5 Gründe, warum die Flüchtlinge uns nicht überlasten #bloggerfuerfluechtlinge

Ich habe gerade mal wieder in den Computer gebissen, weil ich immer noch so doof bin, Kommentare auf Zeitungsartikel online zu lesen. Ich weiß ja, dass sich da viele Volltrottel tummeln, aber der Inhalt bringt mich dann doch immer wieder zum innerlichen Ausrasten. Was also war passiert: Da gab es wieder einen Artikel über die aktuellen Flüchtlingszahlen, und jemand schrieb (auch mal wieder): Ich habe ja nichts gegen Ausländer, aber werden das nicht langsam ein bisschen viele? Hier fünf Gründe, warum das Schwachsinn ist.

 

 

1. Weil es gar nicht so viele sind

Ja, es kommen mehr Flüchtlinge zu uns als in den vergangenen Jahren. 180.000 Asylanträge wurden im 1. Halbjahr 2015 in Deutschland gestellt. Das ist europaweit die höchste Zahl. Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass wir auch das Land mit der größten Einwohnerzahl in der EU sind. Pro Einwohner sieht die Zahl nämlich schon ganz anders aus: Da liegen Schweden, Ungarn, Österreich, Malta und Dänemark vor uns, die Schweiz und Norwegen auch. Und ganz anders sieht es aus, wenn wir die Sache mal weltweit betrachten. Türkei: 1,6 Millionen Flüchtlinge aufgenommen. Pakistan 1,5 Millionen. Libanon: 1,15 Millionen. Wer da noch von der Flüchtlingsflut spricht, soll einmal den Alltag der Menschen im Libanon mitmachen – einem Land, dass sicherlich nicht unseren Lebensstandard hat. Und damit wären wir bei Punkt

 

2. Weil wir das mit links schaffen

Wir leben in einem der reichsten Länder der Welt. Und wir können es uns leisten, einigen Hunderttausenden Menschen eine neue Heimat zu geben. Was kostet uns das denn? 5 Milliarden Euro pro Jahr, je nach Rechnung etwas weniger oder etwas mehr. Zum Vergleich: Der Bund der Steuerzahler hat errechnet, dass Deutschland jedes Jahr 20 Milliarden Euro an unsinnigen Subventionen verschleudert. Da könnten also noch vier Mal so viele Flüchtlinge kommen. Wenn ich dann solche Überschriften lese wie „Bayern stöhnt unter der Last der Flüchtlingskosten“, könnte ich kotzen. Oder schon mal die Überschrift gelesen: „Bayern stöhnt unter der Last der Subventionskosten?“ Wir haben das Geld, die Menschen zu versorgen, scheinen es nur lieber für andere Zwecke ausgeben zu wollen.

Und noch eins: Wer von uns persönlich verliert denn etwas? Bekommen wir jetzt weniger Gehalt, weil die Flüchtlinge da sind? Sind die Lebensmittelpreise dadurch gestiegen? Ja, noch nicht einmal eine Steuererhöhung ist im Gespräch (obwohl ich gerne bereit wäre, sogar meinen persönlichen Beitrag zu leisten, um diesen Menschen zu helfen). Uns geht es nicht schlechter,  wenn Flüchtlinge ins Land kommen. Im Gegenteil: Sie machen uns reicher – auf lange Sicht sogar finanziell, womit wir bei Punkt 3 wären:

 

3. Weil wir Zuwanderung brauchen

Schon jetzt finden wir in vielen Branchen keine Arbeitskräfte und wissen, dass es durch die demografische Entwicklung noch deutlich schlimmer kommen wird. Selbst bei starker Zuwanderung prognostiziert das statistische Bundesamt noch einen Bevölkerungsrückgang von etwa zehn Prozent in den nächsten 50 Jahren. Schon jetzt suchen Wohlfahrtsverbände händeringend  Pflegekräfte. Und auch in anderen Dienstleistungsberufen sind viele Stellen frei. Wenn wir die den Flüchtlingen geben (und es gibt viele qualifizierte unter ihnen), geben wir nicht nur ihnen eine Perspektive, sondern sichern Deutschlands soziales und wirtschaftliches Überleben. Dies nur für die, die keine andere als eine ökonomische Argumentation verstehen.

 

4. Weil es Frieden schafft

Nehmen wir mal an, wir würde einfach gar keine Flüchtlinge mehr aufnehmen. Deutschland schottet sich ab. Was wäre dann die Konsequenz? Entweder Deutschland könnte nicht mehr zur EU gehören oder alle anderen europäischen Länder folgen dem Beispiel – die wahrscheinlichere Variante. Dann schottet sich also Europa ab, und an seinen Außengrenzen spielt sich eine humanitäre Katastrophe nach der anderen ab. Lange würde das nicht gut gehen. Irgendwann würde sich der Rest der Welt auflehnen, notfalls auch mit Gewalt. Wer also Frieden will und keinen 3. Weltkrieg, muss sich humanitär engagieren und das heißt nunmal auch, diejenigen zu versorgen, die vor Krieg, Gewalt und Hunger fliehen. Außerdem sind die Menschen, die hier eine neue Heimat finden, die wir willkommen heißen, die besten Botschafter für ein Miteinander der Nationen – klingt jetzt etwas pathetisch, ist aber so.

 

5. Weil es verdammt noch mal unsere menschliche Pflicht ist

Ich könnte das jetzt christlich begründen (für alle, die gegen die Islamisierung des Abendlandes sind) oder auch humanistisch: Es ist unsere moralische Pflicht, den Flüchtlingen zu helfen. Ich lasse jetzt alle alle historischen Begründungen weg (die auch schon ausreichen würden) und konzentriere mich nur auf die Gegenwart:  Wir müssen solidarisch sein, weil die Flüchtlinge Menschen sind. Nicht nur, weil wir auch mal zu Flüchtlingen werden könnten (das hatte Frida ja so schön beschrieben), sondern auch, weil wir als Menschen nicht zusehen können, wie andere Menschen vor die Hunde gehen. Gut, manchen Menschen scheint das ja nicht so viel auszumachen, dass Flüchtlinge – auch Familien mit kleinen Kindern - mitten in Deutschland auf der Straße schlafen müssen oder in Lagern leben, deren Standard noch nicht einmal den Mindestanforderungen der Weltgesundheitsorganisation für Krisengebiete entspricht. Aber wem das nichts ausmacht, dem spreche ich hiermit alle Menschlichkeit ab. Zum Glück gibt es tausende von anderen, die den Flüchtlingen Wasser und Essen bringen, die ihnen Deutsch beibringen oder beim Ausfüllen der Formulare helfen, die sich gegen Demonstrationen von rechten Vollpfosten stellen oder spenden, damit die Hilfsorganisationen mehr als nur eine Notversorgung aufrechterhalten können. Ihnen möchte ich an dieser Stelle danke sagen dafür, dass sie sich ihre Menschlichkeit bewahrt haben. Ich schäme mich nur für Deutschland, dass ich das so explizit betonen muss.

 

Eine Bemerkung noch zum Schluss: Manche Politiker versuchen gerade das perfide Spiel „Guter Asylbewerber, schlechter Asylbewerber“ zu spielen. Menschen aus Bürgerkriegsländern dürften selbstverständlich bleiben, „Wirtschaftsflüchtlinge“, zum Beispiel vom Balkan, müssten dagegen schnell abgeschoben werden. Dazu könnte man noch so viel schreiben, von der Verfolgung von Sinti und Roma in einigen Balkanstaaten bis hin zur grundsätzlichen Frage, ob es nicht genauso verständlich ist, vor Armut und Hunger zu fliehen wie vor Krieg und Verfolgung. Das, was mir aber am meisten Angst macht, ist, dass diese Politiker einer angeblichen „Stimme des Volkes“ versuchen nachzulaufen, die nichts anderes ist als mehr oder weniger gut getarnter Rassismus. Darum freue ich mich, dass dem etwas entgegengesetzt wird: #1000MalWillkommen.

Trio fatale: Baby, Kleinkind und Migräne
Und was, wenn es dich treffen würde? Mein Statemen...

Ähnliche Beiträge

 

Copyright © 2015-2017 2KINDCHAOS - ELTERN BLOGAZIN Alle Rechte vorbehalten.
Powered by Hilkert Consulting