Urlaubs - Diary Teil 2: Wenn 2 Chaosfamilien zusammen Urlaub machen

Vorbemerkung zu diesem total einseitigen, teils gemeinen und unvollständigen Bericht von Urlaubstag 5: Alle genannten Personen sind mir längst und nicht erst seit diesem Urlaub fest ans Herz gewachsen! 
 
Die Herausforderung beginnt schon bei der Synchronisation der Frühstücksabläufe. Karl und ich zelebrierten gern ein mindestens vierstündiges Frühstück, in dessen Mittelpunkt Brötchen und üppige Belege stehen. Papa Mercury, und Frida unterscheidet sich da nicht wesentlich, bevorzugt eine Salatschüssel große Portion Müsli bestehend aus Bio-Dinkelflocken, Äpfeln, Bananen und ggf. weiterem Obst, kaltgepresstem Leinöl, diverserer hochwertiger, naturbelassener Getreideprodukte, vermengt mit lauwarmer Reismilch. Was dazu führt, dass Familie Mercury das Frühstück bereits abgeschlossen hat, als Karl, Maple und ich uns die inzwischen organisierten Brötchen belegen. Coco fungiert als eine Art Synchronisationshilfe oder Scharnierstück, denn wie immer erwacht sie mit der unmissverständlichen, wörtlich zu nehmenden, nicht aufschiebbaren Forderung: „Schokomüsli!“.
 
 
Windig, sandig, salzig

 

So nah am Meer und unerreichbar

Die Sonne scheint, und wir alle wollen ans Meer. Es ist zwar etwas windig, aber so muss das am Meer ja auch sein. Frida steckt bereits in ihrem smarten, mit stillfreundlichem Front-Reißverschluss versehenen Badeanzug, während Karl noch nicht mal geduscht ist (Brötchen holen kann man ja schließlich auch im Schlafanzug, sonst wird das ja nie was mit der Synchronisation). Papa Mercury springt sowieso bei jedem Wetter ins Meer, wie es sich halt für einen Surfer gehört, und auch Frida freut sich, endlich (nach gestern) mal wieder im kühlen Nass ein wenig ihre betonartigen Muskelverspannungen lockern zu können. Also geht Familie Mercury schon mal vor, während ich in Mo-Manier noch kurz fünffache Wechselklamotten einpacke, Kuscheldecke, Obstschnitze und die obligatorische Zaubertüte (=Brötchentüte mit in Stücke gerissenenen restlichen Frühstücksbrötchen, und man darf nur mit geschlossenen Augen hereingreifen), außerdem natürlich Handtücher, Sonnenhüte und Mützen. Nennt mich Helicopter-Mom.
 
Am Meer angekommen („Ich will den Bollerwagen ziehen!“ – „Nein, ich!“), sehe ich von der Düne aus schon das große orangene Handtuch, auf dem Frida im Schneidersitz sitzt und daneben Peanut. Aus dieser Position soll Frida, wie sich herausstellen wird, auch nicht mehr herauskommen, denn Little Pea ist beim Stillen mal spontan mitten am Vormittag eingeschlafen. Seeluft macht ja auch müde. Ich verbrauche im Laufe der Stunde am Meer ungefähr alle Wechselsachen der Kinder, dann geht’s zurück, Little Pea schläft immer noch auf Fridas Arm, die dann, kaum nach Hause geschleppt, natürlich direkt aufwacht.
 
 

Mein absolutes Lieblingsspiel von Godfather of lustige Spiele Urs Hostettler: "Der wahre Walter"

 

Die Mahlzeiten verschwimmen ...

Mittagessen gibt es draußen. Nach dem Mittagessen gibt es Eis, die Kinder verflüchtigen sich langsam Richtung Klettergerüst, Wasserspritztiere & Co., während wir noch einen Espresso trinken, der aber auch, seid ehrlich, nix ist ohne ein Stückchen Rhabarberkuchen dabei und weil wir dann so überzuckert sind, brauchen wir als Ausgleich Chips. Ausgenommen natürlich Papa Mercury, der dankenswerterweise den Tisch abräumt und die Chaos-Kochküche (denn diesmal hat nicht Speed-Köchin Frida, sondern Karl gekocht) aufräumt. In der Zeit haben wir drei Erwachsenen uns unglaublicherweise sicher schon locker eine halbe Stunde unterhalten. In ganzen Sätzen! Nicht wie – gleich, Schatz! – sonst immer – ja-ha!! Ich komme gleich, jetzt warte kurz – so abgehackte – oh nein, dann schnell aufs Töpfchen, Maus! – Sätze, die man nicht – ok ich komme mit!
 
Und jetzt kommt’s.
 
Wir spielen ein Spiel.
Auf der Terrasse.
Mitten am Tag.
Nicht Verstecken.
Auch nicht: Hase Hüpf.
Und auch nicht: Mama, Du wärst jetzt das Kind, und der Papa ist Coco, und ich, die Mutter, sage jetzt: So, jetzt putzt mal die Zähne.
Sondern ein Erwachsenen-Spiel.
Mitten am Tag!
Mit allen Erwachsenen!
Un-un-ter-brochen! Also jedenfalls fast.
Papa Mercury unterbricht, indem er akzentuiert zur Sonnenmilchflasche greift, sein Shirt auszieht, sich einschmiert und unnötigerweise erklärt: „Ich will ja nicht  nachher so nen weißen Rand haben.“
 
Will nicht sagen, dass wir ihn damit im Folgenden aufziehen, aber die Antworten bei dem Spiel (bei dem man sich freie Antworten ausdenken muss), enthalten die eine oder andere Anspielung. Überhaupt werden wir immer enthemmter, weil wir wie berauscht sind von dem Gefühl der Selbstbestimmtheit. Unsere vier Kinder spielen wie im Flow ---
 
Sitzt Ihr?
 
--- zweieinhalb Stunden. In unterschiedlichen Konstellationen. Ich kann gar nicht sagen, was genau, ich bin so abgelenkt vom Spielen. Wir wechsle nur ziemlich oft nassgespritzte oder durchgepieselte Kleidung, so vertieft sind sie.
 

Erst Lachflash, dann Mädelsspaziergang

Nachdem wir also fast den ganzen Nachmittag mit echter MeTime verbracht haben, beschließen Frida und ich, noch zusammen bzw. alleine, also nur wir beide, Kaffee trinken zu gehen. Wir beide haben ein schlechtes Gewissen, dass wir uns das rausnehmen, wo wir doch gerade schon echt entspannte Stunden und quasi kinderfrei hatten. Ist das nicht krank? Es ist den Kindern gut gegangen. Sie haben sich miteinander wohl gefühlt und viel Spaß gehabt. Sehr viel.
 
Wir gehen zu Fuß in die Tourimeile (was anderes gibt es hier nicht), kaufen für Maple ein furchtbar hässliches wunderschönes, rundes Katzenportemonnaie mit Reißverschluss. Wir haben das besprochen, und nachdem Maple ihr erstes Urlaubsgeld (35 Kronen = 5 Euro) größtenteils verloren hat und über diesen Verlust untröstlich war, hat mich das einhellige Feedback bei Twitter überzeugt, die verlorenen 20 Kronen zu ersetzen. „Pech gehabt, muss sie halt lernen“ war auch mir zu hart, obwohl es mir wichtig war, dass ich das Geld nicht sofort ersetzen wollte, sondern sie erst mal in ihrem Verlustschmerz begleiten wollte.
 
Frida und ich kommen äh ... irgendwie doch später zurück als geplant (kurz vor 8), aber das Gespräch ist es wert und außerdem gehen wir noch wie aufgetragen einkaufen (zu Fuß!) und schleppen etliche Kilos und eine Riesenzucchini nach Hause, die so groß ist, dass sie aus meinem Rucksack oben rausguckt. Daheim Speedkochen von Frida, essen und relativ schnell ab ins Bett.
 
Alles nur weil der Gemüseverbrauch so hoch ist, dass ich mir noch nicht sicher bin, wie mein Körper mit dieser Überdosis klarkommen wird. Bisher reagiert er mit großer Verzückung der Geschmacksknospen. Und sollte es zuviel werden, reagiere ich morgen früh mit Weizenbrötchen und Schokocreme.
 
Eure Mo
 
 
 
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