"Ach sie bekommen noch ein Mädchen? Mein Beileid!"

Dass es in manchen Ländern so ist, dass das männliche Geschlecht bevorzugt (geboren) wird, ist mir ja durchaus klar gewesen. Aber dass es im ach so emanzipierten Deutschland auch der Fall ist, war mir bis vor Kurzem neu. Denn als ich das zweite Mädchen erwartete, durfte ich mir einiges anhören... Ich habe für euch meine Top 3 zusammengestellt in aufsteigender Reihenfolge!

 

"Ein Mädchen - für viele ein Grund die Eltern zu bemitleiden?!" - Bildrechte: 2KindChaos

 

Meine Top 3 Situationen, in denen mir wegen des zweiten Mädchens Beileid gewünscht wurde

1. Die weibliche ältere Verwandte (steht für mehrere Personen):

Nachdem das erste Kind kein Stammhalter war, hielt sie sich zumindest ein wenig zurück und freute sich auf ein "süßes Mädchen" und "rosa Strampler". Nach wiederholten Nachfragen zum Geschlecht gab sie sich bei meinem "Eindeutig ist es nicht, wahrscheinlich auch ein Mädchen" noch tapfer. Aber als es dann beim dritten Ultraschall klar war, drosch sie umfangreich und ein wenig zu bemüht die klassischen Phrasen "Ach..." eindeutig zu lange Pause "...eigentlich ist es ja auch egal was 'es' wird, Hauptsache gesund oder?" Jedoch nicht, ohne besorgt nachzufragen, ob der werdende Zweifachvater nun traurig sei, keinen Buben zum Spielen zu bekommen. (Nein, ist er nicht by the way! Und ich schon gar nicht!) Hey, ein Mann kann auch ein toller Mädchenpapa sein, oder nicht? Abgesehen davon dass sich das Geschlecht nun wirklich nicht auf Charakter, Temperament, Vorlieben oder Hobbys auswirken muss... 

 

2. Der exzentrische Alkoholiker im Kaufhaus: 

Zuerst war er fasziniert davon, dass der Papa unsere Tochter auf dem Arm herumtrug und sprach sich lobend aus. (Ja, ein echter Held, so ein Papa mit Kind unterwegs. Mir hat da noch keiner gratuliert, eher verächtlich gelächelt wenn ich sie tragen musste, aber ok, ich bin ja nicht neidisch oder so. Näääh!) Dann sah er mich, hochschwanger, und begann in meiner Wohlfühlzone von einem halben Meter herumzufuchteln, dass ich schon befürchtete, er wolle mir den Bauch tätscheln. Die Alkoholfahne wehte sanft zu mir herüber, als er mir aus nächster Nähe erklärte (nachdem er sich über Geschlecht und Altersabstand erkundigt hatte): "Ohje, zwei Mädchen. Wissen Sie, das Beste sind ja zwei Jungs und ein Mädchen." Auf des Papas Verweise, dass dies ja nun zu spät sei, reagierte er leider nicht und schwafelte umfangreich Unkapierbares, also kapitulierten wir und liessen ihn stehen. Seufz.

 

3. Die ältere Lady auf dem Spielplatz:

Offensichtlich bin ich absolut hochschwanger und sitze ächzend am Sandkastenrand, während meine Tochter mit ihrem Papa und einer Freundin auf dem Klettergerüst herumtobt. Nachdem mich die ältere Lady schon ausgiebig beglotzt hatte, sprach sie mich oder besser gesagt meinen Nacken an (boah ich hasse es wenn mich jemand von hinten anredet): "Was bekommen Sie denn?" Leider war ich nicht geistesgegenwärtig genug, um mir einen Soja Latte Macchiato zu bestellen und antwortete wahrheitsgemäß; ein Mädchen. Abfälliges Schnaufen. "Und welches ist ihr Kind? Auch ein Mädchen?" Ich verwies mittlerweile leicht genervt auf das engelsgleiche Wesen im Badeanzug über den Alltagsklamotten. "Ach naja", antwortete sie, "Ist ja heutzutage nicht mehr so schlimm. Gerade in Deutschland. Zwei Mädchen. Jaja. Hauptsache gesund, darauf kommt es an."

 
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