24 Stunden Kitas - familienfeindlich oder notwendig?

Momentan geht es wieder durch die Medien: 24 Stunden KiTas seien notwendig und unsere Familienministerin Frau Schwesig möchte gern noch mehr in den Ausbau investieren. Wie soll das überhaupt noch pädagogisch für unsere Kinder zu verantworten sein und wie familienfreundlichfeindlich ist dieser Trend überhaupt?

 

 

Ist es pädagogisch zu verantworten, Kinder im Schichtdienst zu verwahren?

Ich habe lange überlegt, ob ich mich überhaupt trauen soll, etwas zu dem Thema zu schreiben - denn irgendwer wird sich garantiert  angegriffen und oder sich genötigt fühlen, mich eines Besseren zu belehren. Gleich mal vorweg: meine Meinung ist natürlich völlig subjektiv und abgesehen davon denke ich auch nicht, dass es "die eine Wahrheit" geben kann, schon gar nicht wenn es um Kinder geht, denn jede Familie hat ihre eigene Realität und Bedürfnisse, die es zu bedenken gilt. 

Dennoch ist es ziemlich krass und meiner Meinung nach kaum zu verantworten, 24 Stunden KiTas aus dem Boden zu stampfen. Wie ich in der Überschrift schon andeutete: es kann nach den aktuellen Maßstäben nur eine Verwahrung sein! Das Personal ist knapp, schon in den meisten regulären KiTas geht es oft um das Überleben der ErzieherInnen: mit Unterbesetzung und Krankheit ist oft einE ErzieherIn alleine mit 25 Kindern. Nachdem es allen Eltern gesetzlich zugesichert wurde, für jedes Kind ab dem 1. Lebensjahr einen Platz zu schaffen (oder die Herdprämie auszuzahlen) wurden zwar die Einrichtungen aus dem Boden gestampft, aber das Personal fehlt nach wie vor. Wie genau die Lücke gefüllt werden soll ist sowieso unklar; mit Grauen denke ich da an Vorschläge in Sachen Ein-Euro-Jobber und ähnliches. 

 

So schlimm ist es doch nicht... oder?

Ich habe auch jahrelang im Schichtdienst gearbeitet - was nicht heißt, dass ich den toll finde. Aber es soll ja Menschen geben, die gerne so arbeiten, oder zumindest die Vorteile sehen oder einfach nicht anders können. Dann stimmt dann das Totschlagargument: Job schmeißen oder 24 Stunden - Option in der Fremdbetreuung. Natürlich ist das nicht automatisch ein Trauma, und wenn der Idealfall in der KiTa eintritt, wäre es vielleicht fast so wie bei Oma: immer dasselbe, bindungsorientiert geschulte Personal, wenig Kinder, heimelige Atmosphäre. Wenn solch eine Grundlage geschaffen werden könnte, wäre es ja eine ganz nette Sache, für eben die Leute, die so unglaublich gern im Schichtdienst arbeiten, dass sie ihren Job weder schmeißen noch wechseln möchten, keine passende Oma parat haben und die es ok finden, wenn die Kinder keinen geregelten Alltag haben.

Aber.

Und davon gibt es einfach zu viel, wie ich finde. Zu viele Aber's und Wenn's. Wer hat eigentlich die Kinder gefragt, wie es ihnen dabei geht? Finden die das per se gut, in der KiTa zu schlafen? Ich denke da an mögliche 7 - 10 Tage Nachtschicht am Stück in der Krankenpflege oder wie ich es kenne, 7 Nächte mindestens in der Heimerziehung im Monat. Ich kenne auch 24 Stunden Dienste, die darf man mindestens zwei Mal im Monat im Heim absolvieren - wenn Kollegen spontan krank werden auch mal länger am Stück oder öfters. Um die Feiertage wechseln sich die Kollegen mit 24 Stunden Diensten ab. Wäre ich also alleinerziehend ohne Familie, müssten meine Kinder diese Ochsentour mitmachen, wenn ich weiterhin im Heim arbeiten würde. Und ja es gibt Leute, die gern so arbeiten, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sie das gern mit ihren Kindern in der KiTa geparkt machen möchten.

 

Warum müssen sich Kinder dem Arbeitsmarkt anpassen?

Klar ist, dass allein das Angebot einer 24 Stunden KiTa dazu führt, dass Eltern massiv unter Druck geraten werden. Keine "Extrawurst" mehr bekommen, denn sie können ihre Kinder ja locker in die KiTa stecken, rund um die Uhr, spontan sowieso und gern auch mal Überstunden machen, die Erzieher bleiben ja sowieso da. Und das soll besonders familienfreundlich sein?

Kinder sind arbeitsmarktfeindlich - Kollegen regen sich darüber auf, wenn "die Mutti" um Punkt Dienstschluss den Stift fallenlässt oder wegen den Kindern "krank macht" oder sich bei der Urlaubsplanung "die besten Stücke rauspickt". Klar, ist nicht so cool für das Team, aber sollte man nicht zum Wohle der Kinder auch ein paar Abstriche machen können? Wenn schon nicht aus Menschenliebe, dann in dem Wissen, dass Kinder den höchsten Wert für unsere Gesellschaft haben sollten und jedermanns Zukunft sichern, nicht nur rentenmäßig gesehen?

Gehen wir doch ein paar Jahre in die Zukunft und stellen uns vor, es gäbe genügend 24 Stunden KiTas, um alle Schichtdienstkinder abzudecken. Nehmen wir an, die Arbeitsmarktlage hat sich weiter verschärft und man muss sich noch mehr Sorgen um seinen Job machen, den man natürlich nicht riskieren möchte. Frauen müssen, nein, wollen sich emanzipieren und keinerlei Abstriche für die Familie mehr machen. Kinder werden somit vom Staat betreut und erzogen, was ja sowieso besser ist, denn Eltern kriegen das mit der Frühförderung sowieso nicht anständig hin.

Wie wird es dann mit unserer armseligen deutschen Geburtenrate dann weitergehen, frage ich euch? Und was sagt das über uns als Gesellschaft aus?

 

 

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