Vom Wert der Anerkennung

Endlich. Nach fast drei Jahren. Endlich ein Wort der Anerkennung für das, was wir geschafft haben. Es ist Herbst 2014, und in der Kinderklinik fällt der Satz: „Wir haben großen Respekt davor, was Sie geleistet haben.“ Für mich der Satz des Jahres. Wir haben so lange darauf gewartet.

 

"Als Eltern eines 'Schreikindes' wird man schnell abgestempelt" - Bildrechte: 2KindChaos

 

Für alle, die den Hintergrund nicht kennen: Wir sind im März 2012 zum ersten Mal Eltern geworden. Maple fing im Alter von drei Wochen zu schreien an und hörte nicht mehr auf. Nach eine Ärzte- und Internetforenodyssee kam die Erlösung mit dem Abstillen nach neun Monaten. Sie hat die Muttermilch anscheinend nicht vertragen, bzw. die Laktose darin. Folge: Darmentzündung, krasse Bauchschmerzen, Schreien über acht bis zehn Stunden am Tag. So was gibt es nicht, sagten die Ärzte zu Anfang. Das sind gar keine Bauchschmerzen. Kinder schreien schon mal, da müssen Sie mit klarkommen. Uns nicht ernst zu nehmen, darin waren die meisten ganz groß.

Ich kann im Nachhinein nicht mehr sagen, wie viele dumme Sprüche wir uns anhören mussten, von „Da ist ja sehr viel Nähe bei Ihnen“ (Ja, seit wann ist das ein Problem?) über „Ich würde dem Kind nicht so viele Medikamente geben“ (Ja, weil Sie anscheinend nicht wahrhaben wollen, dass das Kind Schmerzen hat) bis hin zu dem Satz „Werden Sie mal ein bisschen ruhiger, dann geht es Ihrem Kind auch besser.“ Für den letzten Satz würde ich heute gerne noch mal dem Oberarzt im Krankenhaus eine in die Fresse schlagen. Zum Glück haben wir nach Monaten dann einen Arzt gefunden, der die Schmerzen ernst genommen hat. Der ist dann im Dezember letzten Jahres überraschend gestorben – aber das ist eine andere Geschichte.

Zurück zu „Werden Sie mal ein bisschen ruhiger, dann geht es Ihrem Kind auch besser“: Es gibt nur eins, was noch schlimmer ist, als seinem vor Schmerzen schreienden Kind nicht helfen zu können: Die Schuld dafür selbst zugeschoben zu bekommen. Und leider stießen einige Freunde und sogar Teile der eigenen Familie ins gleiche Horn. Der Schwiegermutter fiel schon zu den extremen Schwangerschaftsbeschwerden (Übelkeit über acht Monate, mit Infusionen, weil nichts mehr drin blieb) meiner Frau nichts weiter ein als „Das ist ja auch alles ne Kopfsache.“ Und wir würden ja immer so übertreiben.

Meine Mutter war zwar hilfreicher, weil extrem pragmatisch veranlagt, aber emotional haben Sätze wie „Es ist ja auch schon viel besser geworden“ auch nicht weitergeholfen - sie klangen verharmlosend und nicht ernst nehmend. Andere Stimmen sagten uns, dass uns ja auch nicht geholfen werden könnte, wenn wir Angebote wie die Schreiambulanz nicht wahrnehmen würden. Aber erstens machen Schreiambulanzen nicht mehr, als den Eltern beizubringen, wie sie das Geschrei ihres Kindes besser ertragen können, und davon wird das Kind nicht gesund, also keine Option für uns – der Kinderarzt riet uns anschließend übrigens auch davon ab. Und zweitens wurde uns so wieder die Verantwortung für die Situation zugeschoben, anstatt uns mal emotional zu unterstützen.

Ja, es gab auch Menschen, die hilfreich waren, indem sie einfach zugehört haben. Danke dafür. Und natürlich haben wir beide uns auch gegenseitig auf die Schulter geklopft, uns gegenseitig vergewissert, dass wie alles richtig gemacht haben. Wir wussten, dass wir nur dadurch, dass wir uns gegenseitig getragen haben, heute noch leben und unsere Tochter zu einem solch aufgeschlossenen und tollen kleinen Menschen geworden ist. Aber es dauerte noch zwei Jahre, bis endlich jemand – und dann noch eine Psychologin, also jemand vom Fach, in aller Klarheit ausgesprochen hat, was wir so sehr brauchten: „Wir haben großen Respekt davor, was Sie geleistet haben.“ Ich zehre auch fünf Monate später noch davon.

So lange gesucht und endlich gefunden: Die Mama-Lo...
Wenn Blogger Mamas sich treffen... so war das erst...

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