Wenn auch das zweite Baby ein High Need Kind wird

Babys das sind diese kleinen, zuckersüßen, knuddeligen Menschen die nichts anderes tun ausser schlafen, essen und niedlich sein. Richtig? Voller Zuversicht, Illusionen und einer großen Portion Liebe stürzten wir uns in unsere zweite Schwangerschaft. Geplant und doch ungeplant erschien an einem Septembertag eine hauchdünne Linie auf dem Schwangerschaftstest. Die Freude war endlos, die Illusionen nicht zu übersteigern. Das wird schon alles. Und natürlich wird es easy, also auf alle Fälle leichter als bei unserem ersten Kind, unserem 24 Stunden Baby, welches die ersten 13 Monate an mir klebte als sei es eines meiner Körperteile.

 

Bildrechte: Mama Ami

 

High Need Kinder

Diesmal nicht, diesmal bekommen wir auch ein Baby welches ganz entspannt ist und nicht so "high need". Dessen waren wir uns ganz sicher. Zweimal "solch ein Pech" konnte man ja nicht haben, dachten wir jedenfalls, heute sage ich ganz fest überzeugt da spielen vor allem Gene eine Rolle, warum sollte das Zweite denn soviel anders werden als das Erste? Es hat die gleichen Eltern, die selbe Erziehung. Und dann kam unser Baby Tataaa. Wie ein Blitzschlag zog sich ihr erster Schrei durch meinen Körper. Sie war perfekt, klein und leider viel zu früh aber so perfekt. In meinem Kopf nach wie vor das Bild verankert vom Baby das ruhig in seiner Wippe liegt, sich mal alleine amüsiert und keinen 24 Stunden Körperkontakt braucht.

Ich hätte es, alleine wegen der Ausgangslage, besser wissen sollen. Aber man wird ja noch träumen dürfen. Ich genieße jede Sekunde mit meinem Baby, nicht falsch verstehen aber auch eine Mama braucht mal Pause. Mein Baby schläft weder ohne mich ein, also trage ich es tagtäglich in der Trage mit mir herum. Ablegen ist nur bedingt machbar, fünf bis zehn Minuten maximal klappt das mal. Ablegen zum schlafen davon wollen wir gar nicht erst anfangen. Nachts liegt dieses unendlich süße kleine Wesen so dicht bei mir das ich sie fast einatme. Ich würde lügen wenn ich behaupte diese Nähe nerve mich, aber manchmal ist es mir zuviel und das kann ich guten Gewissens zugeben. Nichtmal einen Kaffee trinken zu können oder Zähne putzen ohne Baby auf dem Arm ist schon hart. Doch innerlich habe ich mich damit arrangiert - bis zum letzten Besuch im Schwimmbad. 

 

Der Mythos bestätigte sich 

Erst kürzlich twitterte ich noch voller Überzeugung das es ein Mythos sei, der Mythos vom Baby welches auch ohne Mama happy ist und nicht weint wenn Mama nicht ständig verfügbar ist, welches sich selbst beschäftigt und on top auch alleine einschlafen kann. Dies alles zerschlug sich mit einem lauten Knall an einem Mittag im Freibad und seitdem frage ich mich wieso meine Kinder so sind. Dinge wie das dies uralte Instinkte sind, meine Kinder in der Steinzeit sicher von keiner hungrigen Hyäne gefressen worden wären weil sie instinktsicher bei Mama waren, tröstet mich so gar nicht mehr.

 

Situation 1:

Auf der Decke nebenan liegt ein kleines sehr süßes Babymädchen welches seit Ewigkeit zufrieden auf dieser Decke liegt, seine nackigen Füße ablutscht und mit seiner bunten Rassel klappert während seine Mama mit dem grossen Bruder in Sichtweite im Babybecken planscht. Ich schuckel währenddessen mein weinendes Baby herum das nicht auf der Decke liegen will. Wir haben 30 Grad und meine Große planscht ohne mich mit ihrem Papa.

 

Situation 2:

Man hört ein kurzes empörtes "wuähhhh", eine Mama legt ihr Baby in den Wagen mit Maxi Cosi Aufsatz, innerlich denke ich mir noch "haha der schläft doch da jetzt niemals ein". Falsch gedacht das kleine Baby wird um vier Bäume herumgefahren, und zack sinken die kleinen Ärmchen schon runter, das weinen verstummt und ohne auf die Uhr gesehen zu haben *hust* schlief dieses Baby für fast zwei Stunden tief und fest, während seine Mama sich sonnte, einen Kaffee trank, ein Eis aß und mit den 2 größeren Geschwistern Mau Mau spielte. Ich habe währenddessen mein Baby in die Trage gepackt, wir haben immer noch 30 Grad, das Wasser glänzt in der Sonne, ich schwitze und würde so gerne schwimmen gehen. Ich laufe auf und ab und auf und ab, irgendwann schläft mein Baby klebend an mir ein. Ja so stellt man sich doch einen Schwimmbadbesuch vor.

 

Situation 3:

Auf der anderen Seite des Babybeckens liegt ein weiteres Baby. Es ist müde, reibt sich die Augen und knottert. Die Mama des Babys legt das Baby auf die Seite, steckt ihm einen Schnuller in den Mund, streichelt es ein wenig und zack das Baby schläft. Man mal ehrlich was wollte mir das Universum mit all diesen pflegeleichten Babys an einem Tag sagen? Das war zuviel, zuviel für einen Mittag. Ich spaziere währenddessen übriges schwitzend ums Babybecken rum, alle die jetzt denken es läge vielleicht an der Situation das mein Baby an diesem Mittag nicht ohne mich schlafen konnte, nein das ist immer so und es ist nicht so das wir es nicht anders versucht haben. Ich sollte eigentlich drüber stehen, haben wir doch genau das Gleiche schon hinter uns, und doch frage ich mich ob ich es bin die was falsch macht. 

 

Babys brauchen Nähe aber wieso brauchen meine so viel davon? 

Jetzt ist es Abend ich liege im Bett und neben mir mein Baby auf der anderen Seite meine 2, 5 jährige, ich spüre die Atemluft der beiden, rieche den Milchgeruch meiner kleinen und den Duft aus Erdbeershampoo und Keks meiner Großen - ich will keinen Moment Nähe missen, und doch ist es so das man auch von der schönsten Sache der Welt manchmal zuviel bekommen kann. 

 

Mehr von Ami findet ihr auf ihrem Blog, Instagram oder Twitter.

 

Warum wir kein stinknormaler Familienblog sind
Führt eine (zu) liebevolle Erziehung zu Arschlochk...

Ähnliche Beiträge

 

Copyright © 2015-2017 2KINDCHAOS - ELTERN BLOGAZIN Alle Rechte vorbehalten.
Powered by Hilkert Consulting