mal klappt es perfekt.

 

Nicht zuviel Pink

Das ist wirklich schön, denn so kann man sich zu hundert Prozent auf sie verlassen. Wir kommen immer pünktlich zum Kindergarten, weil sie sich, bevor ich sie dazu auffordern kann, bereits selbst angezogen, gekämmt und sich einen Zopf gemacht hat. Keine Diskussionen um die richtigen Klamotten – sie schaut einfach aus dem Fenster und zieht etwas Wetterpassendes an. Ganz in Pink kleidet sie sich nicht. Da achtet sie schon drauf.

Hole ich sie ab – denn sie wird gerade in den Kindergarten eingewöhnt -, strahlt sie übers ganze Gesicht und erzählt, dass die Linsensuppe total lecker war (die sie als einzige gegessen hat), und dass sie sich einfach nicht mehr von Wespen stechen lässt, sondern den Wespen erklärt, dass es ihnen doch nichts bringe. Ich bin wirklich stolz auf sie. 

Zum Start der Eingewöhnung vor zwei Wochen (um es nicht zu langweilig zu gestalten, schob sie ein bisschen Fieber und Kotzeritis ein) machte ich mir noch Gedanken, ob es wohl schwierig für sie sei zu sehen, dass ich mich ums Baby kümmern müsse, während sie nun im neuen Kindergarten bleiben solle. Aber sie meinte nur: „Ach Mama, guck mal, wie viele Spielsachen hier sind. Du kannst ruhig direkt nach Hause gehen und die ganze Zeit mit Coco kuscheln. Wenn ich eine Frage habe, dann frage ich die Erzieherin.“

 

Babyflausch

Tja, und Coco? Coco ist halt ein Baby. Und Babys sind flauschig. Mit ihren elf Monaten verteilt sie ihre Zeit auf mit Mama kuscheln, schlafen, mit Mama kuscheln, wohlriechende Substanzen in die Windel zaubern (ist das nicht doch Kunst, oder kann das wirklich weg?). Wir lieben ja das Baby Led Weaning, und das geht mit Coco hervorragend. Sie greift sich die Stücke vom Essen, begutachtet sie ganz in Ruhe und führt sie zielgerichtet in den Mund. Wenn sie abbeißt, legt sie das übrige Stück noch mal vor sich auf den Tisch. Lätzchen brauchen wir nicht. 

Seit einiger Zeit schläft Coco weniger und spielt dafür mehr mit ihren ökologischen Spielsachen. Sie erkundet sie genau. Am liebsten ist ihr, wenn ich sie dabei ganz in Ruhe lasse. So könnte ich zwar die ganze Wohnung putzen, aber ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, was ich hier großartig putzen soll. Es ist ja alles sauber. 

 

Unsere Partnerschaft

Mein Mann und ich sind verliebt ineinander wie am ersten Tag. Diese Liebe gibt uns so viel Kraft, dass uns einfach nichts aus der Bahn wirft. Wir laufen wie auf Wolken. Beim Einkaufen schaffe ich es locker, beide Kinder, die Einkäufe und noch die Einkäufe der älteren Dame hinter mir zu tragen. Denn schließlich habe ich nie aufgehört, viermal pro Woche Sport zu machen. Mir tut das einfach gut. Meine Kinder nehme ich mit. Die vergnügen sich auf einer Spieldecke am Beckenrand (die Große passt auf die Kleine auf) oder spielen die Stunde über mit dem Empfang im Fitnessstudio. Und so ne Stunde ist ja schnell um. 

Mein Mann liebt seinen Job, und wenn er nach Hause kommt, wirkt er immer, als komme er gerade aus dem Urlaub, so erholt sieht er aus. Ich lasse ihm aber auch immer die Zeit, die er für seine Arbeit braucht. Nie käme ich auf die Idee, ihn zu hetzen, ob er nicht lieber nach Hause kommen möge. Überhaupt halten wir von Hetze, Stress und Herumschreien nicht viel. Auch unsere Große sieht das so. Wenn sie anderer Meinung ist als wir, erklärt sie es uns, und wir finden eine gemeinsame Lösung, die alle zufriedenstellt.

Neulich zum Beispiel hat sie die Unordnung an der Süßigkeitenkasse beseitigt. Als alle Überraschungseier im Überraschungseier-Karton waren und alle Duplos im Duplo-Karton, wollte sie unbedingt noch die Kinderriegel wieder ordentlich aufstellen. Aber ich erklärte ihr, dass andere Kinder auch noch aufräumen wollen, und das verstand sie. Stattdessen half sie mir dann, all die Leckerbissen wie Radieschen, Broccoli, Wirsing, Linsen usw. aufs Kassenband zu räumen.

 

Abendritual

Abends würfeln meine Kinder immer mit einem selbsterdachten, abgewandelten Spiel aus dem Lück-Kasten aus, wer mit wem schlafen geht. Immer sind beide Kinder mit dem Ergebnis einverstanden. Die Große geht Pipi machen, putzt sich die Zähne (da freut sie sich immer schon seit dem Zähneputzen nach dem Mittagessen drauf!), zieht sich den Schlafanzug an und geht ins Bett. Derjenige von uns, der heute dran ist mit ins Bett bringen, geht zu ihr, gibt ihr einen Gute-Nacht-Kuss. Dann erzählt Maple noch, wofür sie an diesem Tag dankbar war. Dafür, dass wir so liebe Eltern sind, dafür, dass der Junge ihr ihre große Schaufel irgendwann doch zurückgegeben hat, für die leckere Linsensuppe usw. Dann machen wir das Licht aus, und sie schläft ein.

Beim Baby ist es natürlich anders, weil es ja noch nicht sprechen kann. Es wird ins Bett gelegt, trinkt meist noch mal Milch aus der Brust, steckt sich dann selbst den Schnuller in den Mund, rollt sich ein, genießt die Anwesenheit von Papa (der nach dem Trinken gekommen ist) oder Mama und schläft ein. Heute aber war es anders. Coco überraschte uns mit dem Sprechbeginn. Sie zog sich den Schnuller aus dem Mund und sagte ihr allererstes Wort: „Regenbogen“.

 
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