Wie das Elternsein einen einsam machen kann

Ich hatte mal ein Sozialleben. Ja, ich erinnere mich daran, aber es ist weit, weit weg. Die Wahrheit ist: Als Eltern von High-Need-Kindern ist man ganz schön einsam.

 

"So schön das Leben mit Baby ist, es macht auch einsam" - Bildrechte: 2KindChaos

 

Wie es vor den Kindern war

Ein Blick vier Jahre zurück. Meine Frau und ich haben beide Vollzeit gearbeitet, und trotzdem war da im Rückblick viel Freizeit. Wir haben beide Sport gemacht, ich einen Mannschaftssport, bei dem ich jede Woche meine Freunde gesehen habe, manchmal noch auf ein Bier danach. Mo und ich sind oft ausgegangen, haben Freunde in Kneipen oder zum ausufernden Spieleabend getroffen. Manchmal ist sie auch ins Kino gegangen und ich zur Pokerrunde. Ein ganz normales Leben halt für ein Pärchen ohne Kinder. Im Rückblick eine echt unbeschwerte Zeit und eine ziemlich kontaktreiche. Das hier ist jetzt keine Diskussion über Regretting Fatherhood, ich bereue es nicht, Vater geworden zu sein. Aber es geht eben vieles nicht mehr, was damals ging. Und einiges fehlt mir schon.

 

Wie es mit Kindern ist

Natürlich wurde uns mit dem stärker werdenden Kinderwunsch auch immer bewusster, dass das Leben nicht so weitergehen würde wie bisher. Auch der Freundeskreis würde sich teils verschieben, dachten wir, mehr Kontakt zu anderen Eltern, vielleicht weniger zu dem einen oder anderen noch kinderlosen Freund. Halb so schlimm, so unser naiver Gedanke, schließlich hatten viele unserer Freunde gerade auch Kinder bekommen oder waren zumindest in einer Lebensphase, wo das in nächster Zukunft aktuell werden könnte. Darüber hinaus lernt man ja im Geburtsvorbereitungskurs, beim Babyschwimmen oder auf dem Spielplatz schnell andere Eltern kennen und schließt neue Freundschaften. So hatten wir es von anderen gehört, und da wir ja nicht zu den unkommunikativsten Menschen auf diesem Planeten gehören, dürfte uns das nicht schwer fallen. So die Theorie.

Und dann kam Maple, unser größtes Glück. Aber sie schrie und schrie und schrie. Das gesamte Leben richtete sich nur noch darauf aus, ihr zu helfen und irgendwie den Tag zu überleben, ohne entweder sie zu schütteln oder einfach wegzulaufen. Freunde treffen? Wie denn? Neue Freundschaften schließen? Absolut absurder Gedanke.

Dazu kam, dass wir uns so unverstanden fühlten. Unter den Freunden war niemand, der Ähnliches erlebt hatte. Beim Geburtsvorbereitungskurs hatten wir ein nettes Pärchen kennengelernt, das wirklich auf unserer Wellenlänge war. Aber sie hatten ein von Anfang an unkompliziertes Baby, versuchten uns zwar zu helfen, aber vermuteten am Ende doch, dass wir Teil des Problems seien. Und die eigene Familie war nur teilweise hilfreich, wusste entweder nicht, was sie tun sollte, oder war sogar beleidigt, weil sie hinten an stehen musste.

In der schlimmsten Zeit waren wir so, so einsam. Wenn Mo und ich in dieser Zeit nicht als Team funktioniert hätten, hätten wir niemanden auf der Welt mehr gehabt. Aber wir hatten zumindest uns. Das hat uns gerettet.

Und es gab Freundschaften, die diese Zeit überlebt haben. Unsere Trauzeugen zum Beispiel waren natürlich nicht in der gleichen Situation und konnten nicht wirklich nachvollziehen, warum es uns so dreckig ging. Aber sie haben zugehört, wenn wir sie brauchten, und sie haben die Situation so angenommen, wie sie war. Sie waren nicht sauer, wenn wir uns wochenlang nicht gemeldet haben. Sie haben keine Ansprüche gestellt. Dafür sind wir ihnen immer noch dankbar.

 

Wie wir doch noch neue Freunde gefunden haben

Zu manchen Zeiten war der einzige Kontakt, den wir zur Außenwelt hatten, das Internet. Und der Begriff „Social Media“ hat für uns tatsächlich eine Bedeutung gewonnen. Mo ist auf den Herzmutter-Blog gestoßen, und da traf sie auf andere Mütter, die ebenfalls extrem schwierige Zeiten durchmachten. Endlich Verständnis, endlich Menschen, die nicht in einer völlig anderen Welt lebten. Aus dem Kontakt mit Frida ist dann eine richtige Freundschaft entstanden, ja sogar dieser gemeinsame Blog, ausgeheckt, während das eine Kind das Café zusammenschrie und das andere so gut es eben ging vom Papa bespaßt wurde.

Auch die Krankheit unserer Tochter hat eine wunderbare Freundschaft hervorgebracht, entstanden aus medizinischen Hinweisen auf dem Herzmutter-Blog. Und schließlich ist Twitter nicht nur absolut notwendige Seelenhygiene für uns, sondern wiederum Ausgangspunkt einer Freundschaft geworden.

Für Mo und mich schließt sich so auch ein bisschen der Kreis. Schließlich haben wir uns auch über das Internet kennen gelernt. Und das hat vor neun Jahren einer anderen Art von Einsamkeit ein wunderschönes Ende gesetzt.

 
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